Friseur, Ziellosigkeit und Financial District [08.04.2006]

Nachdem ich den Vormittag mit unliebsamen Hausarbeiten (Wäsche waschen, bügeln, aufräumen, abwaschen usw.) zugebracht hatte, machte ich mich etwa 13.30 Uhr Ortszeit auf dem Weg, auch die haarige Unordnung auf meinem Kopf richten zu lassen: Ich ging zu einem der hiesigen Friseure. Hierbei richtete ich mich nach der Empfehlung eines meiner hiesigen Kollegen, der mir ein Geschäft an der King Street nahe dem SBC / AT&T Ball Park und dem Safeway-Supermarkt.

Die Asiatin die mich dort bediente, etwa anfang bis mitte Vierzig, war leider etwas wortkarg – einen Smalltalk konnte ich nicht mit ihr in Gang bringen. Des weiteren fiel mir auf das die Option “Waschen und Schneiden” gar nicht zur Diskussion stand. Die Haare wurden mit einem Wassersprüher angefeuchtet und geschnitten. Ich möchte diesen Part auch nicht weiter in die Länge dehnen, der Gang dorthin war halt mal wieder notwendig, da ich in Deutschland nicht mehr dazu gekommen war.

Ziellosigkeit
Obwohl die Vorhersage Regen angekündigt hatte, war es als ich von South Market zurück in Richtung Bay Bridge ging richtig schön. Die Sonne schien und es war angenehm, obwohl ein kräftiger Wind über die Bay blies. Daher ging ich nicht zurück ins Appartment, sondern ging weiter den Embacadero entlang, passierte das Ferry Building und die verschiedenen anderen Gebäude am Pier bis ich an Fishermans Wharf angelangte, der vor den Gebäuden des Pier 39 wie wahrscheinlich jedes Wochenende von Touristen überquoll. Ich verwarf die Idee vielleicht mal nach Alctaraz rüber zu fahren schnell wieder. Da hätte ich Stundenlang in der Schlange stehen müssen – Nein Danke, dann halt ein ander mal! Anstatt mich jedoch nun durch die Menschenmassen zu kämpfen umging ich diese über einen schmalen Pfad hinter den Piergebäuden, direkt am Wasser entlang und kam so schließlich auf der anderen Seite wieder hinaus, um dort in die Stockton Street einzubiegen. Anschließend bog ich rechts in die Bay Street und folgte dieser bis zum Haltepunkt der Powell-Mason-Cable-Car Line an der Ecke Taylor zur Bay Street. Dort war zwar nicht so viel los wie auf dem Haltepunkt an der Powell Street – Ecke Market Street auf der anderen Seite, jedoch führte gerade ein Jonglierartist seine Kunststücke vor, wodurch sich natürlich eine gewisse Gruppe Touristen dort aufhielt und ihn mehr oder weniger interessiert beobachteten.

Jongleur - Bay St / Taylor St Taylor Street

Natürlich hätte ich der Bay Street weiter folgen können, aber dort oben war ich ja erst das Wochenende zuvor gewesen – da fiel mir ein daß ich bei der damaligen Tour nach Pacific Heights ja diesen “Curlyst Road” Part der Lombard Street vergessen hatte mir anzusehen. Also folgte ich der Taylor Street bis zu der Stelle, an der sie die Columbus Ave kreuzt und stieg dann über die (wirklich extrem steile) Chestnut Street bis zur Hyde Street – eine Straße weiter war diese gewundene Straße – und ich muß sagen daß ich enttäuscht war. Ist zwar ein einer Stadt die fast nur aus riesigen gerade Strecken besteht schon einmal etwas anderes und wirklich eine nette Attraktion, wewegen auch Massen von Touristen sowohl oben als unten und auch auf den Seitenwegen rechts und links tummelten, jedoch wurde ich den Eindruck nicht los daß es sich hierbei um ein künstlich für die Toursiten geschaffenes Gebilde handelt. Schön anzusehen, also ein paar Fotos gemacht und weiter gings.

Lombard - Curly Road Curly Part of Lombard St 1
Touristen an der Curly Road / Lombard

Ich folgte der Hyde Street bis zur Union Street und ging, ziellos und überlegend wo ich noch hingehen könnte die Union Street hinunter. Immer wieder ging mir der Gedanke “Kennst du doch schon.” durch den Kopf und leichte Verzweifelung auf der Suche nach bisher ungesehenen ging durch meinen Kopf. Plötzlich sah ich die US-Flagge auf der Spitze eines Gebäudes über einer Straße und entschloss mich kurz entschlossen dieser zu folgen.

US Flag

Den oberen Bereich dieser Straße kannte ich wirklich noch nicht und ich folgte ihr einige Zeit. Leider habe ich vergessen zu schauen welche es war, es muß jedoch irgendwo auf dem Russian Hill gewesen sein. Ein späterer Blick auf die Karte führte mich zu dem Schluß daß es wohl die Taylor Street gewesen sein muß.

Taylor Street - Russian Hill Russian Hill Market
Cable Car - Taylor Street

Broadway und Financial District
Über eine kleine Seitenstraße kam ich dort hinaus, wo der bereits erwähnte Broadway unterirdisch durch den sogenannten R.Levy Tunnel unter dem Russian Hill durchgeführt wird und folgte dem Broadway ein Stück hinunter bis ich dann in einen Teil mit vielen Adult Stores und Homeless People kam und daher seitlich in die Montgomery Street abbog, die mich direkt hinunter zur Transamerica Pyramid führte. Aber auch die Montgomery Street selbst bot einige nette Motive für ein Photo. Lustig war daß ein anderer einzelner Typ mir einige Zeit folgte und die selben Motive kurz nach mir aufnahm (siehe Beispiel Gold Street unten) – dies aber nur am Rande erwähnt.

Montgomery from Broadway Gold Street
The next Transamerica Pyramid

Die Transamerica Pyramid war auf jeden Fall ein recht imposantes Bauwerk, daß ich noch nie aus dieser Nähe gesehen habe. Die Architektur würde ich vom heutigen Standpunkt eher als hässlich – heute sagt man dazu wohl “Siebziger-Jahre-Architektur”. Ein Blick in den entsprechenden Eintrag bei Wikipedia bestätigte mir dies. Das Gebäude wurde 1968 bis 1972 errichtet und ist mit 260 Metern Höhe und 48 Stockwerken der Höchste der Wolkenkratzer hier. Wen es interessiert, dem sei gesagt daß der Architek William Pereira hieß und daß das Gebäude angeblich Erdbebensicher sein soll. Ich hoffe wirklich hier kein Erdbeben hier zu erleben – vor allem nachdem ich erfahren habe daß der Bereich in dem ich wohne, South Market auf einer Landfill, also einer Aufschüttung im Meer, errichtet wurde und der Untergrund daher auch nicht so extrem fest ist. Aber sich da drüber Gedanken zu machen wäre sinnlos, denn wenn es passiert, passiert es halt. Ändern kann man es so und so nicht. Also zurück zu dem Gebäude – hier ein paar Nahaufnahmen:

Transamerica Pyramid Transamerica Pyramid - Seitenflügel
Transamerica Pyramid - Ecke Transamerica Pyramid
Unter der Transamerica Pyramid Transamerica Pyramid - Bottom

Nach dem Besuch bei diesem Wahrzeichen des Financial District wanderte ich noch etwas innerhalb dieses Bezirkes umher. Obwohl ich schon so oft hier vorbei gekommen bin habe ich ihn mir noch nie so intensiv angesehen wie an diesem Tag – und ich muß sagen daß diese Wolkenkratzer etwas haben. Erhabenheit wäre wohl der falsche Ausdruck, aber es ist schon beeindruckend dort herum zu laufen. Diese Straßenschluchten sind ziemlich sehenswert – ich muß wohl auch irgendwann noch einmal nach New York glaube ich – Manhatten toppt das mit Sicherheit sogar noch

Financial District Financial District
Financial District Financial District
Financial District Financial District
Financial District Financial District
Financial District Financial District

Nach diesem Besuch machte ich mich dann auf den Rückweg ins Appartment – wie bereits erwähnt erwartete ich ja einen Kollegen, jemanden aus unserer Trainingsabteilung, der nach einem Einsatz in Los Angeles noch einige Tage hier in San Francisco zubringen wollte um noch ein wenig “Knowledge Transfer” nach hier zu vollziehen 😉
Mal schauen was wir so am Sonntag unternehmen werden.

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3 Responses to “Friseur, Ziellosigkeit und Financial District [08.04.2006]”

  1. wolf10215 says:

    Die Wolkenkratzer sind einfach überwältigend.
    Dagegen sind die paar Hochhäuser in Frankfurts Finanzcenter sicher nur “Nebengebäude”. Wohn man auch dort oder sind die am WE “fast” leer?

    Spar dir das Geld und laß dir einen Zopf wachsen! ;-))

  2. JaBBa says:

    Im Financial District sind nur Firmen – meist große Banken und Konzerne. Wohnen kann man in der Gegend bestimmt auch, wenn dann aber nur in den kleineren Gebäuden oder Hotels, aber nicht in den großen Wolkenkratzern. Aber es ist am Wochenende auch im Financial District recht leer…

    Das mit dem Zopf lass ich mal – hab ich mal probiert und steht mir net…. 😉

  3. […] meinem dreimonatigen Aufenthalt in San Francisco begründet (man siehe dazu hier, hier, hier, hier, hier oder hier) und ich möchte diese alte Tradition nicht sterben lassen. Ich startete am […]

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