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KZ Gedenkstätte Dachau [30.09.2009]

Saturday, October 3rd, 2009

Vor einigen Tagen beschlossen ich und ein Kollege, nach getaner Arbeit noch einmal einen kleinen Abstecher zu machen und die kleine Stadt Dachau nahe Münchens zu besuchen. Dabei ging es uns jedoch weniger um die Stadt selbst als um die dortige Gedenkstätte des ersten Konzentrationslagers, dass die Nazis auf deutschen Boden errichtet hatten. Für mich selbst war dies nach bei Weimar gelegenen KZ Buchenwald der zweite Besuch einer solchen Gedenkstätte gewesen.
Von der A8 aus erreichten wir den Ort, in dem die Anfahrt sehr gut ausgeschildert war. Nachdem wir unser Auto abgestellt hatten, machten wir uns auf den Fußweg zum Lager, das heute zwischen einem Industriegebiet und normalen Wohnhäusern quasi im Ort liegt. Am Eingangsbereich fanden wir ein niedriges, von unregelmäßig aufgestellten Holzbalken umfasstes Gebäude, das offensichtlich als Informationsstand für Besucher diente.

Infogebäude
Infogebäude im Eingangsbereich zum KZ Dachau

Leider war es bereits geschlossen – ein Schild verwies auf Offnungszeiten bis leider nur 17.00 Uhr.
Ein Stück ging es über einen Kiesweg durch einen kleinen Park weiter – vorbei an einem der Wachtürme der sich rechts zwischen den Bäumen erkennen ließ hin zum Torgebäude.

Wachturm Eingangsgebäude
Links: Wachturm – Rechts: Torgebäude des ehemaligen KZ Dachau

Direkt am Torebäude fanden sich auch die Reste von Eisenbahnschienen und einer Betonrampe – wohl kamen hier früher die Häftlinge an, bevor man sie im KZ internierte.

Rampe
Überreste des Ankunftbahnsteiges und der Schienen

Durch den Torweg kamen wir schließlich an das große Gittertor, in dem der heutzutage zynisch klingende Spruch “Arbeit macht frei” eingearbeitet war.

Arbeit macht frei Tor
“Arbeit macht frei” – das Tor zum KZ Dachau

Trotz später Stunde war das Tor unverschlossen und durch es hindurch betraten wir schließlich das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Vor uns lag der große Appellplatz, auf dem früher die Häftlinge zu tausenden allmorgendlich antreten mussten.

Appellplatz Tafel - Appellplatz
Gedenktafel

Rechts lagen die u-förmig angelegten ehemaligen Verwaltungsgebäude, in denen sich heute offensichtlich ein Museum befindet, links sahen wir den ehemaligen Barrackenbereich, wo allerdings nur noch die vordersten beiden Gebäude standen. Dahinter erstreckte sich eine große Freifläche mit den Grundmauern der übrigen Barracken – in der Mitte eine Allee.

Verwaltungsgebäude Barracken
Links: ehem. Verwaltungsgebäude (heute Museum) – Rechts: Baracken

Gebäude
Dachau – Kommandantur

Dachau at Dusk Dachau at Dusk II
Dachau at dusk

Im Hof, welche die Gebäude zur rechten Seite umfassten, befand sich offensichtlich eine Art Gedenkstätte. Als erstes fiel uns eine große Metalltafel auf, die neben dem rechten Gebäudeteil an einer niedrigen Mauer angebracht war und eine Inschrift in vier Sprachen enthielt. Dort hieß es: “Möge das Vorbild derer, die hier 1933 bis 1945 wegen Ihres Kampfes gegen den Nationalsozialismus ihr Leben ließen die Lebenden vereinen zum Verteidigen des Friedens und der Freiheit und in Ehrfurcht vor der Würde des Menschen”. Viel Pathos muss ich sagen, zumal ja nicht nur ausschließlich Widerstandskämpfer in solche Lager kamen, sondern auch Menschen die einfach nur anders waren und den damaligen Machthabern einfach nicht in ihr Weltbild passten“.

Gedenktafel

Nun wandten wir uns der Gedenkstätte im Innenhof zu. Eine Rampe führte in der Mitte des Hofes ein Stück nach unten auf eine Mauer zu. Darüber eine große, abstrakte Skulptur, welche wohl abgemagerte Häftlinge darstellte. Auf der Mauer prangten in metallenen Lettern die Jahreszahlen 1933 bis 1945, darunter ein Kranz. Am Beginn Rampe war eine Tafel mit einer lateinischen Inschrift in den Boden eingelassen – leider war das schützende Plexiglas darüber so verkratzt, dass man den Text kaum entziffern konnte.

Tafel
Gedenktafel am Rampenbeginn

Dachau
Gedenkstätte

Skulptur Kranz
Links: Skulptur – Rechts: Kranz

Rechts neben dem Kranz sahen wir außerdem ein kleines, bereits etwas vergilbtes Foto eines amerikanischen Soldaten, eine amerikanische Flagge und eine Rose. Dort hieß es “Co. D, 157th Inf. 45th Div. Dachau – April 29th, 1945 und weiter unten T/SGT Ralph W. Fink, Hershey, PA, USA”. Ich kann hier nur vermutungen anstellen, dass es sich hier um das Gedenken an einen amerikanischen Soldaten handelt, der während der Befreiung Dachaus gefallen ist.

45th Infantery Division
Foto, Flagge und Rose

Blickte man nun zurück, sah man links an der Mauer eine Sammlung von Symbolen in unterschiedlichen Farben angebracht. Ich fragte mich zuerst, worum es sich hier handelt, fand dann jedoch schnell heraus dass dies die Symbole waren, mit denen die Nazis damals die Häftlinge klassifiziert hatten.

Symbole
Mauer mit Symbolen


Kennzeichen für KZ-Häftlinge (Quelle: Wikipedia)

Als nächstes wandten wir uns nach Links, wo sich eine weitere Gedenktafel und eine kleine Metallbox befanden. “Nie wieder” hieß es dort in fünf Sprache. Die Metallbox schließlich entpuppte sich als Urne – sie enthielt die Asche des unbekannten KZ-Häftlings.

Nie wieder Never again
Nie wieder / Never again

Asche des unbekannten KZ Häftlings
Die Asche des unbekannten KZ-Häftlings

Tafel
Weitere mehrsprachige Gedenktafel

Gedenkbereich
Gedenkstätte von der Seite gesehen

Wir wandten uns weiter in Richtung der dem Torgebäude gegenüber liegende Begrenzung, an der in kleiner Wachturm in die Höhe ragte. Dahinter verlief offensichtlich eine Landstraße, auf der ständig Autos vorbei brausten – fand ich um ehrlich zu sein für eine Gedenkstätte etwas daneben. Hier hatten die Stadtplaner von Dachau (oder wer immer das verzapft hatte) wohl versagt. Blickte man zurück konnte man die untergehende Sonne hinter dem Torgebäude sehen.

Wachturm
Wachturm

Dusk at Dachau
Dusk over Dachau

Stacheldraht
Stacheldraht und Graben

Wir bewegten uns nun rechts an der vorderen Reihe stehen gebliebener Barracken vorbei in den hinteren Bereich des Lagers, wandten uns nach links und begaben uns schließlich zur Allee in der Mitte des Lagers. Durch die Fenster der (leider bereits verschlossenen) Barracken konnten wir die Holzkonstruktionen der Etagenbetten sehen, in denen damals die Häftlinge wohl nächtigen mussten.

Dachau
Zaun und Wachturm

Barracke
Barracken

Gebäude
Blick zurück auf die Gedenkstätt und die Verwaltungsgebäude

Zwischen den Bäumen der Allee hindurch – vorbei an der Grundmauern der übrigen Barracken, auf denen Steintafeln mit Nummern angebracht waren – machten wir uns auf den weg in den hinteren Bereich des Lagers, in dem wir weitere Gebäude erkennen konnten.

Barackengrundmauern 1
Grundmauern der Barracken

Informationstafel
Informationstafel

Wachturm
Wachturm

Wir bewegten uns nun auf ein turmartiges Gebilde aus roh behauenen Steinen zu. Schnell fanden wir heraus, dass es sich hier um die Todesangst Christi Kapelle handelte, eine wohl 1960 errichtete, katholische Andachtsstätte. Im Inneren des mit einem Metallgitter verschlossenen Turmes fanden sich ein riesiges, frei aufgehängtes Kreus und ein kleiner Betonaltar, auf dem einige Kerzen brannten. Über dem Eingang hing eine riesige Metallskulptur, die wohl die Dornenkrone von Jesus Christus darstellen sollte. Links von dem Turm sahen wir außerdem ein einfaches Gerüst, in dem eine Glocke aufgehangen war.

Todesangst Christi Kapelle
Todesangst Christi Kapelle

Glockengerüst
Glockengerüst

Dornenkrone
Dornenkrone

Schilder
Schilder

Kapelle
Kapelleninneres

Auf der Rückseite dieser turmartigen Kapelle entdeckten wir außerdem noch eine weitere Tafel in Form eines metallenen Christi, um den in vier Sprachen ein Bibelspruch angebracht war. Zu seinen Füßen lag ein kleiner Kranz, den wohl polnische Besucher hier abgelegt hatten.

Gedenken

Skulptur Polnischer Kranz

Hinter dem Turm schließlich erreichten wir einen weiteren Turm, hinter dem einige Gebäude lagen. Als wir näher kamen entdeckten wir, dass es sich hier offensichtlich um ein Nonnenkloster der Karmeliten handelte – das Karmel Heilig Blut Kloster. Wir entschieden uns dazu, es nicht zu betreten.

Kloster
Eingang zum Karmelitenkloster

Karmeliterinnenkloster Karmel Heilig Blut Dachau
Schilder

Viel mehr wandten wir uns weiter nach rechts, wo wir ein weiteren Gebäude sahen. Hierbei handelte es sich offensichtlich um eine jüdische Gedenkstätte wir spätestens dann feststellten, als wir die hebräische Inschrift und die Davidssterne am Gittertor entdeckten. Eine Tafel klärte die Besucher auf, dass wir uns an einem Mahnmal für die in Dachau getöteten Juden befanden.

Juedisches Mahnmal
Jüdisches Mahnmal

Inschrift Gittertor
Links: Inschrift – Rechts: Gittertor mit Davidssternen

Gedenktafel Innere des jüdischen Mahnmals
Links: Informationstafel – Rechts: Blick ins innere des Mahnmals

Zuletzt wandten wir uns nach links, wo sich ein weiterer, fast bunkerartiger Bau befand. Wie wir schnell herausfanden war dies eine evangelische Andachtsstätte, die auch bei näherer Betrachtung den Bunkereindruck nicht abstreifen konnte. Durch einen niedrigen Betongang erreichte man einen kleinen Innenhof mit einer Metalltafel, der eigentlichen Kapelle und einem kleinen Infobereich. Natürlich alles verschlossen.

Ev. Kapelle
Evangelische Kapelle

Eingang Metalltafel
Links: Eingangsbereich – Rechts: Metalltafel

Kapelle Infobereich
Links: Andachtsbereich – Rechts: Infobüro

Langsam wurde es nun auch dunkel, daher entschieden wir uns dazu, den Besuch an dieser Stelle zu beenden.

Allee
Allee in Dachau

Dadurch konnten wir zwar leider nicht mehr die Orthodoxe Kapelle und die Baracke X sowie das Krematorium besuchen. Mal schauen ob ich noch einmal Gelegenheit finde, hierher zurückzukehren – denn auch die Ausstellung würde mich durchaus interessieren. Doch auch dieser Kurzbesuch hatte uns einen interessanten Einblick gegeben – wer sich für Geschichte interessiert, sollte einen Besuch in Dachau nicht versäumen.

KZ Gedenkstätte Buchenwald [25.02.2007]

Monday, February 26th, 2007

Kurzentschlossen machten wir gestern einen Ausflug nach Buchenwald nahe Weimar, dem ehemaligen Konzentrationslager und jetziger Gedenkstätte.

Buchenwald

Ich muß dazu sagen, daß dies mein erster Besuch dort war – und ich bin doch etwas sprachlos. Daher lasse ich heute mal mehr die Bilder sprechen.

information center map of buchenwald
Links: Besucherzentrum – Rechts: Plan des Lagers

Wir hielten also in der Nähe des Besucherzentrums, wo wir uns kurz informierten, um uns dann auf einen Rundgang durch das ehemalige Lager zu machen.
Nach der ehemaligen Kaserne am Anfang erreichten wir über einen Weg das Torhaus mit seinem bekannten und berüchtigtem, zynischen Spruch: “Jedem das seine“.

Torhaus gate
Torgebäude des Lagers Buchenwald
"Jedem das seine"
“Jedem das seine” – Zynischer Spruch am Gatter des Torgebäudes

Hinter dem Torhaus beginnt das eigentliche ehemalige Hauptlager. Die Holzbarracken die hier standen wurden kurz nach dem Krieg aus Hygienegründen abgerissen – aber die so entstandene Freifläche gibt durchaus einen Eindruck von der vormaligen Größe des Lagers.

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Ehemaliges Barrackenlager – die Holzbarracken wurden aus Hygienegründen abgerissen.

Rechts des Torgebäudes ist auch noch einer der Wachtürme und ein Teil des Zaunes erhalten worden, der wohl ehemals des ganze Lager umgab.

fence and tower guardian tower

Ebenso ist noch das Krematorium erhalten – leider war es (wie alle anderen Gebäude und Ausstellungen auch) geschlossen – aber bei einem nächsten Besuch werde ich mir das ganze wohl auch mal von innen ansehen.

crematory crematory

Vor dem Krematorium sind ein Pfahl und ein Karren aufgestellt – das Schild davor besagen einfach “Pfahl und Karren – Straf- und Arbeitsmittel”. Erklärungen sind hier wohl auch nicht wirklich notwendig…

stake and cart

Geht man den Weg weiter nach unten, ist der Weg von Gedenksteinen und kurzen Stehlen flankiert, welche die Nummern Blöcke und der hier inhaftierten Menschen bezeichnet.

women camp memorial stone unbelievable
block 11 gedenkstein

Am unteren Ende des Lagers steht noch ein Gebäude – das sogenannte Kammergebäude, welches zur Einlagerung der wenigen Besitztümer der Häftlinge sowie der Häftlingskleidung diente. Davor lag früher die Wäscherei mit der sogenannten Goethe-Eiche, von der jetzt nur noch ein Stumpf übrig ist.

Kammergebäude Kammergebäude
Goethe Eiche Wäscherei

Vom Kammergebäude aus führt ein Weg durch ein kleines Waldstück zu jenem Teil des Lagers, welches nach dem zweiten Weltkrieg von den Sowjets genutzt wurde, um politisch unliebsame Personen, sowohl ehemalige Nazis als auch Unschuldige, zu inhaftieren und teilweise auch zu töten. Eine Teil der Geschichte von Buchenwald, der übrigens meines Kenntnisstandes nach während in der DDR totgeschwiegen wurde.

path of pales dark pale

In dem Wald unterhalb des Lagers wurden später mehrere hundert Massengräber gefunden. An jeder dieser Fundstellen wurden Alustehlen errichtet. Außerdem findet sich ein großes Holzkreuz als Gedenkstätte.

cross plate
303 stakes

Über einen weiteren kleinen Weg erreicht man einen Platz, auf dem mehrere Grabkreuze gelagert sind als Andenken für die hier im sowjetischen Speziallager ermordeten Menschen.

crosses spring and death

Über einen Weg seitlich des Kammergebäudes gelangten wir vorbei an einigen im Wald gelegenen Ruinen zur der sogenannten “Zeitschneise” – einem langen schnurgeraden Weg, der bereits im 1734 von den Weimaer Herzögen angelegt wurde. Ursprünglich handelte es sich um den Teil mehrerer sternförmig zum Schloß zu Ettersberg verlaufender Jagdschneisen. Besagte Zeitschneise wurde gem der Tafel erst 1997 wieder vollständig freigelegt. Wir gingen ein Stück hinein, entschlossen uns jedoch dem Weg nicht weiter zu folgen.

Zeitschneise Schild
Eingang Zeitschneise Zeitschneise

Schließlich gelangten wir wieder zurück auf Höhe des bereits oben erwähnten Wachturmes und des Krematoriums. Zynischerweise hatten die Wachmannschaften hier sogar einen kleinen Zoo errichtet – wir hatten lange gerätselt wobei es sich dabei handelt bis wir das Schild lasen.

barbwire of dark ages lamp of buchenwald
fence barbwire
Ex-Zoo

Von hier aus gingen wir zurück zum Auto und fuhren ein Stück zurück, um nun das Mahmal zu besuchen. Nach einem kurzen Stück Weg durch ein Wäldchen erreichten wir eine Treppe, welches durch einen Torbogen hindurch führte. Unterhalb des Torbogens fanden sich einige Reliefs und eine weitere Treppe, aber wir wandten uns erst einmal nach Links in Richtung des eigentlichen Mahnmals.

stairs relief
in memoriam

Das eigentliche Mahnmal besteht aus einem hohen Turm und einer davor aufgestellten Figurengruppe, welche das Andenken an den Aufstand kurz vor der Befreiung aufrecht erhalten soll.

Tower and Statues statues closeup

Vom Mahnmal aus führt eine weitere breite Treppe (mit großartigem Blick auf die Umgebung) herab zu einer Grube, deren Funktion oder Herkunft uns zu Beginn noch unklar war.

stairs down weimar
stairs the pit

Von der umrandeten Grube, die sich später als eines von mehreren eingefallenen Massengräber herausstellte, sahen wir einen Durchgang, der zu einem langem, von mit Feuerschalen gekrönten Steinblöcken gesäumten Weg führte.

alley alley closeup

Jede dieser Blöcke stand wie wir feststellten für eines der Herkunftsländer, aus denen die Opfer dieses Lagers hierher verschleppt worden waren. Daß die Architektur dieses Teil der Gedenkstätte ein wenig an jene der Urheber des Lagers erinnerte liegt wohl am damaligen Zeitgeist.

Block lined up

Alles in allem ein beeindruckendes Erlebnis – ich werde mich wohl noch ein weiteres mal dorthin begeben, um mir auch einmal die Ausstellungen anzusehen. Ein wirklich unglaubliches Zeitzeugnis einer dunklen Zeit.