Baseball [02.06.2006]

Der Plan ein Baseball-Spiel zu besuchen hegte ich ja schon länger, leider hatte es bei den Giants nie geklappt und zur Zeit spielen diese nur auswärts, so daß wollte ich in den Genuß einer solchen Veranstaltung kommen ein anderes Stadion und ein anderes Team wählen mußte.
Unter Konsultierung der US-Kollegen entschieden wir – die anderen aus Deutschland und ich – uns dazu über eine Webseite vier Karten inklusive eines VIP Parkausweises und einem Dinner für 25 Dollar pro Karte zu erstehen.

Our cards

Veranstaltungsort war das McAfee Coliseum in Oakland, zu dem wir uns am Freitag Abend dann auch begaben.

McAfee Coliseum

Dank VIP Parkplatz konnten wir nahe am Eingang zum Stadium parken und kamen schnell nach kurzer Taschen und Jackenkontrolle ins Stadium. Der untere Bereich war bestimmt von Fanartikel-Shops, Gastronomie und Getränkeständen aller Art.

Entry

Um zu unserem kostenlosen Dinner zu gelangen mußten wir jedoch hinauf in den sogenannten “West Side Club”, den wir über die Tribüne erreichen konnten.
Zur Übersicht hier die Karte des Stadiums:

Als kostenloses Dinner gabs ein gut belegtes Sandwich mit soviel Salat und Obstsalat wie man wollte. Nichts besonderes, aber genug um (fast) satt zu werden. 😉
Nach dem Essen begaben wir uns auf unsere Plätze in der Sektion 214 (sh. Karte oben). Diese Plätze boten sogar die Option einen der fehlgeschlagenen Base-Bälle zu fangen. Leider war es uns letztenendes nicht vergönnt, der einzige der in unsere Richtung ging ‘schlug’ ziemlich am Anfang des Spieles einige Sitzreihen weiter oben in dieser Sektion ein, wo sich die dort sitzenden sofort darauf stürzten.
Die Spielervorstellung beider Teams zog sich recht lange hin.

Player presentation

Den Beginn des Spieles hätte ich dann fast verpasst – im Gegensatz zu z.B. Fußball gibt es hier keinen Anpfiff. Nachdem alle Spieler beider Mannschaften über die Anzeigetafeln vorgestellt worden waren und das gesamte Stadion im stehen die Nationalhymne gesungen hatte, fingen sie ohne große weitere Worte an zu spielen.

Baseball field Tribüne

Die Regeln möchte ich hier jetzt nicht detailliert erklären, ich kenne sie auch nur Bruchstückhaft. Wer sich dafür interessiert, der kann es hier nachlesen.

Solche Baseball-Spiele gehen tweilweise bis über vier Stunden lang – und es erschien nicht so daß alle Zuschauer dem Verlauf wirklich dauerhaft folgen. Verließ man die Tribüne fanden sich an den Bars und Imbissläden überall innerhalb des Stadions immer eine große Menge von Zuschauern, die aßen, tranken oder sich einfach nur unterhielten. Und wer zum essen nicht aufstehen wollte konnte auf einen der vielen Snack-Verkäufer zurückgreifen, die mit neongelben Hemden gut sichtbar an den Tribünen vorbei gingen und ihre Waren in Form von Zuckerwatte (Cotton Candy), Brezeln (Prezels), Nüsse, Eis, Pizza u.v.m. anboten.

Snack Vendors

Zwar wurde an den Bars und Ständen auch Bier ausgeschenkt, jedoch war dies mit 7,50 Dollar pro Becher extrem teuer. Zum Betrinken eigenete sich ein solches Spiel also weniger – viel mehr schien es bei einigen in wahre Freßorgien auszuarten. 🙂
Aber zurück zum Spiel: Obwohl es sich ziemlich hinzog fand selbst ich als normalerweiser Nicht-Sportfan es recht interessant. Natürlich war da mit Sicherheit auch eine große Portion der Neugierde dabei, denn letztenendes gingen viele Innings nicht viel weiter als daß der Batter (Schläger) versuchte die erste Base zu erreichen und es nicht schaffte, weil der Ball vor ihm den dortigen Fänger erreichte und er somit draußen war.

Game Game
Game

Einen einzigen Home-Run konnten wir erleben – der Ball wurde im mittleren Feld über die Begrenzung hinausgeschlagen, so daß die verteidigende Mannschaft ihn nicht mehr erreichen konnte. Der Batter konnte mehr oder weniger gemütlich über alle Bases (die weißen Felder auf dem Spielfeld) einmal rund herum laufen.
Ein kleines Andenken mußte ich mir dann noch beschaffen – und ich hatte gesehen daß es Eiscreme in Eisbechern aus Plastik in Basketball-Kappen-Form gabe. Ich mußte mir dafür dann zwar ein solches Eis regelrecht hineinzwängen, aber was macht man nicht alles für ein kleines Andenken

Icecream

In einer Spieluntebrechung liefen einige Männer mit einer Art großen Rechen, die sie hinter sich herzogen über den roten Bereich des Spielfeldes. Welchen Sinn das genau hatte war mir nicht ersichtlich – aber gehörte wohl zum Ritual eines Baseball-Spieles.

...

Ein ebensolches Ritual war das fast ehrfurchtsvoll anmutende Fegen der ersten Base, das regelmässig durchgeführt wurde.

Base cleaning

Wir hielten uns dann noch einige Zeit drinnen auf und bekamen so einen Teil des Spieles nicht ganz mit. Als wir wieder ins freie traten war es schon dunkel geworden.

Flutlicht

Anhand des mehrmals angestiegenen Geräuschpegels hatten wir auch bereits innen gehört daß wir auch einige Ereignisse auf dem Spielfeld verpasst hatten. Es lagen die Minnesota Twins nun vorne.

Status

Nach etwas mehr als 2 Stunden ging des Spiel dann relativ unspektakulär mit einem Sieg der Twins zu Ende. Wie man mir erzählte spielt man im Baseball immer eine Serie – 3 Spiele wohl – also ist dieses erste Spiel noch nicht das entscheidende gewesen. Die Zuschauer strömten friedlich und ohne großes Aufsehen den Ausgängen entgegen, während die Mannschaften und die Schiedsrichter das Spielfeld verließen.

End of Game

Kleines Fazit: Ein eher ruhiger und friedferiger Sport – die Leute echauffieren sich nicht so sehr wie beim europäischen Fußballs und ich glaube Baseball-Hooligans gibt es wohl auch nicht. Die Fans beider Mannschaften saßen teilweise sogar in der selben Sektion. Ich weiß nicht wie es bei Finalspielen ist – aber Krawalle beim Baseball kann ich mir schwer vorstellen. Trotz des langwierigen Spielverlaufes nicht unbedingt uninteressant. Um mir ein entgültiges Urteil erlauben zu können muß ich aber mindestens noch ein weiteres Spiel ansehen. 🙂

9 Responses to “Baseball [02.06.2006]”

  1. Muss zugeben ich hab mir den Text noch nicht durchgelesen, aber das Photo mit dem McAfee ist mir dann doch aufgefallen…kann man davon ausgehen das dieses Stadion Virenfrei ist bzw. im Notfall bei einem Biologischem Angriff etc. als Zufluchtsort genutzt wird? Sollte ja sicher sein wenn es schon von einem Antiviren Hersteller gesponsort wird 😉
    *DuckUndWeg*

  2. JaBBa says:

    Woher wußte ich nur daß ein solcher Kommentar kommen würde ??
    Wollte es ja selbst noch schreiben – fand es aber dann doch zu flach

  3. Ich fühle mich doch immer gern bereit die ältesten Kalauer und flachesten Witze zu reissen…aber das ist doch einfach nur zu verlockend…zumindest für Geeks wie uns *fg*

  4. Olli5 says:

    Auch nach Jahren meiner bisherigen Existenz bin ich mir über den Sinn des jeweiligen Spiels von Baseball und American Football noch nicht so recht bewußt geworden.
    Mag es an dem für mich unverständlichen Regelwerk liegen?

    Ich befürchte, das Spiel mit dem Ball und 22 Mann liegt mir da eher.

  5. JaBBa says:

    Das hat dann aber eher dann auch Umfeld-Gründe. Hier in Europa ist Baseball und Football halt nicht sehr verbreitet.
    Ich finde die Regeln beim Baseball (nachdem ich sie noch mal gelesen habe) gar nicht komplexer als die von Fußball.

  6. Olli5 says:

    Es sind eher unpopuläre Randsportarten, die nicht unbedingt auf ein großes Publikumsinteresse treffen. Es sei denn, es wird mit viel Geld und dementsprechender Werbung nachgeholfen – siehe Rheinfire-.
    In den jeweiligen Ballungsräumen sind dennoch viele Vereine vorhanden, die sich diesen Sportarten verschrieben haben. Für den gemeinen Sportfan ansich, ist es einfacher, schon aus optischen Gründen, Fußball zu verstehen als American Football. Oder glaubst Du Bodo Ballermann hat die Abseitsregel verinnerlicht und kann sie allgemein verständlich wiedergeben?

  7. JaBBa says:

    Natürlich nicht.
    Es werden wohl auch hier Randsportarten bleiben – ebenso wie Sumo-Ringen oder Cricket, das steht außer Frage.
    Trotz der totalen Verkommerzialisierung des Fußball hier in Europa (Fifa-Geldgeier usw.) und einer Weltmeisterschaft ohne Herz wird das hier auch auch auf unbestimmte Zeit so bleiben. Das möchte ich auch keinesfalls in Frage stellen

  8. Mooooment … Weltmeisterschaft ohne Herz? Man ist doch hier zu Gast bei Freunden und wie man an den aktuellen (natürlich Lügenden) Statistiken sieht scheint man hier doch Recht viel Herzblut zu investieren.
    Und solange wir ein Positives Bild nach der WM Hinterlassen ist doch alles schön Denn im moment sieht es ja eher nicht so gut aus nach den Reisewarnungen vor dem Osten…

  9. JaBBa says:

    Stimmt – das gabs ja auch noch. Aber da wird die Staatsmacht schon aufpassen daß keinem etwas passiert (durch Einsatz von Polizei und evtl. Bundeswehr).
    Was mich halt viel mehr stört sind so Dinge wie z.B. das Abmahnen von Schulen durch die FIFA, weil die Schüler in ihrer Fußballbegeisterung ein Logo auf der Schulwebseite eingebaut haben. Kein Nachdenken daß dahinter vielleicht nur Kinder stecken – hauptsache Geld, Geld und nochmal Geld mit der WM machen. So etwas IST herzloser Kapitalismus von der schlimmsten Art. Bei der kommerziellen Verwendung des Logos habe ich ja Verständnis für so etwas, aber man sollte abmessen wo man gegen so etwas vorgeht und wo es einfach nur Fans sind.

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