Archive for the ‘München’ Category

dusk@munich

Friday, September 20th, 2013

dusk@munich

Sonnenuntergang über München
Aus meinen Fotoarchiv – Originalaufnahme ohne jegliche Helligkeits-, Tonwert- oder Kurvenkorrektur – aufgenommen am 06. August 2013

Wiener Schnitzel vom Kalb mit Bratkartoffeln – Wirtshaus Dicke Sophie – München

Tuesday, November 27th, 2012

Heute Abend waren wir mal im Wirsthaus Dicke Sophie an der Johanneskirchner Straße 148 im Münchner Bezirk Bogenhausen. Zwar konnten wir aufgrund des bereits winterlichen, leicht regnerischen Wetters den großzügigen Biergarten dieses direkt an der S-Bahn Haltestelle Johanneskirchen gelegene Wirtshaus nicht mehr nutzen, aber auch im Inneren des urig-gemütlich eingerichteten Gebäudes fanden wir – dank prophylaktischer vorheriger Reservierung – einen Sitzplatz.

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Die Lokalität war für einen Dienstag Abend gut besucht, aber wir hatten dennoch schnell die Aufmerksamkeit eine der Bedienfachkräfte, so dass wir innerhalb kürzester Zeit mit der Speisen- und Getränkekarte versorgt waren. Das Speisenangebot in der Dicken Sophie umfasst, passend zum Thema des Gasthauses, primär bayrische Hausmannskost: Neben einigen Suppen und Salaten finden sich dort sowohl typische lokale Speisen wie Obazda, Fleischpflanzerln, Weißwürstchen, Leberkäs’ und Bratwüstel. Aber auch für den größeren Hunger ist in Form von Schnitzeln, Schweinshax’n, Rinder- und Putensteaks, Schweinekrustenbraten, Sparribs und sogar einem hauseigenen Burger gesorgt. Nachdem wir uns für Getränke entschieden hatten, machten wir uns auch sogleich daran das übersichtliche, aber mehr als ausgewogene Angebot an Gerichten zu studieren. Vieles klang überaus lecker und verlockend und die Wahl fiel mir schwer, doch nach einigem Abwägen entschied ich mich dazu, dem Kalbsschnitzel Wiener Art mit Bratkartoffeln eine Chance zu geben, auch wenn der Preis von 15,80 Euro eher im oberen Preissegment dieses Gasthauses lancierte. Die Wartezeit zwischen Bestellung der Gerichte und dem anschließenden Servieren gestaltete sich trotz des nicht unerheblichen Gästeaufkommens als angenehm kurz und dürfte weniger als 15 Minuten in Anspruch genommen haben. Und was mir da vorgesetzt wurde, konnte sich wirklich sehen lassen.

Kalbsschnitzel "Wiener Art" mit Bratkartoffeln

Ein unterarmlanges, mehr als (männer-)handflächenbreites dünnes Schnitzel aus zartem und saftigem Kalbsfleisch in dünner, knuspriger Panade nahm fast die gesamt Fläche des länglichen Tellers ein. Nur oben war etwas Platz um ein Stückchen Zitrone, ein Schälchen Preiselbeeren und etwas Petersilie unterzubringen. In der ursprünglichen Ausführung wäre hier auch noch ein Schälchen Sahnemeerrettich zu finden gewesen, da ich aber kein großer Freund davon bin hatte ich darum gebeten auf diesem bei meinem Gericht zu verzichten. Unter dem riesigen Schnitzel war noch eine, ebenfalls nicht unerhebliche Portion Bratkartoffeln aufgeschichtet. Im Gegensatz zum Schnitzel muss ich an den Bratkartoffeln aber ein paar kleine Kritikpunkte anbringen, denn auch wenn die Zusammenstellung aus angebratenen Kartoffelscheiben, Zwiebeln und Petersilie prinzipiell in Ordnung war, hätte man sie meiner Meinung nach gerne etwas kräftiger würzen können. In der Summe aber dennoch ein überaus empfehlenswertes Gericht, das gerade bei den heutigen Kalbsfleischpreisen seine fast sechzehn Euro durchaus wert war.
Und auch der restliche Abend verlief überaus zufriedenstellend. Die Getränkeversorgung klappte dank der unaufdringlichen Aufmerksamkeit der Bedienfachkräfte absolut reibungslos und gewährleistete einen sorgenfreien und angenehmen Abend. Insgesamt waren wir alle sehr zufrieden mit Service, Speisen und Getränken, so dass ich der Wirtshaus Dicke Sophie in München Bogenhausen meine vorbehaltlose Empfehlung aussprechen möchte. Ich denke das dieser Besuch nicht das letzte Mal gewesen ist, dass man uns hier gesehen hat.

Stromausfall in München

Thursday, November 15th, 2012

Auch mich hat der heutige Stromausfall in München kalt erwischt. Zum Glück war ich schon im Bad fertig, so dass ich nicht mit nassen Haaren oder halbrasiert durch die Wohnung laufen musste. Zuerst dacht ich natürlich an ein lokales, nur auf meine Wohnung bezogenes Problem und prüfte sofort den Sicherungskasten, aber nachdem dort alles in Ordnung war und auch im Treppenhaus kein Licht ging war schnell klar, dass hier ein etwas flächendeckenderes Problem vorlag. Nicht mal die Telefonnummer der Störungsstelle des SWM konnte ich über das Mobiltelefon herausfinden, da ich zwar Mobilfunknetz, aber entweder die Webseite der Münchner Stadtwerke oder aber das ganze mobile Internet nicht ging. Ich war schon kurz davor die Auskunft anzurufen, als der Strom plötzlich wieder da war – bei mir sogar schon ca. 7:08 Uhr und nicht erst 7:30 Uhr wie in anderen Teilen der Stadt. Zum Glück ist nichts passiert und die halbe bis dreiviertel Stunde dürfte auch dem Tiefkühlgut nicht geschadet haben. Solche ein Vorkommnis führen einem aber dennoch mal wieder mal deutlich vor Augen wie Abhängig man von der Elektrizität ist und wird den Händlern von Notstromaggregaten hier in der Gegend bestimmt gute Geschäfte in den nächsten Tagen bescheren, soviel steht fest – auch wenn ich mich an solchen Panikkäufen mit Sicherheit nicht beteiligen werde. 😉

Oktoberfest 2012 – und die Befüllung der Maß

Thursday, October 25th, 2012

Besser spät als nie, dachte ich mir – daher kommt der diesjährige Beitrag etwas später.
Natürlich war ich auch dieses Jahr wieder beim Oktoberfest gewesen, als Wahlmünchner darf man sich eine solche Veranstaltung natürlich nicht entgehen lassen – auch wenn sich im nunmehr vierten Jahr die ich diese Veranstaltung besuche langsam eine Gewöhnung und Ernüchterung (wenn auch nicht im wortwörtlichen Sinne!) einstellt. Aber soweit dass ich zum Totalverweigerer werde bin ich noch lange nicht – dazu macht es dann doch einfach zu viel Spaß mit den richtigen Leuten durch die Zelte zu ziehen. 😉

Oktoberfest 2012

Für die Anreise zur Theresienwiese eignen sich natürlich am besten die hiesigen öffentliche Verkehrsmittel, bevorzugt die U-Bahnen der Linie U4 oder U5, die beide eine direkte Haltestelle unterhalb des Festplatzes verfügen. Natürlich sind die Bahnen gut gefüllt, umfallen kann man spätestens ab der Haltestelle Hauptbahnhof nicht mehr, aber es ist wenn man das eine oder andere Maß genießen möchte die unkomplizierteste Möglichkeit. Zumal die Zahl der Parkplätze rund um die Theresienwiese stark eingeschränkt ist und der Bavariaring rund um den Festplatz für den Verkehr gesperrt ist.

U-Bahnhof Theresienwiese

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass ich den Fahrgeschäften dieses Jahr wenig Beachtung geschenkt habe – die paar Male dass ich die Festwiese dieses Jahr besucht habe, hat sich mein Aufenthalt ausschließlich auf die Zeltstraße beschränkt. Daher gibt es dieses Jahr nur ein paar Fotos von diesem Abschnitt der Wiesn – einzig erwähnen möchte ich, dass man das Riesenrad im Jahr 2012 von der Zeltstraßen-Seite weg auf die andere Seite hat umziehen lassen – eine Entscheidung die ich sehr bedaure da man so keine schönen Aufnahmen eben dieser Zeltstraße aus diesem Fahrgeschäft hat machen können. Aber dies nur am Rande erwähnt.

Rocket
Rocket

Riesenrad
Riesenrad

Natürlich sollte man bevor man zur Maß greift erst mal eine Kleinigkeit essen. Dieses Jahr entschieden wir uns spontan dazu, mal Burtschers Bratwursthütt’n auszuprobieren, wo man die übliche Palette an Bratwürsten, Steaks, Fleischpflanzerl und ähnlichen Schlemmereien erhalten konnte.

Burtschers Bratwursthütt'n

Nach einigem Abwägen entschied ich mich für eine Weißwurst-Bratwurst im Brötchen, die ich mit etwas Ketchup garnierte. Normalerweise sollte man die Weißwurst der bayrischen Tradition nach ja eigentlich vor Mittag “zuzeln”, aber auch gebraten und im knusprigen Brötchen am frühen Abend verzehrt erwies sie sich als gute schlechte Wahl. Aber Fastfood bleibt natürlich Fastfood… 😉

Weißwurst im Brötchen

Zu einem Besuch auf dem Oktoberfest gehört natürlich auch der besuch in den Bierzelten, von denen es ja einige auf den Wiesn gibt. Das größte Problem ist dabei nur, einen Sitzplatz zu finden, der erst einmal als Grundlage dient dass man Getränke oder Speisen bestellen kann.

Hippodrom Augustiner Festzelt
Links: Hippodrom – Rechts: Augustiner Festzelt

Am Wochenende kann man das in der Regel komplett vergessen – ich selbst habe auf Besuche an den Freitagen oder Samstagen komplett verzichtet, aber ein Kollege berichtete mir davon dass um 11:00 Uhr Vormittags die meisten Zelte bereits wegen Überfüllung geschlossen waren – und in den Biergärten rund um die Zelte sah es logischerweise auch nicht viel besser aus. Also waren unsere Besuche immer auf verschiedene Wochentage gelegt – und glücklicherweise fanden wir, wenn auch nach einigen Suchen, zumindest in den Biergärten jedes Mal genügend freie Plätze.

Paulaner Festzelt Löwenbräu
Links: Paulaner Festzelt – Rechts: Löwenbräu Festzelt

Schnell war auch dann immer eine der Servicekräfte zur Stelle, um unsere Bestellungen aufzunehmen und uns in wenigen Minuten mit der einen oder andere Maß zu versorgen. Jedoch ließ der Füllstand der Krüge bis auf seltene Ausnahmen sehr zu wünschen übrig – hier einige Beispiel:

Maß - Hofbräu Festzelt Maß - Käfer Festzelt
Links: Maß im Biergarten des Hofbräu Festzelt – Rechts: Maß im Biergarten des Käfer Festzelts

Maß - Löwenbrau Festzelt Maß - Paulaner Festzelt
Links: Maß im Löwenbräu Festzelt – Rechts: Maß im Paulaner Festzelt

Und auch wenn der Schaum sich gesetzt hat, was die meisten Gäste aber wohl kaum abwarten, ist die Füllmenge immer noch deutlich unter dem Eichstrich. Aber auf Diskussionen über die Füllstände ließen sich die Bedienungen auch gar nicht erst ein – dennoch gab man der Bedienung, auch wenn die Preise eigentlich “nur” zwischen 9,50 und 9,80 Euro pro Maß lagen, immer gleich einen Zehner mit dem Kommentar “Stimmt so.” Aber so ist eben das Oktoberfest und spätestens nach dem zweiten Maß ist es den Meisten glaube ich sowieso egal. 😉
Mit etwas Glück kann man übrigens auch innerhalb der Zelte einen Platz ergattern. Besonders kleinere Gruppen haben zum einen die Möglichkeit in den öffentlichen Bereichen ein paar freie Plätze zu finden oder sich, später am Abend in die gemieteten Boxen herein zu schmuggeln, wenn die ersten Gäste der häufig bereits seit dem Nachmittag dort feiernden bereits nach Hause gegangen sind. Aber da gehört dann schon ein bisschen Dreistigkeit dazu, gerade weil häufig Männer der Security an den Aufgängen wacht und die zahlenden Gäste ein farbiges Armband tragen. Ist man aber erst einmal drin und hat einen Platz gefunden, wird man erfahrungsgemäß selten wieder vertrieben.

Im Pschorr Festzelt
Im Pschorr Festzelt

Im Paulaner Festzelt
Im Paulaner Festzelt

In der Summe kann ich auch dieses Jahr wieder sagen, dass der Besuch, solange man nicht unter Klaustrophobie leidet oder eine Abneigung gegen riesige Menschenmassen hat, auf jeden Fall lohnt. Auch wenn man nichts trinken möchte, lohnt es sich schon alleine um die Atmosphäre mal erlebt zu haben und gegebenenfalls ein wenig in sie einzutauchen. Nur an der vorschriftsgemäßen Füllung der Getränke muss man eindeutig noch arbeiten… 😉

Peking Oper Festival München

Friday, September 14th, 2012

Vor kurzem erfuhr ich über das Internet, dass das National Center for the Performing Arts Beijing auf seiner diesjährigen Europa-Tournee auch hier in München halt macht und am am 12. und 13. September in der Reithalle in der Heßstraße 132 in Schwabing-West zwei Auftritte haben wird. Das wollte ich keinesfalls verpassen – ich bin was diese Kunstform angeht ja noch vollkommen “unbeleckt” – und besorgte für mich und einen Begleiter gleich mal je eine Karte zum Preis von jeweils 29,90 Euro für die Veranstaltung, die dann am gestrigen Donnerstag ab 20:00 Uhr stattfand.

Peking Oper Festival München - Eintrittskarten

Da wir nicht sicher waren ob es dort genügend Parkplätze gibt und ich mir auch sparen wollte am Abend mit meinem Auto durch die Münchner Innenstadt zu gurken, reisten wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln an und legten von der Tram-Haltestelle Lothstraße die restlichen 600 Meter bis zur Reithalle zu Fuß zurück. Und unsere Entscheidung erwies sich als klug, denn die Parkplätze waren hier oben tatsächlich als recht beschränkt.

Reithalle München

Vor der Reithalle und in einem Vorraum, der mit einem Vorhang vom eigentlichen Veranstaltungsbereich abgetrennt war, tummelten sich schon zahlreiche Gäste als wir gegen kurz nach halb acht hier eintrafen. Wie für Veranstaltungen dieser Art üblich wurden in der Vorhalle Erfrischungen und Andenken angeboten sowie einige traditionellen Köstüme ausgestellt. Und zu der Gelegenheit, eine Opernaufführung mit Pekinger Originalbesetzung hier in München zu genießen, hatten sich nicht nur Einheimische eingefunden – etwas mehr als ein Drittel der Gäste kamen eindeutig ursprünglich aus dem Heimatland der Peking-Oper – zumindest was das Aussehen und die verwendete Sprache anging.

Vorhalle

Nach kurzem Suchen entdeckten wir dann den Einlass am Rande des Raumes und betraten den hinteren Teil der Veranstaltungshalle. Dort wurden angewiesen – als Inhaber von gekauften Karten von “München-Ticket” – uns irgendwo auf den Stühlen der rechten vorderen Reihen einen Platz zu suchen. Da man hier auf freie Platzwahl gesetzt hatte konnten wir leider nur noch in der neunten Reihe einige freie Plätze ergattern. Hier war die Sicht zwar nicht perfekt, aber noch akzeptabel. Hier wären eine kaskadierte Bestuhlung etwas optimaler gewesen um allen Gäste eine gute Sicht zu bieten – denn es sollte einiges zu sehen geben.
Etwa eine Viertelstunde vor dem eigentlichen Veranstaltungebeginn betrat schließlich der Journalist und Fernsehmoderator Gerhard Schmitt-Thiel die Bühne und gab den Gästen eine kurze und lehrreiche Einführung in die Kunst der chinesischen Oper. So erfuhren wir dass die Peking-Oper nicht in Peking, sondern in den den chinesischen Provinzen Anhui, Hubei und Shaanxi entstanden ist, wo der Geschichte nach im Jahre 1790 Inspektoren des chinesischen Kaisers darauf Aufmerksam wurden und die Künstler an den Hof des damaligen Kaisers Qianlong einluden, wo diese Form der Aufführung große Erfolge feierten und sich bald auch in der Kultur des normalen Volkes verbreitete. Außerdem sprach er über die vier Tonhöhen der chinesischen Sprache und wie diese mit den Streich- und Blechinstrumenten des begleitenden Orchesters Verwendung finden. Dabei ging er auch, unterstützt von zwei der Schauspieler, auf die Unterschiede des gewöhnlich gesprochenen Chinesisch und der stilisierten Aussprache in der Peking Oper ein. Außerdem wurde erläutert dass man an der Höhe der Plateau-Absätze der Schuhe welche die Schauspieler tragen auf die Bedeutung der dargestellten Person schließen kann. Damit aber genug über die Einführungsveranstaltung – alles kann ich hier sowieso nicht wiedergeben – für einen Peking-Oper-Neuling wie mich waren seine Ausführungen auf jeden Fall ein interessante und auch notwendige Einführung in diese chinesische Kunstform, die für den westlichen Besucher doch im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig erscheint.

Einführung / Introduction
Einführung durch Gerhard Schmitt-Thiel

Aufgeführt wurden keine ganzen Stücke der Peking Oper – die übrigens zum Teil über 100 Akte lang und über mehrere Tage gehen können – sondern nur ausgewählte Szenen aus verschiedenen Werken mit dem Zweck den Gästen einen Überblick über verschiedene Aspekte dieser Opernform zu geben. Außerdem wies er noch darauf hin, dass man in der Peking Oper nicht klatscht, sondern Ho! ruft um seiner Zustimmung für gutes Schauspiel Ausdruck zu verleihen.

Alle Aufführungen waren natürlich in Chinesisch, zum besseren Verständnis wurden die übersetzten Texte zusätzlich auf einer Tafel seitlich der Bühne angezeigt.

Übersetzung / Translation
Übersetzung des Opern-Textes

Kommen wir nun zu den einzelnen Stücken, die ich versuchen werde hier mit meinen eigenen Worten und nach meiner Interpretation wiederzugeben (alle Angaben dabei ohne Gewähr):

At the crossroads
Als erstes stand mit At the crossroads, einem Aufzug aus der Yang Saga auf dem Programm. Ich möchte hier natürlich nicht auf alle Details eingehen, die Grundgeschichte aber ist, dass ein Soldat entsendet wird, um einen verbannten und des Mordes verdächtigten ehemaligen General zu beschützen. Dabei macht er Rast in einem Gasthaus und der dortige Wirt denkt, dieser sei gekommen um besagten General zu töten. Es kommt natürlich zum Kampf. Das besondere hier war es, dass nach der eigentlichen Geschichte der Kampf in der Dunkelheit der Nacht stattfindet und beide Schauspieler so agieren als würden sie einander nicht sehen. Die Aufführung war kombiniert mit Elementen von Akrobatik, Martial-Arts, Slapstick und Comedy und daher erntete neben viel Applaus und Ho!-Rufen auch viele Lacher. Eine wunderbare Aufführung die sich wunderbar als Einführung eignete und Lust auf mehr machte.

At the cross roads

Farewell my concubine
Das zweite Stück spielt während eines kriegerisches Konfliktes zwischen den Reichen Chu und Han. Der Herrscher des Reiches Chu, Xiang Xu, wird dabei von den Han in einen Hinterhalt gelockt und sieht sich kurz vor der Niederlage. Seine Konkubine Yu erwartet ihm in seinem Palast und versucht mit gutem Zureden und etwas Wein die Sorgen ihres Geliebten zu vertreiben.

Farewell my concubine
Auftritt der Konkubine Yu

Doch Xiang Xu sieht alle Hoffnung verloren und möchte seine geliebte Konkubine freilassen um ihr die Schmach der Niederlage zu ersparen.

Farewell my concubine
Yu und Xiang Xu

Doch Yu möchte nicht von ihrer Majestät getrennt werden und gibt mit Gesang ihrem Kummer Ausdruck bevor sie sich schließlich zu vor ihren Herrscher um ein letztes Mal für ihren Herrscher zu tanzen – ein Tanz mit tödlichem Ausgang.

Farewell my concubine
Yus Tanz mit den Schwertern

Ein etwas schwermütigeres Stück, aber alleine durch Gesang, Kostüme und Darstellung auch mehr als Sehenswert.

Es waren inzwischen etwas mehr als eine Stunde vergangen und es wurde eine Pause von fünfzehn Minuten eingelegt. Einige wenige Gäste nutzten die Pause um die Veranstaltung nun zu verlassen – über die Gründe kann ich nur rätseln. Mir persönlich hatte trotz der für europäische Ohren etwas ungewohnt hochtonigen Musik welche die Stücke begleitete das was ich bisher gesehen hatte sehr gefallen, daher wollte ich den Rest natürlich nicht verpassen – anders als mein Begleiter der sich ebenfalls dazu entschloss zu gehen.

Autumn river
Das nach der Pause aufgeführte Stück besaß wieder viele komödiantische Aspekte und zeigte aber auch, welch hohes Maß an Körperbeherrschung die Darsteller solcher Stücke an den Tag legen müssen. Die Hintergrundgeschichte besagte, dass sich der junge Gelehrte Pan Bizheng, nachdem er durch die Beamtenprüfung gefallen ist, in ein Kloster zurückzieht und dort in die junge Nonne Chen verliebt. Doch die Meisterin des Klosters wünscht keine Beziehungen zwischen Fremden und ihren Schützlingen und befiehlt Pan sofort die Mauern des Klosters zu verlassen. Doch Chen beschließt schon bald ihm zu Folgen und kommt bald an den Herbstfluß (Autumn river), den sie überqueren muss um wieder mit ihrem Geliebten vereint zu werden. Doch dazu braucht sie die Hilfe eines alten Fährmanns, der mit seiner launigen Art droht Chens Versuch scheitern zu lassen.

Autumn river

Die Aufführung beginnt mit Chens Ankunft am Flussufer, wo sie bald auf den als alten Mann dargestellten Fährmann trifft und mit ihm zu verhandeln beginnt. Hier zeigte sich ähnlich wie im ersten Stück, wie viele Elemente der Pantomime auch in der Peking-Oper Anwendung finden, denn obwohl das Stück mit gerade mal einem Paddel als einzigem Requisit auskam, verstanden es die beiden Schauspieler auf überaus gelungene Weise durch synchrone Bewegungen auf der Bühne die Bewegungen des Botes zu simulieren. Sei es das Schwanken nach oben und unten wenn einer der Handelnden in das Boot springt oder die Drehbewegungen des Bootes aus dem Fluss während der alte Fährmann rudert – alles erweckte den Eindruck als würden sie sich tatsächlich auf einem Fluss treibend bewegen und nicht nur mit Tippelschritten über die Bühne wandern. Ein nicht nur amüsantes, sondern auch künstlerisch sehr gelungenes Stück, dass zeigte welches hohe Mass an Körperbeherrschung die Darsteller an den Tag legen müssen.

Autumn river

Presenting a pearl on rainbow bridge
Das an Kostümen, Akrobatik, Darstellung und auch Dauer umfangreichste Stück hatte man sich bis zum Schluss aufgehoben. Mit Presenting a pearl on rainbow bridge wurde die Geschichte um die Nymphe (bzw. der chinesischen Entsprechung dazu) Ling Bo dargestellt,

Presenting a pearl on rainbow bridge
Auftritt der Nymphe Ling Bo

die den Jüngling Bai Yong zufällig auf der Regenbogenbrücke trifft und von seinen Talenten so hingerissen ist, dass sich beide verlieben. Als Zeichen ihrer Hingabe übergibt sie diesem eine Perle, die ihre Liebe symbolisieren soll.

Presenting a pearl on rainbow bridge
Zusammentreffen von Ling Bo und Bai Yong

Presenting a pearl on rainbow bridge
Übergabe der Perle

Doch die Liebe zwischen einem mystischen Wesen und einem Sterblichen verstößt gegen die Regeln der Götter und ruft sofort den Himmel auf den Plan, der himmlische Krieger und sogar einen Gott aussendet, um Ling Bos Treiben zu unterbinden.

Presenting a pearl on rainbow bridge
Auftritt der Götter

Presenting a pearl on rainbow bridge
Sammlung der himmlischen Heerscharen

Was folgt ist ein stark stilisierter, aber was seine Akrobatik und seine Darstellungskraft angeht sehr Eindrucksvoller Kampf zwischen den Scharen des Himmels und der Nymphe Ling Bao mit ihren Kämpfern. In der Folge werden Salti aus dem Stand absolviert, Räder quer über die Bühne und über durch die Luft gewehte Fahnen geschlagen und mit Waffen symbolisierenden Stöcken jongliert. Selbst eine von der westlichen Unterhaltungsindustrie abgestumpfte “Langnase” wie ich musste an diesem Punkt fasziniert und Anerkennend ihren Respekt zollen. Ho !

Presenting a pearl on rainbow bridge
Auftritt der Kämpfer Ling Bos

Presenting a pearl on rainbow bridge
Stock-Jonglage

Presenting a pearl on rainbow bridge
Fahnensprünge

Allein die akrobatischen Leistungen waren hier wirklich faszinierend, ich war von der Darstellung wahrlich gefesselt.
Leider endete mit dem Abschluss dieses Stückes die heutige Aufführung – es war inzwischen auch schon etwa 23:00 Uhr. Doch ich hätte noch weitaus länger Vorführungen wie dieser Beiwohnen können und war wirklich begeistert. Gleichzeitig bereute ich, nicht auch Karten für die Vorstellung am Vortag erworben zu haben – aber diese Reue kam leider zu spät.

da capo

Und meine Meinung schienen viele der anderen Gäste zu teilen, denn es gab tobenden Applaus, standing ovations (oder auch standig ‘ho!’s 😉 ) und Töne der Begeisterung zu hören. Auch wenn die musikalische Untermalung wie bereits erwähnt für westliche Ohren etwas gewöhnungsbedürftig ist, so ist die Aufführung alleine auf jeden Fall einen Besuch wert. Leider gehören Stücke der Peking-Oper ja nun leider nicht zum Standard-Repertoire von westlichen Theatern, aber sollte sich mir die Gelegenheit bieten erneut so eine Veranstaltung zu besuchen, würde ich keinen Moment zögern – auch wenn ich mir ein Stück in mehr als 100 Akten oder über mehrere Tage (wie es ja bei der Peking-Oper angeblich vorkommen kann) etwas anstrengend vorstelle. Vielleicht ist so etwas nicht jedermanns Geschmack, aber mir hat es sehr gefallen und ich kann jedem der die Gelegenheit hat eine Aufführung des National Center for the Performing Arts Beijing hier in Deutschland zu besuchen nur empfehlen, diese auch wahrzunehmen. Es lohnt sich…

In diesem Sinne: 晚安 (Wǎn’an = Gute Nacht)