Posts Tagged ‘historischer roman’

Ayla und der Clan der Bären – Jean M. Auel – ein Buchreview

Sunday, November 18th, 2012

Mit dem Roman Ayla und der Clan der Bären der us-amerikanischen Schriftstellerin Jean Marie Auel habe mich auf die wohl größte Zeitreise meiner bisher gelesenen historischen Romane begeben, denn die Geschichte versetzt den Leser in das prähistorischen Europa vor etwa 30.000 Jahren (plus/minus 5000 Jahre, aber das ist nicht weiter relevant), gegen Ende der Eiszeit. Dabei entschied ich mich für die ungekürzte Hörbuch-Version mit einer Laufzeit von fast 24 Stunden entschieden, die von Hildegard Meier in sehr packender Form gelesen wurde und die ich, wie üblich, bei meinem Hörbuch-Dealer Audible erworben hatte. Doch damit genug der langen Vorrede, kommen wir nun zum Inhalt:
Während eines Erdbebens verliert das kleine Cro-Magnon Mädchen seine ganze Sippe und irrt durch die Wildnis bis sie schließlich auf eine Gruppe Neandertaler, dem Clan des Höhlenbären trifft und trotz einiger anfänglicher Vorbehalte schließlich von ihm aufgenommen wird. Die Heilerin Iza und ihr Bruder Creb, der trotz seiner Verkrüppelung als Mog-Ur, einer Art Schamane, eine wichtige Position im Clan einnimmt, nehmen sich des Mädchens an und ziehen es fast wie eine Tochter auf. Obwohl es ihr schwer fällt, fügt sich die junge Ayla mehr oder weniger in die stark von Riten und Traditionen geprägte Gesellschaft der Urmenschen ein, ist aber dennoch aufgrund ihrer Andersartigkeit immer wieder Anfeindungen ausgesetzt, bei denen sich vor allem der Jäger Broud negativ hervortut und dem Mädchen das Leben schwer macht. Die Neugier der langsam zur jungen Frau heranwachsenden Ayla bringt sie dabei immer wieder in Schwierigkeiten – vor allem als sie verbotenerweise die Männer des Clans bei ihrem Jagdtraining beobachtet und kurz darauf beginnt, selber mit der Schleuder zu üben – ein nach Ansicht der traditionsverhafteten Clangesellschaft in der nur die Männer eine Waffe berühren geschweige denn jagen dürfen ein todeswürdiges Verbrechen. Lange kann sie ihre Fähigkeit geheim halten, doch als eines der jüngeren Clanmitglieder in Gefahr gerät setzt sie ihre Fähigkeit ein um es zu retten gerät sie nicht nur in Erklärungsnot, sondern auch in Lebensgefahr. Denn viele der Jäger, allen voran Broud, fordern ihren Tod. Doch sie kommt mit einer zeitlich beschränkten Verbannung davon und muss für einen Monat die Gemeinschaft verlassen. Doch damit ist der Konflikt zwischen ihr und dem Jäger nicht ausgestanden und bald findet Broud eine weitere grausame Möglichkeit, seine Dominanz ihr gegenüber zur zeigen und bald wird Ayla von ihm schwanger. Als nach der Geburt das Mischlingskind als Missgestaltet angesehen wird und ausgesetzt und damit dem Tod überlassen werden soll, will sich Ayla ein wieder über die überlieferten Traditionen hinwegsetzen und es behalten. Damit bahnt sich ein weiterer Konflikt an und dies Mal scheint es als würden die Zeichen gegen das junge Cron-Magnon stehen. Wird sie auch dieses Mal gegen die jahrhundertealten Überlieferungen bestehen können oder wird sie dieses Mal den Kampf und damit ihr Kind verlieren?
Jean M. Auel gelingt es in ihrem 1980 erschienenen Debutroman, ein gut recherchiertes und überaus glaubhaftes Bild einer auf Traditionen gründenden, steinzeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaft zu zeichnen, die mit einigen interessant ausgearbeiteten Charakteren den Leser von Anfang an zu fesseln versteht. In diese Gesellschaft wird Ayla geworfen, die mit ihrer etwas weiter entwickelten Fähigkeit des Verständnisses von komplexen Zusammenhängen unter den Neandertalern eher auf Ablehnung stößt und der es nicht trotz ihrer Bemühungen nur mit Mühe gelingt, ihre Neugier und ihren Wissensdurst den Traditionen unterzuordnen, die den Urmenschen bisher geholfen hatten tausende von Jahren in ihrer Umwelt zu überleben. Bei diesem Buch handelt es sich dabei aber nicht um eine abgeschlossene Geschichte, sondern um den ersten Teil einer inzwischen auf sechs Bände gewachsenen Reihe. Und das Buch hat Lust auf mehr gemacht, ich werde mir die anderen Teile also wohl ebenfalls bei Gelegenheit mal zu Gemüte führen und dann natürlich hier darüber berichten. 😉

Nur der Tod bringt Vergebung – Peter Tremayne (Schwester Fidelma ermittelt)

Monday, September 17th, 2012

Mit Nur der Tod bringt Vergebung habe ich mir nun den ersten Teil aus der Romanreihe Schwester Fidelma ermittelt von Peter Tremayne zu Gemüte geführt. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der britische Historiker Peter Berresford Ellis, der nach einem Studium der Keltologie dem Journalismus und dem Schreiben von Büchern gewidmet. Neben seinen anderen Werken enstanden dabei auch seit 1994 die inzwischen 20 Bände um die irische Nonne Fidelma, die mit ihrem Spürsinn im siebten Jahrhundert nach Christus Kriminalfälle löst. Irgendwie fand ich die Idee auf Anhieb reizvoll. Da ich solche Bücher-Reihen, wenn möglich, immer chronologisch nach Erscheinungsdatum lese begann ich schließlich mit dem 1994 als erster Teil erschienenen Buch Nur der Tod bringt Vergebung meine literarische Reise in das frühchristlichen, keltisch-angelsächsischen Europa des 7. Jahrhunderts mit einer bei Audible erworbenen, ungekürzten Hörbuchversion dieses Werkes (Lauflänge: sieben Stunden und vierundvierzig Minuten). Gelesen wird dieses Hörbuch mal wieder von Sabine Swoboda, die ich ja schon aus der Reihe um Adelina Burka her kennen und schätzen gelernt hatte.
Die Protagonisten dieser Reihe ist wie gesagt die irische Nonne und Advokatin Fidelma von Kildare. Der Begriff Advokatin, also Anwältin, in Verbindung mit einer Frau im dem Europa des siebten Jahrhundert machte mich zu Beginn zwar etwas stutzig, aber in der alten irisch-keltischen Gesellschaft gab es wie man erfährt tatsächlich keine so strikte Geschlechtertrennung wie z.B. bei den Angelsachsen oder in den meisten Regionen auf dem europäischen Festland. So konnte jeder Gelehrte und jede Gelehrte zum sogenannten Anruth ausbilden lassen, womit er bzw. sie sowohl richterliche Funktionen ausführen konnte oder aber als Anwalt bzw. Anwältin agieren. Damit aber genug zu diesem Thema, ich will hier nicht über das damalige irische Rechtssystem, sondern von dem Roman berichten – wer mehr wissen will kann ja auch gerne zum Buch greifen. 😉 Kommen wir also zur Handlung: Wir schreiben das Jahr 664 nach Christus und die Vertreter der römisch-katholischen Kirche und der keltischen bzw. iroschottischen Kirche von Columban treffen zur Synode von Whitby zusammen um darüber zu beraten welche Auslegung der christlichen Lehre zukünftig im alten britischen Königreich von Northumbria (das liegt ungefähr zwischen Edinburgh von York) gültig sein soll. Mit der Delegation der Kirche von Columban reist auch Schwester Fidelma an die Ostküste der britischen Insel um dort beratend und als Übersetzerin an der Synode teilzunehmen. Als die dortige Äbtissin Étain von Kildare ermordet aufgefunden wird, werden Fidelma und der sächsische Bruder Eadulf damit beauftragt, die Umstände des Verbrechens zu untersuchen – man vermutet natürlich zuerst kirchenpolitische Hintergründe für die Tat. Doch bald wird ein Bettler, der den Tod der Äbtissin bereits vor der Tat vorhergesagt haben soll, als Tatverdächtiger verhaftet und der Fall scheint abgeschlossen – doch Fidelma lässt es sich nicht so einfach machen und ihr gelingt es den unschuldigen Mann zu entlasten, kann aber dennoch nicht verhindern dass zwei weitere Teilnehmer der Synode gewaltsam den Tod finden. Jetzt müssen die junge Nonne und ihr Partner Ergebnisse vorlegen, um schlimmeres zu verhindern…
In seinem Debütroman der Schwester Fidelma ermittelt Reihe gelingt es dem Autor wie ich finde auf unterhaltsame Weise, viele geschichtliche Fakten aus dem England und Irland des siebten Jahrhunderts mit einer spannenden und abwechslungsreichen Kriminalgeschichte zu verbinden. Man merkt deutlich, dass hier ein Historiker am Werk war, denn Peter Tremayne aka. Peter Berresford Ellis wirft in der Geschichte zwar mit vielen realen geschichtlichen Figuren und Fakten um sich, dennoch gelingt es ihm meiner Meinung nach die Geschichte nicht unausgewogen oder die eigentlichen Handlung nebensächlich werden zu lassen – auch wenn er häufig etwas an der Grenze kratzt und neigt zu sehr in historische Details zu verfallen. Die Protagonistin Fidelma selbst wird dabei als intelligente und selbstbewusste, aber auch etwas dickköpfige und zeitweilig leicht zur Arroganz neigende junge Frau dargestellt, die weiß sich trotz aller Widrigkeiten in der Männerwelt dieses Jahrhunderts durchzusetzen. Mit dem Sachsen Eadulf bekommt sie auch gleich im ersten Roman einen Partner zur Seite gestellt, dessen Intellekt sich trotz anfänglicher Anlaufschwierigkeiten gut mit dem ihrem ergänzt und die Beiden so zu einem überaus scharfsinnigen Detektiv-Team zusammenwachsen lässt. Ich bin zwar der Meinung, dass der Autor die irische Gesellschaft der damaligen Zeit etwas übertrieben positiv darstellt und diese versucht als ein ideales Gesellschaftsmodell der damaligen Zeit darzustellen, was soweit ich weiß wohl nicht ganz den Tatsachen entsprach – aber das tut dem insgesamt positiven Gesamteindruck der Geschichte letztlich keinen Abbruch. Ein gelungener Anfang einer historischen Krimireihe, die mir Lust auf mehr gemacht hat. Bald also mehr hier über Schwester Fidelma und ihre Abenteuer im frühchristlichen Europa im ersten Jahrtausend nach der Zeitenwende.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Frevel im Beinhaus – Petra Schier [Adelina Burka 4]

Saturday, August 25th, 2012

Nun habe ich mir nun auch noch Frevel im Beinhaus aus der Petra Schiers Romanreihe um die Kölner Apothekerin Adelina Burka zu Gemüte geführt – natürlich auch dieses Mal wieder in Hörbuchform und gesprochen von Sabine Swoboda. Nach Tod im Beginenhaus, Mord im Dirnenhaus und Verrat im Zunfthaus habe ich damit alle aktuell erschienenen Teile dieser Buchreihe konsumiert.
Mit ihrem Roman Frevel im Beinhaus versetzt die Autorin Petra Schier den Leser ein weiteres Mal ins Köln des 14ten Jahrhunderts. Die Macht der Gaffeln, also der Zünfte und Bürger scheint nach den Ereignissen des letzten Teiles endgültig gefestigt, zumal die meisten der Verantwortlichen Patrizier und ihre Handlanger inzwischen festgesetzt und teilweise hingerichtet wurden. Die Apothekermeisterin Adelina mit ihrem Mann Neklas, ihrem inzwischen dreijährigen Sohn Collin, ihrem zurückgebliebenen Bruder Vitus, ihrer Stieftochter Griet, dem Lehrmädchen und ihrem Gesinde sowie einem weiteren Familienmitglied im Entstehen begriffen – denn Adelina ist zur Zeit der Geschichte wieder schwanger – haben mit der Apotheke am Kölner Neumarkt und dem Job von Neklas als städtischer Medicus ein gutes auskommen. Als einige Einbrüche in Beinhäuser, bei denen Knochen und Schädel von Toten entwendet wurden, sind Stadtgespräch und empören die Bürger. Außerdem manifestieren sich Gerüchte dass die Kurfürsten, unter ihnen auch der für Köln zuständige Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden in Bonn, den in Prag residierenden König Wenzel absetzen wollen – doch das ist für die Kölner Bürger weit weg und scheint sie peripher zu tangieren. Und auch die Rückkehr des inzwischen zum Inquisitor ernannten Bruder Thomasius im Schlepptau des hohen Geistlichen Vater Emilianus nach Köln zurückkehrt, ist das für die junge Familie spätestens nach den Ereignissen des letzten Teils nicht sonderlich beunruhigend. Doch dann wird die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau, die Adelina erst kurz zuvor persönlich kennengelernt hatte in der Abortgrube des Hauses Burka entdeckt wird und mit ihr eine verzierte Messerscheide, die eindeutig Neklas Burka zugeordnet werden kann. Dass dadurch der Verdacht natürlich sofort auf ihn fällt ist verständlich, auch wenn sich die Verdachtsmomente zuerst nicht weiter erhärten lassen. Aber als jemand der bereits wegen unzulässigen medizinischen Experimenten in Konflikt mit der Inquisition geraten war, fällt es ihm natürlich schwer sich gänzlich rein zu waschen. Zumal sich die Anzeichen verdichten dass hier ein Teufel- oder Dämonenkult seine Hände im Spiel zu haben scheint. So wird Niklas vorerst unter Hausarrest gestellt und an der Bewachung ist natürlich auch Greverode, Hauptmann der Stadtwache, beteiligt, zu dem Adelinas Familie ja kein allzu gutes Verhältnis pflegt. Doch durch die erzwungene Nähe offenbaren sich nun auch andere, unbekannte Seiten des Hauptmanns. Obwohl Adelina natürlich, als Ehefrau eines Verdächtigen und außerdem Hochschwanger, nicht mit der Ermittlung zu den Geschehnissen zu tun haben sollte, kann sie es dennoch nicht lassen auch auf eigene Faust einige Nachforschungen anzustellen. Dabei gerät sie schließlich in Bereiche von Köln, die man nicht nur im übertragenen Sinne als Unterwelt der Stadt bezeichnen kann und auch in beträchtliche Gefahr.
Wie üblich gelingt es Petra Schier auch in diesem Teil ihrer Krimireihe um die Kölner Apothekerin Adelina einen interessanten Spannungsbogen aufzubauen und diesen auch bis kurz vor Ende zu halten. Dabei lässt sie den Leser bis kurz vor Ende des Buches absolut im dunkeln Tappen, wer denn nun der eigentlich Täter ist und in welchem Zusammenhang das Ganze zueinander steht. Dennoch ist die Aufklärung mal wieder absolut schlüssig, logisch und lässt keinerlei Fragen offen. Sehr schön finde ich auch immer bei diesen Büchern das Abschlusswort der Autorin, in der sie erläutert auf welchen realen geschichtlichen Ereignissen die Geschehnisse des aktuellen Buches basieren und ob und wo sie sich diesbezüglich kleine künstlerische Freiheiten erlaubt hat. Insgesamt möchte ich sogar sagen, dass was den Spannungsbogen angeht dies das beste der bisher gelesenen Buchreihe gewesen ist. Allerdings sollte man hier keinesfalls mitten drin anfangen, da zum Komplettverständnis der Handlungsweisen aller Personen auf jeden Fall die Kenntnis der vorgehenden Teile vonnöten ist.
Damit ist die Reihe aber noch nicht abgeschlossen, laut Webseite der Autorin soll im Mai 2013 mit Verschwörung im Zeughaus ein weiterer, fünfter Teil dieser Reihe erscheinen. Da freue ich mich auf jeden Fall schon drauf und hoffe, diesen bald auch hier besprechen zu können.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Verrat im Zunfthaus – Petra Schier [Adelina Burka 3]

Tuesday, July 31st, 2012

Mit Verrat im Zunfthaus habe ich nun auch den dritten Teil der historischen Romanreihe um die Apothekerin Adelina Burka abgeschlossen – wie die Teile zuvor auch dieses Mal in Hörbuchform und gesprochen von Sabine Swoboda. Erworben war auch dieses Hörbuch natürlich bei meinen Haus- und Hof-Hörbuchdealer Audible.
Wir schreiben das 1397 Anno Domini in Köln, wo die Kölner Gaffeln, eine Art Bürgervereine, nun endgültig, nachdem ihr Verbundbrief nun auch vom Erzbischof und dem deutschen König anerkannt wurde, die Macht über die Stadt übernommen haben. Zwar gibt es noch weiterhin Widerstände seitens der alten herrschenden Klasse, der Patrizier, doch diese scheinen vorerst keine ernsthafte Bedrohung zu sein. Adelina Burka, inzwischen Mutter eines drei Monate alten Säuglings, ihrem Sohn Collin, und weiterhin glücklich mir dem städtischen Medicus Neklas Burka verheiratet, wollte sich eigentlich ihrer Familie widmen und sich in Zukunft aus fremden Angelegenheiten heraushalten. Doch als sie gemeinsam mit ihrer Magd Franziska eher per Zufall im Weinkeller der Gaffel Himmelreich die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau entdecken scheint es erst einmal mit der Ruhe vorbei. Die Tote stellt sich als Bela Elfge, die Tochter des Kölner Schöffen Wolfram Elfge, heraus. Wenig später wird derer Verlobter, der Weinhändler und Zunftmeister Avarus Vetscholder, tot und grausam zugerichtet vor den Toren der Stadt gefunden. Neklas Burka erhält nun sogar die Genehmigung, die Leichen zu obduzieren, wobei er feststellt dass die junge Frau schwanger gewesen ist. Es kommt der Verdacht auf, dass die vertriebenen Patrizier hier die Finger im Spiel hatten, da Gerüchte darüber kursieren dass sie über Bestechungsgelder einige der Ratsherren und Schöffen zur Unterstützung eines erneuten, womöglich bewaffneten Umsturzes überzeugen wollen. Adelina Burka wird von dem Ratsherren und inzwischen zum Gewaltrichter ernannten Georg Reese, den der Leser ja bereits aus den vorherigen Teilen kennt, ihn bei seinen Ermittlungen zu unterstützen und sich dabei auch bei ihren meist wohlhabenden Kunden umzuhören, um eventuell auf Hinweise zu stoßen wer die Verräter innerhalb der Kölner Stadtmauern sein könnten. Als wäre das noch nicht genug, kündigt sich dann auch noch die Mutter ihres Mannes Neklas samt deren Schwester zu einem kurzfristigen Besuch bei ihrer neuen Schwiegertochter an und ihre (im letzten Buch vorgestellte) und inzwischen in die Familie integrierte Stieftochter Griet verhält sich neuerdings seltsam und scheint plötzlich Gespenster zu sehen. Und um allen noch die Krone aufzusetzen, findet die Stadtwache bei einer Hausdurchsuchung in ihrer Apotheke auch noch ihr vollkommen unbekannte Goldmünzen und Edelsteine, die sie unter den Verdacht kommen lassen ebenfalls mit den Patriziern im Bund zu stehen. Und das wäre Hochverrat, der mit dem Tode bestraft werden würde. Es bleibt Adelina nur wenig Zeit ihre Unschuld zu beweisen und ihre Familie vor dem Unglück zu retten. Und natürlich auch der Dominikaner-Pater Thomasius und der inzwischen zum Hauptmann der Stadtwache beförderte Greverode, die der Protagonistin bereits in den vorherigen Teilen das Leben schwer gemacht haben, dürfen in diesem Buch natürlich nicht fehlen – auch wenn sie eine bisher unerwartete Charakterentwicklung durchmachen.
Mit Verrat im Zunfthaus hat Petra Schier der bisher sehr spannenden und vielversprechenden Reihe um ihre Heldin Adelina Burka einen weiteren, wieder sehr gelungenen Teil beigefügt. Dem Leser wird nicht nur ein realitätsnaher, detailreich und gut recherchierter Einblick in das Leben, Denken und das Handeln der Menschen verschiedener Gesellschaftsschichten des späten 14ten Jahrhunderts gegeben, auch das geschichtliche Umfeld über der Machtübernahme der Gaffeln im mittelalterlichen Köln samt der Widerstände und Bestechungsversuche der entmachteten Patrizier, die natürlich versuchten die alten Machtverhältnisse wieder herzustellen, ist nah an den tatsächlichen Ereignissen der dieser Zeit angelehnt und vermittelt dem geschichtsinteressierten Leser eine lehrreiche Übersicht über die damaligen Geschehnisse. Zwar erscheint es in manchen Momenten, dass hier sehr viele Dinge auf einmal geschehen und mehrere parallele Handlungsstränge aufgebaut, die in keinem direkten Zusammenhang zu stehen scheinen – doch der Autorin gelingt es wunderbar, alle Ereignisse zum Ende des Buches zur Zufriedenheit der Leser aufzulösen und zum Abschluss zu bringen. Ich war auf jeden Fall auch mit diesem Teil der Adelina Burka Reihe wieder einmal sehr zufrieden und bin schon dabei mit gleich den nächsten Teil zu Gemüte zu führen. Bald also mehr über das Leben in mittelalterlichen Köln. 😉

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Buchreview: Der Tribun – Iris Kammerer

Tuesday, May 8th, 2012

Mit dem Roman Der Tribun der deutschen Autorin Iris Kammerer habe ich mal wieder einen historischen Roman aus der Zeit des Römischen Reiches verschlungen. Dieses im Jahre 2004 erschienene Erstlingswerk dieser Schriftstellerin – irgendwie habe ich es in letzter Zeit ja mit Erstlingswerken 😉 – verschlägt den Leser in den römisch besetzten Teil Germaniens im Jahre 9 nach Christus. Gaius Cornelius Cinna, ein junger römischer Tribun, wird mit der wichtigen und eiligen Aufgabe betraut den Kommandanten Varus vor einem bevorstehenden Aufstand einiger Germanenstämme zu warnen. Doch bevor er seine Mission erfüllen kann, gerät er in einen Hinterhalt und wird von den angreifenden Germanen schwer verletzt. Doch anstatt ihn vor Ort zu töten oder seinem Schicksal zu überlassen, nehmen die Krieger ihn Gefangen und lassen ihn in ihrem Dorf wieder gesund pflegen. Obwohl er für die – aus seiner Sicht barbarischen – Einheimischen eine wichtige Geisel zu sein scheint, muss er im Dorf nach seiner Genesung die niederen Arbeiten eines unfreien Knechtes verrichten. Außerdem erreicht ihn die Nachricht über die verlorene Schlacht des Varus, den er ja hätte warnen sollen. Seine Hoffnungen irgendwann aus seiner Geiselhaft freigekauft zu werden schwinden zusehends. Zumal der siegreiche germanische Feldherr Arminius von dem gefangenen Römer erfährt und seine Auslieferung fordert, was zweifellos in der Hinrichtung oder Opferung Cinnas enden würde. Einzig das germanische Hausrecht und die Fürsprache einiger Mitglieder der Familie des Dorfoberhaupts, allen voran seine Tochter Sunna, retten ihn vorerst vor diesem Schicksal.
Die Autorin hat in ihrem Werk, wie sie bereits auch im Prolog bemerkte, weniger Zeit in die Beschreibung der Geschehnisse der Varusschlacht oder irgend welche römischen Lebensweisen gesteckt. Viel mehr hat sie sich mit viel Liebe zum Detail mit der Lebensweise der germanischen Ureinwohner beschäftigt und viel Detailreichtum in die Charakterentwicklung des Protagonisten Gaius Cornelius Cinna und die wichtigsten Nebencharaktere gesteckt. Dabei wird aber auch nichts beschönigt oder glorifiziert, sondern das harte und teilweise brutale Leben in Magna Germania so realitätsnah und glaubhaft beschrieben wie es wirklich gewesen sein könnte. Auch wenn man epische Schlachten oder verzwickte Kriminalfälle in diesem Werk vergebens sucht und auch die kategorische Liebesgeschichte nur einen verschwindend kleinen Teil der Geschichte einnahm, so habe ich dieses Buch doch sehr Genossen – vor allem wohl weil es sich mit seiner etwas von der Norm abweichenden und dennoch spannenden Geschichte deutlich von dem abhob was ich bisher in dieser Richtung gelesen habe.
Das macht natürlich Lust auf die beiden Nachfolgeromane – Die Schwerter des Tiberius und Wolf und Adler – dieser als Triologie angelegten Reihe. Sobald ich auch sie gelesen habe werde ich natürlich darüber berichten.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen