Nur der Tod bringt Vergebung – Peter Tremayne (Schwester Fidelma ermittelt)

Mit Nur der Tod bringt Vergebung habe ich mir nun den ersten Teil aus der Romanreihe Schwester Fidelma ermittelt von Peter Tremayne zu Gemüte geführt. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der britische Historiker Peter Berresford Ellis, der nach einem Studium der Keltologie dem Journalismus und dem Schreiben von Büchern gewidmet. Neben seinen anderen Werken enstanden dabei auch seit 1994 die inzwischen 20 Bände um die irische Nonne Fidelma, die mit ihrem Spürsinn im siebten Jahrhundert nach Christus Kriminalfälle löst. Irgendwie fand ich die Idee auf Anhieb reizvoll. Da ich solche Bücher-Reihen, wenn möglich, immer chronologisch nach Erscheinungsdatum lese begann ich schließlich mit dem 1994 als erster Teil erschienenen Buch Nur der Tod bringt Vergebung meine literarische Reise in das frühchristlichen, keltisch-angelsächsischen Europa des 7. Jahrhunderts mit einer bei Audible erworbenen, ungekürzten Hörbuchversion dieses Werkes (Lauflänge: sieben Stunden und vierundvierzig Minuten). Gelesen wird dieses Hörbuch mal wieder von Sabine Swoboda, die ich ja schon aus der Reihe um Adelina Burka her kennen und schätzen gelernt hatte.
Die Protagonisten dieser Reihe ist wie gesagt die irische Nonne und Advokatin Fidelma von Kildare. Der Begriff Advokatin, also Anwältin, in Verbindung mit einer Frau im dem Europa des siebten Jahrhundert machte mich zu Beginn zwar etwas stutzig, aber in der alten irisch-keltischen Gesellschaft gab es wie man erfährt tatsächlich keine so strikte Geschlechtertrennung wie z.B. bei den Angelsachsen oder in den meisten Regionen auf dem europäischen Festland. So konnte jeder Gelehrte und jede Gelehrte zum sogenannten Anruth ausbilden lassen, womit er bzw. sie sowohl richterliche Funktionen ausführen konnte oder aber als Anwalt bzw. Anwältin agieren. Damit aber genug zu diesem Thema, ich will hier nicht über das damalige irische Rechtssystem, sondern von dem Roman berichten – wer mehr wissen will kann ja auch gerne zum Buch greifen. 😉 Kommen wir also zur Handlung: Wir schreiben das Jahr 664 nach Christus und die Vertreter der römisch-katholischen Kirche und der keltischen bzw. iroschottischen Kirche von Columban treffen zur Synode von Whitby zusammen um darüber zu beraten welche Auslegung der christlichen Lehre zukünftig im alten britischen Königreich von Northumbria (das liegt ungefähr zwischen Edinburgh von York) gültig sein soll. Mit der Delegation der Kirche von Columban reist auch Schwester Fidelma an die Ostküste der britischen Insel um dort beratend und als Übersetzerin an der Synode teilzunehmen. Als die dortige Äbtissin Étain von Kildare ermordet aufgefunden wird, werden Fidelma und der sächsische Bruder Eadulf damit beauftragt, die Umstände des Verbrechens zu untersuchen – man vermutet natürlich zuerst kirchenpolitische Hintergründe für die Tat. Doch bald wird ein Bettler, der den Tod der Äbtissin bereits vor der Tat vorhergesagt haben soll, als Tatverdächtiger verhaftet und der Fall scheint abgeschlossen – doch Fidelma lässt es sich nicht so einfach machen und ihr gelingt es den unschuldigen Mann zu entlasten, kann aber dennoch nicht verhindern dass zwei weitere Teilnehmer der Synode gewaltsam den Tod finden. Jetzt müssen die junge Nonne und ihr Partner Ergebnisse vorlegen, um schlimmeres zu verhindern…
In seinem Debütroman der Schwester Fidelma ermittelt Reihe gelingt es dem Autor wie ich finde auf unterhaltsame Weise, viele geschichtliche Fakten aus dem England und Irland des siebten Jahrhunderts mit einer spannenden und abwechslungsreichen Kriminalgeschichte zu verbinden. Man merkt deutlich, dass hier ein Historiker am Werk war, denn Peter Tremayne aka. Peter Berresford Ellis wirft in der Geschichte zwar mit vielen realen geschichtlichen Figuren und Fakten um sich, dennoch gelingt es ihm meiner Meinung nach die Geschichte nicht unausgewogen oder die eigentlichen Handlung nebensächlich werden zu lassen – auch wenn er häufig etwas an der Grenze kratzt und neigt zu sehr in historische Details zu verfallen. Die Protagonistin Fidelma selbst wird dabei als intelligente und selbstbewusste, aber auch etwas dickköpfige und zeitweilig leicht zur Arroganz neigende junge Frau dargestellt, die weiß sich trotz aller Widrigkeiten in der Männerwelt dieses Jahrhunderts durchzusetzen. Mit dem Sachsen Eadulf bekommt sie auch gleich im ersten Roman einen Partner zur Seite gestellt, dessen Intellekt sich trotz anfänglicher Anlaufschwierigkeiten gut mit dem ihrem ergänzt und die Beiden so zu einem überaus scharfsinnigen Detektiv-Team zusammenwachsen lässt. Ich bin zwar der Meinung, dass der Autor die irische Gesellschaft der damaligen Zeit etwas übertrieben positiv darstellt und diese versucht als ein ideales Gesellschaftsmodell der damaligen Zeit darzustellen, was soweit ich weiß wohl nicht ganz den Tatsachen entsprach – aber das tut dem insgesamt positiven Gesamteindruck der Geschichte letztlich keinen Abbruch. Ein gelungener Anfang einer historischen Krimireihe, die mir Lust auf mehr gemacht hat. Bald also mehr hier über Schwester Fidelma und ihre Abenteuer im frühchristlichen Europa im ersten Jahrtausend nach der Zeitenwende.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Frevel im Beinhaus – Petra Schier [Adelina Burka 4]

Nun habe ich mir nun auch noch Frevel im Beinhaus aus der Petra Schiers Romanreihe um die Kölner Apothekerin Adelina Burka zu Gemüte geführt – natürlich auch dieses Mal wieder in Hörbuchform und gesprochen von Sabine Swoboda. Nach Tod im Beginenhaus, Mord im Dirnenhaus und Verrat im Zunfthaus habe ich damit alle aktuell erschienenen Teile dieser Buchreihe konsumiert.
Mit ihrem Roman Frevel im Beinhaus versetzt die Autorin Petra Schier den Leser ein weiteres Mal ins Köln des 14ten Jahrhunderts. Die Macht der Gaffeln, also der Zünfte und Bürger scheint nach den Ereignissen des letzten Teiles endgültig gefestigt, zumal die meisten der Verantwortlichen Patrizier und ihre Handlanger inzwischen festgesetzt und teilweise hingerichtet wurden. Die Apothekermeisterin Adelina mit ihrem Mann Neklas, ihrem inzwischen dreijährigen Sohn Collin, ihrem zurückgebliebenen Bruder Vitus, ihrer Stieftochter Griet, dem Lehrmädchen und ihrem Gesinde sowie einem weiteren Familienmitglied im Entstehen begriffen – denn Adelina ist zur Zeit der Geschichte wieder schwanger – haben mit der Apotheke am Kölner Neumarkt und dem Job von Neklas als städtischer Medicus ein gutes auskommen. Als einige Einbrüche in Beinhäuser, bei denen Knochen und Schädel von Toten entwendet wurden, sind Stadtgespräch und empören die Bürger. Außerdem manifestieren sich Gerüchte dass die Kurfürsten, unter ihnen auch der für Köln zuständige Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden in Bonn, den in Prag residierenden König Wenzel absetzen wollen – doch das ist für die Kölner Bürger weit weg und scheint sie peripher zu tangieren. Und auch die Rückkehr des inzwischen zum Inquisitor ernannten Bruder Thomasius im Schlepptau des hohen Geistlichen Vater Emilianus nach Köln zurückkehrt, ist das für die junge Familie spätestens nach den Ereignissen des letzten Teils nicht sonderlich beunruhigend. Doch dann wird die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau, die Adelina erst kurz zuvor persönlich kennengelernt hatte in der Abortgrube des Hauses Burka entdeckt wird und mit ihr eine verzierte Messerscheide, die eindeutig Neklas Burka zugeordnet werden kann. Dass dadurch der Verdacht natürlich sofort auf ihn fällt ist verständlich, auch wenn sich die Verdachtsmomente zuerst nicht weiter erhärten lassen. Aber als jemand der bereits wegen unzulässigen medizinischen Experimenten in Konflikt mit der Inquisition geraten war, fällt es ihm natürlich schwer sich gänzlich rein zu waschen. Zumal sich die Anzeichen verdichten dass hier ein Teufel- oder Dämonenkult seine Hände im Spiel zu haben scheint. So wird Niklas vorerst unter Hausarrest gestellt und an der Bewachung ist natürlich auch Greverode, Hauptmann der Stadtwache, beteiligt, zu dem Adelinas Familie ja kein allzu gutes Verhältnis pflegt. Doch durch die erzwungene Nähe offenbaren sich nun auch andere, unbekannte Seiten des Hauptmanns. Obwohl Adelina natürlich, als Ehefrau eines Verdächtigen und außerdem Hochschwanger, nicht mit der Ermittlung zu den Geschehnissen zu tun haben sollte, kann sie es dennoch nicht lassen auch auf eigene Faust einige Nachforschungen anzustellen. Dabei gerät sie schließlich in Bereiche von Köln, die man nicht nur im übertragenen Sinne als Unterwelt der Stadt bezeichnen kann und auch in beträchtliche Gefahr.
Wie üblich gelingt es Petra Schier auch in diesem Teil ihrer Krimireihe um die Kölner Apothekerin Adelina einen interessanten Spannungsbogen aufzubauen und diesen auch bis kurz vor Ende zu halten. Dabei lässt sie den Leser bis kurz vor Ende des Buches absolut im dunkeln Tappen, wer denn nun der eigentlich Täter ist und in welchem Zusammenhang das Ganze zueinander steht. Dennoch ist die Aufklärung mal wieder absolut schlüssig, logisch und lässt keinerlei Fragen offen. Sehr schön finde ich auch immer bei diesen Büchern das Abschlusswort der Autorin, in der sie erläutert auf welchen realen geschichtlichen Ereignissen die Geschehnisse des aktuellen Buches basieren und ob und wo sie sich diesbezüglich kleine künstlerische Freiheiten erlaubt hat. Insgesamt möchte ich sogar sagen, dass was den Spannungsbogen angeht dies das beste der bisher gelesenen Buchreihe gewesen ist. Allerdings sollte man hier keinesfalls mitten drin anfangen, da zum Komplettverständnis der Handlungsweisen aller Personen auf jeden Fall die Kenntnis der vorgehenden Teile vonnöten ist.
Damit ist die Reihe aber noch nicht abgeschlossen, laut Webseite der Autorin soll im Mai 2013 mit Verschwörung im Zeughaus ein weiterer, fünfter Teil dieser Reihe erscheinen. Da freue ich mich auf jeden Fall schon drauf und hoffe, diesen bald auch hier besprechen zu können.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Die Feinde des Imperators [SPQR 13]

Mit Die Feinde des Imperators (engl. The year of confusion) habe ich nun auch das dreizehnte und aktuell letzte Buch der SPQR Reihe des amerikanischen Autors John Maddox Roberts gelesen und verschlungen. Mit 341 Seiten ist dieser Roman, der dieses Mal mit einem Glanzdruck-Cover auf dem Paperbackumschlag kommt, wohl der umfangreichste der bisher von mir konsumierten SPQR Reihe. Aus dramaturgischen Gründen, so gibt der Autor im Nachwort an, weicht die Geschichte hier zwar in einigen kleinen Details von den wirklichen Geschehnissen der Jahre 708 und 709 a.u.c (46 und 45 vor Christus) ab, aber darüber kann man meiner Meinung nach hinweg sehen.
Julius Cäsar hat nach seinem Kriegszug gegen die Gallier und dem Sieg über seine Gegner als Diktator in Rom die Macht an sich gerissen. Eines seiner großen Projekte die gleich zu Beginn in Angriff genommen werden ist eine Reform des römischen Kalenders. Dazu hat sich Cäsar einige Astronomen und Astrologen aus allen Teilen der damaligen Welt nach Rom geholt. Unser Protagonist Decius Caecilius Metellus hat nicht nur die Aufgabe, die eher ungeliebte Kalenderreform dem normalen römischen Volke nahe zu bringen, sondern ganz in guter alter SPQR Tradition überschattet auch hier ein Mord die Geschehnisse. Wie gewohnt übernimmt Decius – im offiziellen Auftrag des Diktators, denn der Tote ist einer der ausländischen Astrologen – auch hier wieder die Ermittlungen. Begleitet von Hermes, seinem inzwischen freigelassenen ehemaligen Haussklaven, begibt sich der Senator quer durch das antike Rom auf die Suche nach dem Mörder. Und Cäsar ist nicht gerade geduldig – und als noch ein zweiter Wissenschaftler Tod aufgefunden wird, steht Decius unter starkem Druck nicht von Seiten des Diktators.
Wie ich schnell feststellte dient die große Julianische Kalenderreform hier nur als initialer Aufhänger für einen recht verworrenen Kriminalfall, spielt aber in der weiteren Handlung eigentlich keine Rolle mehr. Maddox nutzt den Roman aus sehr stark, um einen Querschnitt der Meinung sowohl der römischen Oberschicht als auch des normalen Volkes über den frisch ernannten Diktator Cäsar darzustellen und Gründe aufzuzeigen warum es später zu seiner Ermordung kommen konnte. Der Aufklärung der Morde erscheint dabei manchmal etwas zu einer Rahmenhandlung degradiert zu werden und die Lösung erscheint letztlich auch etwas an den Haaren herbei gezogen. Doch die amüsante Schreibweise und die Verknüpfung mit reichlich historischen Figuren und Ereignissen und das Eintauchen in die Lebenswelt der alten Römer retten die Geschichte letztlich doch noch. Nur was das ganze mit Feinden des Imperator zu tun hatte erschloss sich mir nicht ganz – da war der englische Titel The year of confusion, was einen direkten geschichtlichen Bezug zu dieser Zeitperiode hat (sh. hier) und vom Autor auch direkt im Text erwähnt besser gewesen. Aber bei den deutschen Versionen englischer Titel (sowohl Bücher als auch Filme) frage ich mich sowieso häufig was sich die Übersetzenden dabei gedacht haben. Mit Sicherheit nicht der beste Roman aus der SPQR-Reihe, aber für Decius-Fans natürlich ein absolutes Muss.
Damit habe ich alle aktuell auf Deutsch erschienen Bände der SPQR-Reihe gelesen. Gerüchten zu Folge soll Roberts zwar an einem weiteren Roman schreiben, der angeblich direkt nach Cäsars Ermordung spielen soll. Außerdem gibt es gemäß der entsprechenden Eintrages englischen Wikipedia auch noch einige Kurzgeschichten. Ich würde mich jedenfalls riesige freuen, wenn die Serie baldmöglichst fortgesetzt wird – ich werde in nächster Zeit aber wohl erst einmal mit meinem Decius-Entzug leben müssen…

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Orakel des Todes [SPQR 12]

Eigentlich schon Anfang dieser Woche hatte ich nun auch den zwölften Teil der SPQR Reihe von John Maddox Roberts abgeschlossen, doch finde ich erst heute Muse, dazu hier wie auch für alle Vorgängerteile eine kurzes Review zu verfassen. Das mit 311 Seiten mal wieder recht umfangreiche Buch um den antiken römischen Sherlock Holmes (oder auch Hercule Poirot – er hat glaube ich von beiden Charakteren etwas) mit Namen Decius Caecilius Metellus ist Zeitlich direkt an seinen Vorgängerroman Mord am Vesuv angekoppelt. Decius ist noch immer im schönen Campania oder um genauer zu sein am Golf von Neapel in seiner Rolle als Praetor peregrinus unterwegs. Eigentlich sollte der Abstecher nach Baiae nur ein kleiner Ausflug werden, um dort das berühmte “Orakel der Toten” und den Apollotempel zu besuchen. Doch als während eines Besuches dieses Orakels plötzlich die Leiche eines ermordeten Apollopriesters auftaucht und wenig später noch mehr Leichen gefunden werden, entwickelt sich das ganze zu einem ausgewachsenen und komplexen Kriminalfall, bei dem die Anzahl der Ermordeten stetig steigt und mehr als einmal das Leben von Decius auch direkt in Gefahr ist.
Die ganze Geschichte spielt dabei im Jahre 49 vor Christus und Cäsar ist kurz davor den Rubikon zu überschreiten, während sein Gegenspieler Gnaeus Pompeius Magnus ebenfalls mit Vorbereitungen für die anstehende Auseinandersetzung beschäftigt ist. Auch wenn der Kriminalfall nichts mit diesen Ereignissen zu tun hat, gelingt es Roberts auch hier mal wieder wunderbar, diese geschichtlichen Ereignisse in den Erzählfluss einzubauen, sei es nun durch die Bemerkungen von Decius und seinen Zeitgenossen zu den aktuellen politischen Geschehnissen oder auch durch kleine Episoden am Rande der Hauptgeschichte. Die Haupterzählung ist dabei dieses Mal über die Maßen verworren gestrickt und es ist bis kurz vor Schluß unklar, wer alles involviert ist. Auch wenn ich alle vorhergehenden Teile schon als ausgezeichnet bewertet hatte, muss ich zugeben dass dieses Buch die vorhergehenden fast noch etwas übertrifft. Auch hier kann ich wieder nur vorbehaltlos meine Empfehlung aussprechen – ein absolutes Must-Read für den Fan historischer Romane.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Mord am Vesuv [SPQR 11]

Mit Mord am Vesuv habe ich nun auch den elften Teil der SPQR Reihe von John Maddox Roberts abschließen können. Auch wenn ich es kaum erwarten konnte das nächste Abenteuer des Römers Decius Caecilius Metellus zu verschlingen, habe ich dieses Mal etwas länger als sonst gebraucht das mit 312 Seiten dieses Mal etwas weniger umfangreich als seine Vorgänger geratene Buch zu verkonsumieren.
Wir schreiben das Jahr 704 a. u. c. bzw. 50 v. Chr. Decius ist trotz der Vorwürfe mit denen er im letzten Buch zu kämpfen hatte inzwischen zum Praetor pereginus gewählt worden und somit vom Senat dazu ermächtigt, Gerichtsfälle in die Nicht-Römer verwickelt sind zu verhandeln und Urteile zu fällen. Der erste Posten in seinem Weg durch den cursus honorum, der ihn mit wirklicher Macht ausstattet. und ihm die Möglichkeit gibt, mit dem inzwischen freigelassenen Hermes im Gefolge und begleitet von seiner Frau Julia durch Italien zu reisen. In Kampanien gelangt er so auch nach Baiae nahe Pompeji, einem römischen Badeort in dem viele reiche Römer eigene Residenzen unterhalten. Freundlicherweise stellt ihm sein Freund Quintus Hortensius Hortalus ihm seine dortige Sommerresidenz zu Verfügung und der Praetor genießt das süße und dekadenzte Leben der römischen Oberschicht. Doch die Ruhe und den Frieden die er dort gefunden zu haben scheint dauert nicht lange an, denn schon bald wird zum Mord an einer schönen griechischen Priestertochter hinzu gerufen – und der Täter scheint schnell fest zu stehen. Sofort fällt der Verdacht nämlich auf den Sohn des reichen Sklavenhändler Gaeto. Die Reichen und Mächtigen drängen Decius dazu, sein Urteil schnell zu fällen und ihn zum Tode zu verurteilen – doch dem Praetor kommen schnell Zweifel an der Schuld des jungen Numiders. Als wenig später auch Gaeto ermordet wird, wird Decius schnell klar dass hinter der schönen Kulisse der kampanischen Kleinstadt sich weitaus mehr abspielt, als es sich nach Außen zu offenbaren scheint. Und ihm bleibt nicht viel Zeit um den Fall aufzuklären.
Diese inzwischen elfte Geschichte um den inzwischen langsam älter werdenden Decius Caecilius Metellus erwies sich wieder spannend und amüsant bis zuletzt. Dieses Mal war der Roman zwar bei weitem nicht mit so vielen geschichtlichen Details gespickt wie seine Vorgänger, dennoch gibt auch dieses Buch wieder einen interessanten Einblick in das Leben im Römischen Reich zum Ende der alten Republik. Es werden Gelage gefeiert, getrunken und das süße Leben der Reichen genossen – und als Praetor ist Decius dieses Mal noch mehr mittendrin als in den Vorgängergeschichten. Dazu kommen natürlich wieder einige Intrigen und Geheimnisse – auch wenn dieses mal die eigentliche römische Politik keine große Rolle spielt, sondern der eigentliche Kriminalfall wirklich im Focus der Geschichte steht. Sehr schön fand ich wieder die immer leicht vorhandene Hochnäsigkeit der Römer, die sich den anderen Völkern überlegen scheinen und bei allem versuchen ihre gravitas zu wahren. Das wie immer geschichtlich gut recherchierte Buch gibt auf jeden Fall wieder einen tiefen Einblick in die Denkweise und Lebensart der damaligen Bewohner Italiens. Die eigentliche Lösung des Falles geschieht – wie auch bei den meisten der anderen Geschichten um Decius – auf den letzten 10-15 Seiten – aber dennoch erwies sich auch dieser elfte Roman der SPQR-Reihe als gute Wahl. Bin gar nicht sicher ob das bei regulären Krimis nicht auch so gehandhabt wird. Auf jeden Fall war auch dieses Buch mal wieder spannende Unterhaltung wie ich sie nun mal mag.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen