Gegenwind
27.01.2009 20:15 bilderbuch, tschechien2 Kommentare
Heute mal kein Essenpost – hatte keine Zeit zum Mittagessen. Daher als Ersatz mal ein bisher unveröffentlichtes Foto aus Prag. Ich vermute es handelt sich bei “Gegenwind” um eine Band – aber sicher bin ich mir nicht.
PS: Hierbei handelt es sich um ein kleines Jubiläum: Dies ist genau der 3000ste Beitrag in diesem Blog. ![]()
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Atrapa
7.12.2008 16:04 bilderbuch, reisen, tschechienUnkommentiert
Gesehen auf einer Bushaltestelle in Prag.
Gut das es dransteht… ![]()
Prazska Kanalizace
6.12.2008 13:20 bilderbuch, reisen, tschechienUnkommentiert
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Ausflug nach Prag [28. - 30.11.2008] – Teil 4
4.12.2008 22:55 reisen, tschechienUnkommentiert
Kommen wir heute also zum vierten und letzten Teil meines Berichtes von Prag – für Neueinsteiger gibt es hier noch Teil 1, Teil 2 und Teil 3 zum nachlesen.
Der dritte Tag war nun schließlich unser Abreisetag. Einigermaßen ausgeruht Frühstückten wir wieder im hoteleigenen Restaurant und machten uns dann daran unsere Koffer zu packen und auszuchecken. Nach einigen Verwirrungen bezüglich der Abrechnungen von an der Hotelbar angeschriebenem und aus der Minibar verbrauchtem konnten wir dann schließlich unserem Besuch im Dorint Hotel Don Giovanni beenden und machten uns auf den Weg in die Innenstadt. Der eine oder andere wollte noch Souvenirs kaufen oder das eine oder andere Foto schießen.
Anschließend machten wir uns auf in die Randgebiete der Stadt um dort das tropische Gewächshaus Fata Morgana – ein Teil des botanischen Gartens von Prag – zu besuchen. Ich weiß gar nicht wer auf die Idee gekommen war – aber die Entscheidung stand fest dieses Ziel anzusteuern.
Gemäß des Faltblatts das ich mir von dort mitgenommen habe wurde es erst 2004 eröffnet und beherbergt drei Hauptklimazonen. Am Eingangsbereich eine Sukkulentenregion (Halbwüste) wie sie in Mexico, Australien und Madagascar vorkommt. Die Gewächse hier sind dem Klima entsprechend natürlich etwas magerer, aber dennoch sehr sehenswert wie ich fand.
Durch einen Tunnel gelangt man in einen tiefergelegenen Bereich, in dem sich einige Terrarien und Aquarien mit tropischen Fischen befinden befinden. Während in den Terrarien Höhlenbewohner wie der blinde Höhlensalmer zu finden sind (zumindest rein theoretisch, denn gesehen habe ich dort drin nichts), finden sich in den beiden Aquarien links Fische aus dem tropischen Amerika und rechts Tiere aus der “alten Welt”.
Tritt man aus dem Tunnel durch eine Tür hinaus, steht man erst mal wie vor einer Wand von mit viel Wasserdampf gesättigter, heißer Luft: Man ist im Regenwaldbereich des Gewächshauses angekommen. Ich wunderte mich zuerst warum ein elektrischer Handtrockner neben der Tür an der Wand hing, doch als ich das erste mal meine Kamera hochnahm um ein Foto zu machen verstand ich den Sinn und Zweck, denn die Linse war natürlich sofort beschlagen. Nachdem ich das Problem behoben hatte, konnten man hier die Flora aus Süd- und Mittelamerika sowie Südostasien bewundern. Im Südamerikanischen Bereich findet sich außerdem ein großer See mit einigen Fischen darin.
Durch den mittelamerikanischen Bereich gelangt man schließlich in den Bereich der das Klima und die Flora abbildet, die man in Südostasien – speziell Vietnam – vorfindet. Überall hingen hier auch Schilder, das man die Schmetterlinge die hier angeblich zu finden sind nicht berühren soll – aber von diesen Schmetterlingen war nicht viel zu sehen. Ich habe letztlich nur einen einzigen entdeckt, der Bewegungslos auf einem Blatt saß. An der Jahreszeit hat es aber weniger gelegen glaube ich. Über einem ansteigenden Weg gelangt man hier auch zur Aussichtsplattform – vorbei an einem tropischen Wasserfall.
Eine Tür trennte uns dann noch von der letzten Region – einer Gebirgsregion mit Pflanzen aus Asien, Amerika, Tasmanien, Venezuela und Afrika. Das angenehm kühle Klima war eine wirkliche Erleichterung nach dem feuchtheißen Klima des Regenwalds aus dem wir gerade kamen. Hier fanden sich – zu meiner Verwunderung – im asiatischen Sektor auch einige fleischfressende Pflanzen vom Typ der Kannengewächse gab.

Links: Überischt Gebirgsregion – Rechts: Beeren

Links: Heliamphora – Schlauchpflanzengewächs – Rechts: Farngewächs
Damit beendeten wir unseren Besuch im tropischen Gewächshaus “Fata Morgana” und machten uns auf den wirklichen Heimweg in Richtung Deutschland. Nachdem wir Prag schon einige Zeit verlassen hatten, meldete sich bei einigen ein mittäglicher Hunger und es wurde beschlossen, spontan bei einem der vielen Restaurants auf dem Weg zu halten. Dabei fiel unsere Wahl – wohl eher zufällig – auf das Hotel / Restaurant Nova Posta irgendwo zwischen Prag und der Autobahn ihn Richtung Deutschland.
Das Interior war zwar ganz nett – aber das erste mal seit dem wir in die Tschechei gekommen waren standen wir vor einem dem Problem das niemand von uns tschechisch konnte und die Karte die man uns brachte war leider nur in Tschechisch verfügbar. Englisch oder gar Deutsche Menus gab es nicht wie uns die einigermaßen verständlich englisch sprechende Kellnerein mitteilte. Somit gab es für uns zwei Strategien, die wir fahren konnten. Die eine war es “tschechisches Roulette”
zu spielen und irgendetwas zu bestellen – die andere uns Teile der Karte von der ziemlich burschikosen Kellnerin übersetzen zu lassen. Ich wählte Zweiteres und kam so dazu, mir ein Pfeffersteak mit Pommes zu bestellen – über den Preis bin ich mir nicht mehr ganz sicher, aber er lag deutlich unter 10 €uronen. Dafür bekam ich ein gut durchgebratenes und wirklich qualitativ sehr hochweriges Stück Fleisch. Nur bei den Pommes hätte man meiner Meinung nach etwas freizügiger sein können. An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal erwähnen, das auf ALLEN tschechischen Speisekarten die ich gesehen habe die Fleischmenge in Gramm neben dem Gericht angegeben ist. Scheint hier wohl ein Gesetz zu sein – wenn jemand dahingehend mehr weiß wäre ich über einen kurzen Hinweis in den Kommentaren sehr dankbar.
Da ich danach noch etwas Appetit verspürte, nahm ich die Karte noch einmal zur Hand und bestellte mir schließlich das einzige, was ich eindeutig entziffern konnte: Banana Split. In der Eisdiele meiner Heimatstadt verstand man darunter eine Portion Schokoladeneis mit einer halben Banane und Schokostreuseln – nicht so hier. Ich erhielt zwei mit Knuspersplittern garnierte und mit Sahne und Schokosauce versehenen heiße Bananenhälften. War wirklich lecker muß ich sagen und für 68 Kronen (ca. 2,72 €uronen) konnte man das schon mal nehmen.
Der Rest der Rückwegs verlief dann recht Ereignislos. Ich hörte ein wenig mein aktuelles Hörbuch auf dem iPod und versuchte etwas zu schlafen. Kurz vor der Grenze machten wir noch eine kurze Pause an einer Tankstelle und ich nutzte die Gelegenheit um mir noch eine Stange Gauloises zu holen. Beim Preis von 720 Kronen (28,80 €uronen) immer noch ein Schnäppchen – auch wenn ich das von früher günstiger in Erinnerung hatte.
Gegen 18.30 Uhr erreichten wir schließlich Jena und ich konnte zu Hause noch aufwaschen und alles zusammenpacken. Ich mußte ja noch zurück nach Köln. Freundlicherweise hatte sich einer meiner Mitreisenden bereit erklärt mich zum Jenaer Westbahnhof zu fahren, wo ich den Regionalexpress um kurz nach halb Acht in Richtung Weimar nahm. Der Anschlußzug – ein Ersatz-Intercity, denn die ICE werden ja noch immer überprüft – hatte schon mal gleich zehn Minuten Verspätung. Das es knapp werden würde meinen Anschluß-ICE in Frankfurt zu erwischen wurde mir hier schon bewußt. Glücklicherweise bekam ich in einem Abteil mit einigen Bundis (Wehrdienstleistenden) noch einen Sitzplatz, den ich bis Frankfurt beibehielt. Eine Begebenheit am Rande, die ich hier noch kurz erwähnen möchte fand zwischen Fulda und Frankfurt statt. Die Schaffnerin setzte sich zu mir ins Abteil und ich nutzte die Gelegenheit sie ein wenig zur aktuellen Bahnsituation auszufragen. Dabei offenbarte sie mir das die Überprüfung nicht nur bis Februar sondern wohl eher bis Juni 2009 dauern soll. Schöner Mist. Und sie offenbarte mir das sie von Frankfurt nach Stuttgart fahren müsse, um von dort aus morgen früh dann ihren Dienst wieder in einem weiteren Zug in Richtung Norden aufzunehmen. Ein kleiner Einblick in die Interna der Bahn am Rande.
Kurz vor Frankfurt lauschte ich dann auf die Ansagen der Zugchefin, die im übrigen nicht mit der o.g. Schaffnerin identisch war, bezüglich der Anschlußzüge die man noch erreichen könne und zerbiss einen Fluch zwischen den Zähnen: Mein Anschluss-ICE war weg. Es war 23.11 Uhr. Jetzt blieben mit zwei Möglichkeiten: Entweder ich nahm die Beine und meinen Koffer in die Hand und rannte vom Gleis 4 zum Gleis 7, wo ein Intercity wartete oder ich verbrachte die Zeit bis 3:30 Uhr auf dem Frankfurter Hauptbahnhof, um den nächsten Zug zu nehmen. Ich wählte natürlich das Rennen und erreichte den letzten Zug durch einen Verbindungsgang unter den Bahnsteigen. Doch die Eile war umsonst gewesen, denn auch dieser Zug sollte erst mit Verspätung abfahren. Nachdem ich einen Platz gefunden und meinen Koffer abgelegt hatte, ging ich noch einmal vor den Wagon um eine Zigarette zu rauchen. Hier begegnete ER mir das erste mal: Eine kleine, untersetzter und leicht dümmlich aussehnde Type mittleren Alters mit einer Frisur wie man sie hat wenn man gerade aufgestanden ist (abstehende Haare auf der einen Seite), der irgend etwas unverständliches leise vor sich hinmurmelte. In einer Behindertenwerkstätte wäre er nicht aufgefallen um es vorsichtig auszudrücken – niemand also den man kurz vor Mitternacht am Frankfurter Bahnhof näher kennenlernen möchte. Doch leider stellte sich heraus das er auch mit “meinem” Intercity fahren würde und sich auch noch an der gegenüberliegenden Seite zu meinem Sitzplatz niederließ.
Und es sollte noch schlimmer kommen, denn er kramte sein Mobiltelefon heraus und begann damit ohne Kopfhörer Musik zu hören. Im Abteil waren zwar nur ein Bruchteil der Sitzplätze gefüllt, aber das was da aus Lautsprecher des Mobiltelefons klang war wirklich ungewöhnlich und ich konnte einige schräge Blicke von anderen Mitreisenden beobachten. Denn da wurden Sätze wie “Unsere Fahne flattert und voran” gesungen, gefolgt von einem Lied, in dessem Text die Stelle “Heute gehört und Deutschland und morgen die ganze Welt” vorkamen. Hinzu kam die Tatsache, das auf dem Platz jener Person gegenüber zuvor eine Schwarzafrikanerin Platz genommen hatte, die jene Type verwirrt betrachtete, aber nichts weiter sagte. Und auch ich hielt mich zurück.
Schließlich erbarmte sich eine junge Frau vom Sitzplatz hinter ihm dazu, ihn darauf hinzuweisen doch bitte die Musik aus zu machen oder Kopfhörer zu nehmen (die er nicht hatte), da einige hier schlafen wollen. Sehr diplomatisch muß ich sagen – alles andere wäre hier glaube ich auch überflüssig gewesen und hätte nur zu unnötigen Problemen geführt. Mit einem unverständlichen und missmutigen Brummeln schaltete diese Type ihre Musik schließlich ab. Das afrikanischstämmige Mädel wechselte dennoch alsbald den Sitzplatz. Manchmal trifft man schon seltsame Personen muß ich sagen.
Über Mainz, Bingen (Rhein), Boppard, Koblenz, Andernach, Remagen und Bonn erreichte ich schließlich gegen 2:10 Uhr den Kölner Hauptbahnhof. Straßen- bzw. U-Bahnen fuhren um diese Zeit natürlich nur noch im ein- bis eineinhalbstündigen Takt und so mußte ich ein Taxi nehmen, um in meine temporäre Bleibe hier zu gelangen. Die Fahrt gestaltete sich noch einmal als wahrer Wachmacher, denn der Fahrer ignorierte wirklich jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung ich meine gesehen zu haben dass die Tachonadel auf der leeren Aachner Straße fast an der 100 km/h-Grenze kratzte. Aber was solls – ich bin dennoch unbeschadet nach Haus gekommen und sofort ins Bett gefallen. Ein wirklich erlebnisreiches Wochenende muss ich sagen – gerne wieder.
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Bettler(in)
4.12.2008 08:23 bilderbuch, reisen, tschechien1 Kommentar
Aufgenommen vor der Nikolauskirche am Altstädter Ring / Prag. Viele Bettler die ich dort in Prag gesehen habe, sind ihrer “Tätigkeit” in dieser Position nachgegangen (meist aber ohne Hund). Muß ziemlich unbequem sein stundenlang da so zu hocken….
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Ausflug nach Prag [28. - 30.11.2008] – Teil 3
3.12.2008 22:56 reisen, tschechien4 Kommentare
Nach Teil 1 und Teil 2 kommen wir heute zum dritten Teil des Berichtes über den großen Ausflug nach Prag, der letztes Wochenende stattfand.
Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, wir waren am Altstädter Ring zwischen Nikolauskirche, Altstädter Rathaus und Teynkirche angekommen und uns dort umgesehen. Von dort aus setzten wir die Stadtführung mit unserem Guide Václav, einem älteren Einheimischen der solche Führungen professionell durchführt, in die Straße Pariszka im Norden fort, rechts an der Nikolauskirche vorbei. In dieser Straße finden sich neben einigen Luxusgeschäften einige sehr schöne Gebäude verschiedener Stilrichtungen, die wirklich sehenswert sind. Obwohl ich teilweise ein wenig ans Jenaer Damenviertel denken musste

Links: Hotel Merkus – Rechts: Drachentötergebäude

Links: Drachentöter – Nahaufnahme – Rechts: weiteres Parizska-Gebäude
Hier in der Parizska befand sich früher auch das alte Judenviertel von Prag, von dem allerdings nur noch wenig übrig ist. Geht man in Richtung des Flusses Moldau kommt man an der alten Synagoge und dem alten jüdischen Rathaus vorbei. Von der Synagoge habe ich leider keine Aufnahme gemacht, aber auf dem Bild oben links sieht man rechts einen Teil der Fassade. An dem jüdischen Rathaus findet sich übrigens eine der letzten lauffähigen hebräischen Uhren in Europa – so die Aussage unseres Guides. Das besondere an diesen Uhren: Sie laufen aus unserer Sicht gegen den Uhrzeigersinn.
Begibt man sich noch weiter in Richtung Moldau erreicht man den alten jüdischen Friedhof, der allerdings von hohen Mauern umgeben ist. Durch ein kleines Tor gelangen mit einem Gitterfenster darin gelangen mir dennoch einige nette Aufnahmen.
Vorbei an einigen Gebäuden der alten Prager Universität gelangten wir nun zum bereits im ersten Teil kurz erwähnten Jan-Palach-Platz, von dem wir einen ersten Blick auf die Prager Burg werfen konnten. Leider sollte es uns nicht gelingen, die Prager Kleinseite geschweige die Prager Burg zu besuchen – genau wie bei meinem ersten Besuch hier Anfang der 1990er. Das werde ich mir aber primär für meinen nächsten Besuch in dieser Stadt aber vornehmen.
Vom Jan-Palach-Platz führte uns unser weiterer Weg nun zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der tschechischen Hauptstadt: der Karlsbrücke. Dieses im 14ten Jahrhundert errichtete Bauwerk über die Moldau verbindet die Altstadt mit der Prager Kleinseite. Kleinseite klingt zwar ziemlich seltsam, aber die bis 1784 eigenständige Stadt unterhalb der Prager Burg wird tatsächlich so bezeichnet. Was ich gerade drüber gelesen habe klingt auf jeden Fall sehr interessant. Aber ich schweife ab – ich wollte ja über die Karlsbrücke schreiben. Auf der Altstädter Seite ist als erstes ein großer Torturm ins Auge der – wie sollte es anders sein – als “Altstädter Brückenturm” genannt wird.
Dieser Turm ist wie ich später im Torbogen sehen konnte sogar begehbar – natürlich kostenpflichtig mit Kasse im ersten Obergeschoß. Aus Zeitgründen mußte ich aber auf eine Besteigung verzichten.
Wir versammelten uns vor dem zum Gedenken an die Prager Universitätsgründung vom 7. April 1348 aufgestellten Denkmal Karls IV, an dessen Sockel die versinnbildlichten vier ersten Fakultäten der alten Prager Universität: Kunst, Theologie, Jura und Medizin angebracht sind. Hier bekamen wir einiges über die Geschichte der Karlsbrücke zu hören. So zum Beispiel das der Mörtel beim Bau mit Eiern verrührt wurde, um die Stabiltät zu erhöhen und das die heutige Form mit den Skulpturen erst um 1700 entstand. Apropos Figuren: Die bekannteste Figur ist wohl die in der Mitte der Brücke aufgestellte Figur der heiligen Johannes von Nepomuk, der 1393 angeblich an dieser Stelle in der Moldau ertränkt wurde. Anschließend bekamen wir 15 Minuten Zeit, uns die Brücke einmal im Alleingang anzusehen. Das reichte bei dem riesigen Andrang von Touristen nicht, die Brücke zu überqueren, aber ich konnte mich dennoch umsehen und einige Fotos schießen.

Links: Karlsbrücke – Rechts: Altstädter Seite mit Souvenierständen

Links: Blick auf die Kleinseite – Rechts: Blick auf die Altstadt

Links: Johannes von Nepomuk Statue – Rechts: Kleinseiter Brückenturm
Leider kam ich nur bis etwas über die Hälfte der Brücke und auch nur einen kurzen Blick auf den Kleinseiter Brückenturm werfen. Des weiteren konnte ich beobachten wie einige Touristen die Tafel unterhalb der Johannes von Nepomuk Statue berührten und sich etwas in Stille wünschten – anscheinend ein Aberglaube der seinen Weg in die Touristenführer gefunden hat. ![]()
Von der Karlsbrücke aus machten wir uns auf den Rückweg in Richtung Wenzelsplatz.
An einem Platz mit Namen “Uhelny trh” verabschiedeten wir uns schließlich von unserem Guide und entschieden geschlossen uns nach dem langen Marsch durch die Prager Innenstadt eine Mahlzeit zu uns zu nehmen. Dabei gingen wir eher nach dem Zufallsprinzip vor und wählten eines der Restaurants an diesem Platz. Dabei fiel unsere Wahl auf das Restaurant “U dvou kocek“ (Zu den zwei Katzen) im Südwesten.
Aus der Karte wählte ich einen Gulasch nach zwei Katzen Artmit böhmischen Knödeln für gerade einmal 98 Kronen.
Prinzipiell war es zwar gut, aber ich fühlte mich an die Maarweg-Kantine erinnert, denn leider war das servierte Gericht nicht mehr ganz heiß wie ich es eigentlich von einem Restaurant erwartet hätte. Eine kurze Umfrage bei meinen Tischnachbarn bestätigte mir das es sich dabei scheinbar um ein allgemeines Problem handelte. Aber geschmeckt hat es dennoch annehmbar gut.
Nach dem Essen entschieden wir uns erst einmal dazu, zurück ins Hotel zu gehen und uns ein wenig zu Ruhen. Dabei nutzte ich mit einigen meiner Begleiter den Wellness-Bereich des Hotels mal in näheren Augenschein zu nehmen und u.a. die Sauna zu testen.
Den Abend machten wir dann natürlich wieder die Innenstadt unsicher. Unser erstes Ziel war ein Bierkeller, den wir von unserem Guide empfohlen bekommen hatten. Wahrscheinlich bekam er auch Provision dafür – denn er war zwar nicht schlecht aber mit Sicherheit noch keine totale Empfehlung, denn die Kellner waren teilweise ziemlich träntütig. Ein Mitreisender bekam niemals seine Nachbestellten Kartoffeln und ich habe meine bestellte Packung Zigaretten ebenfalls nie zu Gesicht bekommen, obwohl ich sogar noch mal nachgefragt habe. Das Essen – ich wählte eine böhmische Spezialiätenplatte, war aber ganz in Ordnung und sogar annehmbar warm als es serviert wurde.
Danach suchten wir einige weitere Lokalitäten in der Prager Innenstadt auf und genossen noch einige Biere. Was mir dabei besonders auffiel war die Tatsache, das es in Tschechien offensichtlich keine Eichstriche an den Gläsern gibt und man gerne halbvolle Gläser serviert.
Letztlich endeten wir wieder im U Vejvodu das ich bereits im ersten Teil vorgestellt hatte.
Damit beende ich mal den vorletzten Teil meines Berichtes aus Prag. Morgen gibts dann den Rest. Also bis dann – stay tuned…
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Ausflug nach Prag [28. - 30.11.2008] – Teil 2
2.12.2008 23:56 reisen, tschechien2 Kommentare
Fortsetzung von Teil 1.
Nach dem durchzechten Abend und eigentlich viel zu wenig Schlaf trafen wir uns am Morgen alle beim amerikanischen Frühstück in einem der Restaurants des Hotels wieder. Nach einem ausgiebigen Frühstück trafen wir uns dann in der Lobby mit einem lokalen Guide um uns die Stadt zeigen zu lassen. Wie am Abend zuvor begaben wir uns mit der U-Bahn zum Wenzelsplatz und kamen dort direkt neben dem berühmten Reiterstandbild des böhmischen Nationalheiligen Wenzel zurück unterhalb der Nationalmuseums an die Oberfläche.
Das 1912 von dem tschechischen Künstler Josef V. Myslbek geschaffene Denkmal ist wie man oben sieht von den vier Schutzheiligen Ludmilla und Prokop (vorn) und Anezka (Agnes) und Vojtech (Adalbert) (hinten) flankiert und ist wohl das bekannteste Denkmal der tschechischen Hauptstadt. Wir bekamen einiges über die Geschichte des Václavské námestà (Wenzelsplatz) zu hören, der übrigens bereits im Mittelalter im Zentrum der Neustadt von Prag erschlossen wurde und lange Zeit als Rossmarkt diente.
Auf der Treppe des oberhalb dieses Platzes gelegenen Nationalmuseum setzte sich übrigens der tschechische Student Jan Palach am 16ten Januar 1968 zur Zeit des Prager Frühlings selbst in Brand um damit gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes und der Niederschlagung des Prager Frühlings zu demonstrieren. Neben dem ihm geweihten Gedenkstein direkt am Nationalmuseum, den wir leider nicht besuchten, findet für diese Person noch eine weitere Gedenktafel am Jan-Palach-Platz an der Prager Universität.
Wir wanderten nun den Wenzelsplatz hinunter, vorbei am architektonisch sehr schönen Jugendstilgebäude des Grand Hotel Europa
und bogen dann in die Lucerna-Passage ab, wo uns unserer Fremdenführer zum einem weiteren Wenzelstandbild führte, eine Persiflage des Skandalkünstlers David Cerný bei dem der Nationalheilige ein umgedrehtes totes Pferd reitet.
Durch einen kleinen Park eines ehemaligen Klosters erreichten wir einen Platz an der Ecke Jungmannova und Narodni, wo sich das Palac Adria befindet – das einzige jemals im rondo-kubistischen Baustil errichteten Gebäude befindet. Es wurde 1923 bis 1924 für eine Versicherungsgesellschaft errichtet und ist heute nach einer Renovierung 1996 bis 97 eine teure und moderne Adresse für private Wohnungen und Büroräume
Über den Wenzelsplatz ging es über die Na Priskope in Richtung Nordosten bis hin zum Pulverturm und dem daran angrenzenden im Jugendtil errichteten Prager Stadthaus, in dem sich heute Geschäfte und Konzertsäle befinden. Der im 15. Jahrhundert errichtete 65m hohe Pulverturm ist eines der imposantesten ehemaligen Eingangstore in die Stadt Prag und diente bis ins 17. Jahrhundert tatsächlich als Lagerort für Schwarzpulver.

Links: Pulverturm – Rechts: EIngang zum Prager Stadthaus
Aber nicht nur das äußere des Stadthauses machte einiges her, auch das Interior ist äußerst sehenswert. Mit viel Stuck und Holzelementen sowie weiteren verspielten Jugendstilelementen ist das innere des Gebäudes ebenfalls sehr sehenswert.
Im oberen Bereich befindet sich des weiteren noch das Café Kavarna, ein wunderschön eingerichtetes Kaffeehaus, das mich von der Einrichtung her ein wenig an das Mastanka Besada im tschechischen Pilsen, das ich vor einiger Zeit besucht hatte.
Durch den Torbogen des Pulverturms hindurch bewegten wir uns nun wieder in Stadt, vorbei an einem weiteren bekannten Gebäude in kubistischen Baustil, dem Haus der schwarzen Madonna
bis hin zu Altstädter Ring, einem zentralen Marktplatz der gleich von mehreren sehenswürdigen Gebäuden flankiert wird. Da ist zum einen die Tenykirche im Westen, das Altstädter Rathaus mit der berühmten Astronomischen Uhr im Südosten und die Nikolauskirche im Nordosten. Im Zentrum des Platzes befindet sich des weiteren ein Denkmal des Reformaters Jan Hus, das ich jedoch wegen des gerade stattfindenden Weihnachtsmarktes nicht richtig fotografieren konnte. Vor der astronischen Uhr hatte sich eine riesige Traube von Menschen gebildet, die fotografierten und Videoaufnahmen machten. Obwohl ich Massentourismus ja eigentlich ablehne, reihte ich mich in diese Traube ein und machte ebenfalls meine Fotos.

Links: Teynkirche – Rechts: Altstädter Rathaus

Links: Nikolauskirche – Rechts: Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus
An dieser zentralen Stelle unterbreche ich meinen Bericht mal wieder und fahre morgen fort – ansonsten wird es beileibe zu spät wie ich bei einem kurzen Blick auf die Uhr feststellen muss.
Ich wünsche allen Lesern eine gute Nacht für heute. Morgen gehts dann weiter – wahrscheinlich wird der Bericht letztlich dann doch drei bis vier Teile haben. Wir werden sehen.
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Ausflug nach Prag [28. - 30.11.2008] – Teil 1
1.12.2008 23:45 reisen, tschechien6 Kommentare
Am Freitag hatte ich mir einen Tag Urlaub genommen – seit langem mal wieder – und war bereits am Donnerstag Abend nach Jena gefahren. Über die Fahrt möchte ich mich nicht weiter hier auslassen, denn das ich vom Frankfurter Hauptbahnhof aus bis Fulda stehen musste und der Ersatz-Intercity vollkommen überfüllt gewesen war ist ja leider inzwischen eher Standard. Der Grund für meine verfrühte Rückkunft in meine eigentliche Wahlheimat war ein bereits seit längerem geplanter Ausflug in die tschechische Haupstadt Prag. Am frühen Nachmittag brachen wir von Jena aus auf und auf der A4 ging es in Richtung Osten und dann bei Dresden nach Süden. Am Übergang von Deutschland nach Tschechien merkte man kaum etwas – auf Autobahn wechselten die Farben der Schilder nur von Blau nach grün – von Grenzkontrollen oder irgendwelchen verlassenen Kontrollanlagen keine Spur. Noch schnell eine im Nachbarland vorgeschriebene Autobahnvignette gekauft und schließlich nach etwas ca. vier Stunden und einigen Zwischenstops erreichten wir die Stadt Prag – um dort erst einmal in der dortigen Rushhour im Stau zu stehen. Schließlich erreichten wir aber dann doch unser erstes Ziel: Das 4-Sterne Dorint-Hotel Don Giovanni.
Der Eingangsbereich hinterließ auf jeden Fall erst einmal einen guten Eindruck
und auch die Zimmer waren nicht von schlechten Eltern.
Nach dem Bezug der Zimmer und etwas Zeit für die Aklimatisierung nach der langen Fahrt, machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Das Hotel liegt direkt an der U-Bahn Haltestelle Zelivského im westlichen Teil der Stadt und bequem kann man entweder darüber oder mit Bussen oder Straßenbahn direkt in die Innenstadt gelangen.
Wir entschieden uns für die U-Bahn und begaben und über eine lange Rolltreppe nach unten – einer Rolltreppe die mit einer ziemlich hohen Geschwindigkeit lief und wir konnten beobachten daß vor allem ältere Leute damit ziemliche Probleme hatten. Des weiteren konnte ich sehen, daß man an den Rolltreppen kleine Hinweisaufkleber angebracht hat, die stehende darauf hinwies rechts zu stehen, damit Leute in Eile links an ihnen vorbei laufen können. Kurz nachdem wir unten angekommen waren, kam glücklicherweise auch schon die U-Bahn und wir konnte zusteigen.
Über vier Stationen erreichten wir schließlich die Haltestelle “Mustek” – was übrigens nichts mit dem Scannerhersteller zu tun hat
– und kamen so am Wenzelsplatz direkt im Zentrum zurück an die Oberfläche und machten uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel: dem U Flecku (Position), einer der vielen urigen Kneipenrestaurant wie es sie in der von Touristen überlaufenen Innenstadt von Prag en masse gibt. Diese Lokation war uns von einem Prag-Kenner empfohlen worden und wir hatten für unsere Reisegruppe dort einen Tisch reserviert, was sich aufgrund des überfüllten Gastraumes im vorderen Bereich eine gute Idee gewesen zu sein schien. Über einen kleinen, nach oben offenen Innenhof führte man uns in einen auf altertümlich getrimmten Saal im hinteren Bereich des Gebäudes, der nur für Reservierungen vorgesehen schien. Ich sage extra “auf alt getrimmt”, denn vor allem an den Steinen der Torbögen sah man bei näherem Hinsehen deutlich an, das diese nur aus angemalten Gips bestanden. Der Gros des Raumes war aber schon historisch – wir vermuteten das es sich hier um alte Ställe handelt, die erst im Nachhinein zum Gastraum umgebaut worden waren. Außer uns fand sich dort nur noch eine größere Gruppe Einheimischer, die dort feierten. Aber dennoch weitaus besser als im von Touristen überfüllten vorderen Gastraum.
Die Vorsilbe “U” heißt im Tschechischen einfach nur “Bei” oder “Beim” – die Bedeutung von “U Flecku” heißt in, wie man uns berichtete, etwa “Bei Fleck”. Das Etablisment gehörte, wie wir weiter erfuhren, früher einem Deutschen mit Namen “Fleck” und dieser Name hat sich, trotz einer leichten “eintschechung” bis heute gehalten. Neben der typisch böhmisch-tschechischen Küche zeichnet sich das Flecku vor allem durch das selbstgebraute Dunkelbier aus. Während wir am ersten Krug nippten studierten wir die mehrsprachige Karte und wählten unser Abendbrot. Was mir auffiel war die Tatsache, das vor jeder Speise die Menge des verwendeten Fleisches in Gramm angegegeben war. Wie sich später herausstellte ist das offenbar in allen Restaurants in Prag so. Ich entschied mich aus dem reichhaltigen Angebot für eine Kartoffelsuppe als Vorspeise und einem Spezialitätenteller als Hauptspeise. Zu allem wurden mehrere Körbe mit geschnittenem Graubrot serviert, das im Gegensatz zu hiesigen Zubereitungen mit einer gutern Portion Kümmel gewürzt war.
Die Kartoffelsuppe, die reichlich Lauch enthielt, war schon mal sehr lecker und eine gute Vorbereiung auf den Hauptgang: den Spezialitätenteller. Auf diesem fanden sich neben einer kleinen Entenkeule, einem Stück Rinderbraten und einem Stück grober gebratener Wurst nach lokaler Machart auch böhmische Knödel sowie Rot- und Sauerkraut. Sah auf den ersten Blick nicht viel aus, reicht aber letztlich aus um satt zu werden. Einziger Kritikpunkt den ich anbringen möchte ist die wenige Sauce, die sich auf dem Teller fand – dadurch wurde das ganze trotz des reichlichen Krautes etwas trockener als ich erwartet hatte.
Neben den Kellnern in grünen Westen, welche die Gäste fleißig mit Dunkelbier und Nahrungsmitteln versorgten, fanden sich auch einige Musiker mit Schifferklavier, Saxophon und Schellenstab durch die Räume zogen und ihre Dienste anboten. Wir lehnten zwar ab, aber bei der einheimischen Gruppe fanden sie ein dankbares Publikum und unterhielten dieses mit einer großen Auswahl von tschechischer populärer Volksmusik, bei dem die Gäste kräftig mitsangen.
Nach einiger Zeit entschlossen wir uns weiter zu ziehen und folgten einer weiteren Empfehlung des bereits oben erwähnten Kenners. Unser nächstes Ziel war das U Vejvodu (Position), wo wir auf Pilsner Urquell umstiegen und weiter zechten.
Nach einem Besuch in einem weiteren Etablisment wandten wir uns dann bereits weit nach Mitternacht in Richtung Hotel. Auf dem Weg durch die nächtliche Stadt machten wir reichlich Erfahrung mit einigen Schwarzafrikanerin und Asiaten, die und in gutem Englisch dazu überreden wollten, mit ihnen in irgendwelche Strip Clubs und Karaoke Bars zu gehen. Wir lehnten dies jedoch rigoros ab, trotz der Beharrlichkeit die diese Männer an den Tag lehnten und uns redegewandt von den Vorzügen der Einrichtungen zu überzeugen, die sie anpriesen. War nicht schwer zu erraten, das sie für uns als Gäste eine eine Provision erhalten würden. Letztlich ließen sie dann aber von uns ab und ließen uns alleine unserer Wege ziehen.
Zwar fuhren noch Nachtstraßenbahnen, aber wir entschieden uns dazu ein Taxi zu nehmen. Hier kam uns wieder ein Tipp unsere Kontakmannes zu Gute, der uns empfohlen hatte ausschließlich Taxis mit dem Kürzel “AAA” auf der Tür zu nehmen, da man hier sichergehen könne das die Taxifahrer keine Umwege fuhren oder mit getürkten Taxametern die Touristen abzockten. Auf dem Wenzelsplatz wurden wir schließlich fündig und kamen so für etwas mehr als 170 Kronen, was wir auf 200 Kronen mit Trinkgeld aufrundeten (umgerechnet etwa 8 €uronen) erreichten wir unser Hotel und fielen nach der vielen Lauferei und dem wirklich süffigen tschechischen Bier in unsere Betten, um alsbald einzuschlafen.
Über den nächsten Tag erzähle ich morgen im zweiten Teil dieses Berichtes mehr – ansonsten würde es jetzt zu spät werden. Also gute Nacht und stay tuned…
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Bohemia – [2/2] – Pilsen & Chomutov
9.01.2007 00:32 bilderbuch, reisen, tschechien4 Kommentare
Wie bereits im vorherigen Post erwähnt führte uns, das sind der von mir sehr geschätzte Herr Gonzo und meine Wenigkeit, unser weiterer Weg von Karlsbad nach Plzeň (Pilsen). Die Strecke führte uns aus Karlsbad heraus, um einen Stausee herum und schließlich durch die ziemlich verneblete Bergstraßen in Richtung Süden.

Nebel auf der Straße in Richtung Pilsen
Die Fahrt war bei Leibe kein Zuckerschlecken, denn nicht nur daß es teilweise sichtweiten unter 100 Meter zu beklagen gab, nein, es tauchten auch immer wieder Fußgänger oder Radfahrer am Rande der Straße auf – mitten im Nirgendwo. All dieser Widerigkeiten zum Trotz erreichten wir nach fast 80km die Randbezirke der Stadt Pilsen, vor allem bekannt durch das angeblich dort erfundene Bier Pilsener Brauart – und ware erstmal etwas ernüchtert. Im Gegensatz zu Karlsbad bot sich der erste Eindruck hier eher als typische Stadt des früheren Ostblockes mit einigen Neuerungen des Westens, welche sich vor allem durch eine ziemlich riesige McDonalds Filiale gleich am Ortseingang manifestierte. Doch als wir in Richtung des Zentrums fuhren, besserte sich das Bild rasch. Am nám Republica, wohl “Platz der Republik”, mit seiner alles beherrschenden Bartholomäuskirche, deren Kirchturm mit 102,3 Metern der höchste Tschechiens ist, parkten wir das Auto und machten uns auf eine erste Erkundungstour.
Ich muß dazu erwähnen daß niemand von uns Beiden jemals zuvor in Pilsen gewesen war, so daß es vollkommen neues Terrain für uns werden sollte. Bald fanden wir ein kleines Café mit dem vielversprechenden Namen “Eurocafé” und entschieden, dort erst einmal ein koffeinhaltiges Heißgetränk zu uns zu nehmen. War zwar nett eingerichtet, dennoch sprach die junge Bedienung trotz des Namens weder deutsch noch englisch, so daß wir einige Mühe hatten, uns dort etwas zu bestellen.
Dabei sei erwähnt daß sie uns bei dem Wort Kaffee zwei Optionen anbot, die eine irgend etwas mit “..presso” und etwas anderes, daß ich hier leider nicht mehr wiedergeben kann. Ich wählte die …presso Variante und mein Begleiter die andere, die sich dann als ein (in der Tschechei im übrigen gar nicht so unüblichen) Kaffee nach, wie wir sagen “türkischer Art” – sprich heißes Wasser direkt auf den Kaffee gegeben, herausstellte. Ich wiederum bekam einen Filterkaffee. Wer also kein Kaffepulver im Kaffee mag, sollte immer auf etwas bestehen, das mit …presso endet. ![]()
Nach dem Besuch in besagtem Eurokaffee, wo wir uns von einer des Englischen mächtigen anderen Bedienung den Weg hatten weisen lassen, begaben wir uns in eine “Internet Kaverna” – eine Art Internetladen im zweiten Stockwerk eines bereits älteren Gebäudes, mieteten einen der dortigen PCs (WLAN war nicht möglich, daher mußten wir unsere mitgebrachten Notebooks eingepackt lassen) und nutzen Google, um uns erst einmal ein paar Infos und mögliche Unterkunftsmöglichkeiten in Pilsen zu besorgen. Mit diesen Infos machten wir uns wieder auf den Weg, beschlossen aber vorher noch in einigen Hotels nach den Preisen zu fragen. Da sich jedoch alle als zu Teuer für unser kleines Budget herausstellten und wir auch irgendwie keine anderen Pensionen fanden, suchten wir schließlich die im Internet ergoogelte Pension Antica auf und mieteten uns dort für umgerechnet 25 Euro (ohne Frühstück) für die Nacht ein. Die Wirtin, eine ältere Tschechin, sprach zwar kaum deutsch geschweige denn englisch, dennoch konnten wir schnell mit ihr Handeleinig werden.
Schließlich holten wir das Auto vom Markplatz, luden unser Gepäck ab und machten erst einmal eine kleine Pause in unseren Zimmern, die wirklich nichts besonderes waren, jedoch über Satelliten-TV (u.a. mit deutschen Sendern) und – wie wir leider erst viel zu spät als wir gerade wieder aufbrechen wollten feststellten – über Internetzugang in Form eines herumliegenden RJ45 Ethernetkabels verfügten.
An dieser Stelle sei noch erwähnt: Die Wirtin in ihrem gebrochenen Deutsch hatte irgend etwas von “Tzaptzarap” und deutschen Autos erzählt – daher war mir von diesem Zeitpunkt an bereits etwas mulmig und ich befürchtete, daß man in mein kleines Jabbamobil einbrechen oder es gar stehlen könne. Eine Befürchtung, die sich zum Glück als unbegründet herausstellte – aber bei den vielen Geschichten die man hört erschienen solche Befürchtungen im osteuropäischen Ausland durchaus nicht von der Hand zu weisen.
Bevor es dann wieder nach draußen ging, ging es dann erst einmal zum Abendbrot in die an die Pension angeschlossene Pizzeria. ” Da fahren die Beiden nach Tschechien und essen Italienisch.”, mögen jetzt einige denken – nun ja. Mag komisch klingen, dennoch hatte es sich gelohnt. Beide entschieden wir uns für eine Calzone und (natürlich) ein lokales Bier Pilsener Brauart.
Entgegen dessen was ich von hier gewohnt bin, stellte sich die Calzone als ein Stück gefüllten Teiges mit einem Klecks Käse obenauf heraus.

Pizza Calzone aus der Pizzeria in der Pension Antica
Gefüllt war das ganze mit einer durch Pepperonischoten ziemlich scharfen Füllung – sehr sehr lecker muß ich hier mal sagen, auch wenn ich eine Calzone eher als komplett überbackene Klapp-Pizza gewohnt bin. ![]()
Schließlich machten wir uns wieder auf den Weg, um das Nachtleben von Pilsen etwas zu erkundigen. Hierzu sei bereits im Vorraus zu erwähnen, daß dieser Ort im Gegensatz zu Karlsbad nicht unbedingt eine Touristenstadt ist, vor allem nicht Anfang Januar.
Dennoch waren wir frohen Mutes etwas passendes zu finden und begaben uns auf die Suche. Extrem viele Bars und Kneipen waren so genannte “Herna Bars” – scheinbar so etwas wie eine Spielhalle mit Kneipenbetrieb. Nichts für uns – aber trotzdem fanden wir einige nette Lokaliäten und suchten nach einer kleinen Bestandsaufnahme im Vorraus einen Irish Pub mit Namen “Zachs Pub“, der in einem kleinen Hinterhof in der Straße Kollerova gelegen war.

Zach’s Pub – Pilsen
Nicht daß man nach Tschechien fahren müsste, um einen Irish Pub zu besuchen, dennoch stellte sich unsere Wahl als sehr gut heraus, denn wir nahmen hier Kontakt zu einem der Einheimischen auf, der uns (in fast akzentfreiem und fließendem englisch) einige Tipps für den weitere Abend gab. Des weiteren erfuhren wir, daß die Pilsener Uni eine Partnerschaft mit der Jenenser besitzt.
Nächster Anlaufpunkt war ein Jazzclub in einem Keller, der sich jedoch als zu überfüllt herausstellte, so daß wir schnell weiter zogen. Ich will das ganze jetzt hier nicht zu sehr ausdehnen, neben besagtem Jazzclub seien aber vor allem noch der “21 Club” erwähnt und empfohlen, der sich in der selben Straße, Prokopova genannt, befindet wie unsere Pension.
Am nächsten Morgen checkten wir kurz vor 10.00 Uhr aus der Pension auf und begaben uns zum Frühstück ins Café Mastanska Besada Café an der Straße Smetanovy sady am Rande eines kleinen Parkes.

Park in der Innenstadt von Pilsen

Links: Standbild von Martinu Kopeckému – Rechts : Wetterstation(?)

Häuserfront des Café Mastanska Besada – Pilsen
Wir hatten dieses bereits am Vortag entdeckt und es schon zu diesem Zeitpunkt als perfekten Ort für unser Frühstück auerkoren. Alleine das Innere des Cafés ist den Besuch wert und die Preise sind, wie überall in Tschechien, sehr annehmbar.
Nach einem ausgedehnten Frühstück und einige Tassen Kaffee später machten wir uns dann wieder auf die Straße und verließen Pilsen.
Über Karlsbad fuhren in Richtung Chomutov, wo wir dann noch einmal kurz Rast machten. Chomutov (Komotau) selbst erschien mir persönlich eher eine Industriestadt, die vor allem durch den Braunkohletagebau, mindestens zwei große Kraftwerke und vielen Plattenbauten geprägt wird.
Leider fehlte uns die Zeit, hier noch die Innenstadt zu besichtigen – daher kann ich nicht sagen ob sich der Besuch dort lohnt. Erwähnen möchte ich noch unseren Besuch bei einem der vielen Marktstände zwischen Chomutov und der Grenze. Diese sind beherrscht von Vietnamesen, die neben Zigaretten auch (gefälschte?) Markenkleidung zu Dumpingpreisen verkaufen. Na ja, Zigaretten kann man sich ja mal eine Stange mitnehmen, aber mir erschienen diese Leute eher unsympathisch, gerade weil sie ihre Kunden zum Kauf weiterer Waren zu nötigen versuchten.
Über den Grenzübergang Reitzenhain südlich von Karl-Marx-Stadt Chemnitz erreichten wir schließlich wieder die Bundesrepublik.

Grenzübergang Reitzenhain
Als kleines Fazit muß ich sagen: Ein wirklich interessanter Besuch unseres südöstlichen Nachbarlandes – könnte man durchaus öfters machen. Gerade weil die Entfernung ja nun wirklich nicht so riesig ist. Landschaftlich glichen die von uns besuchten Gebiete zwar in weiten Teilen den deutschen Mittelgebirgen, aber gerade die Städte und Dörfer mit sind nicht nur architektonisch reizvoll.
Tags: calzone, Digitale-Bohème, photo, pilsen, reisen, tschechien
Digital Bohéme in real Bohemia – [1/2] – Karlsbad
8.01.2007 22:34 bilderbuch, reisen, tschechien9 Kommentare
Kurzfristig entschlossen begaben Herr Gonzo und ich uns am Samstag morgen auf die Reise ins schöne Böhmen. Gegen 9:00 Uhr verließen wir Jena und erreichten um etwa 11.40 Uhr den Grenzübergang bei Selb.
Zum Grenzübertritt reichten unsere Personalausweise – denn auch wenn der Euro in Tschechien noch nicht die dort gültige Tschechische Krone ersetzt hat, so gehört dieser ehemalige Ostblockstaat doch zur europäischen Union und ein simples vorzeigens der Ausweise gegenüber den im übrigen eher gelangweilt in ihren Häuschen sitzenden Zollbeamten der deutschen und tschechischen Seite genügte für die Einreise. Somit erreichten wir das, was wir scherzhaft als “das Mexico für Deutsche” bezeichnet hatten: Die Tschechische Republik. ![]()
Ein weiteres Stündchen Autofahrt über die gar nicht mal so schlechten Straßen in Tschechien kamen wir schließlich in Karlovy vary (Karlsbad) an. Das Wetter war zwar nicht gerade das Beste, es war bedeckt, aber zumindest regnete es nicht. Nachdem wir uns einen Parkplatz gesucht hatten und nach kurzem organisieren der lokalen Währung einen Parkschein an einem der Automaten gelöst hatten, machten wir uns auf den Weg, die Kurstadt ein wenig zu erkunden.
Wie in vielen Städten in Böhmen fallen dem Besucher als erstes die vielen wirklich schönen, wenn auch teilweise etwas verfallenen Jugendstilhäuser auf. Mein letzter Besuch in Tschechien, genau genommen in Prag, liegt ja schon viele Jahre zurück, es muß wohl Anfang der 90er Jahre gewesen sein. Damals hatte mich die Architektur auch schon sehr fasziniert. Hier in Karlsbad, welches wir damals beim letzten Ausflug nur kurz für einen Zwischenstop besucht hatten, wiederholte sich diese Erfahrung.
Eine neue Erfahrung jedoch waren die riesigen Massen an Touristen aus Russland, die wir Karlsbad vorfanden.
Liegt wohl daran (vermute ich mal) daß gerade Urlaubssaison dort ist – auf jeden Fall erschien es mir, daß dort mehr Russen als Deutsche herumliefen. Denen soll wohl auch schon, wie ich im Nachhinein hörte, ein großer Teil der Hotels dort gehören. Störte nicht wirklich, fiel mir nur so auf.
An einem Schloss nahe eines Glasobelisken, der scheinbar ein beliebtes Fotomotiv der russischen Touristen war, mir aber absolut nichts sagte, bogen wir rechts ab.
Über eine kleine Steigung und gelangten schließlich zu einer der wohl insgesamt 19 Quellen der Stadt, gelegen innerhalb einer Kollonade am Rande eines Parkes (die wie ich bei meinen Recherchen zu diesem Post feststellte passenderweise den Namen “Parkkollonade” trägt
)

Links: Blick aufs Kurhaus Karlsbad – Rechts: Parkkollonade

Links: Statue Parkkollonade – Rechts: Pagode Parkkollonade
Nachdem wir diese Kollonade durchquert hatten, erreichten wir die eigentliche Innenstadt oder auch den Kurbezirk von Karlsbad, welcher in der Mitte durch einen kleinen Fluß durchschnitten war. Fußgängerbrücken ermöglichten jedoch problemlos das überwechseln von der einen auf die andere Seite.
Damit kamen wir zum meiner Meinung nach schönsten Teil der Stadt mit einigen weiteren Kollonaden, Pavillions und eng aneinander gebauten Häusern rund um den im Zentrum fließenden Fluß.

Links: Altstadt Karlsbad und Mühlbrunnenkollonade – Rechts: Kurhaus

Links: Malerischer Kanal in Karlsbad – Rechts: Maria Magdalena Kirche

Markskollonade
Nach vielen Laufkilometern bekamen wir langsam Hunger und sahen uns nach einer entsprechenden Lokalität um, die preislich und vom Angebot her unseren Ansprüchen entsprach. Nach einigen Fehlversuchen stießen wir in einer Seitengasse auf das Restaurant “U Svejka” – angelehnt an die Geschichte vom braven Soldat Schwejk (oder Schweijk) – von denen es im übrigen in jeder größeren tschechischen Stadt ein (meist touristisch geprägtes) Restaurant zu geben scheint. Die Innenräume waren eng, aber sehr gemütlich. Was mir auffiel, war, daß sobald einer der größeren Tische frei wurde, die Bedienungen ein “reserviert”-Schild darauf stellten, wohl um zu verhindern das sich zwei Mann Gruppen an die großen Tische setzen.
Gonzo und ich fanden einen netten zwei-Mann-Tisch und entschieden uns nach kurzer Durchsicht der mehrsprachigen Karte beide für den “Böhmischen Teller” mit drei Sorten Fleisch, böhmischen Knödeln sowie Weiß- und Rotkraut.
Für 106 Böhmische Tschechische Kronen, umgerechnet bei einem Wechselkurs von 1:26 zum Euro gerade mal etwas mehr als 4 Euro bekamen wir eine wirklich riesige Portion mit der sogar ich gegen Ende kämpfen mußte – und das will schon was heißen…
Ansonsten waren die Bedienungen trotz einigen Stresses recht nett und des weiteren mindestens dreisprachig, also deutsch, russisch und natürlich tschechisch. Kann man sehr empfehlen für Besucher in Karlsbad.
Gut gesättigt setzten wir unseren Weg nun fort und folgten dem Fluß noch bis zum bekannten Grandhotel Pupp.
Von dort aus ging es dann nicht mehr weiter und wir machten uns auf der anderen Seite auf den Rückweg. Unsere Suche nach einem Cafe welches uns zusagte schlug dabei, trotz einiger Umwege leider fehl, dennoch gelang es uns, einige weitere schöne Stellen der Altstadt von Karlsbad zu entdecken.
Schließlich rang ich mich noch einmal dazu durch, das Heilwasser an einer der Quellen zu versuchen. Dazu erwarb ich mir (auch als Andenken) eine jener Tassen mit “Trinkgriff” zum, meiner Meinung nach vollkommen überteuerten Preis von 170 Kronen (ca. 6,50 Euro). Die billigeren gefielen mir halt noch weniger. Aber wenn man schon mal in Karlsbad ist.

Andenken-Tasse aus Karlsbad
Herr Gonzo berichtete, daß es ihm von dem Wasser mal schlecht geworden ist, daher waren meine Erwartungen eher niedrig. Bekam dann aber zum Glück keine Probleme durch den Genuß. Es schmeckte metallisch und leicht säuerlich und war handwarm – na ja, wenns schön macht. Mein Fall ist es auf jeden Fall nicht.
Nächste Überlegung war es, ob wir hier in Karlsbad blieben oder weiter nach Plzeň (Pilsen) fahren (welches einer Verwechslung einer Straßennummer mit einer Kilometerangabe nur 20 Kilometer entfernt sein sollte). Wir entschieden uns für die Weiterfahrt, stellten dann zwar fest daß es doch wohl ca. 80 km sein sollen, folgtem dem Weg aber trotzdem weiter. Um diesen Post nicht zu sehr aufzublähen, berichte ich darüber in Teil zwei meines kleinen Berichtes. Stay tuned…
Tags: Digitale-Bohème, photo, reisen, tschechien


























































































































