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Sightseeing in Santo Domingo [13.06.2016]

Monday, June 13th, 2016

Bevor ich gegen 14:00 Uhr den Mietwagen zurückgeben musste, wollte ich natürlich noch etwas von der Hauptstadt der Dominikanischen Republik sehen, daher brachen wir am Vormittag zu einer kleinen Sightseeing-Tour auf, nachdem ich mich zwei Catibias gestärkt hatte – das sind hier weit verbreitete, mit Käse gefüllte und frittierte Teigtaschen.

Catibias for breakfast | Santo Domingo

Erstes Ziel war der Parque Indepencia im kolonialen Nordosten der Stadt, einem Ort an dem man ein wenig in die Geschichte des Inselstaates eintauchen konnte. Der Autoverkehr in der Innenstadt dieser Metropole mit etwa 3 Millionen Einwohner ist natürlich nur dem erfahrenen Autofahrer zu empfehlen, denn es gibt wie bereits erwähnt kaum jemanden, der sich an irgendwelche Verkehrsregeln hält. Doch ich war es ja inzwischen gewohnt, daher erreichte ich unbeschadet das Zentrum und fand sogar in der Nähe meines Zieles einen freien Parkplatz im Schatten einiger Bäume. Von dort aus ging es in Richtung des Parque Indepencia. Wenig später erreichten wir Puerta de la Conde, ein Tor das zu einem alten Fort, dem El Baluarte del Conde gehörte. Hier soll einer der Gründerväter dieses Lande, Francisco del Rosario Sánchez, am 27. Februar 1844 die Unabhängigkeit des Landes proklamiert haben, nachdem das Land viele Jahre vom benachbarten Haiti besetzt gewesen war.

La Puerta del Conde | Parque Indepencia | Santo Domingo
Puerta del Conde

Tritt man durch das Tor, erreicht man einen großen, von Bäumen umgebenen Platz, an dessen Kopfende ein großes Gebäude ins Auge fällt. Bei diesem Gebäude handelt es sich um den Altar de la Patria, den Altar der Gründerväter, in dem die Gebeine der drei Begründer dieses Landes ruhen: Juan Pablo Duarte, Francisco del Rosario Sánchez und Matías Ramón Mella ruhen und das somit ein Nationalheiligtum der Dominikanischen Republik ist. Der Name Duarte dürfte jedem Besucher der Dominkanischen Republik auch schon einmal untergekommen sein, denn es gibt kaum einen Ort, in denen nicht mindestens eine Straße oder ein Platz den Namen dieses Herren trägt.

Altar de la Patria | Parque Independencia | Santo Domingo
Altar de la Patria

Als wir den Innenraum betraten, wurde uns die Erhabenheit dieses Raumes auch sogleich bewusst gemacht, denn eine Person die mit mir hinein gekommen war wurde sogleich von einem der Aufpasser darauf hingewiesen, seine Baseballkappe abzunehmen. In einer runden Grube in der Mitte des Raumes fällt der Blick auf einen marmornen Sakropharg, auf dessen Deckel die Nachnamen der bereits erwähnten Gründerväter in goldenen Lettern geschrieben sind. Außerdem brennt auf seinem Deckel ein ewiges Licht. Soweit ich Erfahrung bringen konnte, hat man die hier befindlichen Gebeine erst lange nach dem Tod dieser Herren hier zusammengeführt, denn der Altar de la Patria wurde erst im Jahre 1976 errichtet.

Grave of Duarte, Sanchez & Mella inside Altar de la Patria | Parque Independencia | Santo Domingo

Wichtigster Bestandteil des Raumes sind aber eindeutig die drei überlebensgroßen Standbilder dieser drei Herren, die man auch als La Trinitaria (Dreifaltigkeit) bezeichnet. Dies war nämlich auch der Name der Organisation, welche sie während der Besatzung ihres Landes gründeten um die Unabhägigkeit zu erlangen.

La Trinitaria | Parque Indepencia | Santo Domingo
La Trinitaria

Über eine Treppe kann man innerhalb des Gebäudes scheinbar auch noch auf eine obere Ebene gelangen, von der man mit Sicherheit einen guten Blick in das Innere gehabt hätte, doch leider war diese zu dem Zeitpunkt in dem ich mich dort aufhielt gesperrt.
Der umgebende Park mit seinen schattenspendenden Bäumen ist auch recht sehenswert, zumal man hier auch noch Reste des alten Forts finden kann, zu dem mal die Puerta del Conde gehört haben muss. Doch wir hielten uns hier nicht mehr allzu lange auf, sondern machten uns daran die gegenüber des Tors liegende Calle EL Conde, eine lange, gerade Straße durch den kolonialen Kern der Stadt zu erkunden.
Gleich am Eingan gebrüßte uns ein metallenes Standbild von Coronle Francisco Alberto Caamaño, einer weiteren nationalen Persönlichkeit der Dominikanischen Republik, der während des Militärputsches von 1965 und der anschließenden us-amerikanischer Intervention (Operation Power Pack) auf Befehl des damaligen US-Präsidenten Lindon B. Johnsons eine wichtige Rolle gespielt hatte.

Coronel Francisco Alberto Caamaño | Calle El Conde @ Santo Domingo
Coronel Francisco Alberto Caamaño

Wir folgten der Straße in Stück hinein in den historischen Stadtkern, vorbei an Wechselstuben, Bars, Restaurants und zahlreichen Geschäften, die aber zu großen Teilen auch jetzt zur Mittagszeit an einem Montag noch geschlossen zu sein schienen.

Calle El Conde | Santo Domingo

Calle El Conde | Santo Domingo
Calle El Conde – Santo Domingo

Ich ahnte auch schon bald, warum sie geschlossen waren: Die Sonne brannte erbarmungslos von senkrecht oben in die Straße hinein, die kaum Schatten bot. Von den wenigen Spaziergängern hier trugen viel Schirme, um sich vor der Hitze zu schützen. Es war einfach zu heiß für weitere Exkursionen, daher entschied ich mich auf halber Strecke dazu diesen Ausflug abzubrechen und erst einmal zum Auto zurückzukehren. Es gab ja auch noch andere Plätze in der Stadt, die es zu erkunden galt.
Als nächstes landeten wir im Stadtteil Villa Francisca etwas nördlich vom alten kolonialen Stadtkern und fanden am dortigen Parque Enriquillo einen Stelle um das Auto zu parken. Im Zentrum des Parks fand sich ein großer steinerner Pavillion mit vergoldetem Dach, in dem wohl gerade eine christliche Veranstaltung statt fand. Ein Prediger rief auf spanisch Sätze mit Dios (Gott) und Jesus in die vor em Pavillion versammelten Menge, bekam von ihnen zustimmendes Raunen und begann schließlich sogar zu singen. Das Ganze erinnerte an die Show eines evangelikalen Wanderprediger in den USA. 😉
Doch wir waren nicht für unser Seelenheil hierher gekommen, sondern um ein schattiges Plätzchen zu finden. Jene Parkbänke, die wirklich im Schatten waren, waren aber bereits durch Einheimische okkupiert, so dass wir uns letztlich auf einigen bemalten Holzstämmen am Rande eines Kinderspielplatzes niederließen. Hier kaufen wir etwas frisches, gekühltes Wasser von einem der zahlreichen Verkäufer die mit lauten “Aqua! Aqua! Aqua!”-Rufen durch den Park liefen und erfrischten uns etwas.

Parque Enriquillo | Santo Domingo

Parque Enriquillo | Santo Domingo

Was mir besonders auffiel waren die großen Scharen an Tauben, die pulkweise durch den Park flogen und immer dort landeten, wo einer der Einheimischen sie grade mit trockenem Reis oder Brotkrumen fütterte, die ebenfalls überall verkauft wurden.

Doves @ Parque Enriquillo | Santo Domingo

Nach etwas Erholung im Schatten machten wir uns daran die Gegend etwas zu erkunden. Die Umgebung um den Park wurde hauptsächlich von Geschäften beherrscht, die Kleidung und Schuhe aus chinesischer Produktion verkauften. Zwischen den geschäftigt umher eilenden Einheimischen liefen Verkäufer umher, die Snacks und Wasserflaschen verkauften und hier und dort stieß man auch mal auf einen Bettler oder eine Bettlerin. Dabei blieb mir vor allem die Begegnung mit einer sehr alten Frau in Erinnerung, die dabei unerwartet aggressiv vorging, sich mir in den Weg stellte und mich sogar versuchte am Arm festzuhalten, als ich ihr auswich. Dabei führte sie die zusammengelegten Finger ihrer anderen Hand zum Mund, um mir zu signalisieren dass sie Hunger habe. Ich gab ihr einige Münzen aus meiner Tasche, worauf hin sie von mir abließ. Normalerweise unterstütze ich ja keine aggressiven Bettler, aber sie tat mir einfach leid.
Ohne Vorwarnung wurden wir etwas später von vollkommen unerwartet herein brechenden Platzregen überrascht, der ohne Vorwarnung über uns herein brach und uns zwang, unter den Markisen der Geschäfte Schutz zu suchen.

Platzregen | Santo Domingo
Platzregen in Santo Domingo

Etwa zehn Minuten lang regnete es wie aus Kübeln, dann hörte der Regen aber ebenso schnell wieder auf und die Wolken lösten sich auf bzw. zogen weiter, worauf hin die Sonne wieder heraus kam. Abkühlung hatte der Regen aber kaum gebracht, nur die Luftfeuchtigkeit noch einmal erhöht – das Wasser in den Straßen begann auch gleich wieder zu verdunsten.
Ich begab mich zurück zum Auto, denn es wurde langsam Zeit für die Rückgabe des Mietwagens. Gerne hätte ich noch mehr gesehen, aber dazu fehlte leider die Zeit. Auf dem Weg zur Mietwagenfirma tankte ich das Auto noch einmal voll, gab es so ab und bekam die 200 US-Dollar Sicherheitsleistung, die vorsorglich auf meine Kreditkarte belastet worden war wieder zurückerstattet. Ein Angestellter der Mietwagenfirma fuhr mich anschlieend sogar noch zu meinem Hotel, so dass ich mir das Geld für ein Public Taxi sparen konnte.
Langsam musste ich dann leider auch schon mit den Vorbereitungen für die Rückreise beginnen. Doch vorher wollte ich mich noch Stärken und daher traf es sich gut, dass man mich eingeladen hatte und bekochen wollte.

Pollo | arroz | bean sauce | ensalada

Das Gericht bestand aus den für dominkanische Verhältnisse üblichen Zutaten wie Reis und gebratenen Hähnchenteilen, die mit einer milden Bohnensauce (links im Bild) sowie einem Salat (oben Links) samt Tomaten-Öl-Dressing (Mitte rechts) serviert wurden.
Nach dieser Stärkung ging es mit einem Taxis zum Busbahnhof am Plaza Caribe, an dem wir ja bereits angekommen waren.

Bus station @ Santo Domingo

An einem der zahlreichen Ticketschalter wurden die Bus-Tickets zum Preis von 320 Pesos pro Stück gekauft, außerdem gab es für 50 Pesos mehr noch die Option mit dem Bus von Puerto Plata bis Sosua weiter zu fahren, die ich dankend nutzte.

Ticket counter | bus station @ Santo Domingo

Die etwa vierstündige Rückreise verlief vollkommen ereignislos, ich konnte im abgedunkelten und voll klimatisierten Bus hin und wieder sogar etwas schlafen. Am Busbahnhof in Puerto Plata angekommen musste ich noch in einen kleineren Bus umsteigen, der mich schließlich bis zu meinem entgültigen Ziel brachte. Nach einer ausgiebigen Dusche ging es ins Bett, wo ich auch schnell einschlief.

Point Alpha Memorial – Besuch an der ehemaligen Innerdeutschen Grenze

Saturday, April 9th, 2011

Im Rahmen eines Ausfluges mit Besuchern von der anderen Seite des Erdballs, um genau zu sein vom Kontinent der Kängeruhs und Koalas, begaben wir uns letztes Wochenende zur Gedenkstätte Point Alpha zwischen dem Hessischen Ort Rasdort und dem Thüringischen Ort Geisa, einem einmaligen Stückchen deutsch-deutscher Geschichte an dem man auch über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung einen Teil der damaligen Trennung der beiden deutschen Staaten live erleben kann.

Größere Kartenansicht
Der eigentliche Point Alpha ist dabei eine Beobachtungsstation des U.S. Militärs, der bis zum Fall der Mauer und somit auch der Grenze dazu diente die Aktivitäten des Warschauer Paktes insbesondere der DDR Grenzsoldaten im Auge zu behalten. Doch dazu später mehr.
Nachdem wir unsere Autos direkt vor dieser ehemaligen Basis und heutigen Gedenkstätte abgestellt hatten, wandten wir uns erst einmal der direkt vor uns liegenden hessisch-thüringischen Grenze zu, an der wir bereits von Weitem die originalgetreu rekonstruierten Grenzanlagen erkennen konnten.

Ehemalige Innerdeutsche Grenze U.S. Army Base Point Alpha
Links: Blick auf die Grenzanlagen – Rechts: U.S. Basis und Aussichtsturm

Memorial
Denkmal am Point Alpha

Auch wenn es schon lange her ist kann ich mich noch gut an die Zeit erinnern als Befestigungen dieser Art durch das komplette Republik gingen und unser Land in zwei Systeme und Staaten teilte. Über Vor- und Nachteile der Wiedervereinigung oder ähnliches möchte ich mich hier aber nicht auslassen, ich habe lange genug nach der Grenzöffnung in Thüringen, vor allem in Jena, gelebt um meine eigene Meinung über das Ossi / Wessi Gerede zu haben dass einige Mitbürger auch noch heute von sich geben.
Der Teil der Befestigungen direkt an der U.S. Basis mit ihrem Aussichtssturm entsprechen der letzten Ausbaustufe der Grenze wie sie bis 1989/90 existiert hat. Hinter einem dichten Drahtzaun und einem Minenfeld folgte auf DDR-Seite eine Betonmauer die das Durchbrechen der Grenze mit Fahrzeugen zusätzlich erschweren sollte.

Grenzanlage Grenzanlage
Links: Blick am Grenzzaun entlang – Rechts: Grenze von der Thüringischen Seite mit Blick auf den Aussichtsturm

Nach einem weiteren Rasenstreifen folgte ein Patrouillienweg der Grenztruppen der DDR, der historischen Quellen nach von der Ostsee bis hinunter zur tschechischen (damals tschechoslowakischen) Grenze durchgehend befahrbar war. Ihn säumten Wachtürme verschiedenster Bauart sowie Beobachtungsbunker.

Beobachtungsbunker
Beobachtungsbunker

DDR Grenzturm DDR Grenzturm
Wachtturm der DDR Grenztruppen – kleine Ausführung

Wir entschlossen uns dem Weg ein Stück entlang der ehemaligen Grenze zu folgen. Aufgrund der Sperrung des Gebietes für mehr als dreißig Jahre war hier über die Jahre ein Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen entstanden, die anderswo fast ausgestorben waren weswegen große Teile der ehemaligen Grenze heutzutage auch unter Naturschutz stehen.
Nach einigen Metern sahen wir dabei auch eine der Laufleinen für die Wachhunde der Grenztruppen – der Hund der hier stand war allerdings nur eine Attrappe was auch unser kleiner Mops Paul schnell nach kurzem schnüffeln offensichtlich erleichtert feststellte.

Wachhund Paul & Wachhund
Links: Laufleine, Hund & Hundehütte – Rechts: Paul und die Wachhund-Attrappe

Wir setzten unseren Weg fort und konnten nun verschiedene Ausbaustufen der ehemaligen Grenze sehen, die hier zur Veranschaulichung aufgebaut worden waren. Vorgänger der eben gezeigten Grenzanlagen war ein doppelter Stacheldrahtzahn gewesen, zwischen dessen Zäunen sich stellenweise ein Minenstreifen befunden hatte.

Doppelzaun Grenzstreifen
Grenzanlagen in doppelter Ausbaustufe

Stacheldraht - CloseUp
Stacheldraht – Nahaufnahme

Noch früher hatte die Grenze nur aus einem einfachen, relativ niedrigen Stacheldrahtzaun bestanden, der eher an einen besseren Weidezaun als an eine wirklich Grenze erinnert.

Grenzzaun & Stacheldraht Grenzzaun - Ausbaustufe 1
Frühere Innerdeutsche Grenze – frühe Zaunanlagen

Etwas weiter hatte man noch eine Schranke mit Panzersperren aufgestellt, wie sie wohl kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf den Verbindungsstraßen zwischen den einzelnen Besatzungszonen zu sehen gewesen waren. Auf der Mitte der Schranke dabei ein Schild mit dem Wort Stop in kyrillischen Buchstaben.

Straßensperre

Einige Meter weiter erreichten wir das sogenannte Haus auf der Grenze, ein kleines Museum in dessen Inneren einige weitere Überbleibsel der alten Deutsch-Deutschen Grenze zu sehen sein sollten. Doch bevor wir uns hinein begaben, umrundeten wir das Gebäude erst einmal. Direkt hinter dem Gebäude findet sich die Spirale des Friedens, ein Werk des deutschen Künstlers Friedel Deventer. Die Plastik aus Stahl und Polyester, an dessen Spiralarmen das Wort Frieden in drei Sprachen prangt erinnerte mich dabei im ersten Moment an vorwendliche sozialistische Kunst, stammte aber aus dem Jahre 2003.

Haltestelle Point Alpha Friedensspirale
Links: Bushaltestelle Point Alpha – Rechts: Spirale des Friedens

Dann wandten wir uns in das innere des Museums, dessen Eintritt vier Euro kostete und in dem einige interessante Ausstellungsstücke der Grenztruppen zu besichtigen waren. So gab es verschiedene Fahrzeuge zu sehen, darunter ein Trabant Geländewagen und ein alter Horch P3, der bis 1966 von den VEB Automobilwerke Ludwigsfelde für die NVA hergestellt worden war.

Trabant Geländewagen Geländewagen Horch P3
Links: Trabant der Grenztruppen – Rechts: Horch P3

Auch bekamen wir ein orignalgetreu rekonstruiertes Büro der Grenztruppen zu sehen, komplett mit uniformierten Pappkameraden, sozialistischen Einheitsmöbeln und dem kategorischen Bild des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.

DDR Wachbüro
Büro der DDR Grenztruppen

Außerdem gab es noch einige Schilder, Grenzsteine, alten Waffen der NVA sowie auch die berüchtigten Selbstschußanlagen zu sehen, die eigentlich gerichtete Splitterminen waren und zwischen 1970 und 1984 eine Flucht aus der DDR zusätzlich erschwerten. Leider habe ich gerade von diesen kein Bild, aber bei Wikipedia gibt es zufälligerweise ein Bild genau dieser hier ausgestellten Mine.

Grenzgebiet Grenzpfosten
Schilder der ehemaligen Grenze

DDR Grenzstein
Grenzstein der DDR

Nach Besuch dieses Museums machten wir uns auf den Rückweg zur ehemaligen U.S. Basis, die wir auch noch besichtigen wollten. Im Eintritt für das Museum war der Eintritt für diese Einrichtung inbegriffen, daher brauchten wir hier nicht noch einmal zu bezahlen.

Point Alpha - Sign Eingang
Links: Schild am Point Alpha – Rechts: Eingangsbereich

Ein Warnschild am Eingangsbereich sorgte dabei für einige meiner Begleiter und mich für etwas Verwirrung, die Kassenangestellte teilte uns jedoch mit dass dies nur ein historisches Schild sei und wir das Verbot darauf nicht mehr berücksichtigen müssten. 😉

U.S. Army

Als erstes interessierte uns natürlich der Aussichtsturm selbst, den man über eine kleine Treppe besteigen konnte. Direkt unter der Aussichtsplattform fand sich auch noch das ehemalige Wachbüro, das jedoch verschlossen und somit für uns nicht zugänglich war. Von oben hatten wir aber einen wunderbaren Blick auf die Grenze und das dahinter liegende Thüringen.

Aussichtsturm
Beobachtungsturm der U.S. Army

Innerdeutsche Grenzbefestigung Blick nach Thüringen und auf den Ort Geisa
Links: Blick auf die Grenzanlagen – Rechts: Thüringen und der Ort Geisa

Auf dem Gelände selbst waren einige alte Fahrzeuge der U.S. Army, darunter ein Mannschaftstransporter und ein Panzer – ich meine einen M60 Kampfpanzer – ausgestellt. Weiter unten hatte sich früher auch noch eine Halle mit zwei Hubschraubern befunden, doch diese war leider letzten Winter unter der Schneelast zusammengebrochen und hatte die beiden Fluggeräte zerstört. Ihre Reste lagern jetzt unter Planen auf dem Hof davor (hinter dem Panzer zusehen).

Transporter M60 Tank
Links: Armoured Transport – Recht: M60 Tank

Neben einer Snack-Bar und einem Beergarden fand sich auch hier noch ein weiteres Museum, indem wir unter anderem einen konservierten Wohnraum eines U.S. Soldaten der damaligen Zeit sowie einige Waffen, Photos und Uniformen besichtigen konnten. Sehr sehenswert war dabei der Hauptgang des Gebäudes gestaltet, an dessen Wände lebensgroße Fotos der Soldaten angebracht waren und der auf eine beleuchtete US-Flagge hin führte.

star spangled banner
US-Flagge

Uniformen Uniformen
Uniformen Amerikanische Uniformen
Verschiedene Uniformen und Waffen der Ausstellung

Alles in allem eine wirklich sehr interessante Tour muss ich sagen. Durchaus Sehenswert und ein guter Punkt um Besuchern aus dem Ausland und auch jüngeren Deutschen zu zeigen wie die Verhältnisse an der Innerdeutschen Grenze damals waren.

Attention - 50 meters to border

Dabei ist der Point Alpha mit Sicherheit nur eine von vielen Gedenkstätten am alten Eisernen Vorhang, aber es war die erste die ich bewusst besucht und besichtigt habe. Und auch unseren Gästen hat es sehr gefallen – sie kannten dies alles nur aus Erzählungen. Und die nordhessische und thüringische Berglandschaft ist natürlich auch immer einen Besuch wert. 😉

Die achte Karte – Kate Mosse

Friday, August 13th, 2010

Mit “Die achte Karte” habe ich nach dem Werk Das verlorene Labyrinth zum zweiten Mal einen Roman der britischen Schriftstellerin und Fernsehmoderatorin Kate Mosse konsumiert. Dabei hatte ich die Hörbuchversion gewählt, die ich wie immer bei meinem Hörbuch-Dealer Audible erworben hatte. Wie auch der Vorgängerroman, der aber von der Handlung her in keinerlei Zusammenhang zu diesem Buch steht, spielt auch dies von Tanja Geke gesprochene Werk wieder im Südwesten von Frankreich in der Gegend um Carcassonne und wieder hat die Autorin zwei parallel laufende Handlungsstränge gewählt, wovon einer in der Jetztzeit verläuft und der zweite in der Vergangenheit – um genau zu sein im ausgehenden 19ten Jahrhundert. Die Autorin, die wie ich gelesen habe auch privat selbst viel Zeit des Jahres in Carcassonne verbringt, hat also auch in diesem Werk wie im Verlornen Labyrinth ihrer Vorliebe für diese Gegend im Südwesten Frankreichs zum Ausdruck gebracht. Primär geht es in der Geschichte aber in der Jetztzeit um die amerikanische Musikwissenschaftlerin Meredith, die einen Besuch in Frankreich nicht nur dazu nutzt um Recherchen für ihr aktuelles Buch durchzuführen, sondern auch um Nachforschungen über die Herkunft ihrer Familie durchzuführen. Als sie auf einem Tarotset eine Karte entdeckt, deren Abbild ihr selbst fas bis aufs Haar gleicht, führt es sie auf die Spur von Leonie Vernier, einer jungen Frau, die mit ihrem Bruder Anatole am Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Paris und später in der Nähe von Carcassonne lebte. Da sie auch einige Familienerbstücke besitzt, die ebenfalls in diese Gegend Frankreichs verweisen, führt sie ihre Reise schließlich in diese Gegend. Parallel wird in der Vergangenheit die Geschichte eben jener Leonie sowie ihres Bruders erzählt. Es fällt mir an dieser Stelle schwer etwas von der weiteren Handlung zu erzählen, ohne zu viel aus dem Inhalt zu verraten, daher möchte ich mich darauf beschränken dass es im weiteren Verlauf des Buches um Liebe, Rache, den Mystizismus von Okzitanien und ein Tarotkartenspiel.
Ich persönlich fand das Buch zwar gut recherchiert, spannend und unterhaltsam, aber mit einer Laufzeit von zweiundzwanzigeinhalb Stunden stellenweise etwas langatmig für den Plot der Gesamtgeschichte. Sowohl der in der aktuellen Zeit spielende Krimiteil als auch die etwas in surreale, mystische Welten abrutschende Geschichte um Leonie und Anatole in der Vergangenheit ist sehr detailreich beschrieben und lässt den Hörer gut in die Umgebungen, in der das ganze jeweils spielt abtauchen. Dass immer mal wieder französische und okzitanische Sätze eingestreut werden, die nicht immer übersetzt oder erläutert werden fand ich am Anfang zwar etwas störend, aber da es mit zum Aufbau einer passenden Stimmung im Gesamtfluß des Erzählung führt, erwies es sich letztlich als dennoch passend. In der Summe fand ich das Buch etwas schwächer als ihr erstes Werk Das verlorene Labyrinth, aber dennoch hat Kate Mosse auch mit diesem Buch wieder eine gute und empfehlenswerte Geschichte abgeliefert, die ich vorbehaltlos empfehlen kann.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Im Namen Caesars [SPQR 10]

Tuesday, July 27th, 2010

Dieses Mal habe ich ganze acht Tage benötigt, um den zehnten Teil von John Maddox Roberts SPQR-Reihe mit dem Titel Im Namen Caesars zu konsumieren. Bei einer wieder im Gegensatz zum Vorgängerband Die Schiffe der Kleopatra auf nun 335 Seiten gewachsener Seitenzahl eine recht passable Leistung denke ich, aber dank der amüsanten und spannenden Schreibweise von Roberts und natürlich auch der gelungenen deutschen Übersetzung gingen Seite um Seite vorüber ohne dass ich es groß zur Kenntnis nahm.
Nach erfolgreich abgeschlossener Piratenjagd in den Gewässern um Zypern weilt Decius Caecilius Metellus in diesem Krimi wieder in Rom und setzt seinen Weg auf dem Cursus honorum fort und kandidiert als Praetor. Seine Aussichten für eine Wahl steht gut und auch als ein römischer Bürger aus der Provinz auftaucht, ihn der Korruption anklagt und ihn kurz vor der Wahl noch vor Gericht zitieren lassen will, sieht er diese Vorkommnisse eher gelassen. Doch am Tag der Verhandlung wird sein Ankläger ermordet auf den Treppen des Gerichtes gefunden und der Verdacht fällt natürlich sofort auf Decius. Sollte er bei der Verhandlung dieses Mordfalles schuldig gesprochen werden, kann ihm das nicht nur sein fast sicheres Amt sondern sogar sein Leben kosten. Ihm bleiben nur wenige Tage um diese verworrene und geschickt eingefädelte Verschwörung aufzudecken und seine Unschuld zu beweisen.
Wieder gelingt es John Maddox Roberts in diesem Roman, den umfangreichen und spannenden Kriminalfall mit einer kleinen Geschichtsstunde über das alte Rom in den letzten Jahren der Republik zu verbinden. Der vorliegende Fall basiert zwar dieses Mal nicht wie einige seiner Vorgängerromane wie z.B. die Catilina-Verschwörung oder Der Frevel des Clodius auf wahren geschichtlichen Ereignissen, jedoch gelingt es dem Autor wieder sehr gut, echte historische Persönlichkeiten wie den Marcus Tullius Cicero, Marcus Porcius Cato oder Gnaeus Pompeius Magnus in die Geschichte zu verweben und diesen historischen Persönlichkeiten mit ihren überlieferten Eigenheiten neues Leben einzuhauchen. Auch die politischen und gesellschaftlichen Zustände im Rom des ausgehenden vorchristlichen Jahrhunderts – die Gesichte spielt im Jahre 702/703 a. u. c. (ab urbe condita oder auch für Anno Urbis Conditae – Jahre seit der Stadtgründung Roms) bzw 51/50 v. Christus – sowie die verschiedenen Pro- und Contra-Caesar Strömungen inklusive der Beweggründe für diese Haltung unter den mehr oder weniger Mächtigen versteht er wieder sehr gelungen darzustellen und dem Leser zu vermitteln. Ich habe das Buch mal wieder sehr genossen. Auch hier kann ich wieder eine vorbehaltlose Empfehlung abgeben.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Die Schiffe der Kleopatra [SPQR 9]

Sunday, July 18th, 2010

Mit Die Schiffe der Kleopatra habe ich nun auch den neunten Teil der SPQR-Reihe des amerikanische Autors John Maddox Roberts abgeschlossen. Mal wieder in Rekordzeit muss ich dazu sagen – trotz der 284 Seiten, was wieder weitaus mehr als der Vorgängerroman war – aber die Bücher der SPQR-Reihe verschlinge ich nun mal wie nichts. Das mag zum einen an dem kurzweiligen Schreibstil des Authors liegen, zum anderen hängt es aber bestimmt auch mit einer gewissen Begeisterung zusammen, die ich aktuell noch immer für die Abenteuer des Decius Caecilius Metellus hege. Und auch mit diesem Band sollte Roberts seine Leser nicht enttäuschen.
Decius verschlägt es nach seiner Amtszeit als Aedil im Jahre 51 vor Christus nach Zypern, das aktuell unter römischer Herrschaft steht. Sein offizieller Auftrag ist es, das östliche Mittelmeer von Piraten zu säubern, die nach ihrer scheinbaren Vernichtung vor einigen Jahren wieder verstärkt in Erscheinung treten. Doch seine Bemühungen sind für die erste Zeit nicht von großem Erfolg geprägt, denn der Gegner scheint bestens Informiert und ihm immer einen Schritt voraus. Auch die Unterstützung der gerade siebzehnjährigen, ptolomäischen Prinzessin Kleopatra, die sich ebenfalls auf Zypern aufhält und Decius unter der Bedingung an der Jagd teilnehmen zu dürfen zusätzliche Schiffe und Männer zur Verfügung stellt, scheint dabei wenig zu helfen. Als dann der römische Stadthalter Silvanus bizarr ermordet wird, indem er an einer Überdosis Weihrauch erstickt, spitzen sich die Ereignisse zu. Die Verstrickungen der Hintermänner der Piraten scheinen weiter zu gehen als zuerst gedacht und schon bald ist auch Decius selbst in ernster Gefahr.
Für mich war dieser Roman eine weitere Geschichtsstunde, die amüsant und spannend in eine antike Krimigeschichte verpackt worden ist. Decius Caecilius Metellus erzählt wieder in der bekannten Ich-Form von den Ereignissen, die er selbst als alter Mann niederzuschreiben scheint. Man lernt nicht nur einiges über die Abneigung der Römer vor Seeschlachten, die römischen Schiffstypen zum Ende der alten Republik, die Machtverhältnisse und Handelswege im östlichen Mittelmeer knapp ein halbes Jahrhundert vor der Zeitenwende, römische Getreideflotten nach Ägypten und die Verehrung der Aphrodite, die der Legende nach aus Meerschaum geboren auf Zypern das erste Mal an Land trat und deren Kult ebenfalls eine gewisse Rolle innerhalb des Romans spielt. Ich habe mir bevor ich das ganze hier lobe natürlich die Zeit genommen und habe die geschichtlichen Eckdaten überprüft – aber wie immer hat der Autor John Maddox Roberts hier gute Arbeit bei der Recherche geleistet. Die einzigen beiden Dinge wo man ihm weiterhin schlechte Nachforschung vorwerfen kann sind zum einen, dass es ja eigentlich “Senatus Populesque Romaus” (Senat und Volk von Rom) und nicht (wie auch der Titel des ersten Romans der Reihe) “Senatus Populus Que Romanus“, und zum anderen seine Behauptung die Sklaven im alten Rom hätten sich durch andere, dunklere und einfachere Kleidung von den Römern unterschieden haben (was er z.B. in Tod eines Centurio behauptet). Das einzige was sie damals nicht tragen durften war die Toga, die ein Kleidungsstück der freien Römer mit vollen Bürgerrechten war. Davon abgesehen habe ich ihm aber bisher noch keinen wirklichen geschichtlichen Fehler nachweisen können. Für Decius, seinen Haussklaven Hermes und seine Frau Julia, die später im Verlauf ebenfalls zu den Protagonisten stößt, war dieses Buch auf jeden Fall wieder ein sowohl amüsant als auch spannend zu lesendes Abenteuer und für mich war es eine kurzweilige, spannende und auch interessante Lektüre. Und mit dem Folgeband habe ich bereits begonnen…

Meine Wertung: 3 von3 Sternen