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Das Portal der Dämonen – John Connolly – ein Buchreview

Wednesday, December 12th, 2012

Mit Das Portal der Dämonen habe ich mein erstes Werk des irischen Schrifstellers John Connolly verschlungen und war wirklich begeistert. Connolly ist wohl am ehesten durch seine Reihe um den New Yorker Privatermittler Charles „Bird“ Parker bekannt, das in diesem Beitrag besprochene Buch ist allerdings als Einzelwerk zu bezeichnen. Dabei sei zu erwähnen, dass ich hier zur ungekürzten Hörbuchversion mit einer Laufzeit von 8 Stunden und 23 Minuten gegriffen habe, die von dem kölner Sänger und Schauspieler Gerd Köster gesprochen wird. Diesem gelingt es dabei wunderbar, jedem der einzelnen Akteuren einen stimmlich eigenen Charakter zu geben.
Protagonist des Buches ist der elfjährige Samuel, der in der britischen Kleinstadt Biddlecombe lebt. Außer durch seine etwas gesteigerte Intelligenz, die ihn hier und dort mal ein wenig anecken lässt, lebt er ein ruhiges und beschauliches Leben. Doch das soll sich schnell ändern, als seine Nachbarn in der Crowley Avenue 666 eher aus Langeweile beschließen, in ihrem Keller eine Dämonenbeschwörung abzuhalten. Gemeinsam mit einem etwas außerplanmässig ablaufenden Experiment im Teilchenbeschleuniger am CERN in Genf ermöglichen sie so, dem Großen Verderber, einem seit fast ewigen Zeiten in der Einöde der Hölle gefangenen, abgrundtief bösen Dämon, ein Portal zur Welt der Menschen zu öffnen und eine Vorhut seiner Diener zu schicken, die seine Ankunft vorbereiten und damit das Ende der Welt einleiten sollen. Zufällig werden Samuel und sein Dackel Boswell Zeuge der Ankunft dieser Dämonen, die in die Körper ihrer Nachbarn schlüpfen und bleiben dabei nicht ganz unbemerkt. Das hat zur Folge dass Samuel sich von nun an gegen immer heftiger werdende Attacken der etwas dumpfbackigen Dämonen und ihrer Helfer zur Wehr setzen muss. Doch bald schon naht – zugegebenermaßen etwas unfreiwillig – Hilfe von unerwarteter Seite: der Dämon Nurd, bekannt als die “Geisel der 5 Gottheiten”, der gemeinsam mit seinem Helferlein Wermut bereit vor langer Zeit vom großen Verderber in die Einöde der Hölle verbannt worden war, zieht es ohne sein Zutun ebenfalls in die Menschenwelt und lernt nach einigen Anlaufschwierigkeiten dort schließlich Samuel kennen und schließt Freundschaft mit ihm. Doch die Zeit wird knapp, denn das Portal beginnt sich zu erweitern und weitere Dämonen strömen auf die Erde, um sie in Chaos zu stürzen – und es scheint alleine an Samuel zu hängen die Welt vor den Heerscharen des großen Verderbers zu retten und somit das Überleben der Menschheit zu sichern.

Der Plot hört sich zwar nach einer Horrorgeschichte an, aber ich musste mich während ich mir dies Buch zu Gemüte führte nicht einmal ansatzweise gruseln, dazu blieb bei den vielen Schmunzeln und Lachen welche die Geschichte in mir hervorrief auch gar keine Zeit. John Connolly gelingt es in dem Buch auf wunderbar amüsante Weise, selbst das bevorstehende Ende der Menschheit wie und die Bedrohung des Universums durch die Heerscharen der Hölle in eine rasanten und kurzweiligen Abenteuergeschichte zu verwandeln. Im Nachhinein gesehen könnte man das Werk wohl in den Bereich Jugendbuch einordnen, aber das soll auch einen Erwachsenen wie mich natürlich nicht davon abhalten ein solches Buch zu genießen – zumal ich die gelungene und erfrischende Erzählweise, die Connolly an den Tag legt und die sich durchaus mit Autorengrößen der Funny Fantasy wie einem Terry Pratchett messen kann, auch für absolut frei von irgendwelchen Altersbeschränkungen halte. Ein überaus gelungenes Buch, das ich für alle Altersstufen vorbehaltlos weiterempfehlen kann.

Meine Wertung: 3 Sterne

Der Krater – Douglas Preston – ein Buchreview

Wednesday, June 13th, 2012
Der Krater - Douglad Preston

Quelle: Audible

Mit Der Krater habe ich erstmalig ein Buch des US-amerikanischen Autors Douglas Preston verschlungen. Dieses 2010 unter dem englischen Titel Impact erschienene Werk ist das zehnte seiner Einzelwerke, hinzu kommen siebzehn weitere Werke, die er zusammen mit Lincoln Child veröffentlicht hat, darunter die relativ bekannte Reihe um den FBI-Agenten Aloysius Pendergast. Das erste Buch dieser Reihe, Relic – Deutsch Das Relict, wurde 1997 auch schon – wie ich finde recht passabel – verfilmt. Allerdings fehlt in dieser Verfilmung jeglicher Bezug auf Pendergast, der hier auch im Buch nur als Nebencharakter auftritt.
Aber ich schweife ab – eigentlich soll es hier ja um das Buch Der Krater gehen, das ich in ungekürzter Hörbuchform mit einer Laufzeit von knapp zwölfeinhalb Stunden bei meinem Standard-Hörbuchdealer Audible erworben hatte. Gesprochen wird diese bei Der Hörverlag erschienene Vertonung von Uve Teschner, einem Sprecher von dem bisher meines Kenntnisstandes noch keine Werke konsumiert hatte, der mit seiner gelungenen Arbeit hier durchaus Lust auf mehr machte.
Kommen wir nun zum Inhalt – ich versuche dabei natürlich so wenig wir möglich zu spoilern: Als vor der Küste des US-Bundestaates Maine ein Meteorit niedergeht, sind die junge Afroamerikanerin Abby und ihre Freundin Zeuge des Ereignisses und entdecken bald, dass das kosmische Objekt scheinbar nicht im Meer, sondern auf einer der vielen dortigen Inseln niedergegangen ist. Sie wittern eine leichte Möglichkeit, das Objekt zu bergen und zu Geld zu machen, daher begeben sie sich wenig später auf die nicht ungefährliche Suche nach dem Einschlagsort. Parallel erhält der ehemalige CIA-Agent Wyman Ford den Auftrag, sich auf die Spur von radioaktiv strahlenden Edelsteinen zu begeben, die seit kurzer Zeit, aus Dschungel von Kambodscha kommend, auf dem Weltmarkt aufgetaucht sind. Des weiteren geschieht in Kalifornien ein grausamer Mord an einem ehemaligen NASA-Wissenschaftler und einer seiner früheren Schüler und derzeitiger Nachfolger bei der Mars-Mission der NASA stößt bei seinen Nachforschungen auf ungewöhnliche Gammastrahl-Emissionen, die vom roten Planeten auszugehen scheinen. In welchem Zusammenhang sie mit dem Mord stehen ist dabei zuerst vollkommen unklar. Klingt im ersten Moment nach drei vollkommen zusammenhanglosen Erzählsträngen, die der Autor jedoch sehr gekonnt langsam zusammenführt und um weitere Protagonisten wie zum Beispiel einen Auftragskiller erweitert, der den Auftrag erhält eine verschwundene Festplatte der NASA wieder zu beschaffen und die Verantwortlichen zu beseitigen.
Zu Beginn zieht sich die Erzählung aufgrund der teilweise recht gründlichen Einführung der einzelnen Charaktere etwas, aber schon bald nimmt die Erzählung fahrt auf und dem Leser wird schnell klar, in welchem Zusammenhang die einzelnen Ereignisse stehen. Preston gelingt es dabei, den Leser regelrecht an die Handlung zu fesseln, während sich die Ereignisse immer mehr zu überschlagen beginnen und sich mit zahlreichen, teilweise unerwarteten Wendungen einem spannenden Höhepunkt und einem überraschendem Ende entgegen bewegen.
Trotz der Tatsache, dass hier (*Achtung: Spoiler*) etwas Außerirdisches mit im Spiel ist, würde ich das Buch doch eindeutig unter dem Oberbegriff Thriller und nicht etwa unter Science Fiction einordnen. Ein durchgehend spannendes Werk, das aufgrund des sehr gelungenen Spannungsbogens und des großen Unterhaltungswerts über die wenigen kleinen logischen Schwächen innerhalb der Handlung gerne hinwegsehen lässt. Aus meiner Sicht hat das Werk alles, was man von einem guten, soliden Thriller erwartet, ich wurde kurzweilig und wunderbar unterhalten. Das macht auf jeden Fall Lust auf mehr von diesem Autor.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Das kupferne Zeichen – Katia Fox

Monday, August 15th, 2011

Mit Das Kupferne Zeichen der deutschen Authorin Katia Fox (Homepage) hat es mich Literarisch ein weiteres Mal in den Bereich des Hochmittelalters verschlagen. Das 2007 bei Bastei-Lübbe erschienene Buch ist laut meiner Recherche mal wieder ein Erstlingswerk und Teil eins einer Triologie die mit den Werken Der silberne Falke (2009) ihre Fortsetzung und Der goldene Thron (2010) schließlich ihren Abschluß fand. Ich wählte dabei die (leider gekürzte) Hörbuchversion, die von der deutschen Schauspielerin Dana Geissler (Hompage) gesprochen wurde. Erworben wie immer bei meinem Hörbuchdealer Audible, wo ich eher per Zufall darauf gestoßen war und mich aufgrund des Klappentextes spontan dazu entschloss es zu erwerben.
In diesem Buch, welches den Leser ins England des 12. Jahrhunderts versetzt, dreht sich die Geschichte um die zu Beginn gerade zwölfjährige Ellenweore, genannt Ellen, die in der Schmiede ihres Vaters aufwächst und selbst davon träumt einmal Schmiedin zu werden, auch wenn dies nicht gerade in das Rollenverständnis der Menschen dieses Zeitalters passt. Als sie beim Beobachten eines Techtelmechtels eines lokalen Adeligen erwischt wird, flieht sie aus Angst vor Bestrafung aus ihrer Heimat und verkleidet sich als Junge. In dieser Rolle kommt sie bald als Lehrling bei einem Schmied unter und kommt so ihrem lange gehegten Traum einen guten Schritt näher. Als sie nach einigen Wirren schließlich bei einem berühmten Schwertschmied landet, bietet sich ihr die Möglichkeit ihrem Meister für den englischen König nach Frankreich zu gehen und dort Waffen zu fertigen. So macht sie sich, immer noch als Junge verkleidet, auf den Weg über den Kanal. Dort kann sie trotz ihrer fortschreitenden Pubertät ihr Geheimnis noch einige Zeit verbergen und lernt einen Teil des höfischen und ritterlichen Lebens am Königshof kennen. Doch als sie sich – noch immer in ihrer Rolle des Schmiedegesellen Alan – in einen der jungen angehenden Ritter verliebt und ein anderer Knappe auch beginnt wegen eines nichtigen Streites nachzustellen, muss sie schweren Herzens wieder weiterziehen. Doch Ellen hat sich nun eine Aufgabe in den Kopf gesetzt, die sie unbedingt erfüllen will: Sie möchte endlich als Schmiedin anerkennt und als erste Frau ein Schwert für den König schmieden. Doch bis es dazu kommt, liegt noch ein schwieriger und leidvoller Weg vor ihr.
Leider musste ich mal wieder feststellen, dass durch die Kürzungen in solchen Büchern häufiges einiges verloren zu gehen scheint. So auch bei diesem Hörbuch, dass zwar eine durchgehend spannende und interessante Geschichte bietet, aber der doch irgendwie das gewisse i-Tüpfelchen fehlte. Katia Fox hat für ihren Debütroman aber auf jeden Fall großen Aufwand in die Recherche Schwertschmiedekunst des Mittelalters gesteckt, die hier sehr detailreich beschrieben wird. Sie legt auch mehr Wert auf die Beschreibung der Charakteren und Denkweisen der einzelnen Handelnden und konzentriert sich nur wenig auf die Beschreibung des Umfeldes und den historischen Rahmen. Das macht aber gerade auch den gewissen Reiz dieses Romanes aus. Trotz der kleinen, durch die Kürzungen einhergehenden Einschränkungen gefiel mir die ausgewogene und spannende Geschichte gut. Bin gespannt wie es in den folgenden Teilen weitergeht, die ich mit Sicherheit auch noch konsumieren werden – allerdings in ungekürzter Form wenn möglich. 😉

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Die Sturmkönige-Triologie – Kai Meyer

Saturday, July 2nd, 2011

Mit ihren drei Bänden Dschinnland, Wunschkrieg und Glutsand, der sogenannten Sturmkönige-Triologie, habe ich in Hörbuch-Form – erschienen bei Lübbe Audio und erworben wie immer bei meinen Haus-Hörbuchdealer Audible.de – mal wieder etwas Literatur verschlungen, die man wohl am treffendsten als Modernes Märchen oder Phantastik bezeichnen darf.

Ihr Schöpfer, der deutsche Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller Kai Meyer hat sich in dieser Literatursparte mit inzwischen über 50 Büchern einen Namen gemacht. Ich selbst muss zugeben dass dies die ersten Bücher dieses Autor sind die ich gelesen habe – aber sein Schreibstil macht eindeutig Lust auf mehr. Wobei mit Sicherheit hier auch der Sprecher Andreas Fröhlich seinen Anteil dazu beigetragen hat, dass ich mir gleich alle drei Teile hintereinander “reingezogen” habe. Aber nun genug der langen Vorrede, kommen wir nun zum eigentlichen Inhalt dieser Bücher:
Wir schreiben das 8. Jahrhundert nach Christus. Es ist nun fünfzig Jahre her dass die Dschinne aus den Wüsten und Einöden des Morgenlandes kamen und Tod und Verderben über die Landstriche zwischen Bagdad und Samarkand gebracht haben. Nur wenige todesmutige Schmuggel wagen es, die gefährliche Strecke zwischen diesen Städten auf ihren fliegenden Teppichen zu bewältigen. Auch Tarik al-Jamar und sein Bruder Junis gehörten einst zu diesen Männern, doch seit die Dschinne Tariks Geliebte Maryam geschnappt und offensichtlich getötet haben ist das Verhältnis der Brüder zerrüttet und Tarik versucht mit leichten Vergnügungen und der gelegentlichen Teilnahme an verbotenen Teppichrennen über Wasser zu halten. Erst als das Haremsmädchen Sabatea seinen Bruder Junis dazu überredet die gefährliche Reise nach Bagdad ein weiteres Mal zu machen um sie dort hin zu bringen, entschließt sich Tarik zähneknirschend dazu mit den beiden zu ziehen – denn trotz allem Zwists möchte er seinen Bruder nicht alleine gehen lassen. Auf der Reise treffen sie neben zahlreichen anderen Gefahren auch auf den Dschinnfürsten Amaryllis, den sogenannten Narbennarren, der sich versucht aus Leichenteilen ein menschliches Äußeres zu geben. Er, der es auch damals gewesen war der Maryam verschleppt hat, nimmt die Brüder gefangen und bringt sie in sein Versteck, wo er sie quält und zu seinen willenlosen Dienern machen will. Doch bei einem Überfall der Sturmkönige, einer Rebellentruppe die sich mit Magie die Kraft von Stürmen gefügig machen und sie als Waffe gegen die Dschinne einsetzen, können die Brüder und Sabatea fliehen und es gelingt Tarik schließlich sogar, den Dschinnfürsten Amaryllis zu töten. Neue Rätsel gilt es nun zu lösen: Was ist der Dritte Wunsch? Wollen die Dschinne dessen Magie verwenden um die Menschen entgültig zu vernichten? Welche Rolle spielen der naive Ifrin, ein Wüstengeist, und das geheimnissvolle Elfenbeinpferd dabei, die sich den Fliehenden bald anschließen. Während Junis sein Glück bei den Sturmkönigen versucht, bringt Tarik Sabatea nach Bagdad und erfüllt so seinen ursprünglichen Auftrag. Doch die Stadt ist kurz davor, von einem riesigen Heer der Dschinne belagert zu werden und Tarik versucht in Bagdad Licht hinter das Geheimnis des Dritten Wunsches zu bringen. Hinweise aus dem Diebesviertel von Bagdad bringen ihn auf die Spur hoher, dem Kalifen nahestehende Würdenträger, die mehr über diesen Dritten Wunsch zu wissen scheinen. So trifft er schließlich auf den Hofmagier Khalis, der scheinbar die Magie des Dritten Wunsches nutzen will um seine leblos in einem magischen Honigschrein konservierte Tochter zu retten. Gemeinsam mit ihm, den beiden Dieben Nachtgesicht und Ifranji sowie dem Byzanzinischen Dschinnjäger Amerik macht sich Tarik schließlich auf dem Weg in die magische Stadt Skarabapur um dort das Geheimnis des Dritten Wunsches zu lüften während sein Bruder Junis an der Seite der Verteidiger von Bagdad versucht dem Ansturm der Dschinnheere zu widerstehen. Wird es gelingen die Dschinne aufzuhalten? Was steckt hinter dem Geheimnis des Dritten Wunsches? Und welche Rolle spielt das geheimnisvolle Kind Jibril, dass die Rebellengruppe der Sturmkönige anzuführen scheint? Bis zum großen Showdown in Skarabapur stehen den verschiedenen Darstellern noch reichhaltige Abenteuer bevor bis sich alles schließlich auflösen wird. Ob zum guten oder schlechten möchte ich hier aber natürlich nicht verraten. 😉
Kai Meyer gelingt es in diesen drei Büchern eine komplexe und spannende Welt aufzubauen, die Elemente aus den klassischen Märchen von 1001 Nacht und moderner Fantasy gekonnt kombiniert. Aufgrund eines recht schonungslosen Detailreichtums mit dem der Autor die Brutalität des Krieges und der Dschinne beschreibt würde ich das ganze auch nicht unbedingt als Jugendbuch abtun, sondern eher in den Bereich der Erwachsenenliteratur einordnen. Jeder der Bände bietet zwar ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, ist aber so in die Gesamtgeschichte verwoben dass es sinnlos wäre die Bücher einzeln zu betrachten. Außerdem enden die ersten beiden Bände natürlich mit einem kleinen “Cliffhanger”, so dass man sozusagen gezwungen ist weiter zu lesen. Auch wenn die Hörbuchversionen gekürzt sind, sind die mit 7 Stunden und 18 Minuten (Dschinnland), 7 Stunden (Wunschkrieg) und 7 Stunden und 45 Minuten (Glutsand) kein kurzes Vergnügen. Doch trotz der Kürzung geht meiner Meinung nach keine relevante Information verloren. Eine spannende und kurzweilige Geschichte um Magie, Liebe, Krieg und die Rettung des Morgenlandes die ich vorbehaltlos weiter empfehlen kann. Macht durchaus Lust auf mehr aus der Feder dieses Autors. Bei wie zu Beginn erwähnt über 50 Büchern die Kai Meyer bis heute veröffentlicht hat wird sich mit Sicherheit also das eine oder andere Werk demnächst mal auf meinen Nachttisch oder meinen MP3 Player verirren.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Oktoberfest – Christoph Scholder

Saturday, January 22nd, 2011

Mit Oktoberfest habe ich gestern den Debütroman des deutschen Autors Christoph Scholder abgeschlossen. Und nach fast vier Jahren Arbeit hat der Universitätsdozent für Soziologie und Spätzünder was Bücher schreiben angeht einen Thriller abgeliefert, der meiner Meinung nach den Werken eines David Baldacci, Stieg Larsson oder John Katzenbach durchaus das Wasser reichen kann.
Ich hatte mich wieder für das Hörbuch mit einer Laufzeit von fast 17 Stunden entschieden, die mal wieder sehr packend von Detlef Bierstedt gelesen wird. Diese Hörbuchfassung gibt es aktuell Exklusiv bei Audible – für die Freunde des gedruckten Wortes ist die ca. 600-seitige Printausgabe im Droemer-Verlag erschienen.
Die Handlung dieses Buches spielt wie der Name schon vermuten lässt natürlich in München, wo das Oktoberfest mal wieder im vollen Gange ist. Zehntausende feiern und trinken ausgelassen auf dem wohl größten Volksfest der Welt. Doch am zweiten Wiesnsonntag kommt es zu einem Ereignis, das die schlimmsten Alpträume der Veranstalter und Sicherheitsbehörden in den Schatten stellt. Unter dem Kommando des skrupellosen Generalmajor Oleg Blochin nimmt eine abtrünnige russische Speznas-Einheit in einer sauber geplanten Kommandooperation zuerst das Benedektiner-Zelt und wenig später auch die übrigen Bierzelte auf der Theresienwiese als Geiseln und droht alle Besucher mit tödlichen Nervengift zu exekutieren. Über siebzigtausen Menschen befinden sich in der Gewalt der Elitesoldaten, deren Ziel es ist 2 Milliarden Euro in Rohdiamanten zu erpressen. Die Münchner Polizei, die Bayrische Landesregierung und auch die bald schon eingeschaltete Bundesregierung sind im ersten Moment ratlos wie sie gegen diesen bis ins letzte Detail geplanter Coup vorgehen können. Als zur Reaktion auf eine übereilte und misslungene Aktion der Behörden fast 2000 Besucher eines Zeltes einen grausamen Tod durch das Nervegas finden, droht die Situation zu eskalieren. Doch da tritt Wolfgang Härter, Mitglied einer geheimen Abteilung des Militärischen Abschirmdienstes, Marineschwimmer und Kapitän der deutschen Bundesmarine auf den Plan und versucht mit viel Taktik und allerlei Kniffen zu retten was zu retten ist und die größte Bedrohung die Deutschland sich seit Ende des zweiten Weltkrieges gegenüber sah so glimpflich wie möglich zu beenden.
Ich muß zugeben dass mich der Plot im ersten Moment zwar begeistert, aber beim längeren Überlegen dann doch etwas abgeschreckt hat. Zu sehr klang mir das Ganze nach einer sehr konstruierten und unglaubwürdigen Geschichte. Aber bereits nach den ersten Kapiteln konnten diese Bedenken verworfen werden, denn es gelingt Christoph Scholder sowohl die Haupt- als auch die Nebencharaktere dem Leser realistisch und wirklichkeitsnah zu vermitteln. Alle Aktionen der handelnden Einzelpersonen, der bundesdeutschen Exekutive, der Einsatz von SEK, GSG9 und KSK sowie im Verlaufe des Buches sogar der Bundeswehr erschienen plausibel und glaubwürdig. Dabei hat der Autor offensichtlich großen Aufwand in die Recherche gesteckt und das Buch mit vielen Fakten über Kommandostrukuren, technische Details von eingesetzten Waffen und Kryptotechniken oder auch die gesetzlichen Vorschriften gespickt, dass soweit ich das zu Beurteilen vermag zu keinem Moment der Eindruck entsteht dass die hier erzählte Geschichte unrealistisch oder überzogen wirkt. Und auch bei der Beschreibung der Wirkung des Nervengases oder bestimmter Waffen lässt er es nicht aus deren Wirkung bis ins Kleinste zu beschreiben, was mich das eine oder andere Mal doch etwas schaudern ließ. Obwohl im Verlauf der Erzählung viele parallele Handlungsstränge aufgebaut werden, gelingt es dem Autor außerdem, keinen davon im Sande verlaufen zu lassen sondern führt alles am Ende zu einem großen Finale wieder logisch zusammen – eine Leistung die nicht jedem Schreiber gelingt.
Besonders im ersten Drittel des Buches steckt Scholder viele Seiten in die Einführung verschiedener Hauptpersonen. Zum einen wird sehr akribisch über Karl Romberg und seine Karriere vom einfachen Automechaniker zum Spediteur berichtet, auch wenn er zumindest aus meiner Sicht insgesamt eine eher untergeordnete Rolle spielt. Für die Abrundung der Geschichte wichtiger erscheinen da die Rückblicke in die Vergangenheit der Speznas-Einheit, unter anderem ins russisch besetzte Afghanistan des Jahres 1984 und ins tschetschenische Grosny des Jahres 1994, um deren Handlungsweise und Vorgehen in der Jetztzeit zu verstehen. Nur über Wolfgang Härter, der ja eindeutig die wichtigste Person des ganzen Buches ist, lässt sich Scholder nur hier und da dazu hinreißen, Details über dessen Leben preis zu geben – gerade genug um den Charakter und die Handlungsweise zu verstehen. Einzig bei der Konstruktion dieser Person hat er dabei, so empfand ich es zumindest, an ein oder zwei Ecken ein klein wenig zu dick aufgetragen. Aber wer Thriller liest braucht eben seine Helden, daher kann man retrospektiv auf das Gesamtwerk gesehen gut damit leben.
Für ein Erstlingswerk kann ich da nur sagen: Hut ab. Diesem Buch ist es wirklich gelungen mich zu fesseln und hat es mich innerhalb von nur wenigen Tagen verschlingen lassen. Auch wenn es mich freuen würde wenn es noch weitere Werke mit Wolfgang Härter geben würde, kann ich mir doch aktuell nur schwer vorstellen, dass der Autor ein solches Handlungsspektakel wiederholen könnte ohne dass es doch beginnen könnte doch unglaubwürdig zu werden. Obwohl natürlich Serien wie 24 mit Kiefer Sutherland schon bewiesen haben, dass man sich in solchen Prognosen auch irren kann. Wie dem auch sei – ich werde auf jeden Fall die Augen nach weiteren Werken von Christoph Scholder Ausschau zu halten. Da dieses Buch aber erst im August 2010 erschienen ist, wird bis dahin wohl noch etwas Zeit vergehen. Ich bin da ja mal sehr gespannt.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen