Stillstände

Fahrt von Jena nach Köln
Bis Frankfurt am Main Hauptbahnhof verlief alles wie guten Tagen, mit nur 5 Minuten Verspätung war mein ICE losgefahren und hatte diese Verspätung bis Frankfurt auch nur um etwa 5 Minuten erhöht, so dass ich noch genügend Zeit hatte meinen Anschluss-ICE in Richtung Köln am Gleis 10 zu erreichen. Sollte ich einmal rechtzeitig nach Köln kommen? Sollten trotz Schneefalls und schlechtem Wetter die Verspätungen der Bahn in erträglichen Grenzen halten? Frohen Mutes verscheuchte ich eine Person von meinem reservierten Sitzplatz und ließ mich dort nieder.

Frankfurt, Central Station

Leider weit gefehlt – ich hatte mich wirklich zu früh gefreut. Bereits kurz hinter Hanau fing es an: Der Zug blieb unvermittelt auf offener Strecke stehen, nach einiger Wartezeit wurde über die Lautsprecher verkündet dass eine defekte Signalanlage den Zug um etwa 10 Minuten aufhalten würde. Leider wurden aus den 10 Minuten dann gleich über dreißig. Langsam setzte sich der Zug schließlich wieder in Bewegung und wir setzten unseren Weg fort, bis in einem Tunnel kurz vor Siegburg-Bonn der nächste Stop, dieses Mal für 15 Minuten und etwas später noch einmal für mindestens 10 Minuten im nächsten Tunnel. Trotz der Entschuldigungen des Zugpersonals machte sich deutlich Unmut unter den Fahrgästen breit, der sich aber glücklicherweise eher in beißendem Sarkasmus als in Aggression ausdrückte. Dabei lernte ich auch meinen Banknachbarn, einen Düsseldorfer, kennen mit dem ich die Wartezeit mit einigen netten Gesprächen überbrücken konnte. Eine Begebenheit, die man leider viel zu selten in Zügen erlebt. Mit insgesamt “58 Plus Minuten Verspätung” (so der Wortlaut der Ansage im Zug – obwohl Minus-Verspätungen wohl eher ein Wunschtraum der Bahn sind 😉 ) erreichten wir schließlich Siegburg-Bonn. Es war bereits nach 21.00 Uhr – eigentlich hätte ich nach meinem Fahrplan bereits um 20.14 Uhr in Köln sein sollen.
Doch wer vermutet hat, dass es jetzt genug sei mit den Zugstillständen, der hat weit gefehlt. Noch drei Mal, das erste Mal nur kurz und die beiden folgenden Male deutlich länger, blieben wir auf offener Strecke stehen. Dieses Mal sei eine eingefrorene Weiche daran Schuld verkündete man uns aus den Lautsprechern. Und es gäbe nun als kleine Entschädigung alkoholfreie Getränke im Bordbistro. Nette Geste – aber ich verzichtete, da ich meine Notebooktasche weder alleinlassen noch mitschleppen wollte und ich außerdem mit entsprechend großem Andrang rechnete. Außerdem waren wir bereits kurz vor Köln und wenn der Zug endlich ankam wollte ich lieber bei meinem Gepäck als im Bordbistro sein.
Schließlich – mit 72 Plus Minuten Verspätung erreichten wir Köln – Messe Deutz. Kurz vor der Ankunft kam auch bereits ein Schaffner herum und verteilte Antragsformulare für die Fahrpreiserstattung von 20% des Fahrpreises bei 60 Minuten Verspätung. Doch leider nur für reguläre Tickets, Online-Ticket Inhaber müssen sich am Service Point innerhalb von 2 Tagen eine Bestätigung holen und dies dann Schriftlich mit Kopie des Onlinetickets einschicken. Doch dazu gleich noch mehr. Von Deutz ging es mit der S-Bahn der Linie 11 zum Hauptbahnhof, wo ich mich bis zum Servicepoint in der Eingangshalle auf Domseite durchkämpfte, doch dann aufgrund der sich dort bereits umfangreich gebildeten Schlangen von wartenden Fahrgästen nur passierte, um zur U-Bahn zu kommen. Bei 44 €uronen Fahrpreis sind 20 Prozent gerade mal 9,68 €uronen, dafür stehe ich ungern Stundenlang am Servicepoint an – zumal ich ja nichts wirklich Termine oder ähnliches verpasst habe.
Also ging es in die U-Bahn und auf den Weg in mein hiesiges Domizil. Und – allen Beteuerungen von hiesigen Kollegen, die Behauptet hatten in Köln würde NIEMALS Schnee liegen bleiben fand ich die Stadt tatsächlich unter einem weißem Mantel wieder.

Snow at Neumarkt, Cologne Snowbike

Leider taut es wieder, trotz später Stunde. Mich persönlich würde es freuen wenn der Schnee etwas liegen bleiben würde, aber sieht aktuell nicht so aus. Ich halte euch jedoch auch darüber auf dem laufenden. Inzwischen bin ich wieder in meinem hiesigen temporären Zuhause angekommen und bin stark am überlegen, ob ich mich morgen Abend auf den Weg zum Hauptbahnhof machen soll und für die Bescheinigung der Verspätungs-Zwanzig-Prozent-Erstattung am Service-Point anstehen sollte. Bei 2,30 €uronen pro Strecke für die Straßenbahn und noch mal 55 Eurocent für die Briefmarke tendiere ich aber aktuell eher dagegen – der Aufwand lohnt die Kosten nicht….

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2 Responses to “Stillstände”

  1. […] Und die Schaffnerin, die wenig später kontrollierte, erhob auch keinerlei Einspruch. Bei Zugüberfüllung scheint man hier doch recht tolerant zu sein. Mit 20 Minuten Verspätung erreichten wir schließlich den Bahnhof am Frankfurter Flughafen. Mein fahrplanmässiger Zug war natürlich längst weg – aber eine andere Verspätung kam mir hier zu Gute: der ICE 10 International nach Brüssel, der ebenfalls über Köln Hauptbahnhof fuhr, hatte 30 Minuten Verspätung und kam kurz nach der Abfahrt meines Intercitys am selben Gleis an. Somit entschied ich mich dazu diesen Zug für den letzten Teil meiner heutigen Reise zu besteigen. Über Limburg, Montabaur und Siegburg/Bonn Flughafen erreichte ich letztlich um kurz nach 20:30 Uhr Köln. Es tangierte mich zwar nicht, aber hier mußten alle Fahrgäste in einen vor dem Zug wartenden ICE umsteigen. Der Triebwagen hatte nach Angaben des Zugpersonals einen Schaden und anhand eines Gesprächs zwischen zwei Fahrgästen erfuhr ich, das es in Belgien eine andere Betriebsspannung für Züge gäbe und wenn der Umschalter hierfür defekt ist. Nach Aussage der berichtenden weiblichen Fahrgast hat sie dies schon häufiger auf dieser Strecke vorkommt. Ich aber war letztlich an meinem Ziel angekommen. Nach einer Fahrt mit der Straßenbahn durch Köln erreichte ich schließlich mein hiesiges Domizil. Hatte mit mehr Problemen gerechnet – von daher sind die insgesamt ca. 25 Minuten Verspätung noch absolut in der Toleranzgrenze für Bahnfahrten innerhalb Deutschlands. Habe da schon weitaus schlimmeres erlebt… von JaBB um 22:37 Uhr Ähnliche Posts:   [TrackBack URI]  [PermaLink]  | | | | – | [Translate] […]

  2. […] wenig. Ich fühlte mich an einige Fahrten aus meiner Köln-Zeit – z.B. hier, hier, hier oder hier – erinnert. Erst als wir schließlich Würzburg erreichten, konnte […]

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