Votivkapelle Berg & Kloster Andechs
15.08.2012 21:47 PhotowalksUnkommentiert
Heute an Mariä Himmelfahrt ist hier in Bayern ein Feiertag und somit Arbeitsfrei. Da wollte ich natürlich nicht zu Hause versauern, vor allem da das Wetter mit 25 bis 28 Grad und Sonnenschein auch angenehm warm werden sollte. Also entschloss ich mich spontan und ungeplant dem Starnberg mal einen Besuch abzustatten – wenn ich mich auch leider erst kurz vor Mittag zum Aufbruch durchringen konnte, was sich als Fehler erweisen sollte – dazu aber später mehr.
Mit dem Auto aus München herauszukommen erwies sich auf jeden Fall schon mal als gar nicht so einfache Aufgabe, denn die Heckenstallerstraße in Sendling, der Zubringer zur A95 in Richtung Starnberg, ist aktuell Baustelle und das Verkehrsaufkommen war enorm. Doch nachdem ich endlich die Autobahn erreicht hatte, ging alles recht fix. Am Autobahnkreuz Starnberg wechselte ich auf die A952 und kam so schließlich in Berg am Starnberger See an, meinem ersten Ziel für heute. Glücklicherweise fand ich hier sogar einen gebührenfreien Parkplatz in der Nähe des Sees auf dem ich noch einen Platz für mein Auto fand.
Berg (Starnberg) – Votivkapelle & Todesstelle Ludwig II.
So konnte ich mich endlich auf den Weg machen. Über eine Art Trampelpfad erreichte ich schließlich die Straße nahe des Seeufers, wo das Hotel Schloss Berg – natürlich mit geöffnetem Biergarten – zu finden war. Hier befand sich außerdem eine Anlegestelle die Schiffe der Fährlinie, die über den Starnberger See führt.
Über die Seestraße ging ich, durch eine Häuserreihe getrennt, ein Stück am Seeufer entlang und bog dann in die Wittelsbacher Straße ab, die nun begann leicht anzusteigen. Vorbei an einigen hübschen, traditionell anmutenden Häuschen und Höfen
stieg ich die Anhöhe hinauf und bog dann, der Beschilderung folgend, auf einen Feldweg ab. Dabei kam ich zwar am Schloss Berg vorbei, wo der bayrische Märchenkönig Ludwig II. seine letzten Tage verbracht – doch ich fand keinen Zugang um mir dies näher anzusehen, daher zog ich weiter. Der Weg führte mich in ein kleines Waldstück, dessen Bäume glücklicherweise etwas Schatten spendeten – denn die Sonne brannte um die Mittagszeit wirklich kräftig.
Normalerweise führte nach Ende eines Zaunes der “offizielle” Weg geradeaus weiter, doch ich entschied mich ein Stück in Richtung See hinabzusteigen. Dabei folgte ich einem Päärchen, das (unverständlicherweise) in Badeschlappen über den steinigen Waldweg wanderte und scheinbar das selbe Ziel wie ich hatte.
So kam ich über Trampelpfade schließlich bis hinunter ans Seeufer, wo ich natürlich gleich mal die Gelegenheit nutzte ein paar Aufnahmen vom Starnberger See zu machen.
Über Trampelpfade, die ganz offensichtlich keine offiziellen Wege waren – dabei weiterhin den Badeschlappen-Pärchen folgend – bewegte ich mich nun weiter am See entlang
Und schließlich erreichte ich das Ziel meiner Wanderung: Die Stelle an welcher der bayrische König Ludwig II., auch als Märchenkönig bekannt, gemeinsam mit seinem Hausarzt Doktor Gudden am 13. Juni 1886, einem Pfingstsonntag, ertrunken aufgefunden worden war. Die Stelle ziert heute ein einfaches Holzkreuz auf einem Steinsockel ein am Ufer des Starnberger Sees.
Direkt oberhalb am Seeufer findet sich die Votivkapelle Berg, eine Gedenkkapelle die Prinzregent Luitpold 10 Jahre nach Ableben des Königs 1896 hier begann errichten zu lassen und die schließlich 1900 eingeweiht wurde.
Auf halber Höhe findet sich eine Totenleuchte, die sehr viel Älter ist als die Kapelle. Die Mutter Ludwig II., Königin Marie, ließ sie hier noch im Jahr des Todes ihres geliebten Sohnes errichten und zehn Jahre war stand sie einsam hier im Wald am östlichen Ufer des Starnberger Sees bis schließlich die Kapelle errichtet wurde. Votivkapelle ist dabei kein Eigenname – (Votiv von lat. votum = gelobtes Opfer, Gelübde) – sondern bezeichnet eine Kirche oder Kapelle, die als Zeichen des Dankes für die Rettung aus einer Notlage oder mit der Bitte um Erfüllung eines bestimmten Wunsches erbaut wurden. In der Votivkapelle zu Berg findet jährlich am Todestag ein Gottesdienst mit Monarchiefreunden und Königstreuen, die immer noch eine Rückkehr des Königtums in Bayern erhoffen – denn mit Ludwig II. ist der letzte echte bayrische König von Bayern hier verstorben. Verschwörungstheorien behaupten ja heute noch immer, dass Ludwig II nicht den Freitod gewählt, sondern man ihn ermordet hat. Das Haus Wittelsbach, das die Wirren der Revolution von 1918 überstanden hat, weigert sich auch bis heute, den Sarg Ludwig des zweiten öffnen und den Leichnam erneut untersuchen zu lassen – was die Gerüchteküche natürlich nicht verstummen lässt.
Vom Inneren der Kapelle, die zwar offen, aber gleich hinter der Tür mit einem dicken Eisengitter abgeriegelt ist, konnte ich leider keine Aufnahmen machen. Also setzte ich meine Weg fort. Oberhalb der Kapelle erreichte ich schließlich wieder einen Feldweg, an dem ich noch einige Aufnahmen des neuromanischen Baus tätigte.
Von hier aus machte ich mich zurück auf den Weg zum Wagen. Ich hatte noch einige vor und mein nächstes Ziel sollte eigentlich Starnberg etwas nordwestlich sein. Doch in Starnberg einen Parkplatz zu finden erwies sich als schwierig bis unmöglich – zwar gibt es ein Verkehrsleitsystem und mehrere Parkhäuser, doch alles wo ich vorbei kam war belegt und wo nicht bereits Autos standen war deutlich als absolutes Halteverbot ausgezeichnet. Also überlegte ich, zur Roseninsel, die einzige Insel des Starnberger Sees, weiter zu fahren – doch auch hier hatte ich mich geschnitten, denn nicht nur die freien als auch die Gebührenpflichtigen Parkplätze waren hier komplett überfüllt, auch auf den Wiesen, auf den Grünstreifen und in den Wäldern standen überall Autos, so dass ich keine Möglichkeit sah meinen Wagen irgendwo abzustellen. Ich denke dass ich Starnberg und die Roseninsel entweder außerhalb der Hauptsaison besuchen werde oder dass ich das nächste Mal mit Tagesticket für die S-Bahn hier runter fahre – die Linie S6 hält sowohl in Starnberg als auch in der Ortschaft Feldafing westlich der Roseninsel und fährt sogar bis Tutzing. Und vom S-Bahnhof bis zur Anlegestelle der Fähre zur Roseninsel sind es gerade mal 30 Minuten Fußweg.
Also entschloss ich mich, dem Starnberger See den Rücken zu kehren und mich dem Kloster Andechs am nahen Ammersee zuzuwenden – einem weiteren Ziel das ganz weit oben auf meiner Besuchsliste stand.
Kloster Andechs
Von Feldafing bis nach Andechs waren es etwas mehr als 11 Kilometer, die ich dank Navi schnell über einige schmale Landstraßen überwand und schließlich unterhalb des Klosterbergs ankam, auf dem das Kloster Andechs zu finden ist. Zwar war auch ein riesiger Andrang, aber auf dem Parkplatz gab es noch genügend freie Plätze so dass ich meinen Wagen hier sicher abstellen konnte.
Das heutige Kloster Andechs liegt an der Stelle, an der sich früher die Burg der Grafen von Andechs, deren direkte Linie aber bereits 1248 ausgestorben ist. Das heutige Kloster hatte seine Anfänge im Jahr 1270, als der Wittelsbacher Herzog Ludwig der Strenge den Wiederaufbau der Kirche der Burg befahl, nachdem diese 1208 zerstört worden war nachdem die Grafen von Andechs in Verdacht geraten waren, an der Ermordung Philip II. von Schwaben beteiligt gewesen zu sein, was sich jedoch später als falsch herausstellte. Im Jahr 1388 entdeckte man schließlich unter dem Altar versteckte Reliquien, die der legendäre Ahnherr derer zu Andechs, Grad Rasso von Andechs, im 10ten Jahrhundert aus dem heiligen Land mitgebracht haben soll. Dazu gehörten ein Zweig aus der Dornenkrone Jesu, ein Teil des “Spottzepters Christi”, ein Stück vom Kreuz sowie ein Stück von dessen Schweißtuch. Außerdem sind natürlich die Heiligen drei Hostien zu erwähnen, drei in Bergkristall eingelegten Hostien die auf Papst Leo IX. und Papst Gregor den Großen zurück gehen und als drei blutende Insignien einen Fingerglied, ein Kreuz und die Initialen IHS (das Christusmonogramm). Des weiteren gibt es noch einige weitere Reliquien die hier aufbewahrt werden oder wurden – die kurioseste darunter war wohl die Heilige Vorhaut Jesu, die angeblich im Mittelalter hier zu finden war. Um die Wallfahrt zu diesem heiligen Ort aufrecht zu erhalten, entschlossen sich die Wittelsbacher um 1391 oder 1392 das Kloster zu errichten, das 1392 auch das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Die alten Bauwerke wurden nach einem Blitzschlag im Jahre 1669 zerstört, aber bis 1675 wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der heutige Kirchturm.
Damit aber erst mal genug der Geschichte – ich machte mich also auf den Weg hoch zum Kloster Andechs zu steigen, gemeinsam mit einem nicht abreißenden wollenden Stroms von Touristen aus aller Welt.
Bald schon passierte ich den historische Klostergasthof, der 1425 das erste mal urkundlich erwähnt wurde und vor allem dazu diente, die Wallfahrer zu den Reliquien zu beherbergen und zu bewirten. Heute wird er natürlich vor allem von den Touristen frequentiert und bietet neben dem eigentlichen Gasthof auch noch einen Wirtsgarten direkt am Gebäude sowie quer gegenüber einen zusätzlichen Biergarten.
Wenig später konnte ich dann auch den aus dem Jahr 1675 stammenden Kirchturm in seiner für die Region typischen Zwiebelbauweise im Ganzen sehen.
Direkt gegenüber des Eingangs zur Wallfahrtkirche sag ich ein weiteres Gebäude, das zwar historisch anmutete, dem ich aber vorerst keinerlei Bedeutung zuordnen konnte. Eine kurze Recherche lassen aber vermuten, dass es sich um das frühere Gärhaus mit Fassremise, also ein Wirtschaftsgebäude, handelt.
Ich wandte mich nun dem Inneren der eigentlichen Wallfahrtskirche zu und die Pracht erwies sich wirklich als überwältigend.
Die heutige Ausstattung des Altarraums im Rokoko-Stil stammt dabei aus dem Jahr 1755, in dem damalige Abt Bernhard Schütz anlässliche des 300jährigen Jubiläums des Klosters den Maler und Stukateur Johann Baptist Zimmermann damit beauftragte das Interior neu zu gestalten. Von diesem stammen übrigens auch viele andere Innenausstattungen von Sakralbauten, so die Altarräume im Kloster Ettal (ich berichtete) und von St. Michael in Berg am Laim, einem Stadtteil in München.
Die Orgel, die sich wie üblich auf einer Empore gegenüber des Altars befindet, stammt übrigens vom 550-jährigen Jubiläum des Klosters aus dem Jahr 2005.
Nachdem ich mich einige Zeit im Altarraum umgesehen hatte, wandte ich mich in eine Seitenkapelle, die unter dem Namen Schmerzhafte Kapelle bekannt ist wie sich bei meiner späteren Recherche herausstellte.
In ihr hat, was ungewöhnlich für jemanden der weder adelig noch geistlich war, der berühmte Komponist Carl Orff (1895 bis 1982) – bekannt vor allem für sein Stück Carmina Burana – seine letzte Ruhe gefunden.
Auf die Empore kam ich leider nicht, es gab zwar eine Treppe die nach oben führte, von ihre aus konnte man aber nur den aktuell leider nicht begehbaren Turm besteigen und einen abgesperrten Andachtsraum bewundern.
Nachdem ich mich noch ein letztes Mal im Altarraum umgesehen hatte
wandte ich mich durch eine andere Tür nach draußen und erreichte wenig später einen mit einem Glasdach versehenen Innenhof.
Aber außer einem Modell der Klosteranlage, die gerade durch eine amerikanische Familie belagert wurde, gab es hier nichts weiter zu sehen. Die Treppen führen wohl in die Räumlichkeiten der Benedektiner Mönche, die hier immer noch tätig sein. Also machte ich mich wieder auf den Weg und kam so durch einen kurzen Torgang in den vorderen, nach oben offenen Klosterhof.
Kurz darauf trat ich wieder auf die Straße, über die ich gekommen war und wandte mich an dem Betriebsgebäude vorbei, wo ich einen kleinen Hof mit einem weiteren Kruzifix erreichte.
Von hier aus hatte man sowohl einen sehr schönen Blick über die Ortschaft Andechs
als auch zurück zur Wallfahrtskirche mit ihrem alles überragenden Kirchturm.
Nachdem ich dann einen kurzen Blick in den Klosterladen geworfen hatte, wo es kleinen Kruzifixen, Andechser Bier und christlichen Kinderbücher und allerlei Nippes und Andenken gab,
machte ich mich wieder an den Abstieg, bei dem ich das Braustüberl, also die Klosterschänke passierte.
Unerhalb des vorhin erwähnten Biergartens wandte ich mich nach links und erreichte bald eine Platz mit dem für Bayern typischen Maibaum. Auf dem Platz selbst zeigten einige Handwerker und Künstler ihr Geschick, aus Holzstämmen Figuren zu fertigen.
Am Fuß des Weges den ich kam konnte ich ein Beispiel dieser Kunst bewundern – einen Mönch mit einer Glocke in der Hand. Ich vermute mal der kleine Oberlippenbart war keine Absicht des ursprünglichen Künstlers, sondern wurde von einem der Besucher nachträglich aufgebracht – Ähnlichkeiten mit negativ behafteten Figuren der deutschen Geschichte sind also rein zufällig.
Leider entdeckte ich erst als ich den Parkplatz schon verlassen hatte, dass direkt am Rande dieses Parkplatzes auch ein kleiner Kräutergarten der Mönche zu besichtigen ist. Da ich nicht noch einmal umdrehen wollte, beließ ich es dabei mir diesen für den nächsten Besuch hier vorzumerken.
Von Andechs aus fuhr ich noch ein Stück in Richtung Herrsching, entschloss mich dann aber den Schildern in Richtung der Autobahn zurück nach München zu folgen. Ich hätte gerne mehr gesehen, aber mein später Aufbruch und die zeitraubende und teilweise erfolglose Parkplatzsuche haben leider zu viel Zeit in Anspruch genommen. Das nächste Mal – sollte ich noch mal in der Hauptsaison hierhin fahren – werde ich, wie schon erwähnt, entweder mit der S-Bahn hier runter fahren oder aber sehr früh aufbrechen – so habe ich zumindest noch Chancen an den neuralgischen Punkten einen Parkplatz zu finden. Hier unten an den Seen im südwesten Münchens gibt es noch viel zu entdecken – soviel steht fest…
Tags: andechs, ausflug, Bayern, berg, kloster, ludwig II, monastry ammersee, photowalk, starnberger see, trip, votivkapelle
Schloss Linderhof & Ettal
28.04.2012 22:55 bilderbuch, Photowalks2 Kommentare
Heute sollte das Thermometer das erste Mal dieses Jahr die 30 Grad Marke überschreiten – und das wohlgemerkt Ende April. Da wollte ich natürlich nicht zu Hause versauern, sondern entschloss mich dazu einen weiteren Teil meiner Wahlheimat Bayern zu erkunden. Nachdem ich das letzte Mal ja den Chiemsee und dort auch das Schloss Herrenchiemsee besucht hatte, wollte ich dieses Mal ein weiteres Schloss des letzten bayrischen Königs Ludwig II. besuchen: Schloß Linderhof
Also machte ich mich heute Vormittag auf den Weg aus München heraus über die Autobahn A95 in Richtung Garmisch-Patenkirchen. Natürlich war ich nicht der einzige der auf die Idee gekommen war das schöne Wetter zu nutzen, doch das Verkehrsaufkommen hielt sich Grenzen, so dass ich abgesehen von einem kurzzeitig zähfließenden Stück vor einer einspurigen Baustelle kam ich auch gut voran. Bei Eschenlohe endete die Autobahn schließlich und mündete auf die Bundesstraße 2, die mich weiter bis nach Oberau führte. Hier musste ich schließlich abbiegen und gelangte auf die Ettaler Bergstraße, die mich sich einige Zeit durch ein steil aufsteigendes Gebiet wand und mich schließlich durch die Ortschaft Ettal hindurch weiter führte. Auf halber Strecke nach Oberammergau musste ich noch einmal links abbiegen und einige Kilometer am Ammergebirge entlang durch das Graswangtail fahren, bis ich kurz hinter der Ortschaft Graswang schließlich Linderhof erreichte.
Schloß Linderhof
Nachdem ich in der kleinen Ortschaft Linderhof, nicht viel mehr als eine Handvoll Häuser, muss man nur noch einmal rechts abbiegen und schon befindet man sich auf der Zufahrt zum Parkplatz. Dieser ist natürlich nicht kostenlos. An einem kleinen Kassenhäuschen musste ich für das zeitlich unlimitierte Parken 2,50 Euro löhnen.
Dafür erhielt ich dann ein entsprechendes Billet ausgehändigt.
Was ich genau damit machen sollte war mir zunächst unklar – allerdings sagte die Rückseite aus dass mein Wagen dadurch gegen Beschädigung und Abhandenkommen auf dem Parkplatz bis fünfzehntausend Euro abgesichert war. Zumindest etwas. Einige braungebrannte junge Männer in orangen Warnwesten winkten mich in Richtung des Bereiches des Parkplatzes auf dem noch freie Plätze vorhanden waren. Dort stellte ich meinen Wagen schließlich ab, legte das Parkbillet sicherheitshalber sichtbar auf die Konsole und machte mich dann auf den Weg in Richtung Schloss.
Vorbei an einem Kiosk erreichte ich bald schon das Schloßhotel und die Gaststätte Linderhof, die jetzt um kurz von 12:00 Uhr gut besucht erschien. Ein Stück weiter fanden sich in einem L-förmigen Gebäude ein weitere Kiosk, Souvenierläden und die Ticketkasse.
Direkt gegenüber des Schlosshotels sah ich außerdem eine Büste des bayrischen Königs Ludwig II. Außer auf den Prospekten handelt es sich wie ich später feststellte um das einzige Bildnis des Bayernkönigs hier in Schloss Linderhof – doch dazu später mehr.
Wie auch schon am Schloss Herrenchiemsee konnte man auch hier die Eintrittskarten für Besichtigungen und Führungen nur an dieser einen Kasse kaufen. Also besorgte ich mir zum Preis von 8,50 Euro eine Standardkarte für Schloss und Venusgrotte. Der Besuch des Geländes selber ist zwar kostenlos, aber wenn ich schon mal hier war, wollte ich natürlich alles sehen.
Die Karte in der Tasche setzte ich dann meinen Weg fort. Als erstes passierte ich das Marokkanischen Haus auf einer kleinen Erhebung, ein Gebäude das Ludwig II. auf der Weltausstellung 1878 erworben und ursprünglich in Nähe der Hundinghütte aufgestellt hatte. Nach dem Tod des Königs war es nach Oberammergau verkauft worden und dort Jahrelang in einem Garten vor sich hin verrottet bis es im Jahre 1980 schließlich zurückgekauft, rennoviert und hier wieder aufgestellt worden war.
Ein Stück weiter passierte ich den sogenannten Schwanenweiher vor malerischem Alpenpanorama. Auf einer kleinen Insel leben dabei – wie der Name vermuten lässt – ein Schwanenpärchen, das man hin und wieder auch auf dem See schwimmend beobachten kann.
Das nächste Gebäude war das sogenannte Königshäuschen. Diese von Ludwigs Vater Max II. als Jagdhütte erworbene Gebäude befand sich früher an der Stelle an der heute das eigentliche Schloss Linderhof steht. Nach einigen Versuchen dieses Gebäude selber zum Schloss zu erweitern und in die Neubauten zu integrieren wurde es schließlich an seinen jetzigen Standort versetzt, da Ludwig es aus emotionalen Gründen nicht einfach abreißen wollte.
Schließlich erreichte ich auch das eigentlich Schloss Linderhof – ein kleines, aber prachtvolles Gebäude im Barockstil, das auch gerne als Lieblingsschloss des “Märchenkönigs” Ludwig II. bezeichnet wird. Na ja, da es das einzige seiner drei Schlösser war das je fertig geworden ist, ist das wohl kaum verwunderbar.
Vor dem Schloss findet sich das sogenannte Wasserparterre mit einem Fontainenbrunnen, dahinter die Terassengärten und auf der Spitze schließlich ein Venustempel.
Am Schloss vorbei war außerdem eine kleine Kapelle zu sehen.
Bis zum Beginn meiner Schlossführung hatte ich noch etwas Zeit, also entschied ich mich dazu mich ein wenig am Wasserparterre umzusehen. Im Zentrum des dort liegenden Brunnens findet sich eine vergoldete Barockstatue mit ebenfalls vergoldeten Engelchen, die wohl die vermutlich die Venus darstellt.
Nachdem ich den Brunnen ein Mal umrundet hatte, wobei ich natürlich nicht versäumt hatte von der anderen Seite ein weiteres Foto zu schießen,
stellte ich mich schließlich in meine Warteschlange für die Schlossführung. Dabei dient der Strichcode auf der Karte dazu, ein entsprechendes Drehkreuz freizuschalten und somit in den Wartebereich zu kommen. Etwas ähnliches hatte ich auch schon im Schloss Herrenchiemsee erlebt. Gerade als ich drinnen war, begann plötzlich die Fontaine aus der oben gezeigten Figurengruppe zu sprühen – es muss wohl Punkt 12:00 Uhr gewesen sein. Diese Mechanik springt wohl zu jeder vollen Stunde an. Da ich nicht sicher war, ob ich nach verlassen des Wartebereiches wieder hinein kam, begnügte ich mich damit das ganze von dort aus kurz festzuhalten – wer Nymphenburg und Schleißheim gesehen hat, den reißt die hiesige Fontaine auch kaum noch vom Hocker…
Kurz nachdem dies Wasserspiel verebbt war, begann schließlich unsere Führung. Wie leider üblich war das Fotografieren und Filmen innerhalb des Gebäudes leider untersagt. Die junge Frau die uns in etwas mehr als 20 Minuten durch die Eingangshalle und das Obergeschoss mit seinen vier großen Zimmern und vier kleineren Eckräumen führte und in den großen Zimmern, Musikzimmer, Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Spielzimmer, dazu Erläuterungen gab, machte das Ganze auf jeden Fall zu einem kurzweiligen und interessanten Erlebnis. Vom Stil her gleicht alles dem barocken Stil aus der Zeit des von Ludwig so verehrten französischen Bourbonenkönigs Ludiwg XIV mit viel Blattgold, Spiegeln und den üblichen Deckengemälden. Die Einrichtung hatte, wie so oft bei Ludwig, das berühmte Schloss Versaille als Vorbild gehabt, weswegen alle Büsten und Abbildungen Personen aus der Zeit des dortigen Sonnenkönigs darstellten – von Ludwig selbst gab es keine Darstellungen. Für jemand der sich alle Schlösser Ludwigs ansehen will, ist Linderhof meiner Meinung nach der perfekte Einstieg. Leider war das Erdgeschoss hier jedoch nicht für die Besichtigung freigegeben. Nach Ende der Führung ließ man uns durch eine versteckte Tür im rückwärtigen Teil des Schlosses, an die sich – natürlich – ein kleiner Souvenirladen anschloss wieder heraus. Nach Verlassen des Gebäudes standen wir schließlich hinter dem Schloss und direkt vor dem Neptunbrunnen und der dahinter aufsteigenden Kaskade, an deren oberen Ende wir das sogenannte Musikpavillion erkennen konnte.
Bevor ich mich weiter in Richtung der Venusgrotte und all der anderen Sehenswürdigkeiten auf den Weg machte, schaute ich mich erst einmal rund um das Schloss etwas um. Auf der in Richtung des Parkplatzes weisenden Seite entdeckte ich dabei einen kleinen Seitengarten, ein dem eine große, vergoldete und wasserspeienden Engelsfigur als erstes ins Auge fiel.
Neben vier großen Porzellanvasen im Barockstil, die in Seitennischen zu finden waren,
gab es weiter hinten noch einen weiteren Brunnen mit einem kleineren, ebenfalls vergoldeten Engel und einem wasserspeienden Fisch zu finden.
Dahinter befand sich zwar ein Pavillion, von dem aus man auf den Garten und auf die linke Seite des Schlosses Linderhof blicken konnte,
aber ansonsten erwies sich dieser Weg als Sackgasse. An der Rückwand des Pavillons fand sich nur noch eine Büste Ludwig XIV.
Also versuchte ich die andere Richtung, wo sich ein weiterer, aber weniger Prachtvoller Seitengarten fand.
Zumindest schien es hier weiter nach oben zu gehen. Vorbei an einem weiteren vergoldeten Engelswasserspeier
und über deine kleine Treppe, von deren oberen Ende man einen schönen Blick auf den rechten Seitenflügel von Schloss Linderhof hatte
gelangte ich schließlich – vorbei an einer weiteren Büste, die dieses Mal wohl Ludwig XV darstellte –
in einen Laubengang, der nach oben in Richtung Musikpavillion und der Venusgrotte führte.
Da dieser Laubengang noch nicht begrünt und zugewachsen war, gelang mir von hier aus auch noch eine Aufnahme des rückwärtigen Teils von Schloss Linderhof.
Schließlich bog ich nach rechts ab, wo ein Schild den Weg in Richtung der Venusgrotte wies. Über einen recht steil ansteigenden Weg, von dem aus man einen wundervollen Blick auf die nahen Alpengipfel hatte,
Am höchsten Punkt des Weges erreichte ich schließlich den Eingang zu Ludwigs berühmter Venusgrotte.
Ein elektronisches Schild links neben dem Eingang zeigte an, dass es nur noch wenig Minuten bis zur nächsten Führung waren.
Also gesellte ich mich zu der langsam wachsend Gruppe von Menschen die vor dem Eingang wartete. Wenig später kamen ein Mann und eine Frau hinaus und forderten uns auf unsere Eintrittskarten bereit zu halten und nach dem Eintreten zügig bis zum See weiter zu gehen und dort zu warten. Die komplette Venusgrotte ist übrigens ein künstliches Konstrukt aus mit Zement bespritzten Leinwänden und auch die Tropfsteine sind aus einem Zementgemisch gefertigt. Neben der großen Hauptgrotte gibt es noch zwei kleinere Nebengrotten, auf die aber während der Führung nicht weiter eingegangen wird.
Durch breite, mit künstlichem Stuck-Fels versehene Gänge drang ich schließlich bis in die weltberühmte Grotte vor, wo auf einem See das ebenfalls sehr bekannte Muschelboot ruhte. Da niemand das fotografieren hier verboten hatte, fing es natürlich sofort an überall zu blitzen und zu klicken. Da konnte ich mich natürlich auch nicht zurückhalten. Allerdings sieht das Ganze mit Blitz fotografiert nicht sonderlich imposant aus, daher machte ich noch eine zweite Aufnahme mit Langzeitbelichtung.
Schließlich kam auch der Mann vom Eingang herunter und begann mit etwas genervt klingender Stimme ein wenig über die Grotte zu erzählen – einen Vortrag den er heute bestimmt schon unzählige Male gemacht hatte. So erfuhren wir neben der bereits erwähnten Konstruktionsgeheimnisse auch, dass Ludwig sich hier in der Regel nur einzelne Gesangsstücke und nie ganze Opern angesehen hatte, dass es sich bei der Grotte um die größte künstliche Grotte Europas handelt und von den zahlreichen technischen Spielereien wie der Wellenanlage für den See – womit dieser prinzipiell zum ersten Wellenbad der Welt wurde, von den verschiedenen Beleuchtungsmöglichkeiten in Blau und Rot, womit die Grotte entweder die Blaue Grotte auf Capri oder die Venusgrotte im Hörselberg aus Wagners Tannhäuser darstellen konnte und dem künstlichen Wasserfall. Nach Abschluss des Vortrags begann man noch einmal, alles auf Italienisch zu erzählen – was für mich der Moment war weiter zu ziehen. Als letztes machte ich aber noch eine Aufnahme des Tannhäuser-Gemäldes an der rechten Grottenwand, das Tannhäuser in der Venusgrotte aus dem ersten Akt dieser Oper von Wagner darstellt.
Nach Verlassen der Grotte befand ich mich ein Stückchen oberhalb des ursprünglichen Eingangs, von wo aus man noch einmal einen sehr schönen Blick auf das Schloss Linderhof samt Wasserparterre, die Terassen und den Venustempel hatte.
Von dort aus setzte ich meinen Weg dann fort in Richtung des nächsten Punktes meiner Besichtigungstour: Dem Maurischen Kiosk. Nach knapp dreihundert Metern kam dieser schließlich auch schon in Sicht.
Mit seiner zwar nach dem Verständnis der damaligen Zeit stilisierten, aber dennoch eindeutig orientalischen Bausteil wirkte das Gebäude im ersten Moment zwar etwas deplatziert vor dem Bild der Alpengipfel, aber ein solches Gebäude hier zu bauen passte auf der anderen Seite auch wieder gut zu den Spleens, die der letzte Bayernkönig an den Tag gelegt hatte.
Auf der dem Schloss zugewandten Seite entdeckte ich wenig später einen roten Samtvorhang, der scheinbar auch den Touristen wie mir Zugang zu diesem Gebäude gewähren sollte. Das ließ ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen.
Weit kam ich nicht, da ich nur einen Schritt hinter dem Vorgang sofort auf eine Plexiglasscheibe stieß, die den größten Teils des Inneren abschirmte. Doch durch die Scheibe hindurch gelang es mir dennoch einige Aufnahmen zu machen. Angeblich soll Ludwig hier früher so manchen Vormittag in orientalischen Gewändern auf dem Pfauenthron gesessen haben, wobei er Wasserpfeife geraucht und Tee getrunken haben soll.
Anschließend sah ich mir das Gebäude auch noch einmal von weiter unten an.
Dabei fiel mir – zum wiederholten Male – eine Überwachungskamera mit zugehörigen Scheinwerfer auf, die das Gebäude ständig im Blick hielt. Bei solch abgelegenen Gebäuden mit Sicherheit keine unsinnige Vorsichtsmaßnahme, da man ja leider immer mal mit Diebstahl und Vandalismus rechnen muss.
An der rechten Seite des Maurischen Kiosk vorbei machte ich mich dann wieder auf den Weg
um weitere Teile des weitläufigen Schlossparks zu erforschen. Es ging nun wieder talwärts und in östlicher Richtung bot sich ein weiteres schönes Alpenpanorama, das mich bewog erneut meine Kamera zu zücken.
Auf der Talsohle schließlich angekommen, wandte ich mich weiter in Richtung Westen wo auch bald schon ein weiteres Gebäude ins Sichtfeld rückte. Hierbei handelte es sich laut Plan des Parks um die sogenannte Ehemalige Bauhütte.
Das Gebäude sah mir jedoch bewohnt aus und einige Kinder die hier zu leben schienen spielten davor. Daher schenkte ich dieser Hütte keine nähere Beachtung und setzte meinen Weg fort. Durch ein kleines Waldstück, wo ich neben zahlreichen sprießenden Blüten auch kurioserweise noch zahlreiche Schneereste entdeckte
erreichte ich schließlich das sogenannte Verbotene Tor am westlichen Ende des Parks. Was daran jedoch verboten war, blieb mir dabei schleierhaft – zumal man es zu Fuß problemlos umgehen konnte. Hier könnte man natürlich unterstellen, dass man ein einfaches Tor durch das Attribut “verboten” einfach interessanter machen wollte – aber das sind natürlich reine Spekulationen.
Wenige hundert Meter weiter, gelegen an einem kleinen See, erreichte ich schließlich die sogenannte Hundinghütte.
Hier hatte sich Ludwig im Jahre 1876, dem Jahr der ersten Wagnerfestspiele in Bayreuth, im Inneren das Bühnenbild des ersten Aktes aus Wagners Oper Walküre nachbauen lassen. Ich zitiere:
Das Originalgebäude war weiter abgelegen als das heutige, aber nach zwei Brandfällen in den Jahren 1886 und 1945 wurde die Hütte nun hier, etwas näher am Schloss, im Jahre 1990 erneut errichtet. Leider musste ich feststellen, dass das Gebäude verschlossen war und ich somit keinen Blick auf den darin gelegenen, germanisch angehauchten Wohnraum mit der künstlichen Esche werfen konnte – da war ich wohl zu früh im Jahr hierher gekommen.
Kurz hinter der Hütte konnte ich aber einen weiteren kleinen Holzverschlag entdecken, der sich bei näherem Hinsehen als Toilette entpuppte. Na ja, wenn es mal sehr dringend ist…
Ein Stück weiter entdeckte ich ein weiteres Gebäude, das ich nach dem ersten Blick für einen alten Lagerschuppen hielt. Doch weit gefehlt, denn es handelte sich um die Einsiedelei des Gurnemanz aus dem dritten Akt der Wagner-Oper Parsifal. Allerdings handelt es sich auch hier wieder nur um eine Rekonstruktion, da das Original nach 1945 verfallen war.
Von dort aus ging es nun Bergauf – und zwar richtig bergauf. Ich folgte einem Weg in ein Waldstück hinein, der mich laut Plan zum Venustempel führen sollte.
Mit starkem Steigungswinkel ging es nun aufwärts und ich merkte deutlich, dass ich mich den Winter über doch etwas zu wenig bewegt hatte und etwas in Schnaufen kam. Daher war ich froh als sich das Ganze etwas weiter oben schließlich wieder abflachte und ich das letzte Stück fast eben laufen konnte.
Schließlich stand ich auf dem Hügel über Schloss Linderhof und hatte einen sehr schönen Blick auf das Hauptgebäude und die davor liegende Wasserparterre.
Doch viel mehr interessierte mich natürlich der Venustempel, den ich von unten ja schon gesehen hatte. Nun bot sich endlich die Gelegenheit ihn einer etwas näheren Betrachtung zu unterziehen.
Im Grunde genommen nur ein von sechs Säulen gestütztes, verziertes Runddach, unter dem eine marmorne Figurengruppe steht – aber dennoch auf seine eigene Art faszinierend zu sehen.
Natürlich bot sich auch direkt vom Tempel aus ein sehr schöner Blick auf die unten im Tal gelegene Schlossanlage. Ich stieg extra auf die kleine Begrenzungsmauer um einen guten Sichtwinkel auf alles zu haben und dabei auch die Berge dahinter mit auf das Bild zu bekommen.
Dann ging es an den Abstieg über die Terassengärten. Nach einem kurzen Rückblick zum Venustempel
wandte ich meine Aufmerksamkeit den verschiedenen Terassenebenen zu die ich nun passierte. Auf der oberen Ebene gab es leider aufgrund der frühen Jahreszeit – es war ja gerade Ende April – noch nicht viel zu sehen. Jedoch ließen die Formen erahnen, dass bei voller Blüte sich hier ein schön anzusehendes Bild erbot.
Nach einem weiteren Schnappschuss der Schlossanlage
stieg ich schließlich auf die untere der beiden Ebenen hinab. Hier fiel am Fuß der Treppen erst einmal die unter einem Rundbogen aufgestellte und vor einer efeubewachsenen Wand umrandete Büste auf. Ich konnte die dargestellte Person nicht genauer identifizieren, aber ihr Aussehen und das auf dem Sockel darunter abgebildete Wappen mit dem Motto Nec pluribus impar wiesen darauf hin, dass es sich um eine Person aus dem Herrschergeschlecht der Bourbonen, also der französischen Könige handelte. Eine nachfolgende Recherche bestätigte meine Vermutung, denn es handelte sich hier um die Königin Marie Antoinette, Prinzessin aus dem Haus Habsburg und Gattin des letzten Bourbonenkönigs Ludwig XVI.
Die Bepflanzung auf der untersten Ebene erwies sich schließlich als etwas von der Jahreszeit unabhängiger. Hier hatte man sich für niedrige, kunstvoll geschnittene Heckenbepflanzung entschieden, die von jeweils einem kleinen Springbrunnen rechts und links aufgelockert wurden.
Eine Ebene tiefer, ich befand mich fast schon wieder auf der Höhe des Schlosses, konnte ich am Fuß der Terassengärten schließlich noch einen kunstvoll gestalteten Springbrunnen bewundern, einen sogenannten Najadenbrunnen. Najaden sind in der griechischen Mythologie das, was wir heute unter Nymphen verstehen.
Natürlich konnte ich es nicht unterlassen, von hier aus eine weitere Aufnahme von Linderhof und der Wasserparterre zu machen.
Somit hatte ich mir fast alles im Schloßpark angesehen – das einzige was noch fehlte war das Musikpavillion oberhalb der Kaskade. Also machte ich mich daran auch noch diesen Teil der Anlage zu besichtigen. Dazu wählte ich dieses Mal den Laubengang auf der westlichen Seite.
Nach einem stetig ansteigenden Weg unter den Bögen hindurch erreichte ich schließlich die erste Ebene am oberen Ende der Kaskade. Von hier bot sich ein weitere wundervoller Blick hinunter auf das Schloss, das Wasserparterre, die Terassengärten und schließlich den Venustempel.
Rechts und links der Kaskade fanden sich weitere Laubengänge, die aber weniger der Begehung als der Zierde dienten. Sie führten von den am Fuß gelegenen Figuren rechts und links des Neptunbrunnens
parallel an der Kaskade entlang bis nach oben. Ein schönes Stilmittel, das voll begrünt mit Sicherheit noch einen weitaus impressiveren Eindruck machen würde als aktuell.
Jetzt blieb nur noch das Musikpavillion, das ein Stückchen her darauf wartete, von mir begangen zu werden.
Auch wenn der Pavillon selbst, ausgestattet mit vier Sitzbänken, eher rudimentär wirkte, so hatte sich der weitere Aufstieg alleine wegen des Blickes auf die Sichtachse zum Schloss, den Terassen und dem Venustempel auf jeden Fall gelohnt. Einzig das noch nicht befüllte Wasserbecken unterhalb des Pavillons trübte die Sicht etwas.
Im Schatten des Pavillon ruhte ich kurz, es waren immerhin 30 Grad und ich wanderte seit geraumer Zeit durch die Parkanlage.
Danach machte ich mich auf den Rückweg zum Parkplatz. Auf dem Rückweg kam mir die Flasche eines kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränks in den Sinn, die auf dem Beifahrersitz lagerte. Keine Ahnung wie stabil so eine PET-Flasche ist, aber ich befürchtete dass bei einem Rest von knapp 80% und entsprechender Sonneneinstrahlung über längeren Zeitraum durchaus eine klebrige Überraschung auf mich warten könnte sobald ich zum Fahrzeug zurückkehrte. Glücklicherweise hatte ich unter einem Baum geparkt, der genügend Schatten gespendet hatte dass es hier nicht zu einem Erfrischungsgetränke-Overkill gekommen war. Ich war wirklich erleichtert. Also stieg ich ins Auto und setzte meinen Weg fort. Auf der Hinfahrt war mir das Benediktiner-Kloster in der Ortschaft Ettal aufgefallen – dies erschien mir noch einen Besuch wert zu sein.
Hier noch – als kleiner Nachtrag – die Strecke der Tour in Linderhof – natürlich wie üblich als interaktive Karte:
Ettal
Auf der Fahrt nach Ettal musste ich mich leider mehrfach über die aufgrund des wunderbaren Wetters verstärkt aktiven Motorradfahrer aufregen. Ich habe ja nichts dagegen wenn ihr in Staus zwischen den Fahrzeugen hindurch fahrt und selbst das Fahren auf Standstreifen nehme ich bei euch noch eher hin als bei PKW-Fahrern. Aber müsst ihr UNBEDINGT in den unübersichtlichsten Situationen mit einer unübersichtlichen Verkehrslage halsbrecherisch an anderen Verkehrsteilnehmern überholen?
Eigentlich könnte es mir egal sein, wenn ihr euch alleine rücksichtslos in Gefahr bringt und es geschähe euch nur recht wenn ihr möglichst schmerzhaft lernen würdet, dass euch die Straße nicht allein gehört – aber müsst ihr euere unschuldigen Beifahrer und andere Verkehrsteilnehmer ebenfalls gefährden? Wer in einem unübersichtlichen Waldstück ohne Einsicht auf den entgegenkommenden Verkehr mit einer Seitenlage von 45 Grad und mehr an den ebenfalls nicht langsam fahrenden Autos vorbei zieht, dem scheint es egal zu sein ob ein Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn ihm dabei den Schädel absäbelt oder nicht? Wie jede Gemeinschaft lebt auch die Zwangsgemeinschaft der Verkehrsteilnehmer davon, dass man gegenseitig ein Mindestmaß an Rücksicht nimmt. Leider scheint euch das egal zu sein – was ich sehr bedauerlich finde. Auch wenn ich da wohl gegen unnatürlich übersteigerten Hochmut und Selbstüberschätzung wie gegen Windmühlen spreche – ich wollte es zumindest mal erwähnt haben.
Nach einigen Kilometern fahrt erreichte ich schließlich die Ortschaft Ettal, wo ich auf einem kleinen, leider kostenpflichtigen Parkplatz (1 Euro für 4 Stunden aber nur) eine Abstellmöglichkeit für meinen Wagen fand. Ein Italiener, der am zugehörigen, einzig vorhandenen Parkscheinautomat offenbar mit Ein-Cent-Münzen zahlte, erregte dabei zwar etwas Unmut, aber ich versuchte es gelassen zu nehmen. Wenig später machte ich mich auf den Weg um das Benedektinerkloster Ettal einer näheren Betrachtung zu unterziehen.
Gleich zu Beginn fiel mein Blick auf ein kleines Steinmonument, das seitlich der Zufahrt aufgestellt worden war. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das Bildnis unterhalb des Löwenkörpers oben auf als Abbildung eines verwundeten Soldaten mit Karabiner, was mich darauf schließen ließ dass es sich hier um ein Kriegerdenkmal handelte. Uniformrock und Waffe wiesen dabei auf den ersten Weltkrieg hin – hier handelte es sich also wohl um ein wirklich historisches Stück Steinmetzarbeit.
Nachdem ich durch den ersten Torbogen getreten war, lag die durchaus imposant anmutende Silhouette der Klosterkirche Ettal vor mir.
Vor der sehenswerten Kulisse des umgebenden Gipfel gab aber auch der Innenhof ein nett anzusehendes Bild – da sah man gerne über die Baustelle am Fuß der Treppenanlage vor das Basilika hinweg.
Eigentlich wollte ich mir nun das Kircheninnere etwas näher ansehen, doch als ich eintrat musste ich feststellen dass hier ein katholischer Gottesdienst im vollen Gange war, um genau zu sein handelte es sich dabei sogar um eine Hochzeit eines teilweise wohl italienischen Paares. Da wollte ich natürlich nicht stören und zog mich alsbald zurück.
Ansonsten konnte ich leider nicht viel weitere erkennen dass sich lohnte hier angesehen zu werden – abgesehen von dem Klosterladen am östlichen Ende des Hofes. Also wandte ich mich einem Rückblick auf die Basilika-Kuppel nach dort.
Das relativ groß geratene Geschäft bot primär Souvenirs wie Karten, Krüge, Postkarten und Nippes ich sie auch in einem normalen Souvenirladen erwartet hätte. Hinzu kamen einige kleinere handwerklichen Gegenstände und das bekannte Klosterbier von Ettal. Nach kurzen Umsehen zog ich schließlich weiter um mir die Ortschaft Ettal ein wenig genauer anzusehen.
Wie ich bereits bei der vormaligen Durchfahrt feststellen durfte, war die Ortschaft Ettal stark auf den Tourismus ausgelegt. Die malerisch schön hergerichteten Gebäude beherbergten neben Restaurants und Hotels primär kleine und größere Läden, in denen wiederum Souvenirs und Klosterbiere verkauft wurden.
Dank des guten Wetters waren die verschiedenen Lokalitäten auch mehr oder weniger gut besucht. Dabei hörte ich besonders viel Italienisch unter den Besuchern, was wohl dadurch begründet war dass gerade einige italienische Touristenbusse auf dem Parkplatz vor dem Kloster halt gemacht hatten. Ein kurzes Stück ging ich schließlich noch an der Klostermauer hinter dem Kloster entlang und schaute ob ich irgendwie in den Klostergarten gelangen könne – doch bis auf ein verschlossenes Gatter und einem Schrein des heiligen Antonius gab es hier hinten nichts zu sehen.
Und auch im südlichen Ende des Ortes konnte ich nichts entdecken was mich zum längeren Verweilen einlud. Kurz hinter dem stilecht gestalteten Rathaus kehrte ich schließlich um
und kehrte zum Parkplatz vor dem Kloster zurück wo mein Wagen auf mich wartete.
Nach einem kurzen Abstecher durch Oberammergau, wo ich jedoch nicht anhielt, machte ich mich schließlich auf den Rückweg nach München. Durch eine verpasste Abbiegung in Oberau war ich schließlich gezwungen noch einmal mehrere Kilometer in Richtung Garmisch-Patenkirchen zu fahren. Leider fand ich erst hinter dem Tunnel Farchant eine Möglichkeit umzudrehen und mich schließlich auf den wirklich Rückweg zu machen. Ansonsten verlief die Rückfahrt Ereignislos und ich kam gegen 17:00 Uhr in München an, womit ich noch genug Zeit hatte ein paar Sachen einzukaufen bevor die Läden schlossen.
Insgesamt war ich auf jeden Fall sehr zufrieden mir meinem heutigen Ausflug gewesen. Ich sollte mich allerdings in Zukunft nicht nur darauf konzentrieren, mich über mein Primärziel zu informieren. Auch das Umland des jeweiligen Zielgebietes scheint ja ebenfalls einiges zu bieten – allerdings ohne vorher informiert zu sein was sich wirklich lohnt anzusehen erscheint es schwierig die lohnenden vor Ort auszukundschaften. Das nächste Mal werde ich diesbezüglich auf jeden Fall versuchen besser Vorbereitet zu sein.
Tags: ausflug, Bayern, benedektinerkloster, einsiedelei, ettal, graswang, hundinghütte, impressionen, kloster, linderhof, ludwig II, maurischer kiosk, photowalk, schloss, sehenswürdigkeiten, venusgrotte, venustempel, wasserparterre
Hirschbraten mit Wachholderbeersauce – Berggasthof Zum feurigen Tatzelwurm
30.03.2012 19:17 kulinarisches, lunchtimeUnkommentiert
Trotz eher durchwachsenen bis regnerischem Wetters wollten meine Gäste heute unbedingt die Gegend um den Tegernsee besuchen. Also brachen wir heute morgen in München auf und machten uns auf die etwas mehr als 50 Kilometer weite Reise dorthin. Nachdem wir uns ein wenig am Tegernsee umgesehen hatten und kurz am benachbarten Schliersee vorbei geschaut hatten, waren wir schließlich sogar hoch bis zu Deutschlands höchstgelegenen See, dem Spitzingsee auf ca. 1.100 Metern Höhe gefahren. Dieser war sogar noch vereist und rundherum lagen noch schmutzige, aber Meterhohe Schneewehen – ein wirklich interessantes Erlebnis kurz vor Anfang April. In die Gegend muss ich mal im Sommer zurückkehren – aktuell ist dort natürlich tote Hose…
Danach wendeten wir uns in Richtung Bayrischzell und dann am Wendelstein vorbei in Richtung Brannenburg. Unterwegs bekamen wir schließlich Hunger und kehrten irgendwo mitten im Bergland zwischen Bayrischzell, Oberaudorf und Brannenburg idyllisch im Wald gelegenen Berggasthof Zum feurigen Tatzelwurm ein, um dort zu Mittag zu speisen.
Dieser Berggasthof, bestehend aus einem gehobenen Restaurant und einem Hotel, erwies sich auf Anhieb als sehr gelungene Wahl. Als wir eintraten, fiel uns natürlich sofort der riesige, steinerne Tatzelwurm ins Auge, der den linken Bereich des urig mit viel dunklem Holz verkleideten und traditionell eingerichteten Gastraum mit seinem riesigen offenen Kamin beherrschte.
Uns wurden von einem der zuvorkommend freundlichen, aber unaufdringlichen Servierkräfte zwei Arten von Speisekarten gereicht, die eine erwies sich die Hauptspeisekarte in der sich etwas kostspieligere, dafür aber sehr sehr lecker klingende Gerichte von Schwein, Rind, Fisch und Huhn fanden, zum anderen eine etwas günstigere Brotzeitkarte, wo ebenfalls vollwertige und lecker klingende, aber zum großen Teil nicht zweistellige Beträge kostende Gerichte aufgeführt waren. Wir entschieden uns aber alle für Angebote aus der “großen” Karte – dabei fiel meine Wahl auf eine Portion Hirschbraten mit Wachholderbeersauce, Spätzle und Blaukraut zum Preis von 15,50 Euronen. Nach angenehm kurzer Wartezeit, wurden die Gerichte dann auch schon serviert.
Gleich zu Beginn kann ich sagen: Dieses Gericht war jeden Cent seines Preises absolut wert. Die zwei fingerdicken Scheiben Hirschbraten waren so hauchzart und saftig, dass sie regelrecht auf den Zunge zerfielen. Ich kann mich nicht erinnern jemals zuvor so zartes Wild gegessen zu haben. Dazu eine würzige Wacholderbeersauce, die mit einigen Schwämmerln (Pilzen) garniert war, wunderbar gekochte, ganz offensichtlich hausgemachte Spätzle bzw. Knöpfle, in denen ich sogar meinte einen Haus Kräuter erkannt zu haben, eine Schüssel natürlich auch hausgemachtes, würziges Blaukraut und schließlich als kleines Gimmick noch eine halbe, angekochte und noch warme kleine Birne, die mit einem großzügigen Löffel Preiselbeeren garniert war. Die glatte Petersilie und der Zweig Rosmarin ganz oben auf aß ich aber natürlich nicht mit, sie dienten offensichtlich der wirklich gelungenen Dekoration des Gerichtes.
Ich kann jedem der in der Gegend zwischen Bayrischzell, Brannenburg und Oberaudorf unterwegs ist, einen Besuch um Berggasthof Zum feurigen Tatzelwurm also nur wärmstens ans Herz legen. Die Küche dieses Restaurants in den Bergen nahe des Wendelstein gehört zu dem Besten was ich seit langem probiert habe. Auch wenn die Preise durchaus in der gehobenen Kategorie liegen sind die Speisen unserer Erfahrung nach wirklich absolut ihren Preis wert. Ein sehr gemütlicher Gastraum, freundliche und schnelle Bedienung und die idyllische Lage runden das Ganze perfekt ab. Wäre das Wetter noch etwas besser gewesen, könnte man von einem absolut perfekten Ausflug sprechen.
Mein Abschlußurteil*:
Hirschbraten: +++
Wacholderbeersauce: +++
Blaukraut: +++
Knöpfle: +++
* eigentlich geht die Wertung ja nur bis ++, aber hier muss ich einfach mehr geben…
Tags: "Zum feurigen Tatzelwurm", Bayern, Bayrischzell, Berggasthof, blaukraut, Brannenburg, essen, food, Hirschbraten, knöpfle, lunch, mittagessen, nahrung, nahrungsmittel, oberaudorf, Pilze, rotkraut, spätzle, wachholderbeersauce
Ausflug zum Chiemsee – Prien, Herreninsel, Fraueninsel & Gstadt
18.03.2012 19:57 bilderbuch, Photowalks, reisen1 Kommentar
An diesem Samstag sollten die Tagestemperaturen doch tatsächlich die 20 Grad Marke überschreiten (und das gerade mal Mitte März) und es versprach ein mehr als nur frühlinghafter Tag zu werden. Daher entschloss ich mich nachdem ich am frühen Vormittag noch einige Einkäufe erledigt hatte, heute mal wieder etwas zu unternehmen. Möglichkeiten gibt es ja sowohl in München selbst als auch in der Umgebung massenhaft, daher hatte ich mich bereits gestern etwas informiert und mich schließlich dazu entschlossen, dem Chiemsee und seinen Inseln mal einen Besuch abzustatten. Der Chiemsee, auch gerne Bayrisches Meer genannt, ist mit 79,9 Quadratkilometern der größte der vielen Seen in Bayern und nach Bodensee und der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern der drittgrößte See Deutschlands.
Ich war zwar schon mal vor etwa eineinhalb Jahren im Rahmen eines Besuches eines Kletterparks dort gewesen, damals bot sich aber leider keine Gelegenheit mehr anzusehen geschweige denn auf die Inseln zu fahren, daher holte ich dies heute mal nach. Um etwa 10:00 Uhr brach ich schließlich auf und begab mich über den Mittlere Ring auf die A8 in Richtung Salzburg, um so die ca. 87 Kilometer bis zum See mit dem Auto zu bewerkstelligen. Erwartungsgemäß war ich natürlich nicht der einzige gewesen, der auf die Idee gekommen ist in Richtung Alpen zu fahren, so dass ich bereits in der Nähe von Holzkirchen in den ersten stockenden Verkehr mit teilweisem Stillstand geriet, der mich in meiner Zeitplanung etwas zurück warf. Als fataler erwies sich aber dann noch die Entscheidung, an der Raststätte Irschenberg sicherheitshalber noch einmal zu tanken. Denn vor den wohlgemerkt allen insgesamt 10 vorhandenen Zapfsäulen hatte sich hier bereits ein mehr oder weniger große Schlange gebildet. Erst als ich mich eingereiht hatte, musste ich feststellen dass viele Autofahrer sich teilweise ziemlich Zeit ließen und keinerlei Rücksicht darauf nahmen, dass vier, teilweise fünf Autos darauf warteten ebenfalls tanken zu können. Und weiter fahren war für mich ebenfalls nicht möglich, da sich bereits weitere Fahrzeuge hinter mich gestellt hatten.
Doch schließlich war auch ich an der Reihe, konnte meinen Tank – zum unverschämten Preis von 1,72 Euro pro Liter Super – etwas auffüllen und schließlich meinen Weg fortsetzen. Ohne weitere nennenswerte Verzögerungen erreichte ich schließlich Prien und seinen Ortsteil Stock mit den dortigen Fährhafen von dem aus auch die bekannte Chiemsee-Bahn abfährt, eine Schmalspur-Bahn die den Hauptort mit dem Hafen verbindet. Der Parkplatz war (natürlich) kostenpflichtig.
Vom Parkplatz aus war es nur ein kurzer Fußweg bis zum eigentlichen Fährhafen, wo bereits einige Schiffe warteten.
Doch bevor ich eines der Schiffe betrat, benötigte ich natürlich eine Karte, also wandte ich mich erst einmal zur Kasse am Verwaltungsgebäude. Wie ich später erfuhr kann man die Karten aber auch auf den Schiffen kaufen. Schwarz fahren kostet übrigens – wie auch im öffentlichen Nahverkehr – 40 Euro.
Es hatte sich an der Kasse bereits eine kurze Schlange gebildet, so dass ich etwas warten musste bis ich zum Preis von 8,20 Euro eine Karte für die sogenannte Kleine Rundfahrt von Prien über Herren- und Fraueninsel bis nach Gstadt erwerben konnte. Die Große Rundfahrt, die auch bis Seebruck im Nordosten und Chieming im Osten des Sees führte ist wie ich erfuhr erst ab 28.04. wieder befahren. Aber da es eh schon 12:00 Uhr war hätte ich sowieso keine Zeit für eine große Rundfahrt mehr gehabt.

Fahrkarte – Chiemsee-Schifffahrt
Leider fuhr gerade während ich die Karte kaufte das erste Schiff bereits pünktlich um 12:00 Uhr ab, so dass ich etwas warten musste
und mir so die Gebäude rund um den Hafen etwas näher ansehen konnte – zum Beispiel das Restaurant Luitpold am See, in dem ich zu dem Anfangs erwähnten Kletterpark-Events eineinhalb Jahren schon mal gespeist hatte. Etwas teurer, aber sehr zu empfehlen.
Das nächste Schiff mit Namen Rudolf wartete aber bereits schon, so dass ich mich dazu entschloss etwas früher an Bord zu gehen um mir noch einen der Plätze in der Bugsektion zu ergattern.
Pünktlich um 12:30 Uhr legten wir schließlich ab und begaben uns auf den Weg in Richtung Herreninsel.
Während der Fahrt gelang es mir auch, einige schöne Aufnahmen der nahen Alpen zu machen, die trotz leicht diesigen Wetters einen wirklich erhabenen Anblick boten.
Nach ca. 10 Minuten Fahrtzeit fuhren wir schließlich die Herreninsel an, an deren Nordspitze eine kleine, malerische Kapelle geradezu dazu einlud, sie fotografisch festzuhalten. Wie ich später erfuhr handelt es sich hierbei um die Seekapelle zum Heiligen Kreuz.
Schließlich hatte das Schiff angelegt und ich verließ mit den anderen Gästen zusammen das Schiff. Dank des wunderschönen Wetters hatten sich eine ziemlich Menschenmenge, darunter viele Familien mit Kindern, auf den Weg zum Chiemsee gemacht.
Durch ein hölzernes Boots- oder Ankunftshaus hindurch bewegte ich mich auf einen kleinen Vorplatz, auf dem neben einer Kasse auch ein Café, ein Infostand und Toiletten zu finden waren. Darüber thronte der Augustiner Chorherrenstift mit Hotel und ehem. Kloster.
Ich wollte aber natürlich zuerst das berühmte Schloss Herrenchiemsee sehen und bog nach links ab. Nach knapp hundert Metern fiel mein Blick aber auf eine Aufstelltafel, die darauf hinwies dass der Kartenverkauf für die Besichtigung des Schlosses ausschließlich an den Kassen im Ankunftsbereich verkauft werden. Also musste ich, zähneknirschend, wieder umkehren und mich in die dort bereits gebildete Schlange einreihen um mir die Eintrittskarte für die Schlossführung für noch einmal acht Euro zu besorgen. Die nächste deutsche Führung sollte um 14:00 Uhr beginnen, ich hatte also noch etwas Zeit.

Eintrittskarte – Schloss Herrenchiemsee
Vorbei am Augustiner Chorherrenstift, einem ehemaligen Kloster das im Rahmen der Säkularisation (staatl. Einzug von Kirchengütern) ab 1608 in Bayern verstaatlicht und in das Alte Schloss umgebaut wurde – heute finden sich dort unter anderem ein Restaurant und ein Hotel – machte ich mich schließlich dann wieder auf den Weg in Richtung des neuen Schlosses Herrenchiemsee.
Von hier konnte man auch bereits einen ersten Blick in Richtung Fraueninsel werfen, die durch die noch kahlen Bäume deutlich zu erkennen war.
Durch einen dichten, größtenteils scheinbar naturbelassenen bewegte ich mich den Wegweisern und den anderen Touristen folgend in Richtung der Schlossanlage. Hätte der Erbauer des neuen Schlosses, König Ludwig II, nicht die Herreninsel im Jahre 1873 von einem Konsortium Württembergischer Holzspekulanten erworben, würde dieser Wald heute wohl nicht mehr existieren.
Nach einem nicht allzu langen Fußmarsch erreichte ich schließlich das berühmte Schloss Herrenchiemsee.
Leider waren die Brunnenanlagen noch abgedeckt und nicht in Betrieb, aber die verspielten Figuren und Figurengruppen die sowohl am Rand als auch im Brunnen sichtbare waren ließen erahnen wie es im Sommer aussah wenn hier das Wasser sprudelte. Beim oberen Brunnen handelt es sich im übrigen um den sogenannten Fortunabrunnen, der 1884-85 von Wilhelm von Rümann im Auftrag von Ludwig II geschaffen wurde und einer Brunnenanlage im spanischen Königspalast La Granja de San Ildefonso entspricht.
Das Schloss Herrenchiemsee, das dem Schloss Versailles des französischen Sonnenkönig Ludwig XIV nachempfunden ist (der Mittelbau entspricht auch genau dieser Schlossanlage), wurde wie ich später während der Führung erfuhr nie fertiggestellt, da dem bayrischen Märchenkönig Ludwig II das Geld ausging.
Diese Unfertigkeit sollte ich auch bei der Begehung der westlichen Sichtachse deutlich zu sehen bekommen. Verglichen mit den von mir bereits hier besichtigten prächtigen Schlossanlage Nymphenburg in München oder der hier besuchten, nicht weniger prächtigen Alten Schloßanlage in Schleißheim nördlich von München sah man den Anlagen hier doch sehr deutlich an, dass noch etwas fehlte.
Ich entschloss mich entlang der Sichtachse nach Osten zu wandern und so die Zeit bis zum Beginn meiner Schlossführung sinnvoll zu nutzen. Außer Natur, einem etwas verdreckt wirkenden Kanals mit einem Pärchen gründelnder Schwäne und Alleen kahler Bäume gab es hier nicht allzu viel zu sehen.
Dennoch ging ich bis ganz nach Westen, von wo aus man am anderen Seeufer Prien und Osernach am anderen Seeufer erkennen konnte.
Sah man in die andere Richtung, konnte man entlang der Sichtachse aber auch noch problemlos die Schlossanlage erkennen. Nun war es an der Zeit mich auf den Rückweg zu machen damit ich rechtzeitig zu meiner Führung wieder dort war.
Oben wieder angekommen, nutzte ich die Gelegenheit noch einmal die Sichtachse im Ganzen abzulichten,
und begab mich dann vorbei am abgedeckten Latona-Brunnen über eine breite Treppe
wieder hoch bis direkt vor das Schloss, wo sich links das Schlosscafé und recht der Eingang für die Führung befand.
Die einzige Aufnahme die ich im Schlossinneren machen konnte war die vom Eingangsbereich wo ich mich in die Schlange der wartenden Touristen für die deutschsprachige Führung einreihte.
Während der etwa halbstündigen Führung durch das Schloss selbst war das Fotografieren und Filmen aus wie man uns mitteilte “organisatorischen Gründen” leider untersagt. Daher muss ich mich hier leider auf eine kurze textuelle Beschreibung beschränken.
Nachdem wir durch eine Art Drehkreuz gegangen waren, wo wir die Barcodes unserer Eintrittskarten einscannen mussten, begrüßte uns eine freundliche Dame von der bayrischen Schlossverwaltung, die sich als Christina Strahl vorstellte und uns das Innere des Schlosses zeigen sollte. Über ein prächtiges, mit Gold, Stuck und Marmor im Barockstil verkleideten Treppenhaus begaben wir uns schließlich ins Obergeschoss. Die ersten Räume die wir besichtigten waren wie man uns mitteilte 1:1 den Räumlichkeiten aus Versailles nachempfunden und dienten Ludwig II von Bayern eher als Museum und nicht als wirklich Wohnräume. Der erste Raum war ein berockes Ehrengardezimmer, in dem einige Hellebarden aufgestellt waren, gefolgt von zwei Vorräumen, dem königlichen Arbeitsraum, einem Schlafzimmer welches dem des französischen Sonnenkönigs in Versailles entsprach und schließlich als Highlight dem Spiegelsaal, der ebenfalls seinem Vorbild in Versailles nachempfunden und nicht weniger prächtig war. Weiter ging es dann in den eigentlichen Wohnbereich Ludwig II, der aber nicht weniger verspielt und geschmückt erschien als der bisher gesehene Teil des Schlosses. In diesen, im Rokoko-Stil errichteten Räumlichkeiten hatte der König allerdings nur 10 Tage wohnen können bevor er am 13. Juni 1886 schließlich im Starnberger See nahe Schloss Berg ertrank. Besonders zu erwähnen sind hier der wohl schwerste Kronleuchter der Welt, den der König aus Meissener Porzellan hatte bauen lassen und ein ins Erdgeschoss über eine Liftanlage versenkbarer Tisch. Schließlich erreichten wir durch das eigentliche Schlafzimmer des bayrischen Königs und ein weiteres Arbeitszimmer, wo ein Schreibtisch im Stil des französischen Königs Ludwig XV zu bewundern war, den unfertigen Teil des Schlosses und betraten ein Treppenhaus. Vom Baustil entsprach es zwar dem barocken Treppenhaus das wir zu beginn gesehen hatten, jedoch waren die Wände noch im Rohbau und aus Backsteinen. Von hier aus ging es in den Raum unterhalb des Speisesaals, wo wir die Liftanlage für den bereits erwähnten Tisch sehen konnten. Durch ein Badezimmer, welches von einer riesigen marmornen, im Boden eingelassenen Badewanne beherrscht wurde und schließlich durch das kleine Ankleidezimmer, das über eine Wendeltreppe mit dem Schlafzimmer des Königs verbunden war ging es schließlich zurück in den Eingangsbereich, wo die Führung beendet war. Sehr sehenswert muss ich sagen, die acht Euro hatten sich auf jeden Fall gelohnt – auch wenn ich natürlich gerne ein paar Fotos geschossen hätte.
Nach der Führung umrundete ich noch einmal das Schloss und begutachtete den hinteren Bereich des Schlosses mit dem kleinen Innenhof uns die östliche Sichtachse, die bis zum anderen Ufer zu gehen schien,
um mich dann, vorbei an einem kleinen, scheinbar bewohnten Verwaltungsgebäude wieder auf den Weg in Richtung Alter Schloßanlage mit Chorherrenstift und Hafen zu machen.
Über einen etwas weiter westlich gelegenen Weg kam auch bald schon die Anlage des Augustiner Chorherrenstifts in Sichtweite.
Über einen steil ansteigenden Weg erreichte ich schließlich die Gebäudeanlage auf einem kleinen, mit gerade frisch beschnittenen Weiden bepflanzten Vorhof
und bewegte mich, nachdem ich einen Schnappschuss der von hier aus gut sichtbaren Fraueninsel gemacht hatte,
eher ziellos vorbei am Hotel und dem gut besuchten Restaurant
zwischen zwei Gebäuden hindurch, als ich schließlich eine sehr malerisch wirkende, kleine Kirche entdeckte. Wie ich wenig später lesen konnte handelte es sich hier um die im spätgotischen Stil errichtete und 1469 geweihte ehemalige Pfarrkirche St. Maria, die den Laien der Klosterpfarrei als Kirche diente.
Zum Glück war sie offen, auch wenn der eigentliche Kirchenraum durch ein Gitter versperrt war. Doch durch das Gitter hindurch gelang es mir eine Aufnahme des aus dem Jahre 1630 stammenden, barocken Hochaltars und des Innenraums zu machen.
Vorbei an der weiter hinter befindlichen Domäne des Chorherrenstifts
ging ich über den Innenhof der alten Schlossanlage
zurück in Richtung der Anlagestelle. Hier hätte man zwar auch noch etwas besichtigen können, doch dann hätte ich eine weitere halbe Stunde auf das nächste Schiff warten müssen. Daher entschied ich mich dagegen und reihte mich in die Schlange zur Überfahrt zur Fraueninsel ein.
Wieder konnte ich einen Platz im Bugbereich des Schiffes ergattern, wo ich direkt hinter der Fahne in den bayrischen Staatsfarben saß, die munter an der Bugspitze des Schiffes flatterte.
Vorbei an der zwischen Herren- und Fraueninsel gelegenen Krautinsel, welche jedoch nicht von den Schiffen angefahren wird,
nährten wir uns nun also der Fraueninsel. Während der Anfahrt gelangen mit einige sehr schöne Aufnahmen der im Süden befindlichen Benediktinerinnen-Abtei, die sich wunderbar im durch das Schiff gekräuselten Chiemsee spiegelte.
Nach etwa zehn Minuten Fahrtzeit konnte ich schließlich das Schiff verlassen und die Frauen-Insel betreten.
Dieses eigentlich Frauenchiemsee genannte, aber fast immer nur als Fraueninsel bezeichnete Eiland ist mit seinen gerade mal 15,5ha zwar nicht gerade groß, wird aber das ganze Jahr über von etwa 300 Menschen bewohnt. Als beherrschendes Gebäude kann man hier zweifellos das Benediktinerinnen-Kloster Frauenwörth am Südende der Insel bezeichnen, das im Gegensatz des Augustiner-Klosters auf der Herreninsel auch heute noch von Nonnen bewohnt wird. Gegründet 782 wurde der Klosterbetrieb zwar im Rahmen der Säkularisation 1803 bis 1835 zwar aufgehoben, aber durch König Ludwig I. wieder unter der Prämisse zugelassen, dass die Nonnen sich selbst um ihren Unterhalt kümmern. Deswegen betrieben sie dort auch ein Mädcheninternat und später eine Frauen-Berufsfachschule, die jedoch 1995 den Betrieb einstellte.
Vom Hauptsteg aus wandte ich mich erst einmal nach links in Richtung des Klosters und wanderte, vorbei an einem kleinen, malerischen Steg mit Blick in Richtung Herreninsel vorbei,
am Ufer entlang. Dabei konnte ich einige schöne Aufnahmen der Klosteranlage und der angeschlossenen Münsterkirche machen.
Über einen schmalen Weg begab ich mich schließlich hoch in Richtung der Münsterkirche mit ihrem runden Glockenturm,
vor der ein malerischer Friedhof dazu einlud ein paar Schnappschüsse zu machen.
Und auch die Kirche selbst erwies sich als wirklich sehenswert – jedoch war auch hier das fotografieren verboten, so dass ich nicht mit Bilder dienen kann.
Zu erwähnen wäre hier natürlich noch die aus karolingischer Zeit stammende Torhalle, die als letztes Gebäude der ersten Klosteranlage noch zu bewundern ist.
Ich wandte mich nun weiter am Ostufer entlang, wo sich zahlreiche Restaurants, Gastwirtschaften, Biergärten und sogar eine inseleigene Brauerei zu finden war, die dank des sonnigen Wetters alle gut besucht waren.
Eigentlich hatte ich dann vorgehabt, vom Nordsteg nach Gstadt weiter zu fahren, doch wie ich anhand des Fahrplans feststellen musste dauerte die Abfahrt von hier noch länger als die nächste Abfahrt vom Hauptsteg aus. Daher wandte ich mich noch einmal in Richtung des Dorfkerns um darüber zum Hauptsteg zurückzukehren.
Hier fand sich auf dem höchsten Punkt der Insel die Tassilo- und die Marienlinde, die mit über 1000 Jahren zu der ältesten Bepflanzung der Inseln hier zählt
und darunter ein kleiner Heiligenschrein.
Nachdem ich ein wenig im Ort herumgewandert war, erreichte ich noch rechtzeitig den Hauptsteg um das Fährschiff nach Gstadt zu erreichen.
Nach etwas mehr als zehn Minuten Fahrt erreichten ich schließlich auch Gstadt.
Langsam bekam ich aber auch Hunger, also entschloss ich mich hier in Gstadt nach einer Möglichkeit umzusehen etwas zu speisen. Nach einigem Suchen stieß ich dabei auf das Café Inselblick im Osten des Ortes. Obwohl als Café bezeichnet entpuppte sich diese Location als vollwertiges Restaurant.
Neben Suppen und Salaten sowie verschiedenen Fisch- und Fleischgerichten fand sich auf der Speisekarte auch ein umfangreiches Pizza-Angebot. Aus diesem Angebot wählte ich eine Pizza Salmon mit Räucherlachs und Krabben für 8,50 Euronen,
eine wirklich sehr leckere Zusammenstellung mit reichlich, angenehm dicken Räucherlachs-Scheiben und ebenso reichlich kleinen, knackigen Krabben auf einer fruchtig-würzigen Tomatensauce-Käse-Kombination, die ich mit wunderbaren Blick auf die Fraueninsel von der Terrasse des Cafés genoss.
Als ich fertig gegessen und bezahlt hatte, konnte ich mich auch gleich auf den Rückweg zum Steg machen, wo wenig später auch schon das nächste Schiff in Richtung Prien aufbrach. Während die Sonne über Gstadt unterging
begab ich mich also auf die Rückreise über Frauen- und Herreninsel zurück nach Prien wo mein Auto auf mich wartete.
Die Befürchtung jetzt noch eine deftige Gebühr für den Parkplatz bezahlen zu müssen erwies sich dann glücklicherweise als unbegründet, denn für die etwas mehr als sechseinhalb Stunden die ich hier geparkt hatte war gerade mal eine Gebührt von 3,50 Euro fällig. Somit konnte ich mich nach diesem interessanten Tag nun endlich auf den Rückweg nach München machen. Ich werde im Sommer wohl auf jeden Fall noch mal wieder kommen, denn ursprünglich hatte ich geplant mir viel mehr hier am und um den Chiemsee anzusehen. Das werde ich, sobald es das Wetter wieder zulässt, natürlich nachholen.
Tags: ausflug, Bavaria, Bayern, chiemsee, frauenchiemsee, fraueninsel, gstadt, herrenchiemsee, herreninsel, impression, kloster, krautinsel, prien, rundfahrt, schloss, see
Oktoberfest 2011 – ein Rundgang
3.10.2011 20:13 München, PhotowalksUnkommentiert
Heute geht es wieder mal zu Ende: Das wohl größte und internationalste Trinkgelage der Welt, das Oktoberfest in München. Natürlich war ich wieder mehr als ein Mal dort gewesen, doch dieses Jahr möchte ich alles in einem Beitrag zusammenfassen – im dritten Jahr in Folge die ich hier in München arbeite und das Oktoberfest besuche – siehe dazu auch die Berichte vom Oktoberfest 2009 und dem Oktoberfest 2010 (Teil 1 / Teil 2) – stellt sich natürlich eine gewisse Ernüchterung und Gewöhnung ein.
Dennoch war das Ganze auch dieses Jahr natürlich wieder einen Besuch wert. Sobald man die Gedenkstehle für den Oktoberfestanschlag von 1980 passiert hat
erreicht man auch schon das bunte Treiben auf der Theresienwiese und befindet sich in der berühmten Bierzelt-Straße. Gleich rechts findet sich wie immer das berühmte Hippodrom, das sich ja vor allem durch seine Promi-Dichte auszeichnen soll. Das konnte ich zwar nicht bestätigen, denn ich glaube eher dass die meisten in die kleineren Zelte gehen, doch das Gerücht hält sich stetig.
Etwas weiter auf der linken Seite finden wir schließlich das Fischer-Vroni-Festzelt, das zwar recht groß ist, aber von seiner Fassade her eher unscheinbar daherkommt verglichen mit den anderen Festzelten. Dabei ist es nur unwesentlich kleiner als diese.
Zwischen den Festzelten finden sich verschiedene Buden mit Süßigkeiten und mehr oder weniger lokalen Snacks. Bei einem Hendelpreis von über 9 Euro ist das eine gute Alternative zum Essen im Zelt – und Bier macht ja bekanntlich hungrig.
Als nächstes folgt rechte Hand das Armbrustschützenzelt, auf das man sich auch zubewegt wenn man von der U-Bahn Station Theresienwiese in Richtung Bierzeltstraße geht – ein imposantes Gebäude, das sich unter anderem durch seinen Turm links des Eingangs auszeichnet.
Direkt vor dem als nächstes folgendem Spatenbräu-Festzelt, hatte man dieses Jahr das große Kettenkarussell Wellenflug hin verlegt. Von den Jahren zuvor kannte ich es eher deutlich weiter hinten direkt an der Ecke beim Riesenrad, doch wahrscheinlich gibt es hier vorne mehr Laufkundschaft als dort hinten. Dennoch schade, denn ich fand die alte Position irgendwie passender.
Es folgt wie bereits erwähnt links die Spatenbräu Ochsenbraterei mit den beweglichen Figuren die während des gesamten Okotberfests unermüdlich den Plastikochsen über einem künstlichen Feuer drehen. Eindeutig ein Blickfang – keine Frage.
Auf der rechten Seite folgt nun das wohl bekannteste alles Festzelte auf dem Oktoberfest: Das Hofbräu-Zelt mit seinem Kronen-Logo, das beleuchtet über der Spitze des Festzelts thront.
Bis hier waren die Festzelte noch versetzt angeordnet, ab dem Hofbräu-Festzelt liegen sie sich aber nun direkt gegenüber. Links findet sich das Augustiner-Bräu Zelt mit seiner aufwendigen Dekoration und den beiden Edeltstoff-Aufstellern rechts und links des Eingangs.
Davor fiel noch das Boarisch Dinner ins Auge, das mit einem Portrait Ludwig II. geschmückt war.
Direkt gegenüber findet sich das Hacker-Pschorr Zelt mit seiner bunten Bemalung mit Münchner Motiven.
Nun folgen als nächste Zelte der Schottenhamel auf der rechten Seite
und gegenüber links das Pschorr Brausrosl.
Vorbei am Glöckle-Wirt mit seinem Straßenverkauf
erreicht man schließlich mit dem Paulaner-Festzelt rechts und dem Löwenbräu-Festzelt links das Ende der Bierzelt-Straße – die beiden Türme dieser Zelte mehr oder weniger direkt an der Gasse in Richtung Bavaria-Statue bilden sozusagen die Grenze.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt dass neben dem Löwenbräu-Festzelt noch vor der Quergasse Able Spanferkel folgt, eine Fressbude die mich jedes Jahr von neuem mit ihrer Dekoration fasziniert.
Nun ist man am Offiziellen Wiesn-Shop angekommen, einer von vielen Souvenir-Ständen hier auf dem Platz. Auf der Rückseite befindet sich ein Gemälde vom Oktoberfest dass vor allem bei Touristen gerne als Fotomotiv verwendet wird um davor zu posieren.
Rechts geht es zur Bavaria-Statue, die dieses Jahr allerdings nicht so imposant beleuchtet ist wie letztes Jahr
und gerade aus geht es zum berühmten Willenborg Riesenrad, jenes Fahrgeschäft welches ohne Frage als größter Blickfang auf der Theresienwiese dient.
Ab hier folgen fast nur noch Fahrgeschäfte und Fress- sowie Süßigkeitenbuden, die ich hier nur auszugsweise kurz besprechen möchte – vieles kennt man ja schon vom Vorjahr. Ich sage deswegen “fast” weil direkt neben dem Riesenrad sich die sogenannten “Oide Wiesn”, die “Alten Wiesn” befinden, ein abgetrennter Bereich für den man Eintritt (soweit ich weiß 3 Euro) bezahlen muss und in dem das Oktoberfest aus alten Zeiten sowohl mit zwei Festzelten als auch mit einigen alten Fahrgeschäften dargestellt wird. Wären die Schlangen vor dem Eingang nicht so lange gewesen, hätte ich mir das natürlich angesehen, so aber begnügte ich mich mit einem Sneak-Peak durch den bewachten Zaun kurz bevor ich von dort verjagt wurde.
Zumindest konnte ich hier noch eine schöne seitliche Aufnahme des Riesenrads tätigen.
Die Stelle direkt gegenüber des Riesenrades, da wo letztes Jahr noch das Wellenflug Kettenkarussell dominierte hat übrigens wie ich sehen musste eine dieser Kinder-Reitbahnen übernommen, die Abends natürlich schon geschlossen haben. Schade, ich fand dass das Karussell hier besser passte – einziger Vorteil ist es dass man nun einen besseren und ungetrübtere Blick auf das Riesenrad hat.
Biegen wir am Riesenrad links ab, fällt zur rechten Seite das Rocket ins Auge, in dem sich der Gast in raktenförmigen Kabinen hoch durch die Luft schleudern lassen können.
Gegenüber findet sich das Moto Drome, ein Attraktion die in der einige waghalsige Männer (ob Frauen dabei sind weiß ich nicht) in einer Arena an den Wänden entlang fahren. Etwas ähnliches kennen wir ja schon vom letzten Jahr. Und da Deutschlands größte Motorsport-Show dieses Jahr auch wieder auf der Theresienwiese ist halte ich diese Dopplung einer ähnlichen Attraktion für etwas unpassend. Gerade bei solchen Dingen sollte man sich doch auf ein Geschäft beschränken.
Neu erschien mir die aber die Münchner Rutschen, die gleich schräg gegenüber des Moto Dromes zu sehen war: Mehrere lange, nebeneinander liegende Rutschen auf denen man offensichtlich auf einer Matte abwärts rutschen konnte. Zu so später Stunde war hier aber nichts mehr los.
Nun bewegt man sich auf Bossle’s Teufelskerle zu, die Stuntshow die ich ja letztes Jahr besucht an genau der gleichen Stelle hatte.
Rechts davon findet sich, auch wie jedes Jahr, die Olympia Looping Achterbahn.
Neben Bossle’s Teufelskerlen findet sich schließlich ein meiner Erinnerung nach ebenfalls neues Fahrgeschäft, der Höllenblitz – wohl eine Art Indoor-Achterbahn.
Links gegenüber findet sich die erste eine ganzen Reihe von Geisterbahnen die dieses Jahr auf dem Oktoberfest vor Ort sind: Der Shocker, über dessen beleuchteten Schriftzug unermüdlich ein mechanisches Skelett hin und her radelt – dieses Fahrgeschäft kannte ich schon aus dem Vorjahr.
An der nächsten Quergasse, der Matthias-Pschorr-Straße, gab es weiteren alten Bekannten vom letzten zu sehen: Das High Energy mit seinem kreisenden Überschlag.
Einige Meter weiter folgt mit dem Fahr zur Hölle eine weitere Geisterbahn, bei der besonders eine animierte Dämonenfigur ins Auge fiel, die sich regelmäßig aus einem gescheckten Ei befreite, sich aufrichtete und dann Feuer spie – sehr sehenswert.
Wenig später erreichte ich, vorbei an einer Schießbude mit Namen Jäger-Alm
das Fahrgeschäft Parcour, ein modernes Karusell,
und direkt daneben der große Freefall-Tower, der nach dem Riesenrad wohl zu den höchsten Fahrgeschäften hier zählt. Eine kleinere Variante für Kinder eines solchen Fahrgeschäfts findet sich in der Nähe des U-Bahnhofs Theresienstraße.
Außerdem gab es hier eines von mehreren Spaßhäusern mit Spiegelkabinetten, optischen Täuschungen und wackelnden Böden zu sehen – das Lach-Freu-Haus, das sich vor allem durch die große Menge an Seifenblasen auszeichnete die Stoßweise aus der obersten Etage ausgestoßen wurden.
Durch eine Seitengasse mit weiteren Fahrgeschäften wie dem Großen Irrgarten
sowie dem in München etwas exotisch anmutenden Hanseaten-Imbiss
Natürlich sahen wir uns auch in den Zelten ein wenig um. Im Hofbräu-Festzelt war jedoch zum Beispiel so gut wie kein Durchkommen
Besser sah es da schon in den Biergärten aus, wo sich hier und da noch ein paar Sitzplätze finden ließen und man auch prompt bedient wurde. Bei Maß-Preisen von 8,80 bis 9,10 Euro jedoch kein billiger Spaß – gerade weil man wenn man auf weitere prompte Bedienung wert legte, am besten gleich 10 Euro inkl. Trinkgeld bei den Thekenkräften ließ.
Mehr Glück hatten wir im Paulaner-Festzelt, wo wir sogar im Zelt freie Plätze bekamen.
Hier konnten wir bis zum Ausschankschluß um 22:30 Uhr verbleiben, zu dem die Gäste ruhig, aber bestimmt langsam nach draußen bugsiert wurden während man teilweise schon die Bänke auf die Tische legte und begann das Zelt aufzuräumen.
Ein Schild, dass fälschlicherweise aussagte dass das Zelt wegen Überfüllung geschlossen wäre, sowie einige Sicherheitskräfte verhinderten dass neue Gäste in das Zelt flossen.
Rauchen war übrigens in allen Zelten überall verboten. Dennoch konnte ich einige betrunkene Gäste entdecken, die sich eine Zigarette ansteckten – und einige kamen sogar in den meisten Fällen damit durch da sie von keinem der Security-Leute oder der Bedienung entdeckt wurden.
Wer genug hat kann übrigens nach Ausschankschluß mehr oder weniger komfortabel mit der U-Bahn seinen Heimweg antreten – jedoch gibt es sowohl rund um die Theresienwiese und überall sonst in München genügend Möglichkeiten auch nach 22:30 Uhr weiter zu feiern.
Mir haben meine Besuche auf dem Oktoberfest auf jeden Fall auch diese Jahr wieder viel Spaß gemacht und ich bin sicher dass ich mich auch 2012 dem Oktoberfest nicht verwehren werde.
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