Englischer Garten, Kleinhesseloher See & Aumeister

Nach einigen Wochen in denen es zwar während der Arbeitstage schön, aber am Wochenende verregnet gewesen war gestaltet sich der heutige Samstag mal wieder wunderbar sonnig und trocken. Daher nutzten wir die Gelegenheit, mal wieder unsere Erkundung des schönstgrößtefeinsten Dorfes Deutschlands, eben München, fortzusetzen. Nachdem wir uns am Marienplatz getroffen hatten, wandten wir uns rechts am Neuen Rathaus vorbei in Richtung Norden. Menschenmassen verstopften regelrecht die Innenstadt, darunter viele Touristen die sich vor allem rund um Marienplatz tummelten. Bald erreichten wir den Max-Joseph-Platz mit dem Bayrischen Nationaltheater, dessen Säulen aktuell bunt geschmückt sind.

Max-Joseph-Platz & Bayrisches Nationaltheater
Max-Joseph-Platz & Bayrisches Nationaltheater

Weiter ging es über die Residenzstraße in Richtung Odeonsplatz, vorbei am Eingangstor zur Residenz, das rechts und links von zwei bronzenen Löwen mit dem Wappen der Wittelsbacher flankiert wird. Das Berühren des kleinen Löwenkopfes unterhalb des Wappens soll dem Volksglauben nach Glück bringen – entsprechend abgenutzt und blank sind diese auch anzusehen.

Eingstor zur Münchner Residenz
Münchner Residenz – Eingangstor

Linker Löwe - Münchner Residenz Rechter Löwe - Münchner Residenz
Löwen am Tor zur Münchner Residenz

Je näher wir dem Odeonsplatz kamen, umso mehr Sicherheitspersonal und Eventagentur-Mitarbeiter kreuzten unseren Weg. Als wir wenig später die Feldherrenhalle und die Theatinerkirche erreichten, wurde uns auch schnell klar weshalb: Hier fand heute Abend mal wieder eine große Veranstaltung statt: William Shakespears Sommernachtstraum wurde mit dem chinesischen Starpianisten Lang Lang aufgeführt und man war mitten drin in den Vorbereitungen für diese Großveranstaltung. Also hatte ich wieder keine Möglichkeit mal einen freien Blick auf die Feldherrenhalle zu erhaschen – denn die Bestuhlung und einige Aufbauten waren bereits aufgestellte worden.

Theatinerkirche
Theatinerkirche

Feldherrenhalle und Bestuhlung
Feldherrenhalle & Bestuhlung

Zuerst überlegten wir durch den Hofgarten zu weiter zu gehen, doch da wir diesen ja schon während des ersten großen Rundgangs durch München gesehen hatte, entschlossen wir uns der Ludwigstraße weiter in Richtung Norden zu folgen, vorbei am Standbild Ludwig I. von Bayern direkt am Nordende des Odeonsplatzes.

Standbild Ludwig I von Bayern - Odeonsplatz
Standbild Ludwig I von Bayern – Odeonsplatz

So folgten wir der Ludwigstraße bis zur Kreuzung mit der Von-der-Tann-Straße und überquerten dort die Fahrbahn, um uns nun über genau diese Von-der-Tann-Straße in Richtung des Südendes des englischen Gartens zu wenden.

Ludwigstraße - Blick in Richtung Siegestor
Ludwigstraße – Blick in Richtung Siegestor

Am Englischen Garten konnten wir verstärkte Polizeipräsenz beobachten – einige Beamte standen herum und beäugten die zahlreichen Einheimischen und Touristen die hier flanierten. Das gehörte wohl auch zu den Sicherheitsmaßnahmen der Veranstaltung am Odeonsplatz.
An der Staatskanzlei und dem kleinen klassizistischen Gebäude daneben vorbei – ich glaube es gehört wohl zur Hofbrunnwerk des Hofgarten – wandten wir uns schließlich in den Englischen Garten.

Brunnen an der Staatskanzlei

Unser erstes Ziel sollte hier das Monopteros sein, jener Bau nördlich der südlichen Liegewiese – auch Schönfeldwiese genannt – den wir beim letzten Besuch hier leider verpasst hatte da unser Weg zu weit westlich verlief. Und bald konnten wir auch schon einen ersten Blick darauf werfen.

Blick auf die Liegeweise & Monopteros
Schönfeldwiese & Monopteros

Der Rundtempel im griechischen Stil ist als eine Art Pantheon für bayrische Persönlichkeiten gedacht und wurde zwischen 1832 und 1836 nach einem Entwurf des Architekten Leo von Klenze errichtet, der 15m hohe Hügel auf dem das Monopteros steht war dazu vom Landschaftsarchitekten Carl August Sckell gestaltet worden, der ihn extra für diesen Zweck aufschütten ließ.
Was uns erst auffiel als wir uns dem Tempel über verschlungene Pfade nährten war die Tatsache, dass hier auf der Schönfeldwiese mit scheinbar recht großer Begeisterung der Freikörperkultur gefrönt wurde, wobei sich die Nackerden und die bekleideten Sonnenanbeter ohne große Berührungsängste vermischten und gemeinsam das schöne Wetter genossen.
Vorbei an einem kleinen Wasserfall am Schwabinger Bach, in dem einige junge Männer das kühle Wasser genossen

Eisbach & Badende Badegäste im Eisbach
Baden am Wasserfall im Schwabinger Bach

nährten wir uns eher schlängelnd als geradlinig dem Monopteros. Sah man zurück konnte man einige Kuppeln der Münchner Stadt bereits über den Bäumen am südlichen Ende des englischen Gartens erkennen.

Schönfeldwiese - Südlicher Englischer Garten


Langsam kamen wir schließlich unserem Ziel näher – nur noch wenige Meter trennten uns von diesem Rundtempel, der ja zu den großen Blickfängen innerhalb des Englischen Gartens zählt.

Monopteros

Über einen kleinen, steil ansteigenden Weg bestiegen wir schließlich den Hügel und erreichten den Rundtempel, unter dessen Kuppel ein Gitarrenspieler mit lautstarkem Gesang die zahlreichen Besucher des Gebäudes mit zeitgenössischer Rockmusik unterhielt. Was mir ebenfalls gleich auffiel war die Tatsache dass man von hier oben einen wunderbaren Blick auf die Skyline von München mit vielen ihrer Kuppeln und Türmen hatte – das musste ich natürlich auch gleich mal auf die Speicherkarte meiner Kamera bannen – auch wenn die hohen Hecken direkt um den Tempel dieser Sache nicht gerade dienlich waren.

Skyline München - gesehen vom Monopteros
Skyline München – gesehen vom Monopteros

Monopetros - Innenbereich Monopteros - Dachkonstruktion
Monopteros – Links: Innenbereich – Rechts: Dachkonstruktion

Skyline München vom Monopteros
Kuppel und Türme der Münchner Innenstadt – aufgenommen vom Monopteros

Erst als wir uns wieder an den Abstieg machten, fiel uns das achtlos beiseite geworfene, abgerissene Absperrband in bayrischen Staatfarben auf, an dem ein Schild prangte dass die Anlage gesperrt sei. Ob das nun absichtlich entfernt oder von einem Besucher abgerissen worden war blieb unaufgeklärt – wäre aber auch ärgerlich gewesen wenn wir nicht bis ganz nach oben hätten gehen können, also war uns das auch ganz recht so.

Absperrband am Monopteros
Abgerissenes Absperrband am Monopteros

Bald schon erreichten wir den Chinesischen Turm und da wir Hunger hatten überlegten wir hier eine kleine Brotzeit zu uns zu nehmen. Doch hier tummelten sich solche Menschenmassen und es gab keine Aussicht auf freie Sitzplätze dass wir diese Idee bald wieder aufgaben und weiter zogen – der Englische Garten war ja noch groß und das hier war nicht der letzte Biergarten auf unserem Weg. Vorbei am Kinderkarusell machten wir uns weiter in Richtung Norden.

Kinderkaroussell am Chinesischen Turm
Kinderkarussell am Chinesischen Turm


Am Kleinhesseloher See hatten wir mehr Glück – der Biergarten am Seehaus war hier zwar auch gut besucht, aber es gab noch genügend freie Plätze so dass wir uns entschlossen hier unseren Hunger und Durst zu stillen.

Biergarten Seehaus - Kleinhesselocher See Biergarten Seehaus - Kleinhesselocher See

Natürlich war hier mal wieder – wie in bayrischen Biergärten üblich – Selbstbedienung angesagt. Aus dem reichhaltigen Angebot von Braten, Würsten und Leberkäse wählte ich eine einfache Weiße Currywurst mit Pommes Frites, die ich mit einem halben Russ’n ergänzte.

Currywurst mit Pommes & Halber Russ'n - Seehaus

Das mit Sprudel versetzte Weizenbier war in Ordnung – aber der Rest ließ wirklich zu wünschen übrig. Mit dem Pommes Frites konnte ich noch leben, aber die so gut wie kalte und ohne Sauce auch fast geschmacklose Wurst entsprach nicht gerade meinen Vorstellungen – und das bei einem Preis von über elf Euro für alles. Zumindest sättigte es – ich hatte heute noch nichts gegessen gehabt.
So gestärkt machten wir uns daran den Kleinhesseloher See, auf dem sich reichlich Tret- und Ruderbotten vom nahen Bootsverleih tummelten, in Richtung Norden zu passieren, wobei wir uns natürlich nicht nehmen ließen dem Friedrich Ludwig von Schkell Denkmal dort einen kurzen Besuch abzustatten.

Friedrich-Ludwig-von-Schkell-Denkmal
Friedrich Ludwig von Schkell Denkmal

Kleinhesseloher See - Englischer Garten München Kleinhesseloher See
Kleinhesseloher See

Nachdem wir den stark befahrenen Mittleren Ring, der hier quer durch den Englischen Garten verläuft, überquert hatten, erreichten wir den ruhigeren und weniger stark frequentierten nördlichen Bereich des Englischen Gartens. Die Anzahl von Fußgängern und Radfahrern die uns begegneten wurde deutlich geringer. Dabei ist dieser Bereich dieser Parkanlage nicht weniger idyllisch – aber ich vermute mal dass viele die Unter- bzw. Überquerung des Mittleren Ringes abschreckt.

Wiese im nördlichen Englischen Garten
Wiese im nördlichen Englischen Garten


Unser nächstes Ziel sollte das Stauwehr Oberföhring sein, welches wir über verschlungene, aber glücklicherweise ausreichend ausgeschilderte Pfade schließlich erblicken konnten.

Stauwehr Oberföhring Stauwehr Oberföhring
Stauwehr Oberföhring

Dieses zwischen 1921 und 1924 errichtete Bauwerk, das auch als Einlaufbauwerk für den Mittlere-Isar-Kanal dient, ist das südlichste von insgesamt sieben, heute von e.On betriebenen Wasserkraftwerken an diesem Kanal. Im Wehr selber befindet sich zwar kein Kraftwerk, aber in einem Nebengebäude wird ein solches betrieben. Der Mittlere-Isar-Kanal, der sich hier vom Fluß Isar abspaltet, verläuft 64km nordwärts parallel des Flusses und mündet bei Landshut wieder in diesen.

Isar am Stauwehr Oberföhring

Wir überquerten hier sowohl die Isar als auch den angrenzenden Kanal. Direkt hinter dem Sperrwehr finden sich einige der für die Isar üblichen Sand- und Kiesbänke, die natürlich auch hier von den Bewohnern genutzt wurden um sich ein wenig zu sonnen und das kühlende Wasser der Isar zu genießen.

Isarauen am Stauwehr Oberföhring Isarauen am Stauwehr Oberföhring
Isar & Kiesbänke am Stauwehr Oberföhring

Durch einen kleinen Tunnel am Westende des Gebäudes erreichten wir schließlich den eigentlichen Sperrwehr-Bereich mit seinen großen Schleusen.

Stauwehr Oberföhring

Von hier konnten wir auch einen ersten Blick auf den beginnenden Mittlere-Isar-Kanal werfen.

Blick auf den Mittlere-Isar-Kanal vom Stauwehr Oberföhring

Blick vom Stauwehr Oberföhring
Beginn des Mittlere-Isar-Kanals

Nun ging es ein Stück über die Halbinsel, die sich zwischen Isar und dem Kanal entlang zieht, ein dicht bewaldetes und kaum frequentierter Teil des Englischen Gartens mit reichlich verschlungenen Wegen und kleinen Pfaden.

Waldweg

Erst kurz vor der St-Emmeram-Brücke wurde es wieder etwas belebter. Direkt am Fuß der Brücke feierten und grillten sowohl Jugendliche als auch Familien mit Kindern. Wir verließen kurz den Hauptweg und durchquerten diesen Freizeitbereich, denn von hier untern konnte ich die Brücke besser vor die Linse bekommen.

St.-Emmeram-Brücke
St.-Emmeram-Brücke

Als wir wieder nach oben auf den “richtigen” Weg gestiegen waren, fiel mir eine Statue ins Auge, die man hier direkt neben der St.-Emmeram-Brücke augestellt hatte. Wen sie darstellte konnte ich mir natürlich sofort denken: Hier muss es sich um diesen Emmeram handeln.

St.-Emmeram
St. Emmeram Statue

Der heilige Emmeram (Heimrammi) war ein Wandermönch und Bischof aus dem französischen Poitiers, der sich nach einer Pilgerreise auf drängen des dortigen Herzogs bei Regensburg niederließ. Die Geschichte ist ziemlich grauselig, denn als die Tochter des Herzogs von einem jungen Hofbeamten schwanger wird, rät ihr Emmeram ihn als Vater anzugeben. Dann reist er nach Rom zum Papst ab. Als die Tochter diese Geschichte ihrem Vater erzählt, erzürnt dieser und sein Sohn so sehr, dass der Sohn mit seinen Mannen losreitet und den Wanderbischof kurz vor München abfängt, wo er ihn auf eine Leiter binden und einzelne Körperteile abschneiden lässt bevor er ihn enthauptet. Hier wird die Geschichte unlogisch – ich zitiere: Seine Begleiter Vitalis und Wolflete fanden den Bischof in seinem Blut liegend und versuchten, den Sterbenden rasch nach Aschheim zu bringen. Auf dem Weg nach Aschheim verstarb Emmeram bei Feldkirchen. Gut, ist eine Heiligengeschichte, aber ich bezweifle dennoch dass ein Enthaupteter erst auf dem Weg zum nächsten Ort verstirbt.
Aber ich schweife ab – wen die Story interessiert kann sie hier bei Wikipedia nachlesen.
Wir machten uns nun daran die St.Emmeran-Brücke, die aktuell durch Baugerüste und reichlich Kabel behangen ist, zu überqueren.

St.-Emmeram-Brücke
St.-Emmeran-Brücke

Von hier konnten gelangen einige hübsche Schnappschüsse des Mittlere-Isar-Kanales mit dem direkt an der Brücke befindlichen Publikum.

Nördlicher Blick von der St.-Emmeram-Brücke Südlicher Blick von der St.-Emmeram-Brücke
Blick von der St.-Emmeram-Brücke – Links: Nördlich – Rechts: Südlich

Nun waren wir wieder im Englischen Garten angelangt, wo wir uns in Richung Nordosten wandten. Schon bald erreichten wir den sogenannten Entenfallweiher.

Entenfallweiher
Entenfallweiher

Waldweg am Libellensee
Waldweg am Entenfallweiher

Vorbei an einer weiteren großen Liegeweise, der sogenannten Hirschau, auf der vereinzelt ebenfalls Leute die Sonne genossen

Hirschau - Nördlicher Englischer Garten
Hirschau – Nördlicher Englischer Garten

erreichten wir schließlich den letzten Biergarten am nördlichesten Ende des Englischen Gartens: Den Aumeister. Neben dem großen Biergarten zwischen zahlreichen noch jungen Kastanienbäumen findet sich hier auch ein Restaurant mit Bedienung. Außerdem sorgt ein großer, sehr gute ausgestatter Kinderspielplatz dafür, dass sich auch die jüngeren Gäste nicht langweilen.

Aumeister Biergarten
Aumeister – Blick aufs Hauptgebäude mit Restaurant

Aumeister Biergarten
Aumeister – Biergarten

Hunger hatten wir zwar keinen mehr, dennoch nutzte wir die Gelegenheit uns hier niederzulassen und noch eine Apfelschorle zur Erfrischung zu genießen. Obwohl ich zugeben muss dass das Essen beim Aumeister eindeutig besser aussah als das, was wir am Seehaus am Kleinhesseloher See verzehrt hatten. Außerdem konnte ich hier auch das erste Mal die Verhaltensweise der Gäste beobachten, von der ich schon häufiger gehört hatte: Sie breiteten auf den Bierbänken des Biergartens selbst mitgebrachte Brotzeiten aus und verzehrten diese. Anderswo würde dies wohl böse Blicke der Mitarbeiter oder sogar einen Platzverweis bedeuten – aber in Bayern ist dies wohl normale Tradition. Der Aumeister scheint meiner Meinung nach ein beliebtes und an sonnigen Tage wie heute durchaus stark frequentiertes Ausflugsziel zu sein. Ein großer Teil des Gäste hier waren wohl zu Fuß oder mit dem Rad gekommen – davon zeugten alleine die Massenhaft abgestellten Drahtesel vor dem Eingang.
Schließlich machten wir uns auf unseren letzten größeren Weg für heute. Durch den Nordeingang verließen wir den Aumeister-Biergarten

Aumeister Biergarten - Eingang

und machten uns durch den schönen Münchner Stadtteil Freimann auf den Weg zum gleichnamigen U-Bahnhof. Hier so weit im Norden Münchens verläuft die U-Bahn noch oberirdisch. Die Linie U6 die hier verkehrt ist außerdem die am weitesten nach Norden führende Linie überhaupt – sie führt bis zum Forschungszentrum in Garching nördlich von München. Und wir waren wirklich froh dass es hier oben noch Nahverkehr gab – denn darauf die ganze Strecke zurück zu laufen hatten wir wirklich keine Lust.

U-Bahn Haltestelle Freimann
U-Bahn Haltestelle Freimann

Zum Abschluß natürlich wie immer eine kleine Übersichtskarte über die zurückgelegte Strecke.
Nachtrag 07.09.2011:
Hier noch der Nachtrag als zoombare, interaktive Google Maps Karte mit dem genauen zurückgelegtem Weg


Meiner Kalkulation noch müssten es so dreizehn bis vierzehn Kilometer Fußmarsch gewesen sein – eine stolze Leistung für einen Samstag Nachmittag. Wobei ich zugeben muss dass ich nicht alle Kreuzwege, Querfeldeinläufe und andere Richtungsänderungen hier berücksichtigen konnte, es handelt sich bei der Entfernungsangabe nur um eine ungefähre Bemessung.
Zum Abschluss kann ich nur noch sagen, dass sich der Besuch der englischen Gartens – auch nördlich des mittleren Rings – auf jeden Fall lohnt. Es gibt viel zu sehen, viel zu entdecken und die Landschaft ist wirklich mehr als sehenswert. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt – neben den hier genannten Biergärten finden sich auch einige Kioske und kleinere Verkäufsstände für Speisen und Getränke auf der Strecke. Einzig ein wenig Bewegungsdrang und Neugierde muss man mitbringen. Und dabei ist der Englisch Garten nur ein kleiner Teil dieses schönstgrößtefeinen Dorfes im Süden der Bundesrepublik Deutschland. Mal schauen wo es uns das nächste Mal hin verschlägt – es gibt hier auf jeden Fall noch viel zu entdecken, soviel steht fest.

Point Alpha Memorial – Besuch an der ehemaligen Innerdeutschen Grenze

Im Rahmen eines Ausfluges mit Besuchern von der anderen Seite des Erdballs, um genau zu sein vom Kontinent der Kängeruhs und Koalas, begaben wir uns letztes Wochenende zur Gedenkstätte Point Alpha zwischen dem Hessischen Ort Rasdort und dem Thüringischen Ort Geisa, einem einmaligen Stückchen deutsch-deutscher Geschichte an dem man auch über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung einen Teil der damaligen Trennung der beiden deutschen Staaten live erleben kann.

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Der eigentliche Point Alpha ist dabei eine Beobachtungsstation des U.S. Militärs, der bis zum Fall der Mauer und somit auch der Grenze dazu diente die Aktivitäten des Warschauer Paktes insbesondere der DDR Grenzsoldaten im Auge zu behalten. Doch dazu später mehr.
Nachdem wir unsere Autos direkt vor dieser ehemaligen Basis und heutigen Gedenkstätte abgestellt hatten, wandten wir uns erst einmal der direkt vor uns liegenden hessisch-thüringischen Grenze zu, an der wir bereits von Weitem die originalgetreu rekonstruierten Grenzanlagen erkennen konnten.

Ehemalige Innerdeutsche Grenze U.S. Army Base Point Alpha
Links: Blick auf die Grenzanlagen – Rechts: U.S. Basis und Aussichtsturm

Memorial
Denkmal am Point Alpha

Auch wenn es schon lange her ist kann ich mich noch gut an die Zeit erinnern als Befestigungen dieser Art durch das komplette Republik gingen und unser Land in zwei Systeme und Staaten teilte. Über Vor- und Nachteile der Wiedervereinigung oder ähnliches möchte ich mich hier aber nicht auslassen, ich habe lange genug nach der Grenzöffnung in Thüringen, vor allem in Jena, gelebt um meine eigene Meinung über das Ossi / Wessi Gerede zu haben dass einige Mitbürger auch noch heute von sich geben.
Der Teil der Befestigungen direkt an der U.S. Basis mit ihrem Aussichtssturm entsprechen der letzten Ausbaustufe der Grenze wie sie bis 1989/90 existiert hat. Hinter einem dichten Drahtzaun und einem Minenfeld folgte auf DDR-Seite eine Betonmauer die das Durchbrechen der Grenze mit Fahrzeugen zusätzlich erschweren sollte.

Grenzanlage Grenzanlage
Links: Blick am Grenzzaun entlang – Rechts: Grenze von der Thüringischen Seite mit Blick auf den Aussichtsturm

Nach einem weiteren Rasenstreifen folgte ein Patrouillienweg der Grenztruppen der DDR, der historischen Quellen nach von der Ostsee bis hinunter zur tschechischen (damals tschechoslowakischen) Grenze durchgehend befahrbar war. Ihn säumten Wachtürme verschiedenster Bauart sowie Beobachtungsbunker.

Beobachtungsbunker
Beobachtungsbunker

DDR Grenzturm DDR Grenzturm
Wachtturm der DDR Grenztruppen – kleine Ausführung

Wir entschlossen uns dem Weg ein Stück entlang der ehemaligen Grenze zu folgen. Aufgrund der Sperrung des Gebietes für mehr als dreißig Jahre war hier über die Jahre ein Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen entstanden, die anderswo fast ausgestorben waren weswegen große Teile der ehemaligen Grenze heutzutage auch unter Naturschutz stehen.
Nach einigen Metern sahen wir dabei auch eine der Laufleinen für die Wachhunde der Grenztruppen – der Hund der hier stand war allerdings nur eine Attrappe was auch unser kleiner Mops Paul schnell nach kurzem schnüffeln offensichtlich erleichtert feststellte.

Wachhund Paul & Wachhund
Links: Laufleine, Hund & Hundehütte – Rechts: Paul und die Wachhund-Attrappe

Wir setzten unseren Weg fort und konnten nun verschiedene Ausbaustufen der ehemaligen Grenze sehen, die hier zur Veranschaulichung aufgebaut worden waren. Vorgänger der eben gezeigten Grenzanlagen war ein doppelter Stacheldrahtzahn gewesen, zwischen dessen Zäunen sich stellenweise ein Minenstreifen befunden hatte.

Doppelzaun Grenzstreifen
Grenzanlagen in doppelter Ausbaustufe

Stacheldraht - CloseUp
Stacheldraht – Nahaufnahme

Noch früher hatte die Grenze nur aus einem einfachen, relativ niedrigen Stacheldrahtzaun bestanden, der eher an einen besseren Weidezaun als an eine wirklich Grenze erinnert.

Grenzzaun & Stacheldraht Grenzzaun - Ausbaustufe 1
Frühere Innerdeutsche Grenze – frühe Zaunanlagen

Etwas weiter hatte man noch eine Schranke mit Panzersperren aufgestellt, wie sie wohl kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf den Verbindungsstraßen zwischen den einzelnen Besatzungszonen zu sehen gewesen waren. Auf der Mitte der Schranke dabei ein Schild mit dem Wort Stop in kyrillischen Buchstaben.

Straßensperre

Einige Meter weiter erreichten wir das sogenannte Haus auf der Grenze, ein kleines Museum in dessen Inneren einige weitere Überbleibsel der alten Deutsch-Deutschen Grenze zu sehen sein sollten. Doch bevor wir uns hinein begaben, umrundeten wir das Gebäude erst einmal. Direkt hinter dem Gebäude findet sich die Spirale des Friedens, ein Werk des deutschen Künstlers Friedel Deventer. Die Plastik aus Stahl und Polyester, an dessen Spiralarmen das Wort Frieden in drei Sprachen prangt erinnerte mich dabei im ersten Moment an vorwendliche sozialistische Kunst, stammte aber aus dem Jahre 2003.

Haltestelle Point Alpha Friedensspirale
Links: Bushaltestelle Point Alpha – Rechts: Spirale des Friedens

Dann wandten wir uns in das innere des Museums, dessen Eintritt vier Euro kostete und in dem einige interessante Ausstellungsstücke der Grenztruppen zu besichtigen waren. So gab es verschiedene Fahrzeuge zu sehen, darunter ein Trabant Geländewagen und ein alter Horch P3, der bis 1966 von den VEB Automobilwerke Ludwigsfelde für die NVA hergestellt worden war.

Trabant Geländewagen Geländewagen Horch P3
Links: Trabant der Grenztruppen – Rechts: Horch P3

Auch bekamen wir ein orignalgetreu rekonstruiertes Büro der Grenztruppen zu sehen, komplett mit uniformierten Pappkameraden, sozialistischen Einheitsmöbeln und dem kategorischen Bild des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.

DDR Wachbüro
Büro der DDR Grenztruppen

Außerdem gab es noch einige Schilder, Grenzsteine, alten Waffen der NVA sowie auch die berüchtigten Selbstschußanlagen zu sehen, die eigentlich gerichtete Splitterminen waren und zwischen 1970 und 1984 eine Flucht aus der DDR zusätzlich erschwerten. Leider habe ich gerade von diesen kein Bild, aber bei Wikipedia gibt es zufälligerweise ein Bild genau dieser hier ausgestellten Mine.

Grenzgebiet Grenzpfosten
Schilder der ehemaligen Grenze

DDR Grenzstein
Grenzstein der DDR

Nach Besuch dieses Museums machten wir uns auf den Rückweg zur ehemaligen U.S. Basis, die wir auch noch besichtigen wollten. Im Eintritt für das Museum war der Eintritt für diese Einrichtung inbegriffen, daher brauchten wir hier nicht noch einmal zu bezahlen.

Point Alpha - Sign Eingang
Links: Schild am Point Alpha – Rechts: Eingangsbereich

Ein Warnschild am Eingangsbereich sorgte dabei für einige meiner Begleiter und mich für etwas Verwirrung, die Kassenangestellte teilte uns jedoch mit dass dies nur ein historisches Schild sei und wir das Verbot darauf nicht mehr berücksichtigen müssten. 😉

U.S. Army

Als erstes interessierte uns natürlich der Aussichtsturm selbst, den man über eine kleine Treppe besteigen konnte. Direkt unter der Aussichtsplattform fand sich auch noch das ehemalige Wachbüro, das jedoch verschlossen und somit für uns nicht zugänglich war. Von oben hatten wir aber einen wunderbaren Blick auf die Grenze und das dahinter liegende Thüringen.

Aussichtsturm
Beobachtungsturm der U.S. Army

Innerdeutsche Grenzbefestigung Blick nach Thüringen und auf den Ort Geisa
Links: Blick auf die Grenzanlagen – Rechts: Thüringen und der Ort Geisa

Auf dem Gelände selbst waren einige alte Fahrzeuge der U.S. Army, darunter ein Mannschaftstransporter und ein Panzer – ich meine einen M60 Kampfpanzer – ausgestellt. Weiter unten hatte sich früher auch noch eine Halle mit zwei Hubschraubern befunden, doch diese war leider letzten Winter unter der Schneelast zusammengebrochen und hatte die beiden Fluggeräte zerstört. Ihre Reste lagern jetzt unter Planen auf dem Hof davor (hinter dem Panzer zusehen).

Transporter M60 Tank
Links: Armoured Transport – Recht: M60 Tank

Neben einer Snack-Bar und einem Beergarden fand sich auch hier noch ein weiteres Museum, indem wir unter anderem einen konservierten Wohnraum eines U.S. Soldaten der damaligen Zeit sowie einige Waffen, Photos und Uniformen besichtigen konnten. Sehr sehenswert war dabei der Hauptgang des Gebäudes gestaltet, an dessen Wände lebensgroße Fotos der Soldaten angebracht waren und der auf eine beleuchtete US-Flagge hin führte.

star spangled banner
US-Flagge

Uniformen Uniformen
Uniformen Amerikanische Uniformen
Verschiedene Uniformen und Waffen der Ausstellung

Alles in allem eine wirklich sehr interessante Tour muss ich sagen. Durchaus Sehenswert und ein guter Punkt um Besuchern aus dem Ausland und auch jüngeren Deutschen zu zeigen wie die Verhältnisse an der Innerdeutschen Grenze damals waren.

Attention - 50 meters to border

Dabei ist der Point Alpha mit Sicherheit nur eine von vielen Gedenkstätten am alten Eisernen Vorhang, aber es war die erste die ich bewusst besucht und besichtigt habe. Und auch unseren Gästen hat es sehr gefallen – sie kannten dies alles nur aus Erzählungen. Und die nordhessische und thüringische Berglandschaft ist natürlich auch immer einen Besuch wert. 😉