Durch die Wüste [09.05.2006]

Nachdem ich gestern Abend noch zwei Maschinen Wäsche gewaschen und gebügelt hatte, holte ich mir heute früh den Mietwagen bei Triftys in der O’Farrell Street, fuhr kurz zum Appartment und das Gepäck zu holen und los gings. Leider gabs diesmal kein free upgrade – ich bekam einen Chrylser PT Cruiser – zwar ein nettes Auto (welches ich übrigens auch schon öfters mal in Deutschland gesehen habe). Größter Nachteil war: Er hatte keinen Tempomat – aber ich habe auch ohne Überlebt. 😉

Die Wegbeschreibung hatte ich mir von Google Maps geben lassen und hatte sie ausgedruckt.
Über die Bay Bridge verließ ich San Francisco und verpasste auch noch gleich die richtige Abfahrt. Bis ich dann wieder richtig war hatte ich schließlich fast eine Stunde verloren da ich erst glaubte auch so auf die richtige Interstate zu kommen, was sich als falsch erwies. Letztenendes war ich auf der Interstate 580 East in Richtung Stockton unterwegs. Kurz vor Stockton bog diese dann in Richtung Süden ab und ging schließlich auf die Interstate 5 in Richtung Los Angeles. Während die 580 noch durch das gewohnte grüne Hügelland ging, veränderte sich das Gelände jetzt schnell. Trockenes, braungrünes Grasland war von nun an vorherrschend. Auf der rechten Seite der Straße erhoben sich einige Hügel, während links sich eine weite Ebene erstreckte, in der man hin und wieder meist flache Bebauung erkennen konnte.

South California Grassland ...

Abgesehen davon daß die Hügel immer weniger wurden und die Landschaft zusehens abflachte veränderte sich nicht viel – nur merkte ich daß es zusehens wärmer wurde – was sowohl an der steigenden Sonne als auch an der Fahrt nach Süden liegen mochte. Kurz bevor ich die Interstate 5 lt. Wegplan verlassen sollte – der Tank war noch etwa Viertels voll – tankte ich für 30 Dollar und fuhr dann weiter.

Food Mart

Schließlich verließ ich die Interstate 5 und bog auf die California 46 East in Richtung Lost Hills / Wasco ab. Rechts und links der Straße erstreckten sich nun Obstplantagen und Gemüsefelder. Das Land war zwar trocken, aber ausgiebige Bewässerung schien hier gute Ernten zu ermöglichen. Auf vielen Feldern wurde gearbeitet – natürlich von Mexikanern, Was wäre die us-amerikanische Landwirtschaft ohne die fleissigen Helfer aus dem südlichen Nachbarland.

Farming Mexican Workers in California

Von der California 46 gings dann oberhalb von Bakersfield auf die California 99 die mich wieder in Richtung Süden führte. Beim Abbiegen auf die 58 East in Richtung Mojave gabs einen kleinen Stau weil sich die Zufahrt auf eine Spur verengte, aber nichts weiter schlimmes. Besagte California 58 führte nun in immer hügeliger werdendes Gelände hinein – aber immer noch beherrschten kleine Farmen das Bild.

Hills on Route 56 South California Farm

Bereits jetzt begann das Land immer trockener zu werden – nur in einigen Tälern gab es noch wirklich grünes Gras und einige Bäume – aber spätestens nachdem ich die Berge durchquert hatte begann meist flaches Land, mit verdorrtem Gras bewachsen und darauf einige flache Büsche und knorrige Bäume.

Desert Desert

Und immer wieder durchquerte ich kleine Siedlungen – meist wirkten die einfachen Holzhäuser eher heruntergekommen, aber doch bewohnt.

Desert Housing Antiques

An dieser Stelle muß ich mal eine kleine Kritik an dieser generellen Geschwindigkeitsbegrenzung loswerden: Warum bitte soll ich auf einer Strecke die bis zum Horizongt gerade durch eine Wüste verläuft nur 70 Meilen pro Stunde (ca. 113 km/h) maximal fahren dürfen ? Und Trucks sowie Autos mit Anhänger dürfen sogar nur 55MpH (88 km/h) fahren und halten dadurch wenn die Straße nur einspurig ist den Verkehr auf. Sehe ich wenig Sinn drin, sorry.
Aber zurück zur Reise: Bis Barstow durchquerte ich nun jene Wüste – insgesamt etwa 125 Meilen lang und kam dabei unter anderem an der berühmten Edwards Airforce Base vorbei. Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten, die Straße verlief recht gerade durch diese Einöde und verschmälerte sich mehrfach auf eine Spur – was bei dem starken LKW-Verkehr der hier herrscht dann immer zu Rückstaus führte. Schließlich erreichte ich Barstow und bog auf die Interstate 15 in Richtung Norden ab. Dieser sollte ich 156 Meilen folgen – durch noch mehr Wüste. Die Landschaft war schon sehenswert – aber irgendwann sieht man sich auch daran satt.

Interstate 15 Desert

Irgendwann mitten in diese Wüste wurde mein Benzin dann knapp – und erst einmal kam keinerlei Tankstelle. Als endlich ein Schild mit dem magischen Word “Gas” seitlich der Straße auf einer Erhebung zu sehen war, fuhr ich gleich ab. Leider war diese Raststätte verlassen und enttäuscht fuhr ich weiter. Nun sprang auch noch die Tanken Lampe an. Und weit und breit keine Tankstelle.

Die nächste Tankstelle sah zwar von der Straße aus vielversprechender aus, aber auch sie war verlassen. Mit immer weniger Benzin fuhr ich weiter und malte mir schon aus ohne Benzin hier in der Wüste liegen zu bleiben. Es gab zwar alle paar Meilen sogenannte Call Boxen – aber das würde mit Sicherheit teuer werden. Schließlich sah ich eine große LED-Tafel in einer Entfernung und hoffte daß dort eine Tankstelle war. Immerhin nährte sich die Nadel der Anzeige langsam dem roten Bereich. Und ich hatte Glück, es handelte sich um eine solche und sie war sogar geöffnet. Zwar war das Benzin hier einen Dollar teurer als normal – aber mir blieb keine andere Wahl.

Lonley Gas Station Nevada Desert Gas Prices

Weiter ging es durch die Wüste – ich kam an den ersten Spielcasinos vorbei – die allerdings noch nicht zu Las Vegas gehörten. Die Sonne ging derweil links von mir hinter den Hügeln unter.

Buffalo Bill Casino Desert Sunset

Schließlich erreichte ich die Stadt und fuhr an der Flamingo Road ab, bog auf den Las Vegas Blvd und erreicht mein Ziel: Das Treasure Island. Google Maps hatte die Gesamtfahrzeit mit fast 10 Stunden angegeben – ich hatte es in etwa 7 geschafft.

Über Las Vegas selbst werde ich seperat zu einem späteren Zeitpunkt berichten.
Hier noch die dazugehörige Karte:

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5 Responses to “Durch die Wüste [09.05.2006]”

  1. axk72 says:

    so wie Du arbeitest, möchte ich mal Urlaub machen

    PS: Danke für das update Mai – Du bist einfach der Beste!!
    N8, Alex

  2. axk72 says:

    achja.. wie weit ist die Tour eigentlich (SF nach Vegas)?
    Alex

  3. JaBBa says:

    Das ist ja jetzt Urlaub – gearbeitet habe ich die letzten zwei Monate hier 😉
    Die Tour 564 Meilen – das sind etwa 908 Kilometer. Nochmal würde ich es nicht machen – ich hätte ja auch fliegen können wie es die meisten Einheimischen machen – aber ich wollte ja was vom Land sehen. Nochmal mach ich es nicht – soviel steht fest…

  4. wiemi says:

    Schöne Tour, lang und anstrengend, aber von der Strecke in den USA (bes. im Westen) nichts Ungewöhnliches; ist halt ein riesiges Land mit entsprechenden Entfernungen…
    Für eine landschaftlich interessante Tour mein Tip für die Rückfahrt: Die Interstate 15 nach Norden durch Arizons mit beeindruckenden Canyons (Straße führtührt teilweise direkt dadurch) und weiter durch Utah bis Salt Lake City. Ab dort westlich die Interstate 80 (“America´s Loneliest Road” ), die landschaftlich interessant ist und sehr einsam (Reservekanister ist Pflicht!). Dann über Reno und Sacramento zurück nach SFO. Ist eine faszinierende Route, kann aber dauern, und wenn man als einziger Fahrer im Wagen sitzt, ist eine Zwischenübernachtung Pflicht – Empfehlung hierfür: In St. George, eine hübsche und sympathische Stadt mit toller Naturkulisse(rote Felsen wie im Western-Film). Für eine Zwischenübernachtung bietet sich Utah an: Man mag zwar von der Mormonen-Religion grundsätzlich halten, was man will(es herscht zwar Meinungs- und Religionsfreiheit, aber besser seine Ablehnung nicht öffentlich äußern), aber die Städte in Utah sind sauber und gepflegt, die Menschen sehr freundlich und fast immer trifft man Jemand, der (während seiner Missionszeit) mal in Deutschland war), jedoch manchmal mit ungewöhnlich-skurrilen Regeln: In Salt Lake City wollte man uns in einem Restaurant Downtown kein Bier servieren, da es direkt neben dem Temple-Square(quasiderVatikan der Mormonen) lag- Hoteltipp für St. George: Best Western Coral Hills im typischen Motel–Stil mit coolem Outdoor-Pool, angenehmen Zimmern mit Mikrowelle(falls man mal ein günstigeres Supermarkt-Meal essen möchte)…
    Bin sehr gepannt auf den Bericht und die Bilder aus Las Vegas(!)

  5. JaBBa says:

    Also das mit der Lonliest Road werd ich lieber mal lassen – ich habe da schlechte Erfahrungen von der I-15 her 😉
    Bis Salt Lake City will ich auch nicht – dazu fehlt mir dann doch die Zeit. Vielleicht ein ander mal (mit Flugzeug)
    Bericht und Bilder kommen sobald ich wieder Ruhe habe in SF…

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