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Die Alm am Rodenberg – Rotenburg an der Fulda – Kurzreview

Monday, August 22nd, 2011

Am Wochenende entdeckten wir im nordhessischen Städtchen Rotenburg an der Fulda ein Stück bayrischen Kulturgutes in Waldhessen: Die Alm, eine im Wald auf dem Rodenberg gelegene Ausflugsgaststätte die sich recht erfolgreich die Mühe gibt, ein gewisses süddeutsches Flair nach Waldhessen zu bringen. Um eine große, urig eingerichtete Holzhütte herum findet sich eine große Sonnenterasse die zum Teil mit regulären Tischen und Stühlen, zum Teil aber auch mit grob behauenen Holzbänken und Tischen ausgestattet ist.

Hütte - Die Alm - Rodenberg
Die Hütte

Im Gegensatz zu bayrischen Biergärten muss man sich hier aber nicht selbst bedienen, sondern wird von stilecht in Dirndln eingekleideten Damen bedient. Im Angebot findet sich zwar kein Hofbräu oder Erdinger, aber Maisels Weiße und ein dunkles, sehr süffiges Landbier aus der Region. Außerdem gibt es ein übersichtliches Angebot an Speisen, darunter Weißwürste, Schweinesülze, verschiedene Salatteller, Suppen, Flammkuchen in zwei Variationen sowie einige Süßspeisen wie Apfelstrudel und Kuchen.

Blick auf die Sonnenterasse - Die Alm - Rodenberg
Blick auf die Sonnenterasse

Hinter der Hütte gibt es außerdem noch eine große Wiese, auf der nicht nur ein Kinderspielplatz und ein zur kleinen Bühne umgebauter Heuwagen,

Wiesen - Die Alm - Rodenberg
Die Wiese hinter der Rodenberg-Alm

sondern auch ein Pferch mit einigen Ziegen

Ziegen - Die Alm - Rodenberg

Ziegen 2 - Die Alm - Rodenberg
Ziegen an der Rodenberger Alm

und ein kleiner Hühnerfreilauf befindet.

Hühnerstall - Die Alm - Rodenberg
Freilauf für Geflügel

Aus dem Angebot entschied ich mich neben dem bereits genannten Dunkelbier (Göbel Landbier) (3,30 Euro pro 0,5l) für einen Flammkuchen “Traditionell”, der mit einem Preis von 7 Euro zu buche schlug.

Flammkuchen "Traditionell" / Tarte flambee
Flammkuchen

Auf einem hauchdünnen, crepes-artigen Teig kam ein großer, mit Sauerrahm und Schmand bestrichener und mit reichlich Speck, Zwiebeln und Schalotten belegter Flammkuchen auf einem Holzbrettchen, dem man sofort anmerkte dass er offensichtlich frisch gebacken worden war. Gab es absolut nichts dran auszusetzen – ich fand ihn absolut lecker und weiterempfehlenswert.
Auch insgesamt war mein Eindruck dieser kleinen Ausflugslokalität durchgehend positiv. Das Angebot ist ausgewogen, die Bedienkräfte schnell und meist präsent wenn man sie braucht und die angebotenen Getränke sind von guter Auswahl. Kann diese kleine Gaststätte ohne Vorbehalt weiter empfehlen.

Gaststätte Wartburg – Jena

Tuesday, December 6th, 2005

Wie der geneigte Leser ja weiß, ist Jena nicht gerade arm an gastronomischen Einrichtungen, im Volksmund auch Kneipe genannt,
in denen man sich mit Freunden, Kumpels und Kollegen bei mehr oder weniger starken Konsum alkoholischer Getränke einen schönen
Abend verbringen kann. In dem großen Wust von Szene- und In-Lokale hat sich eine Einrichtung gehalten, die in den nunmehr mehr als
sechzehn Jahren der Wiedervereinigung unverändert ihren festen Platz im Gefüge des Damenviertels hat: Die Wartburg.

Betritt man durch die doppelte Eingangstür den Schankraum, fühlt man sich unvermittelt um 20 Jahre in der Zeit zurückgeworfen. Ostdeutsche Zeit wohlgemerkt, denn die Wartburg präsentiert sich als Reinkarnation einer Gaststätte zur Hochzeit des Real Existiernden Sozialismus.
Die in eierschalen-ocker gestrichenen Wände bis etwa kopfhöhe mit Holz verschalt, die darüber sichtbare eierschalen-ockerfarbene Mauer ist mit einem Gemälde eines brüllenden Hirschen verziert, dem Ursymbol deutscher Gemütlichkeit.

Auf den mit Wolpryla-Decken verzierten Tischen finden sich neben der mit Kunstblumen umwirkten kategorischen Kerze auch ein wundervoll kombinierter Salz- und Pfefferstreuer mit integriertem Serviettenhalter. Der Wirt Rolf ist ein sauber seitengescheitelter Anfang-Fünfziger mit Metallbrille, der sein senkrecht gestreiftes Hemd genau so weit aufgeknöpft trägt, daß man das darunter getragene Feinripp-Unterhemd gerade erkennen kann. Das Publikum besteht jedoch nicht aus Männern fortgeschrittenen Alters, die sich den Abend mit dem Kosum von “Altherrengedecken” (abwechselnd ein Bier und ein Korn) versüßen, sondern vornehmlich aus jüngeren Leuten, die den Schankraum oft bis zum letzten Tisch besetzen. Das mag mitunter daran liegen, daß das Damenviertel besonders unter Studenten eine sehr beliebte Wohngegend ist. Wenn auch nicht gerade billig, so ist es doch zentral gelegen und nah an Universität oder der neugebauten Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThuLB). Einziger Wermutstropfen ist das komplette Fehlen von DSL-Anschlüssen in diesem Teil der Stadt, da die kurz nach der Wende verlegten Glasfaserleitungen eine Anbindung an diese schnelle Form des Internets verhindert. (Und für mich auch der Hauptgrund ist nicht in diese Gegend umzuziehen).

Jeder Wartburg-Neuling wird vor allem die an der Wand angebrachte Speisekarte (oben rechts im Bild) sofort bemerken, auf deren an Haken aufgehangenen Holztäfelchen die aktuell verfügbaren Gerichte verzeichnet sind. Ist ein Gericht aus, wird einfach die entsprechende Holztafel von der Wand genommen – eine einfache und doch in seiner Funktionalität extrem ausgeklügelte Vorrichtung, die in der Gastronomie ihres Gleichen sucht. 😉 Ausgeschenkt wird Rosen Pils, welches zwar von einigen Ansässigen als Kopfschmerzbier verschrien wird, aber sehr süffig und mit 1,90 Euronen für den 0,5 Liter Krug auch nicht zu teuer ist.
Man kann die Gaststätte Wartburg also abschließend nicht nur den Bewohnern des Damenviertels empfehlen, sondern sie durchaus als kleinen Insider-Geheimtipp betrachten, nicht nur für Ostalgiker.

Lageplan: