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Eragon 4 – Das Erbe der Macht – ein Kurzreview

Saturday, May 26th, 2012

Nun habe ich auch endlich den vierten und letzten Teil der Eragon-Reihe des amerikanischen (Jung-)Autors Christopher Paolini abgeschlossen, einem Schriftsteller der ja von der Presse inzwischen als Prinz der Fantasy und der den ersten Band dieser Reihe mit gerade mal 15 Jahren geschrieben hat. Wie bei den andere Teilen
Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter,
Eragon 2 – Im Auftrag des Ältesten
und
Eragon 3 – Die Weisheit des Feuers
habe ich auch bei diesem Buch wieder auf die ungekürzte Hörbuch-Version gesetzt, die ich wie gewohnt bei meinem Hörbuch-Dealer Audible erworben hatte. Mit 33 Stunden und 32 Minuten Gesamtlaufzeit ein ziemlicher Brocken, aber es hat sich meiner Meinung nach wieder durchaus gelohnt, woran der Sprecher Andreas Fröhlich – bekannt aus Die Drei Fragezeichen – nicht ganz unschuldig ist. Da er aber auch schon die anderen drei Teile eingesprochen hatte, wäre es auch seltsam gewesen wenn es hier nicht der Fall gewesen wäre. 😉

Dennoch bin ich etwas hin und her gerissen über den Abschluss dieser so vielversprechend begonnenen Saga. Die Geschichte schließt relativ nahtlos an die Geschehnisse des dritten Bandes an, in der die Varden mit ihren Verbündeten aus allen großen Völkern der Fantasy-Welt Alagaesia bereits große Fortschritte im Kampf gegen den Diktator Galbatorix errungen hatten. In weiteren blutigen Schlachten fallen zu Beginn des vierten Buches weitere große Städte wie Drasleona in die Hand der Rebellen. Und bei den Beschreibungen der Kämpfe nimmt der Autor wahrlich kein Blatt vor den Mund bzw. vor die Tastatur, denn es wird während der Kämpfe zertrümmert, gespalten, geschlitzt, abgetrennt und zerfetzt ohne Gnade. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, sondern veranschaulicht nur dass der Kampf mit Hieb- und Stichwaffen eben kein Spaziergang ist.

Dennoch konnte ich den Eindruck nicht ganz erwehren, dass viele der allzu detailliert ausfallende Beschreibungen mitunter auch dazu dienten, den Umfang des Buches einfach etwas zu dehnen. Wie bereits aus den letzten Bänden gewohnt teilt sich die Geschichte schon bald in mehrere Handlungsstränge auf, welche die Wege der in den anderen Teilen aufgebauten Nebencharakteren wie Eragons Cousin Roran “Hammerfaust” oder der Varden-Führerin Nasuada beschreiben. Letztere gerät im Verlauf der Schlacht um Drasleona durch Eragons Halbbruder Murtak in die Fänge von Galbatorix, was dem Leser auch das erste Mal die Möglichkeit gibt, einen virtuellen Blick auf diesen Diktator zu werfen der in keinen der drei vorherigen Bände leibhaftig in Erscheinung getreten war. Ohne allzu viel von der Handlung verraten zu wollen, sei gesagt dass es schließlich zur Schlacht um die Hauptstadt des von Galbatorix beherrschenden Reiches Alagaesia, Uruk Baen, kommt, in dessen Verlauf schließlich auch der finale Kampf zwischen Eragon und diesem König stattfindet. Über diesen Abschnitt scheiden sich wohl auch am meisten die Geister der Leser, denn im Vergleich zu den vorherigen Beschreibungen anderer Kämpfe geht alles relativ schnell vonstatten und obwohl es am Anfang aussichtslos erscheint, gelingt es Eragon schließlich, Galbatorix und seinen Drachen Shruikan zu vernichten und somit den Krieg quasi zu beenden.
Was folgt sind politische Ränkespiele um die Nachfolgeordnung Alagaesias, verbunden mit dem Bemühen des Autors, so ziemlich jeden der vielen in diesem und den vorherigen Bänden aufgebauten Nebenhandlungsstrang und offene Punkte zum Abschluss zu bringen – mehr oder weniger zur Befriedigung der Leser. Zum Schluss “macht” Eragon schließlich den Frodo aus Tolkiens Herr der Ringe und verlässt das Land, wie ihm Weisgesagt wurde, auf einem weißen Elfenschiff – ob für immer oder nicht bleibt dabei jedoch offen.

Obwohl man eindeutig erkennen kann, dass Christopher Paolini in vielen bekannten und weniger bekannten Werken der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur Anregung genommen hat, so muss ich doch dass auch der vierte Band einen soweit sehr würdigen Abschluss der Eragon-Reihe bot. Heutzutage ist es glaube ich nicht nur für einen gerade 20 Jahre alten Schreiber schwer, ein Buch in diesem Genre zu schreiben, in dem nicht etwas auftaucht dass so noch nicht in den zahlreichen anderen Werken schon einmal verwendet worden ist. Dennoch schwächelt der letzte Teil von Eragon auch an einigen Stellen. Dass die Geheimnisse gewisser Charaktere wie der Kräuterheilerin Angela ungelöst bleiben, der Verbleib bestimmter Gegenstände wie der Gürtel Beloths des Weisen nicht aufgeklärt wird oder Charaktere wie Murtak und sein Drache Dorn in eine ungewisse Zukunft entschwinden fällt dabei aber ebenso unter die künstlerische Freiheit des Autors wie die Tatsache, dass bestimmte, sich ankündigende Liebesbeziehungen nicht zustande kommen oder dass es kein klares Happy End gibt – auch wenn dadurch natürlich einige vielversprechende weitere, eventuell zukünftige Handlungsstränge unnötigerweise verbaut werden. Doch ich konnte mich trotz allem dem Eindruck nicht erwehren, dass Paolini am Ende einfach nur fertig werden wollte. Man hätte das eine oder andere also vielleicht noch weiter ausschmücken und andere Teile auch weglassen können, man hätte mehr Spannungsbögen aufbauen können und die eine oder andere Charakterentwicklung weiter vorantreiben können und vieles anderes – aber nach ca. 950 Seiten die das Werk in seiner Buchform hat, gibt es der Reihe trotz kleiner Schwächen einen überaus würdiger Abschluss. Ich stelle ein Buch dieser Art den Anspruch, unterhalten zu werden und eine spannende, gut durchstrukturierte Geschichte mit glaubwürdigen Charakteren vorzufinden – und diese Anforderungen wurden meiner Meinung nach sogar über das normale Maß erfüllt. Bin nun wirklich gespannt wie die schriftstellerische Karriere von Christopher Paolini weiter geht. Immerhin hat er nicht ausgeschlossen, dass es noch weitere Werke aus der Fantasy-Welt Alagaesia geben wird – aber auch wenn er etwas anderes schreibt bin ich eindeutig nicht abgeneigt es zu lesen bzw. zu hören.

Meine Wertung: 3 Sterne

Oktoberfest – Christoph Scholder

Saturday, January 22nd, 2011

Mit Oktoberfest habe ich gestern den Debütroman des deutschen Autors Christoph Scholder abgeschlossen. Und nach fast vier Jahren Arbeit hat der Universitätsdozent für Soziologie und Spätzünder was Bücher schreiben angeht einen Thriller abgeliefert, der meiner Meinung nach den Werken eines David Baldacci, Stieg Larsson oder John Katzenbach durchaus das Wasser reichen kann.
Ich hatte mich wieder für das Hörbuch mit einer Laufzeit von fast 17 Stunden entschieden, die mal wieder sehr packend von Detlef Bierstedt gelesen wird. Diese Hörbuchfassung gibt es aktuell Exklusiv bei Audible – für die Freunde des gedruckten Wortes ist die ca. 600-seitige Printausgabe im Droemer-Verlag erschienen.
Die Handlung dieses Buches spielt wie der Name schon vermuten lässt natürlich in München, wo das Oktoberfest mal wieder im vollen Gange ist. Zehntausende feiern und trinken ausgelassen auf dem wohl größten Volksfest der Welt. Doch am zweiten Wiesnsonntag kommt es zu einem Ereignis, das die schlimmsten Alpträume der Veranstalter und Sicherheitsbehörden in den Schatten stellt. Unter dem Kommando des skrupellosen Generalmajor Oleg Blochin nimmt eine abtrünnige russische Speznas-Einheit in einer sauber geplanten Kommandooperation zuerst das Benedektiner-Zelt und wenig später auch die übrigen Bierzelte auf der Theresienwiese als Geiseln und droht alle Besucher mit tödlichen Nervengift zu exekutieren. Über siebzigtausen Menschen befinden sich in der Gewalt der Elitesoldaten, deren Ziel es ist 2 Milliarden Euro in Rohdiamanten zu erpressen. Die Münchner Polizei, die Bayrische Landesregierung und auch die bald schon eingeschaltete Bundesregierung sind im ersten Moment ratlos wie sie gegen diesen bis ins letzte Detail geplanter Coup vorgehen können. Als zur Reaktion auf eine übereilte und misslungene Aktion der Behörden fast 2000 Besucher eines Zeltes einen grausamen Tod durch das Nervegas finden, droht die Situation zu eskalieren. Doch da tritt Wolfgang Härter, Mitglied einer geheimen Abteilung des Militärischen Abschirmdienstes, Marineschwimmer und Kapitän der deutschen Bundesmarine auf den Plan und versucht mit viel Taktik und allerlei Kniffen zu retten was zu retten ist und die größte Bedrohung die Deutschland sich seit Ende des zweiten Weltkrieges gegenüber sah so glimpflich wie möglich zu beenden.
Ich muß zugeben dass mich der Plot im ersten Moment zwar begeistert, aber beim längeren Überlegen dann doch etwas abgeschreckt hat. Zu sehr klang mir das Ganze nach einer sehr konstruierten und unglaubwürdigen Geschichte. Aber bereits nach den ersten Kapiteln konnten diese Bedenken verworfen werden, denn es gelingt Christoph Scholder sowohl die Haupt- als auch die Nebencharaktere dem Leser realistisch und wirklichkeitsnah zu vermitteln. Alle Aktionen der handelnden Einzelpersonen, der bundesdeutschen Exekutive, der Einsatz von SEK, GSG9 und KSK sowie im Verlaufe des Buches sogar der Bundeswehr erschienen plausibel und glaubwürdig. Dabei hat der Autor offensichtlich großen Aufwand in die Recherche gesteckt und das Buch mit vielen Fakten über Kommandostrukuren, technische Details von eingesetzten Waffen und Kryptotechniken oder auch die gesetzlichen Vorschriften gespickt, dass soweit ich das zu Beurteilen vermag zu keinem Moment der Eindruck entsteht dass die hier erzählte Geschichte unrealistisch oder überzogen wirkt. Und auch bei der Beschreibung der Wirkung des Nervengases oder bestimmter Waffen lässt er es nicht aus deren Wirkung bis ins Kleinste zu beschreiben, was mich das eine oder andere Mal doch etwas schaudern ließ. Obwohl im Verlauf der Erzählung viele parallele Handlungsstränge aufgebaut werden, gelingt es dem Autor außerdem, keinen davon im Sande verlaufen zu lassen sondern führt alles am Ende zu einem großen Finale wieder logisch zusammen – eine Leistung die nicht jedem Schreiber gelingt.
Besonders im ersten Drittel des Buches steckt Scholder viele Seiten in die Einführung verschiedener Hauptpersonen. Zum einen wird sehr akribisch über Karl Romberg und seine Karriere vom einfachen Automechaniker zum Spediteur berichtet, auch wenn er zumindest aus meiner Sicht insgesamt eine eher untergeordnete Rolle spielt. Für die Abrundung der Geschichte wichtiger erscheinen da die Rückblicke in die Vergangenheit der Speznas-Einheit, unter anderem ins russisch besetzte Afghanistan des Jahres 1984 und ins tschetschenische Grosny des Jahres 1994, um deren Handlungsweise und Vorgehen in der Jetztzeit zu verstehen. Nur über Wolfgang Härter, der ja eindeutig die wichtigste Person des ganzen Buches ist, lässt sich Scholder nur hier und da dazu hinreißen, Details über dessen Leben preis zu geben – gerade genug um den Charakter und die Handlungsweise zu verstehen. Einzig bei der Konstruktion dieser Person hat er dabei, so empfand ich es zumindest, an ein oder zwei Ecken ein klein wenig zu dick aufgetragen. Aber wer Thriller liest braucht eben seine Helden, daher kann man retrospektiv auf das Gesamtwerk gesehen gut damit leben.
Für ein Erstlingswerk kann ich da nur sagen: Hut ab. Diesem Buch ist es wirklich gelungen mich zu fesseln und hat es mich innerhalb von nur wenigen Tagen verschlingen lassen. Auch wenn es mich freuen würde wenn es noch weitere Werke mit Wolfgang Härter geben würde, kann ich mir doch aktuell nur schwer vorstellen, dass der Autor ein solches Handlungsspektakel wiederholen könnte ohne dass es doch beginnen könnte doch unglaubwürdig zu werden. Obwohl natürlich Serien wie 24 mit Kiefer Sutherland schon bewiesen haben, dass man sich in solchen Prognosen auch irren kann. Wie dem auch sei – ich werde auf jeden Fall die Augen nach weiteren Werken von Christoph Scholder Ausschau zu halten. Da dieses Buch aber erst im August 2010 erschienen ist, wird bis dahin wohl noch etwas Zeit vergehen. Ich bin da ja mal sehr gespannt.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Sturz der Titanen – Ken Follet

Tuesday, January 18th, 2011

Mit Sturz der Titanen habe ich nun auch das aktuelle Werk des britischen Autors Ken Follet verschlungen. Dabei hatte ich mich für die ungekürzte Hörbuchfassung entschieden, erschienen genau die Druckausgabe im Lübbe-Verlag und erworben wie immer bei meinen Hörbuch-Dealer Audible. Mit etwas mehr als 37 Stunden Laufzeit handelt es sich bei diesem von Philip Schepmann gelesene Werk zwar um einen ziemlichen Brocken Literatur, aber jede Zeile hat sich in diesem Fall wahrlich mehr als nur gelohnt. Nicht dass ich nach dem Konsum der Werke Die Säulen der Erde, Nacht über den Wassern, Die Kinder von Eden, Die Pfeiler der Macht, Die Brücken der Freiheit und Eisfieber dieses Autors etwas anderes erwartet hätte, dennoch bin ich bei diesem bereits im Vorfeld als erster Teil eines Epos beschriebenen Buches natürlich mit der geeigneten Unvoreingenommenheit heran gegangen.
Erzählt wird die Geschichte verschiedener Familien in Deutschland, England, Russland und den USA während zwischen den Jahr 1911 und 1924, einer Zeit die vom Ersten Weltkrieg, der russischen Revolution und einem umfassenden sozialen Wandel bestimmt wird. Um einen Überblick über die komplexe Storyline zu bekommen werfen wir am besten einen Blick auf die wichtigsten Protagonisten dieses Romanes. Ich versuche dabei so wenig wie möglich über die eigentliche Handlung zu verraten, aber einige Ausrutscher möge man mir hier bitte verzeihen.
Die britische Bergarbeiterfamilie Williams lebt im kleinen walisischen Ort Aberowen. Die Geschichte beginnt mit dem Tag, als der jüngste Sohn der Famile Billy Williams im Alter von gerade mal dreizehn Jahren mit der Arbeit in der lokalen Kohlegrube beginnt. Während seine ältere Schwester Ethel es als Hausangestellte des lokalen Earls Fitzherbert es noch etwas besser getroffen hat, müssen die meisten Bewohner des Ortes ihr Leben in ärmlichen Verhältnissen fristen ihren Lebensunterhalt unter Tage verdienen. Als es zu einem Grubenunglück kommt, beweist zwar der Billy Williams großen Heldenmut und rettet einige der Kumpel vor dem sicheren Tod unter der Erde. Doch als die Familien der verunglückten Kumpel zwangsenteignet und um ihre Häuser gebracht werden um neuen Arbeitskräften Platz zu machen, kommt es zu Aufständen unter den Bergarbeitern.
Das kümmert den lokalen Lord, den Earl Fitzherbert, jedoch nur wenig. Als Mitglied des britischen Hochadels und Abgeordneten des Oberhauses verschließt der erzkonserative Adelige mit seiner Frau Bea, ebenfalls eine Adelige russischer Herkunft, die Augen vor den Nöten der Bewohner seiner Besitzungen. Daran ändert auch der Besuch des gerade neu eingesetzten britischen Königs George V. nichts, der etwas unbeholfen versucht den Bergarbeitern nach dem Grubenunglück sein Beileid und Mitgefühl zu bekunden. Als sich zwischen Ethel Williams und dem Lord ein Techtelmechtel entwickelt, kommt es wie es kommen muss: Ethel wird schwanger und verliert ihre Stelle im Haus des Lords. Wegen der außerehelichen Schwangerschaft wird sie auch von ihrem Vater verstoßen und geht mit einer kleinen Abfindung nach London, wo sie sich bald Maud Fitzherbert, der Schwester des Vaters ihres unehelichen Kindes, anschließt und damit beginnt, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen.
Mit Lady Maud Fitzherbert, der Schwester des Earls, kommen wir zu einer weiteren Hauptperson dieses Werkes. Trotz ihrer Neigung zum Suffragettentum verliebt sie sich während eines Empfanges auf dem Anwesen ihres Bruders in den jungen deutschen Diplomaten Walter von Ulrich. Zwar sind sowohl ihr Bruder als auch der konserative Vater des jungen Walter, Otto von Ulrich, gegen diese Beziehung, aber das hält die Beiden nicht davon ab kurz vor Ausbruch des Weltkrieges heimlich zu heiraten. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie noch nicht, welche Ausmaße die kommende Auseinandersetzung annehmen wird und das sie sich für lange Zeit nicht mehr sehen werden.
Auf diesem Empfang bei Earl Fitzherbert wird auch eine weitere wichtige Person der Handlung eingeführt, der ebenfalls noch junge Harvard-Absolvent und Mitarbeiter der amerkanischen Botschaft Gus Dewar, der sich schon bald zu einem der wichtigsten Mitarbeiter des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson entwickelt und somit nah an den Geschehnissen steht, die schließlich zum Kriegseintritt der USA führen.
Ein weiterer Handlungsstrang des Buches verläuft schließlich im russischen Sankt Petersburg, wo die Brüder Grigori und Lew Peschkow, die nach der Hinrichtung ihres Vaters durch den Fürsten und des Todes ihrer Mutter in Folge des Petersburger Blutsonntages von 1905 als Waisen aufwachsen. Unter unmenschlichen Bedingungen ihr leben fristend arbeiten beide für einen Hungerlohn im lokalen Stahlwerk. Der Ältere der Beiden, Grigori, versucht trotz seiner ärmlichen Lebensumstände ein rechtsschaffendes Leben zu führen und träumt davon nach Amerika auszuwandern. Doch seinen Plänen wird durch die kriminellen Machenschaften seines Bruders Lew ein Strich durch die Rechnung gemacht, denn er muss ihm sein Ticket für die Überfahrt nach Amerika überlassen um ihn so vor dem sicheren Galgen zu retten. Während Lew so nach einigen Umwegen in die USA gelangt und sich schließlich in Baltimore, der Heimatstadt von Gus Dewar niederlässt, wo er schon bald für den dortigen Boss eines Verbrechersyndikates arbeitet, wird Grigori schließlich in die Wirren des russischen Oktoberrevolution gezogen und entwickelt sich zum Revolutionär an der Seite von Lenin und Trotzki.
Insgesamt kann ich nach Abschluß dieses etwas mehr als 37 Stunden langen Hörbuches (die Druckversion hat lt. Amazon 1024, andere Quellen sprechen von 1022 Seiten) nur sagen: Wow!!! Was Ken Follet da abgeliefert hat, hat durchaus Potential als Meisterwerk bezeichnet zu werden. Nicht nur dass es ihm auf wunderbare Weise gelungen ist, die Lebensverläufe der von ihrer Stellung und ihrer Herkunft her so verschiedenen Personen miteinander zu verstricken und die Verhältnisse der damaligen Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten überzeugend darzustellen, auch die Geschichte erscheint insgesamt als durchgehend plausibel und hat einen klaren roten Faden. Viele Begegnungen der Protagonisten erscheinen zwar zufällig, passen aber ohne dass sie konstruiert wirken perfekt in das Gesamtbild dieses ersten Teils des als Trilogie angelegten Epos. Dem Autor ist es dabei perfekt gelungen, ein Stück Weltgeschichte und gesellschaftlichen und politischen Wandel nicht nur von der Seite der großen und mächtigen, sondern besonders auch aus der Sicht der mehr oder weniger einfachen Leute darzustellen. Dabei sind alle historischen Fakten soweit ich das zu Beurteilen vermag detailliert recherchiert und lassen keinen Zweifel zu, dass Ken Follet viel Zeit in die geschichtliche Richtigkeit seiner Erzählung gesteckt hat. Natürlich trägt auch der Vorleser Philipp Schepmann einen großen Teil zum Erfolg dieses Hörbuches bei, denn ihm gelingt es durch entsprechende Stimmanpassung den einzelnen Charakteren ein zusätzliches Eigenleben einzuhauchen. Ich kann dieses Buch absolut weiter empfehlen, ich halte das ganze für ein wirkliches Meisterstück und kann es kaum erwarten den zweiten Teil zu verschlingen. Leider wird man auf den zweiten Teil, in dem meiner Recherche nach wohl die Kinder der hier beschriebenen Personen die Hauptrolle spielen werden, noch bis ins Jahr 2012 warten müssen. Ein genauer Erscheinungstermin steht noch nicht fest. Schade, aber ich werde wohl zwangsweise bis dahin durchhalten müssen.

Meine Wertung: 3 Sterne

Millionär – Tommy Jaud – ein Buchreview

Wednesday, November 3rd, 2010

Nach Vollidiot (als Verfilmung) und Resturlaub habe ich mit Millionär nun das dritte Werk des deutschen Schriftstellers und Drehbuchautors Tommy Jaud verschlungen. Dabei wählte ich die Hörbuchfassung mit Christoph Maria Herbst als Sprecher, die ich wie üblich bei Audible erworben hatte. Mit einer Laufzeit von 4 Stunden und 36 Minuten ein eher kurzes Hörbuch, aber ich habe jede Sekunde genossen. Zwar ist das Buch als Fortsetzung des Romans Vollidiot angelegt, man kann das Buch meiner Meinung nach aber auch ohne Vorkenntnis lesen.
Die in der Ich-Form erzählte Geschichte handelt von Simon Peters, den wir ja schon aus dem Vorgängerbuch Vollidiot kennen. Nach seiner Entlassung aus dem T-Punkt lebt dieser nun von Hartz IV und in einer kleinen Wohnung in Köln-Sülz. Der notorische Nörgler und Weltverbesserer versucht seinem Leben eine gewisse Regelmässigkeit zu geben, indem er allmorgendlich in sein “Büro”, das persische Internetcafé Shahins WebWorld fährt und von dort Beschwerde-Emails an verschiedene Produkthersteller zu verschicken und so Gratis-Packungen abzugreifen, die seinen Einkommen etwas aufbessern. Dabei lernt er auch am Telefon die Kundenberaterin Annabel Kaspar kennen, in die er sich heimlich verliebt. Als sein Vermieter den Dachbereich seines Hauses zu einem Luxusappartment ausbauen lässt und wenig später an eine aufgetakelte Tussi mit pinkfarbenen Hummer vermietet, merkt Simon schnell dass er etwas unternehmen muss und beschließt Millionär zu werden und sein Wohnhaus zu kaufen, damit er diese nervtötende Frau wieder loswerden kann, indem er ihr die Wohnung kündigt.
Ich musste während ich dieses Buch hörte wirklich mehrfach auflachen und häufig schmunzeln. Tommy Jaud legt auch hier wieder eine wunderbar pointierten Schreibstil an den Tag und Christoph Maria Herbst verleiht jedem der Charaktere durch Veränderung der Stimme und hinzufügen von Akzenten ein wunderbares Eigenleben. Darüber dass die einzelnen Handelnden, vor allem die neue Tussi-Mieterin, dabei leicht überzogen klingen kann man problemlos hinweg sehen, da es sich wunderbar in die auch ansonsten leicht abstruse Geschichte einfügen. Für mich kam hinzu, dass ich durch meinen fast einjährigen berufsbezogenen Aufenthalt im schönen Köln viele der Orte von denen gesprochen wird sogar kannte (Zülpicher Straße, Scheinbar, Boogaloo etc.) und ich vielen der Aussagen die über diese Orte getroffen wurden nur schmunzelnd zustimmen konnte. Ich persönlich finde dieses Buch sogar noch einen Deut besser als Vollidiot und auf jeden Fall so skurril wie Resturlaub. Die Geschichten von Tommy Jaud klingen wenn man den Plot liest zuerst durchaus etwas abwegig, aber die Umsetzung und Erzählweise machen sie beim Lesen dann doch wieder plausibel.
Einzig die ohne weitere Einleitung angehangenen TakeOuts am Ende fand ich zuerst etwas verwirrend, da ich im ersten Moment dachte dass mein Hörbuch auf einen vorherigen Track zurückgesprungen – aber nachdem ich verstanden hatte was hier passiert ist gaben sie abschließend noch einen hübschen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Hörbuches. Wer kurzweilige und amüsante Literatur mag, dem sei dieses Werk auf jeden Fall nur wärmstens ans Herz gelegt.

Meine Wertung: 3 Sterne

Ausgebrannt – Andreas Eschbach

Monday, November 1st, 2010

Nach Das Jesus Video habe ich vor kurzem das zweite Buch des deutschen Autors Andreas Eschbach abgeschlossen – dieses Mal wieder in Audioform und erworben wie immer bei meinem Audiodealer Audible. Mit neueinhalb Stunden Laufzeit eher Mittelmaß, aber die Zeit hat sich für mich auf jeden Fall mehr als gelohnt.
Zentrale Figur des Buches ist Markus Westermann, der in die USA reist um dort in einer Softwarefirma zu arbeiten. Doch dieser Job soll ihm nur als Sprungbrett dienen, denn sein Ziel ist es, den amerikanischen Traum zu erleben und sich dort sozusagen vom einfachen Angestellten zum Millionär hochzuarbeiten. Doch seine Pläne verlaufen zuerst alles andere als erfolgreich und er ist kurz davor nach Deutschland zurückkehren zu müssen. Doch dann trifft eher zufällig er auf den Österreicher Karl Walter Block, der von sich behauptet dort Öl finden zu können wo andere keines finden. Nachdem die ersten Versuche erfolgreich verlaufen und Investoren auf die Idee aufmerksam werden, scheint sich Markus Traum doch zu erfüllen und seinem Weg zum reichen Mann scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Vor allem als er auch noch die Frau seiner Träume zu treffen scheint und sich in sie verliebt. Doch während einer Explorationsbohrung in Saudi Arabien verschwindet Block und wenig später versiegt auch noch das größte Ölfeld der Saudis. Die Amerikaner sehen sich gezwungen militärisch einzugreifen und die verbleibenden Ressourcen zu sichern, was natürlich fundamentalistische Kräfte auf der arabischen Halbinsel auf den Plan ruft. Die Welt wie wir sie heute kennen scheint aus den Fugen zu geraten und Unruhen breiten aus. Markus Westermann versucht mit Hilfe der Notizen, die Block vor seinem Verschwinden sicher versteckt hatte, dessen Methode zu rekonstruieren und das Ruder noch einmal herum zu reißen und sowohl die Welt als auch seinen Traum zu retten.
Am Anfang schleppte sich wie ich fand die Geschichte etwas hin, doch spätestens nachdem Markus Westermann und Karl Block sich getroffen haben nimmt die Erzählung deutlich an Fahrt auf und entwickelt sich zu einem rasanten Politthriller, dessen Prognosen gar nicht mal so aus der Luft gegriffen scheinen, sondern durchaus in nicht allzu ferner Zukunft Realität werden könnten. Sehr gut gefiel mir, dass Eschbach von Anfang an gleich mehrere parallele Handlungsstränge aufbaut, welche die Entwicklung aus verschiedenen Perspektiven erzählen. So wird die Geschichte nicht nur aus Sicht von Markus Westermann erzählt, sondern auch aus der Perspektive eines deutschen Ehepaars, eines saudischen Prinzen, eines US-amerikanischen CIA-Mannes und weiterer Personen, wobei sich die Wege der einzelnen Handelnden nur teilweise überschneiden und miteinander verwirkt sind. Zusätzlich nutzt Andreas Eschbach in der ersten Hälfte des Buches mehrere zeitliche Rückblicke, um die Zusammenhänge besser zu erklären und dem Leser zu zeigen wie es zu der Situation in der die Welt schließlich gerät überhaupt kommen konnte. Dadurch zeigt sich dem Leser, in welcher engen und vielleicht aus bürgerlicher Sicht gar nicht in vollem Umfang ersichtlichen Abhängigkeit sich die Menschheit heute zum Öl befindet und was es bedeuten würde, wenn diese Ressource zur Neige geht – ein Szenario dass sich ja schon seit längerem am Horizont abzeichnet.
An einigen Stellen, dass muss ich zugeben, scheinen die zufälligen Begegnungen etwas zu unwahrscheinlich und einige Episoden wie zum Beispiel Markus Aufenthalt bei der religiösen Gemeinschaft in Bare Hands Creek erscheinen eher Füllmaterial um die Geschichte in die Länge zu strecken, da sie nichts sonderlich zur Haupthandlung beitragen – aber das tut der ansonsten gelungenen Geschichte keinerlei Abbruch. Ulrich Noethen, dem Sprecher dieser Hörbuchfassung gelingt es außerdem wunderbar, die einzelnen Personen sehr gut stimmlich herauszuarbeiten, was der Erzählung noch eine gewisse zusätzliche Würze gibt.
Ein wirklich gelungener Thriller, auch wenn er an einigen Stellen durchaus kleine Schwächen zeigte. Insgesamt wird aber ein klarer roter Faden durch eine solide aufgebaute Geschichte präsentiert, die einiges an Wendungen mit sich bringt, die der Leser so vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte. Mich konnte das Buch auf jeden Fall fesseln und ich kann es jedem der auf Thriller im Stile von Eschbach, Schätzing und Co steht nur wärmstens ans Herz legen.

Meine Wertung: 3 Sterne