Posts Tagged ‘historischer roman’

Silberschweine [Marcus Didius Falco 1] – Lindsey Davis

Tuesday, June 28th, 2011

Wer sich mit dem Thema der historischen Krimis beschäftigt wie ich kommt dabei natürlich nicht an Marcus Didius Falco der britischen Authorin Lindsey Davis vorbei. Nachdem ich die SPQR-Reihe von John Maddox Roberts ja inzwischen durch habe (obwohl ich noch die Hoffnung habe dass da eventuell noch einmal was kommt) wandte ich vor einiger Zeit dieser bald mit dem zwanzigsten Band erscheinenden Krimireihe zu. Wie üblich wollte ich aber die Reihe natürlich von ganz vorne lesen, was sich jedoch als etwas vertrackt herausstellte da der erste Band nicht mehr verfügbar war – aber zum Glück fand ich ihn als gebrauchtes Buch und erwarb es für ein paar Euro über den Amazon Marketplace.
Protagonist dieser Reihe ist wie schon zu vermuten war eben jener Marcus Didius Falco, zweiter Sohn einer Plebejer-Familie, der als Privatermittler und Schnüffler mehr schlecht als recht versucht im kaiserlichen Rom um das Jahr 70 nach Christus sein auskommen zu finden. In diesem berühmten Vierkaiserjahr sitzt nun als nach einem Bürgerkrieg der Kaiser Vespasian auf dem Thron, der aus Sicht des normalen Volkes endlich Stabilität zu versprechen scheint. Nachdem unser Protagonist Sosia Cammilina, die Tochter des einflußreichen Senators Deciumus Cammilina Verrus, vor einigen Verfolgern gerettet hat, stößt er gemeinsam mit ihr in einem Schließfach auf ein sogenanntes Silberschwein, einen mit Silber versetzten Bleibarren, der eigentlich Eigentum des Kaisers ist. Nach anfänglichem Zögern nimmt er schließlich, nachdem einige scheinbar Unschuldige den Tod gefunden haben, doch die Ermittlungen auf. Dabei verschlägt es ihn dabei bis in die nördlichste der römischen Provinzen, Britannien – dem Herkunftsort des Silberschweins – wo er sich als vermeintlicher Sklave sogar in eine Silbermine verkaufen lässt um die Ermittlungen voran zu bringen. Nachdem er als Begleitung der zickigen und leicht arrogant wirkenden Senatorentochter Helena nach Rom zurück gekehrt ist, kommt es schließlich zum großen Showdown, bei dem nicht nur er in Lebensgefahr gerät.
Dieses 1989 in Großbritannien und 1991 bei Knaur hier in Deutschland veröffentlichte Erstlingswerk dieser britischen Autorin, die sich laut ihrer Biografie nach 13 Jahren Beamtenleben dazu entschloss Romane zu schreiben, zeichnet sich in diesem Erstlingswerk nicht gerade durch hundertprozentige historische Genauigkeit aus. Was als erstes auffällt ist die teilweise etwas flapsige, neumodische anmutende Ausdrucksweise der sich ein paar der Protagonisten bedienen. Aber auch kleine Details in der Gesamtgeschichte wie z.B. einem Basketballspiel passen nicht ganz in die Periode um 70 nach Christus. Trotzdem gefiel mir die Geschichte und ihr Protagonist auf Anhieb – er bietet einen interessanten Einblick ins Leben eines “einfachen” Römers. Der von seinem Auftreten her leicht schnodderig wirkende Falco, der in einer heruntergekommenen Mietskaserne lebt und in einem nicht perfekten, aber sehr typisch wirkenden Familienumfeld einer plebejischen Familie lebt, wird dem Leser meiner Meinung nach sehr Vertrauenswürdig vermittelt. Mit seinen Fehlern und dem Potential hier und dort in Fettnäpfchen zu treten aus denen er gerade so entkommen kann wirkt er sehr echt und irgendwie sympathisch. Und bei bis jetzt insgesamt 20 Romanen die Lindsay Davis bis heute über diesen römischen Schnüffler veröffentlicht hat, scheine ich da nicht der einzige zu sein der dieser Meinung ist. Mir hat dieses Buch trotz seiner kleinen Unzulänglichkeiten was seine historische Korrektheit angeht durchaus Lust auf mehr gemacht. Somit war Silberschweine mit Sicherheit nicht der letzte Roman den ich aus der Marcus Didius Falco Reihe gelesen habe.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Fortunas Rache – Maria W. Peter [Invita 1]

Sunday, December 12th, 2010

Vor einiger Zeit stieß ich durch einen Buchtipp auf amazon.de auf Fortunas Rache, ein historischer Krimi und Erstlingswerk der deutschen Autorin Maria W. Peter. Der Klappentext las sich interessant und auch die Kommentare der bisherigen Leser gaben ein gutes Bild ab – also bestellte ich mir das Buch einfach einmal und habe es innerhalb kürzester Zeit verschlungen.

Das 320 Seiten starke Buch spielt im römischen Trier des 3. Jahrhunderts nach Christus, wo die junge Sklavin Invita im Haus des dortigen Stadthalters arbeitet. Die Jugendliche, ein Findelkind, ist für ihren Stand gebildet, kann lesen und schreiben und besitzt einen wachen Verstand, gilt bei ihren Herren und deren Aufsehern aber als Aufsässig und potentielle Unruhestifterin. Als der Haussklave Modestus nach einem Botengang nicht zurückkehrt, wird sie verdächtigt mit dessen Verschwinden in Verbindung zu stehen und ihm bei seiner potentiellen Flucht geholfen zu haben. Um ihre Unschuld zu beweisen, fängt sie an eigene Nachforschungen anzustellen und findet mit kriminalistischen Spürsinn bald erste Anzeichen, dass hinter dem Verschwinden des anderen Sklaven weitaus mehr als nur eine einfache Flucht steckt und stößt dabei auch auf Hinweise die Licht auf eigene Herkunft werfen könnte. Bald schon ist sie einer ausgewachsenen Intrige auf der Spur und gerät nicht nur in Gefahr, wegen des Verschwindens bestraft zu werden, sondern muss sogar um ihr Leben fürchten.
Die Geschichte wird in der Ich-Form von Invita selbst erzählt und gibt nicht nur einen interessanten Einblick in das Leben eines römischen Sklaven und in das Trier des dritten Jahrhunderts nach Christus. Die Autorin hat was die Recherche der Hintergründe gute Arbeit geleistet und wartet mit vielen kleinen Details aus dieser Zeit auf. Besonders die Erzählperspektive aus Sicht einer Sklavin fand ich sehr interessant, denn dies hob diese Geschichte deutlich von den anderen historischen Romanen ab die ich bisher gelesen hatte. So spielen hier nicht unbedingt große Politik des römischen Imperiums, sondern auch die Sorgen und Nöte einer jungen Haussklavin in dieser Geschichte eine zentrale Rolle. Dabei ist die Schreibweise amüsant und spannend – hat mir sehr gut gefallen. Ich werde mir mit Sicherheit auch die beiden weiteren bisher erschienen Werke um die Erlebnisse Invitas zur Gemüte führen. Den Freunden von historischen Romanen kann ich dieses Buch also durchaus ans Herz legen.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Der Abend des Adlers – Frank Stefan Becker

Sunday, November 28th, 2010

Auch mit meinem letzten Buch habe ich meine aktuelle Vorliebe für Romane mit historischen Hintergrund fortgesetzt. Dabei fiel meine Wahl auf das Werk Der Abend des Adlers, das 2004 erschienene Erstlingswerk des promovierten Physikers, Siemens-Manager und nebenberuflichen Schriftstellers Frank Stefan Becker, der sich bisher vor allem mit Geschichten aus der Antike und Frühmittelater einen Namen gemacht hat.
Die Geschichte beginnt im Jahr 259 nach Christus. Germanische Stämme durchbrechen immer wieder den Limes im Norden Europas und überfallen die dortigen römischen Ansiedlungen. Auch Lopodunum, das heutige Ladenburg bei Heidelberg, wird dabei nicht verschont. Kurz bevor die Sueben, ein Volksstamm der den heutigen Schwaben entspricht, die Stadt überfällt und plündert gelingt es den Bewohnern noch die wertvollen Beschläge des Tempelportals vor den vordringenden Barbaren zu verstecken. Jahre später versuchen der junge Römer Flavius, der als Kind aus der Stadt fliehen konnte und auf bei seinem Onkel auf einem Landgut bei Trier aufwuchs, und sein Begleiter Ulixes Aquila, einem Coeparius (reisender Händler) und Agent des Kaisers in Germanien, die wertvollen Beschläge zu bergen, was jedoch misslingt. Die Bronzebeschläge gibt es übrigens wirklich und sie sind heute im Museum in Ladenburg zu bewundern. Wenig später gerät Flavius im Dekumatland, dem heutigen Baden Württemberg, in Gefangenschaft der Germanen und muss unter ihnen er als Sklave arbeiten. Schließlich kann er aber fliehen und schlägt sich bis in römische Augst (beim heutigen Basel) durch. Von dort aus kommt er schließlich nach Rom und trifft dort seinen Freund Ulixes wieder. Als dieser vom Kaiser Aurelian den Auftrag erhält, nach Palmyra im heutigen Syrien zu reisen und mit der dortigen Königin Zenobia in Verhandlungen zu treten, begleitet Flavius ihn. Er hofft von dort aus bis nach Persien zu kommen, um mehr über seinen Vater zu erfahren, der beim fehlgeschlagenen Feldzug des Kaisers Valerian in Gefangenschaft des persischen Königs Schapur geriet.
Das ganze Buch gliedert sich klar in vier Teilgeschichten, die in Germanien, Rom, im Nahen Osten und schließlich wieder in Rom spielen. Der Autor hat die Hintergründe und historischen Fakten dieser Zeit sehr genau und detailliert recherchiert und liefert viele historische Fakten, die nicht nur zum Fortlauf der Geschichte dienen sondern auch einfach nur gelungen eingestreut werden – so zum Beispiel die Ereignisse um den Gegenkaiser Postumus. Einziger Kritikpunkt sei hier die Tatsache, dass es keinen wirklichen Höhepunkt in der Gesamterzählung zu geben scheint, viel mehr stolpert der Protagonist Flavius von eine Abenteuer ins andere, so dass ein wirklicher roter Faden mit klarem Spannungsbogen zu fehlen scheint. Dennoch passt alles gut zusammen und die Geschichte endete mit einem, so viel kann ich wohl verraten ohne einen Spoiler wiederzugeben, Hangover, die eine Fortsetzung unumgänglich zu machen scheint. Für ein Erstlingswerk aber wirklich gute Arbeit, soviel muss ich sagen. Ich werde mir auch das Folgewerk Der Preis des Purpurs auf jeden Fall auch zu Gemüte führen.

Meine Wertung: 2 von 3 Sternen