San Francisco Odysee [01.04.2006]

Ursprünglich hatte ich gestern ja nur ein wenig aus dem Appartment raus gewollt, letztenendes ist dann doch wieder mehr daraus geworden. Bin gestern leider dann auch nicht mehr dazu gekommen einen Post zu schreiben, ich habe schon recht lange Zeit gebraucht die Fotos zu sichten, den Weg zu rekonstruieren und die Karte zu erstellen:

Bei einingen Straßen zwischen China Town und Columbus Ave bin ich mir nicht ganz sicher, beim Rest aber schon, da ich später dazu übergegangen bin, die Schilder an Straßenkreuzungen in niedriger Auflösung abzulichten – aber keine langen Vorreden, ich erzähl einmal eins nach dem anderen.

Falun Gong Demonstration
Bereits in der Market Street fiel mir ein Auto auf, daß mit einem Transparent “Falun Dafa is good” geschmückt war, aber ich dachte mir erst einmal nichts dabei –

bis ich dann die Drumm Street entlang ging und plötzlich Musik aus einer Seitenstraße ertönte – im ersten Moment klang es nach einem Faschingsumzug, doch nach und nach erschloß sich mir, daß es sich um eine Demonstration handelt, die gerade startete. Anhänger der Falun Gong bzw. Falun Dafa Bewegung protestierten gegen die Behandlung ihrer Anhänger in der Volksrepublik China, wo man solche Anhänger angeblich in Konzentrationslager steckt. Kann und will ich nicht bewerten – dazu habe ich mich zu wenig mit dieser Materie beschäftigt – aber in Deutschland, so nahm ich an, würde diese Bewegung aufgrund ihres Emblems es wohl schwer haben Fuß zu fassen Dann stellte ich fest daß es ja eine Deutsche Webseite gibt und Falun Gong auch dort aktiv ist – seltsam daß unsere Regierung noch nicht dagegen vorgegangen ist wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole – die sind doch sonst so schnell mit unangemessenen und sinnlosen Aktionen. 😉

Falun Gong Band
Falun Gong Falun Gong
Falun Gong Protest Falun Gong Protest

Kirschblüte
Auf dem Weg zwischen dem Appartment und der Drumm Street hatte ich gerade auf dem iPod Kilians Podkost mit dem Thema Kirschblüte in Japan gehört – und was mußte ich im Justin Herman Plaza Park sehen: Blühende Kirschbäume. Ist zwar etwas offtopic, aber der Anblick war wirklich faszinierend.

Cherry blossom - Kirschblüte Kirschblüte - Cherry blossom

Broadway und Begegnung
Die meisten Europäer verbinden mit dem Begriff Broadway wohl jene Straße in New York, aber auch San Francisco verfügt über eine solche Straße. Nach einem kurzen Stück am Embacadero entlang entschloß ich mich diesem zu folgen.

Broadway Showgirls

Wie in New York befinden sich auch am hiesigen Broadway einige Theater und Bühnen, jedoch erschien mir alles etwas heruntergekommen und bei weitem nicht so glanzvoll wie ich es von Bildern von aus New York gewöhnt bin. In Höhe der Montgomery Street sprach mich eine junge Frau an – schmales Gesicht, sehr stark geschminkt und schlechte Zähne und erzählte mir die übliche Leier daß sie in letzter Zeit etwas Pech gehabt hätte, ein gutes Mädchen sei und daß sie vor Hunger fast sterben würde (starving). Leider ließ sie sich wie sonst üblich einfach abschütteln, daher gab ich ihr schließlich einen Dollar und wurde sie schließlich los. Manchmal schon erschreckend wie groß die sozialen Unterschiede hier sind – aber wenn es so weitergeht wie bisher werden wir in Mitteleuropa wohl bald ähnliche Zustände haben. Ich folgte dem Broadway bis auf die Höhe der Mason Street, wo er in einen Tunnel übergeht und ging dann wieder ein Stück des Weges zurück.

Big Al's Jazz

Extreme Chinatowning
Vom Broadway ab kam ich in China Town. Mein erster Weg führte mich eine Straße entlang, die von eher wenig Touristen besucht war – was bedeutete daß ich ständig über die Köpfe der Menschen hinweg sehen konnte und so einen guten Überblick behielt. 😉 Das ist nicht abwertend gemeint, aber Menschen asiatischer Herkunft sind nun einmal etwas kleiner. Unmengen von Geschäfte mit asiatischen Waren und Dienstleistungen säumten die Straße – und die Gerüche nach Fisch, Gewürzen und Undefinierbaren wechselten sich ab – einen Moment konnte man sich diese Gegend auch gut irgendwo in der chinesischen Provinz vorstellen, wären dort nicht die Nummernschilder aus Kalifornien und die US-Flaggen überall gewesen. Ich erntete auch einige misstrauische Blicke seitens der hier einkaufenden und arbeitenden Leute, aber unbeirrt setzte ich meinen Weg fort.

Waverly China Town
You's Dim Sum Spofford

Ganz sicher bin ich mir in ChinaTown bei der Wegrekonstruktion nicht gewesen, aber der Leser möchte dies mir nachsehen.
Irgendwann geriet ich dann auf die Grant Street, in den mehr touristisch geprägten Teil von ChinaTown. Die Lebensmittelgeschäfte und Gemüseläden wurden hier durch eine größere Anzahl von Andenkenläden und Restaurants ersetzt – außerdem sah man nun wieder mehr Europäer und einige Asiaten in (teilweise albern aussehender) China-Tracht verteilten Handzettel mit Hinweisen auf irgend welche Restaurants und Veranstaltungen. Bei dem Warenangebot der Geschäfte mußte ich mich teilweise wirklich fragen wer so einen Nippes kauft, aber es scheint ja genug Touristen zu geben, die sich so etwas in die Wohnung stellen. Na ja, wems gefällt.

Nippes Noodle House
Gifts & Herbs United Commercial Bank

Besonder erwähnen möchte ich hier noch einen älteren Herren asiatischer Herkunft, der an der Ecke Grant St / Washington St lautstark Bush und Blair als Terroristen bezeichnete und die Verbrechen anprangerte, die von den USA während ihres Rachefeldzuges nach den 9/11 Anschlägen begangen wurden. Sehr passend hatte er sich dazu vor einer mit einer US-Flagge bemalten Wand mit dem Untertitel “God bless Amerika” platziert und stand auf einer kleinen Leiter, die ihn etwas über die Köpfe der Passanten erhob. Von dort oben schwenkte er sein Schild und sprach laut zu den Leuten. Meinungsfreiheit wird halt hier groß geschrieben – leider schien es niemanden wirklich zu interessieren.

Go (b)less Amerika Bush + Blair = Terrorist

Wonderful views
Von China Town aus gelangte ich wieder nach Little Italy (der Übergang ist hier fließend – siehe Bild oben links) und an den Washington Square unterhalb des Coit Towers.

DSC05734.JPG Columbus

Dort schlug ich den Weg in Richtung Russian Hills ein und erreichte schließlich die Hügelspitze auf der Taylor Street, dort wo sie (virtuell – denn die Kreuzung findet nur in einer gedachten Luftlinie statt) die Vallejo Street kreuzt. In einem kleinen Park dort bieten sich dem geneigten Touristen wunderbare Blicke in Richtung Financial District, Bay Bridge und North Beach. Kann ich nur empfehlen.

Taylor Hill Bay Bridge / Transamerica Pyramid
Bay Bridge North Beach

Ein Stück stieg ich nun die Taylor Street hinunter – wobei ich in der Ferne die Insel mit Alcatraz im Blick hatte.

Alcatraz Alcatraz from Taylor Street

Auf nach Pacific Heights
Dann bog ich dann in die Union Street ab und stieg wieder hinauf um in Richtung des Russian Hill zu gelangen – eine ebenfalls wunderbare Aussicht von dort oben.

Union Street Hill

Über die Hyde Street, auf der eine der vielen Cable Car Linien verläuft erreichte ich unter anderem auch einen Teil der Filbert Street mit sehr schönen Blick in Richtung des Coil Towers.

Filbert Street Tourists Filbert Street - Coil Tower View

Von dort aus folgte ich der Filbert Street bis zur Greenwich Street einen Block weiter und bog dann links in Richtung Marina / Pacific Heights ab – hier wird die Greenwich Street durch einen kleinen Park unterbrochen, aber als Fußgänger kann man den darunter liegenden Bereich zum Glück über eine seitliche Treppe erreichen.

Greenwich at Hyde Street Greenwich Street Interruption

Nach einigen Abbiegungen erreichte ich schließlich die Lombard Street, die ziemlich steil herunter in Richtung Pacific Heights führte. Die Autos, die an dieser Straße anfuhren hatten sichtlich Probleme und quietschende Reifen begleiteten meinen Abstieg ständig.

Lombard Street Lombard Street & Van Ness

Der Lombard Street folgte ich bis zur Gough Street, bog dort ab und erreichte die Einfahrt zu Fort Mason an der Bay Street. Im Mason Park fand irgend ein Konzert statt, aber ich ließ es links liegen und folgte der Bay Street weiter.

Fort Mason Entry Fort Mason - Concert

Am Ende der Bay Street stieg ich nun die Fillmore Street hinaus, Pacific Heights durchlaufend. Von der höchsten Stelle der Fillmore Street boten sich wieder einige schöne Blicke auf die Bay.

Frachter Fillmore Street

Alta Plaza Park
Hier oben muß ich zugeben kam mir das erste mal der Gedanke mich etwas verlaufen zu haben
Aber ich ging wacker weiter und bog in die Washington Street ab und erreichte (ungeplant) den Alta Plaza Park an der Steiner Street. Diesen durchlief ich, vorbei an einem Tennisplatz. Und mir boten sich wieder einige schöne Motive in Richtung Presidio und den Süden der Stadt.

Antennenmast - Presidio Pacific Heights View
Alta Plaza Park

Nun ging ich die Pierce Street hinab und erreichte an der St. Dominik Church – einem Betonbau im gothischen Stil – vorbei die California Street, die Post Street und schließlich den Geary Expdway. Von Pierce und California Street aus konnte ich auch einige Blicke auf die Kuppel der Grace Cathedral erlangen.

Grace Cathedral - Perine Street California Street
St. Dominic Church St. Dominic Church Parking only

JapanTown
Hier unten fühlte ich mich erstmal vollkommen verloren. Ich irrte etwas umher, ging an einem sehr schönen Wandgemälde vorbei und gelanget schließlich nach JapanTown – einem ebenfalls sehr sehenswerten Teil der Stadt, das mich teilweise nach Japan versetzt fühlte. Vor allem den Platz auf dem Bild unten rechts fand ich sehr stilecht.

mural Painting Restaurants
JapTower Looks a bit like Japan

Van Ness Ave
Am modernen Bau der St. Marys Cathedral vorbei (von der ich leider kein scharfes Photo habe und es daher weglasse) und durch Gegenden, wo ich bereits bei mir dachte: “Oh mein Gott, wo bist ich denn jetzt hingeraten?” erreichte ich schließlich die Van Ness Ave und folgte ihr in Richtung Süden, vorbei am Opera House, der City Hall (Rathaus) und der Symphony Hall.

San Francisco Opera House San Francisco City Hall Entrance
San Francisco Symphony Hall Van Ness Ave Building

Market Street und weitere Begegnung
Als ich schließlich “Market Street” las fiel mir ein Stein von der Größe eines mittleren Felsbrockens vom Herzen. Ich folgte der Market Street bis zur Main Street – zuerst durch den wohlgemerkt unschönen Teil dieser Straße – und ging dann dieser folgend zurück in Richtung Appartment. Erwähnen möchte ich noch einen Musiker osteuropäischer Herkunft, der mich auf der Market Street auf Höhe der Montgomery Street ansprach und mir eine CD mit selbstgemachter Musik übergab. Er erzählte daß er sie mit Freunden in Heidelberg in Deutschland aufgenommen habe und er mich bitte ihm Feedback dazu über seine Seite www.matchlessgift.com zu senden. Wir unterhielten uns etwas und er erschien mir keiner dieser Abzocker zu sein. Er verlangte nicht direkt Geld, meinte aber er würde sich über einen kleinen Unkostenbeitrag freuen. Ich gab ihm ein paar Dollar und nahm die CD. Außerdem lud er mich zu einem seiner Konzerte in Berkley ein – mal schauen ob ich das wahrnehmen kann. Auf der Cd sind ein paar MP3 Dateien – betrogen hat er mich also nicht. Ich werde wenn ich reingehört habe noch einmal separat hier darüber berichten.

Kirchtürme Market Street Cinema

Fast 8 Stunden hat mich dieser Fußmarsch gekostet – aber gelohnt hat er sich allemal. Ich duschte mich nun erst einmal und begann die Fotos zu übertragen und zu sichten. Von den vier vollen Memorysticks habe ich einige Fotos ausgewählt und in einem Set bei Flickr dem Interessierten zur Verfügung gestellt. Den Bericht habe ich erst heute schreiben können, war gestern dann doch zu Müde.
Auch wenn diese Aktion etwas einer Odysee gleich kam würde ich sie jeder Zeit wieder machen – zu Fuß lässt sich eine Stadt wie San Francisco einfach am besten erkunden.

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One Response to “San Francisco Odysee [01.04.2006]”

  1. […] bei meinem dreimonatigen Aufenthalt in San Francisco begründet (man siehe dazu hier, hier, hier, hier, hier oder hier) und ich möchte diese alte Tradition nicht sterben lassen. Ich startete […]

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