Posts Tagged ‘literatur’

Ausgebrannt – Andreas Eschbach

Monday, November 1st, 2010

Nach Das Jesus Video habe ich vor kurzem das zweite Buch des deutschen Autors Andreas Eschbach abgeschlossen – dieses Mal wieder in Audioform und erworben wie immer bei meinem Audiodealer Audible. Mit neueinhalb Stunden Laufzeit eher Mittelmaß, aber die Zeit hat sich für mich auf jeden Fall mehr als gelohnt.
Zentrale Figur des Buches ist Markus Westermann, der in die USA reist um dort in einer Softwarefirma zu arbeiten. Doch dieser Job soll ihm nur als Sprungbrett dienen, denn sein Ziel ist es, den amerikanischen Traum zu erleben und sich dort sozusagen vom einfachen Angestellten zum Millionär hochzuarbeiten. Doch seine Pläne verlaufen zuerst alles andere als erfolgreich und er ist kurz davor nach Deutschland zurückkehren zu müssen. Doch dann trifft eher zufällig er auf den Österreicher Karl Walter Block, der von sich behauptet dort Öl finden zu können wo andere keines finden. Nachdem die ersten Versuche erfolgreich verlaufen und Investoren auf die Idee aufmerksam werden, scheint sich Markus Traum doch zu erfüllen und seinem Weg zum reichen Mann scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Vor allem als er auch noch die Frau seiner Träume zu treffen scheint und sich in sie verliebt. Doch während einer Explorationsbohrung in Saudi Arabien verschwindet Block und wenig später versiegt auch noch das größte Ölfeld der Saudis. Die Amerikaner sehen sich gezwungen militärisch einzugreifen und die verbleibenden Ressourcen zu sichern, was natürlich fundamentalistische Kräfte auf der arabischen Halbinsel auf den Plan ruft. Die Welt wie wir sie heute kennen scheint aus den Fugen zu geraten und Unruhen breiten aus. Markus Westermann versucht mit Hilfe der Notizen, die Block vor seinem Verschwinden sicher versteckt hatte, dessen Methode zu rekonstruieren und das Ruder noch einmal herum zu reißen und sowohl die Welt als auch seinen Traum zu retten.
Am Anfang schleppte sich wie ich fand die Geschichte etwas hin, doch spätestens nachdem Markus Westermann und Karl Block sich getroffen haben nimmt die Erzählung deutlich an Fahrt auf und entwickelt sich zu einem rasanten Politthriller, dessen Prognosen gar nicht mal so aus der Luft gegriffen scheinen, sondern durchaus in nicht allzu ferner Zukunft Realität werden könnten. Sehr gut gefiel mir, dass Eschbach von Anfang an gleich mehrere parallele Handlungsstränge aufbaut, welche die Entwicklung aus verschiedenen Perspektiven erzählen. So wird die Geschichte nicht nur aus Sicht von Markus Westermann erzählt, sondern auch aus der Perspektive eines deutschen Ehepaars, eines saudischen Prinzen, eines US-amerikanischen CIA-Mannes und weiterer Personen, wobei sich die Wege der einzelnen Handelnden nur teilweise überschneiden und miteinander verwirkt sind. Zusätzlich nutzt Andreas Eschbach in der ersten Hälfte des Buches mehrere zeitliche Rückblicke, um die Zusammenhänge besser zu erklären und dem Leser zu zeigen wie es zu der Situation in der die Welt schließlich gerät überhaupt kommen konnte. Dadurch zeigt sich dem Leser, in welcher engen und vielleicht aus bürgerlicher Sicht gar nicht in vollem Umfang ersichtlichen Abhängigkeit sich die Menschheit heute zum Öl befindet und was es bedeuten würde, wenn diese Ressource zur Neige geht – ein Szenario dass sich ja schon seit längerem am Horizont abzeichnet.
An einigen Stellen, dass muss ich zugeben, scheinen die zufälligen Begegnungen etwas zu unwahrscheinlich und einige Episoden wie zum Beispiel Markus Aufenthalt bei der religiösen Gemeinschaft in Bare Hands Creek erscheinen eher Füllmaterial um die Geschichte in die Länge zu strecken, da sie nichts sonderlich zur Haupthandlung beitragen – aber das tut der ansonsten gelungenen Geschichte keinerlei Abbruch. Ulrich Noethen, dem Sprecher dieser Hörbuchfassung gelingt es außerdem wunderbar, die einzelnen Personen sehr gut stimmlich herauszuarbeiten, was der Erzählung noch eine gewisse zusätzliche Würze gibt.
Ein wirklich gelungener Thriller, auch wenn er an einigen Stellen durchaus kleine Schwächen zeigte. Insgesamt wird aber ein klarer roter Faden durch eine solide aufgebaute Geschichte präsentiert, die einiges an Wendungen mit sich bringt, die der Leser so vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte. Mich konnte das Buch auf jeden Fall fesseln und ich kann es jedem der auf Thriller im Stile von Eschbach, Schätzing und Co steht nur wärmstens ans Herz legen.

Meine Wertung: 3 Sterne

Mord auf der Via Appia / Die Frau des Senators – Hans Dieter Stöver

Saturday, October 23rd, 2010

Einer Amazon Buchempfehlung folgend erwarb ich vor kurzem Mord an der Via Appia und Die Frau des Senators des deutschen Autors Hans Dieter Stöver in einem Hardcover-Doppelband. Die beide im Jahre 1982 erschienen Romane sind die ersten der C.V.T. – im Dienste der Caesaren Reihe dieses Autors, der darin – acht Jahre bevor der erste Band der von mir so geschätzten und komplett verschlungenen SPQR-Reihe veröffentlicht wurde – die Idee eines Kriminalfälle lösenden Römers aufgreift und in literarische Formen gießt. Nicht zu verwechseln ist dieses dieses Buch jedoch mit einem Werk von Steven Saylor, dessen Werke ich leider bisher noch nicht verkonsumieren konnte. Zentrale Figur dieser Reihe ist Gaius Volcacius Tullus, der als fiktiver Sohn des realen römischen Politiker Lucius Volcacius Tullus aus dem römischen Patriziergeschlechts der Volcatier geführt wird. Sehr Lobenswert fand ich die Erläuterung so ziemlich aller antiken Begriffe in einem Umfangreichen Glossar am Ende des Buches, das auch mit Landkarten und Schemazeichnungen von römischen Bauten aufwartet – doch durch meine Vorkenntnisse aus früheren Romanen aus dieser Zeit war mir der größte Teil der Begriffe schon geläufig.
Im ersten Band dieses Doppelbandes geht es letztlich gar nicht um einen Mord, sondern um die Aufklärung einer Entführung von zwei Kindern durch Piraten. Gespickt mit vielen geschichtlichen Details und Involvierung der für diese Epoche gegen Ende der alten römischen Republik gängigen Persönlichkeiten wie Cäsar, Cicero, Clodius, Milo oder Clodia gelingt es Stöver eine sehr dichte Atmosphäre aufzubauen und dem Leser einen tiefen und detaillierten Einblick das Leben im Rom dieser Zeit. Der Protagonist Gaius erholt sich gerade in Rom von einer Verletzung, die er sich in Cäsars Gallienfeldzug zugezogen hat, als der Sohn eines Senators und dessen Freund von Piraten entführt werden. Gaius, unterstützt von seinem Haussklaven und Vertrauten Alexander, übernimmt die Ermittlungen in diesem Fall und merkt schon spätestens als er knapp einem Giftmord entgeht, dass hinter der Geschichte weitaus mehr als nur die Erpressung von Lösegeld zu stecken scheint.
Der zweite Band spielt größtenteils in Gallien, wo Gaius unter Cäsar gegen die Aufständischen Völker unter dem Avernerfürst Vercingetorix kämpft. Stöver lässt den Leser hier die Stationen des 7. Buches der Bellum Gallicum, verpackt in die Ermittlungen um einen als Unfall getarnten Mord an einem jungen römischen Offizier, erleben. Die Schlachten von Avaricum und Gergovia werden beschrieben und Gaius Volcatius Tullus und sein Sidekick Alexander geraten schließlich sogar in Gefangenschaft der Gallier, wo sie auf den Feldherren der Gegenseite treffen. Dabei gelingt es dem Autor sehr gut, ein Bild des Lebens im antiken Gallien zu zeichnen und nicht nur die Seite der Römer, sondern auch die Gedanken und Beweggründe der Gallier und ihrer Heerführer aufzuzeigen. Doch Gaius und Alexander können fliehen und die Geschichte führt kommt in der bekannten Schlacht um Alesia zum Höhepunkt. Wie geschichtlich bekannt wird Vercingetorix hier durch lange Belagerung und nach einem erfolglosen Ausfall geschlagen und ergibt sich den Truppen Cäsars. Ganz nebenher wird schließlich auch der Mord aufgeklärt – aber meiner Meinung nach war die Intention des Autors viel mehr die Darstellung des Aufstandes in Gallien als der eigentliche Kriminalfall gewesen.
Für Geschichtsinteressierte eine wirklich interessante und spannende Buchreihe, die ich wohl ebenfalls weiter verfolgen werde. Was ich etwas vermisste war der sarkastische Humor wie ihn Decius Caecilius Metellus in der SPQR Reihe teilweise an den Tag gelegt hat. Aber das mindert die Qualität dieses Doppelbandes absolut nicht. Bin schon sehr gespannt auf weitere Abenteuer des Gaius Volcatius Tullus.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Thilo Bode – Die Essensfälscher – ein Buchreview

Saturday, September 18th, 2010

Die EssensfaelscherGestern Abend im Zug schloss ich meine aktuelles Buch ab. Nach all den Büchern über Römer war mir mal wieder nach einem Sachbuch und da kam mir vor Die Essensfälscher des deutschen Umweltschützers und Gründer der Organisation Foodwatch Thilo Bode gerade recht. Mir war ja schon immer bewusst gewesen dass die Nahrungsmittelhersteller viel tricksen und – um es vorsichtig auszudrücken – die Gesetze rund um die Herstellung von Lebensmitteln sehr großzügig auslegen. Doch ich hatte vor dem Lesen dieses Buches keine Ahnung welche Ausmaße das ganze nicht nur hier in Deutschland inzwischen angenommen hat. In 8 Kapiteln auf 204 Seiten öffnet der Autor dem Leser die Augen über den umfangreichen Lug und Trug, den die Lebensmittelproduzenten mit ihren Kunden treiben. Wer hat nicht schon vor Produkten gestanden, die mit “verbesserter Rezeptur”, “aus traditioneller Herstellung” oder “nach Omas Rezept” werben. Wer glaubt hier – wohlgemerkt zu meist deutlich erhöhten Preisen – zu einem Produkt zu greifen das sich wirklich qualitativ oder in seiner Zusammensetzung von herkömmlichen abhebt, dem sei gesagt dass er sein Geld mit höchster Wahrscheinlichkeit zum Fenster herauswirft. Die gesetzlichen Bestimmungen die eigentlich zum Schutz des Verbrauchers und einer Versorgung mit zumindest einem gewissen Mindeststandard entsprechenden Lebensmitteln werden dank umfangreicher Lobbyarbeit mit großem finanziellen Background in den meisten Fällen so weitläufig ausgelegt, dass man dem was man auf einer Verpackung liest leider nicht trauen kann. Denn wie in allen gewinnträchtigen Industriezweigen steht nicht etwa das Wohl des Verbrauchers im Vordergrund, sondern das erzielen von Gewinnen und der Wachstum des Umsatzes. Und bei einem so übersättigten Umfeld wie dem Nahrungsmittelmarkt fällt das natürlich immer schwerer. Da werden den Produkten unnötigerweise Vitamine und Mineralien beigemischt, die der Körper in dieser Form gar nicht aufnehmen und verarbeiten kann, nur um sie gesünder erscheinen zu lassen. Da werden Produkte mit einer “verbesserten Rezeptur” versehen, sind aus “traditioneller Herkunft” oder “nach Omas Rezept” – doch wer glaubt hier wirklich zu einem Produkt zu greifen das besser als sein Vorgänger ist oder nach altgedienten Rezepturen hergestellt wird, dem öffnet dieses Buch die Augen und zeigt auf wie die Hersteller auch hier tricksen und den Verbraucher hinters Licht führen. Und selbst an dem in den letzten zehn Jahren so populär gewordenen Bio-Produkten lässt Thilo Bode keine gute Feder. Nicht alles wird schlecht gemacht oder zerrissen, viel mehr regt dieses Buch den Leser dazu an sich kritisch mit den Versprechen und Anpreisungen der Firmen auseinanderzusetzen, die immer neue und mit vermeintlichen Zusatznutzen versehenen Lebensmitteln auf den Markt werfen. Man sollte als Verbraucher keinesfalls alles glauben was dort auf Verpackungen und in der Werbung den Lebensmitteln angedichtet werden.
In diesem Zusammenhang sei natürlich auch die von foodwatch betriebene Webseite abgespeist.de empfohlen, die sich mit diesem Thema beschäftigt und Produkte an den Pranger stellt, denen die Hersteller gar nicht existierende Eigenschaften und ähnliches andichten. Mir jedenfalls hat dieses Buch Augen geöffnet und wird mich beim Einkaufen in Zukunft noch weniger dem Glauben zu schenken, was die Werbestrategen auf die Verpackung drucken lassen. Denn leider ist von Seiten der Gesetzgebung weder hier in Deutschland noch auf europäischer Ebene wohl in nächster Zeit nicht damit zu rechnen, dass es klarere und schärfere Bestimmungen geben wird – dazu ist die Lobby der Hersteller zu stark und die dahinter liegenden finanziellen Mittel zu umfangreich. Dass Regierungen und gesetzgebende Staatsorgane eher der Industrie und ihren Lobbyisten als den Bürgern die sie gewählt haben zu Diensten sind, ist ja leider nicht nur im Bereich den Nahrungsmittellobby zu beobachten.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Die Feinde des Imperators [SPQR 13]

Sunday, September 12th, 2010

Mit Die Feinde des Imperators (engl. The year of confusion) habe ich nun auch das dreizehnte und aktuell letzte Buch der SPQR Reihe des amerikanischen Autors John Maddox Roberts gelesen und verschlungen. Mit 341 Seiten ist dieser Roman, der dieses Mal mit einem Glanzdruck-Cover auf dem Paperbackumschlag kommt, wohl der umfangreichste der bisher von mir konsumierten SPQR Reihe. Aus dramaturgischen Gründen, so gibt der Autor im Nachwort an, weicht die Geschichte hier zwar in einigen kleinen Details von den wirklichen Geschehnissen der Jahre 708 und 709 a.u.c (46 und 45 vor Christus) ab, aber darüber kann man meiner Meinung nach hinweg sehen.
Julius Cäsar hat nach seinem Kriegszug gegen die Gallier und dem Sieg über seine Gegner als Diktator in Rom die Macht an sich gerissen. Eines seiner großen Projekte die gleich zu Beginn in Angriff genommen werden ist eine Reform des römischen Kalenders. Dazu hat sich Cäsar einige Astronomen und Astrologen aus allen Teilen der damaligen Welt nach Rom geholt. Unser Protagonist Decius Caecilius Metellus hat nicht nur die Aufgabe, die eher ungeliebte Kalenderreform dem normalen römischen Volke nahe zu bringen, sondern ganz in guter alter SPQR Tradition überschattet auch hier ein Mord die Geschehnisse. Wie gewohnt übernimmt Decius – im offiziellen Auftrag des Diktators, denn der Tote ist einer der ausländischen Astrologen – auch hier wieder die Ermittlungen. Begleitet von Hermes, seinem inzwischen freigelassenen ehemaligen Haussklaven, begibt sich der Senator quer durch das antike Rom auf die Suche nach dem Mörder. Und Cäsar ist nicht gerade geduldig – und als noch ein zweiter Wissenschaftler Tod aufgefunden wird, steht Decius unter starkem Druck nicht von Seiten des Diktators.
Wie ich schnell feststellte dient die große Julianische Kalenderreform hier nur als initialer Aufhänger für einen recht verworrenen Kriminalfall, spielt aber in der weiteren Handlung eigentlich keine Rolle mehr. Maddox nutzt den Roman aus sehr stark, um einen Querschnitt der Meinung sowohl der römischen Oberschicht als auch des normalen Volkes über den frisch ernannten Diktator Cäsar darzustellen und Gründe aufzuzeigen warum es später zu seiner Ermordung kommen konnte. Der Aufklärung der Morde erscheint dabei manchmal etwas zu einer Rahmenhandlung degradiert zu werden und die Lösung erscheint letztlich auch etwas an den Haaren herbei gezogen. Doch die amüsante Schreibweise und die Verknüpfung mit reichlich historischen Figuren und Ereignissen und das Eintauchen in die Lebenswelt der alten Römer retten die Geschichte letztlich doch noch. Nur was das ganze mit Feinden des Imperator zu tun hatte erschloss sich mir nicht ganz – da war der englische Titel The year of confusion, was einen direkten geschichtlichen Bezug zu dieser Zeitperiode hat (sh. hier) und vom Autor auch direkt im Text erwähnt besser gewesen. Aber bei den deutschen Versionen englischer Titel (sowohl Bücher als auch Filme) frage ich mich sowieso häufig was sich die Übersetzenden dabei gedacht haben. Mit Sicherheit nicht der beste Roman aus der SPQR-Reihe, aber für Decius-Fans natürlich ein absolutes Muss.
Damit habe ich alle aktuell auf Deutsch erschienen Bände der SPQR-Reihe gelesen. Gerüchten zu Folge soll Roberts zwar an einem weiteren Roman schreiben, der angeblich direkt nach Cäsars Ermordung spielen soll. Außerdem gibt es gemäß der entsprechenden Eintrages englischen Wikipedia auch noch einige Kurzgeschichten. Ich würde mich jedenfalls riesige freuen, wenn die Serie baldmöglichst fortgesetzt wird – ich werde in nächster Zeit aber wohl erst einmal mit meinem Decius-Entzug leben müssen…

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Sharpes Feuerprobe – Bernard Cornwell

Sunday, September 5th, 2010

Mit Sharpes Feuerprobe (engl. Sharpe’s Tiger) habe ich mein erstes Werk des britischen Schriftstellers Bernard Cornwell verschlungen. Das fast elf Stunden lange Hörbuch, das ich wie meist bei Audible.de erworben hatte und von Torsten Michaelis gesprochen wird, führt den Leser in den Süden Indiens des Jahres 1799, wo die britischen Truppen unter dem Kommando von Oberst Wellington Krieg gegen Tipu Sultan führen und auf die Festung Shrirangapattana marschieren. Richard Sharpe, der Protagonist des Werkes, ist einfacher britischer Soldat – jung, unterbezahlt und ungebildet. Nicht gerade gute Voraussetzungen für einen Helden – gerade weil er auch weder bei seinem direkten Vorgesetzten, den hinterhältigen und brutalen Seargent Hakeswille, noch bei seinem Kompaniechef zu den bevorzugten Soldaten gehört. Als Hakeswille ihm auch noch kurz nach Beginn des Feldzuges eine Falle stellt und er hart bestraft werden soll, scheint sein Schicksal besiegelt. Doch er kann dieser Bestrafung entkommen, indem er sich als Spion und scheinbarer Deserteur in die Festungsstadt Shrirangapattana einschleusen lässt und dort die Verteidigung ausspionieren soll. Begleitet von dem etwas blauäugigen Leutnant Lawford macht er sich auf den Weg in die Festung Tipu Sultans.
Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass dieser Roman nichts für feine Gemüter ist, denn Cornwell nimmt was die Brutalität des Krieges angeht wirklich kein Blatt vor den Mund. Da werden Männer bis auf die Knochen ausgepeitscht, von Kanonenkugeln zerfetzt oder mit dem Bajonett erstochen. Die historischen Gegebenheiten erwiesen sich wie ich nach kurzer Einarbeitung in die Thematik der britischen Kriege in Indien als sehr gut recherchiert – was aus meiner Sicht die erste und wichtigste Voraussetzung für jeden historischen Roman ist. Richard Sharpe mit seiner Bauernschläue, aber auch seiner Rücksichtslosigkeit und Brutalität wo es nötig ist wird dem Leser je weiter die Geschichte fortschreitet immer sympathischer. Ich erwähne dass, weil ich ehrlich zugeben musste dass ich nach dem ersten Kapitel etwas Schwierigkeiten hatte, mich mit dem Mann zu identifizieren – denn im Gegensatz zu vielen anderen Werken dieses Genre wird Sharpe hier als durchaus vielschichtige Persönlichkeit mit sowohl guten als auch schlechten Seiten gezeigt. Aber gerade nachdem er dem Drill und den Einschränkungen seiner Kompanie entkommen konnte, zeigt er seine wahren Fähigkeiten. Am sehr positiven Eindruck, den dieses Hörbuch bei mir hinterlassen hat, hängt aber auch mit dem Sprecher Torsten Michaelis zusammen. Ihm gelingt es wunderbar, jedem der einzelnen Charaktere eine wunderbare Nuancierung zu verleihen – auch wenn er am Anfang meiner Meinung nach etwas zu viel Pathos in einige Aussagen steckte. Das ganze hat mir auf jeden Fall Appetit auf mehr Abenteuer von Richard Sharpe gemacht – und Bernard Cornwell hat mit insgesamt 24 Romanen, drei davon spielen in Indien und die restlichen einundzwanzig während der Napoleonischen Kriege in Europa, für viel Lesestoff gesorgt. Leider scheinen erst drei Romane in Audioform erschienen zu sein, doch so etwas hat mich ja auch bei den SPQR-Romanen nicht davon abhalten auch die restlichen Bände zu verschlingen. 😉 Abschließend sei noch anzumerken, dass es sich bei dem 1997 erschienen Sharpes Feuerprobe zwar um den chronologisch ersten Roman der Sharpe-Reihe handelt, Cornwell aber andere Bücher dieser Reihe seit 1981 früher erschienen sind. Mehr dazu gibt diese Übersicht bei Wikipedia. Ich neige aktuell dazu die Romane in chronologischer anstatt in erscheinungstechnischer Reihenfolge zu lesen, das erscheint mir sinnvoller.
Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Abenteuer von Richard Sharpe, das bereits in Audioform auf meinem iPhone bereit liegt.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Kaiserkrieger – Die Ankunft (Dirk van den Boom)

Monday, August 30th, 2010

Im Zug nach München habe ich mein aktuelles Buch abgeschlossen – und dieses Mal war es nicht der nächste Teil der SPQR Reihe. In meinen Buchempfehlungen bei Amazon entdeckte ich letzte Woche das Buch “Kaiserkrieger – Die Ankunft” des deutschen Politologen, Übersetzers und Science-Fiction Autors Dirk van den Boom. Ein Werk aus dem Bereich des Alternativweltgeschichte oder Uchronie, einer Ausprägung der fantastischen Literatur, mit der ich bisher nur wenig in Berührung gekommen war. Als Jugendlicher hatte ich mal die Germanicus-Reihe (Prokurator, Imperator, Liberator – damals aber noch als Einzelbände) von Kirk Mitchell gelesen, außerdem gehört natürlich auch Vaterland von Robert Harris zu meiner privaten Bibliothek. Oh, und natürlich ist hier auch die Bücher über die Feuerreiter Seiner Majestät von Naomi Novik auf jeden Fall zu erwähnen – hätte ich fast vergessen.
Der Klappentext dieses Buches las sich sehr interessant und reizte mich, daher landete das Buch schnell zuerst in meinem Einkaufswagen bei Amazon und wenig später in meiner Packstation. Doch genug der langen Vorrede, kommen wir nun zum Inhalt dieses 205 Seiten starken Buches.
Die Geschichte beginnt kurz vor Beginn des erste Weltkrieges. Die Saarbrücken, ein Kreuzer der kaiserlich-deutschen Marine, bricht von Wilhelmshaven in Richtung Afrika auf, um die dortigen Kolonien mit Truppen und Nachschub zu versorgen. Doch vor der Küste von Portugal gerät das Kriegsschiff in ein seltsames Wetterphänomen und die Besatzung findet sich kurz darauf im Jahre 378 nach Christus wieder – zum Beginn der großen Völkerwanderung und des Niedergangs des Weströmischen Reiches. Die Besatzung und insbesondere ihre Offiziere beschließen, das beste aus ihrer neuen Situation zu machen und nehmen Kontakt mit den Römern auf.
Wie ich schnell feststellte – und mir aufgrund des Untertitels auch schon gedacht hatte – handelt es sich hier um den ersten Teil einer wenn ich es richtig recherchiert habe insgesamt sechsteiligen Geschichte. Der Autor verwendet in diesem Buch daher auch viel Zeit darauf, die einzelnen Haupt- und Nebencharaktere aufzubauen und zu beschreiben. Dass dabei noch nicht allzu viel Action stattfindet konnte ich beim Lesen dieses Buches verschmerzen. Das Umfeld dass dieser Band aufbaut ist auf jeden Fall sehr vielversprechend und ich habe mich mit dem Gedanken eines deutschen Kriegsschiffes in der Spätantike schnell anfreunden können. Die historischen Details sind auf jeden Fall soweit ich das beurteilen kann sehr gut recherchiert. Das Nachwort des Autors erläutert außerdem auch was von den historischen Personen auf realen Vorbildern basieren und welche fiktiv sind.
Wie ich außerdem im Rahmen der Recherche zu diesem Beitrag herausgefunden habe, betreibt Dirk van den Boom unter www.kaiserkrieger.de ein Blog, in dem er über die Fortschritte an den einzelnen Bänden und andere Dinge rund um die Kaiserkrieger-Reihe berichtet. Finde ich sehr sympathisch. Aktuell ist wohl der Band vier in Arbeit, der zweite scheint demnächst heraus zu kommen. Einen genauen Erscheinungstermin habe ich noch nicht entdecken können, er ist bei Amazon schon vorbestellbar. Das habe ich ich auch gleich mal getan – soweit ich mehr weiß, werde ich darüber berichten.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Orakel des Todes [SPQR 12]

Saturday, August 28th, 2010

Eigentlich schon Anfang dieser Woche hatte ich nun auch den zwölften Teil der SPQR Reihe von John Maddox Roberts abgeschlossen, doch finde ich erst heute Muse, dazu hier wie auch für alle Vorgängerteile eine kurzes Review zu verfassen. Das mit 311 Seiten mal wieder recht umfangreiche Buch um den antiken römischen Sherlock Holmes (oder auch Hercule Poirot – er hat glaube ich von beiden Charakteren etwas) mit Namen Decius Caecilius Metellus ist Zeitlich direkt an seinen Vorgängerroman Mord am Vesuv angekoppelt. Decius ist noch immer im schönen Campania oder um genauer zu sein am Golf von Neapel in seiner Rolle als Praetor peregrinus unterwegs. Eigentlich sollte der Abstecher nach Baiae nur ein kleiner Ausflug werden, um dort das berühmte “Orakel der Toten” und den Apollotempel zu besuchen. Doch als während eines Besuches dieses Orakels plötzlich die Leiche eines ermordeten Apollopriesters auftaucht und wenig später noch mehr Leichen gefunden werden, entwickelt sich das ganze zu einem ausgewachsenen und komplexen Kriminalfall, bei dem die Anzahl der Ermordeten stetig steigt und mehr als einmal das Leben von Decius auch direkt in Gefahr ist.
Die ganze Geschichte spielt dabei im Jahre 49 vor Christus und Cäsar ist kurz davor den Rubikon zu überschreiten, während sein Gegenspieler Gnaeus Pompeius Magnus ebenfalls mit Vorbereitungen für die anstehende Auseinandersetzung beschäftigt ist. Auch wenn der Kriminalfall nichts mit diesen Ereignissen zu tun hat, gelingt es Roberts auch hier mal wieder wunderbar, diese geschichtlichen Ereignisse in den Erzählfluss einzubauen, sei es nun durch die Bemerkungen von Decius und seinen Zeitgenossen zu den aktuellen politischen Geschehnissen oder auch durch kleine Episoden am Rande der Hauptgeschichte. Die Haupterzählung ist dabei dieses Mal über die Maßen verworren gestrickt und es ist bis kurz vor Schluß unklar, wer alles involviert ist. Auch wenn ich alle vorhergehenden Teile schon als ausgezeichnet bewertet hatte, muss ich zugeben dass dieses Buch die vorhergehenden fast noch etwas übertrifft. Auch hier kann ich wieder nur vorbehaltlos meine Empfehlung aussprechen – ein absolutes Must-Read für den Fan historischer Romane.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Mord am Vesuv [SPQR 11]

Sunday, August 15th, 2010

Mit Mord am Vesuv habe ich nun auch den elften Teil der SPQR Reihe von John Maddox Roberts abschließen können. Auch wenn ich es kaum erwarten konnte das nächste Abenteuer des Römers Decius Caecilius Metellus zu verschlingen, habe ich dieses Mal etwas länger als sonst gebraucht das mit 312 Seiten dieses Mal etwas weniger umfangreich als seine Vorgänger geratene Buch zu verkonsumieren.
Wir schreiben das Jahr 704 a. u. c. bzw. 50 v. Chr. Decius ist trotz der Vorwürfe mit denen er im letzten Buch zu kämpfen hatte inzwischen zum Praetor pereginus gewählt worden und somit vom Senat dazu ermächtigt, Gerichtsfälle in die Nicht-Römer verwickelt sind zu verhandeln und Urteile zu fällen. Der erste Posten in seinem Weg durch den cursus honorum, der ihn mit wirklicher Macht ausstattet. und ihm die Möglichkeit gibt, mit dem inzwischen freigelassenen Hermes im Gefolge und begleitet von seiner Frau Julia durch Italien zu reisen. In Kampanien gelangt er so auch nach Baiae nahe Pompeji, einem römischen Badeort in dem viele reiche Römer eigene Residenzen unterhalten. Freundlicherweise stellt ihm sein Freund Quintus Hortensius Hortalus ihm seine dortige Sommerresidenz zu Verfügung und der Praetor genießt das süße und dekadenzte Leben der römischen Oberschicht. Doch die Ruhe und den Frieden die er dort gefunden zu haben scheint dauert nicht lange an, denn schon bald wird zum Mord an einer schönen griechischen Priestertochter hinzu gerufen – und der Täter scheint schnell fest zu stehen. Sofort fällt der Verdacht nämlich auf den Sohn des reichen Sklavenhändler Gaeto. Die Reichen und Mächtigen drängen Decius dazu, sein Urteil schnell zu fällen und ihn zum Tode zu verurteilen – doch dem Praetor kommen schnell Zweifel an der Schuld des jungen Numiders. Als wenig später auch Gaeto ermordet wird, wird Decius schnell klar dass hinter der schönen Kulisse der kampanischen Kleinstadt sich weitaus mehr abspielt, als es sich nach Außen zu offenbaren scheint. Und ihm bleibt nicht viel Zeit um den Fall aufzuklären.
Diese inzwischen elfte Geschichte um den inzwischen langsam älter werdenden Decius Caecilius Metellus erwies sich wieder spannend und amüsant bis zuletzt. Dieses Mal war der Roman zwar bei weitem nicht mit so vielen geschichtlichen Details gespickt wie seine Vorgänger, dennoch gibt auch dieses Buch wieder einen interessanten Einblick in das Leben im Römischen Reich zum Ende der alten Republik. Es werden Gelage gefeiert, getrunken und das süße Leben der Reichen genossen – und als Praetor ist Decius dieses Mal noch mehr mittendrin als in den Vorgängergeschichten. Dazu kommen natürlich wieder einige Intrigen und Geheimnisse – auch wenn dieses mal die eigentliche römische Politik keine große Rolle spielt, sondern der eigentliche Kriminalfall wirklich im Focus der Geschichte steht. Sehr schön fand ich wieder die immer leicht vorhandene Hochnäsigkeit der Römer, die sich den anderen Völkern überlegen scheinen und bei allem versuchen ihre gravitas zu wahren. Das wie immer geschichtlich gut recherchierte Buch gibt auf jeden Fall wieder einen tiefen Einblick in die Denkweise und Lebensart der damaligen Bewohner Italiens. Die eigentliche Lösung des Falles geschieht – wie auch bei den meisten der anderen Geschichten um Decius – auf den letzten 10-15 Seiten – aber dennoch erwies sich auch dieser elfte Roman der SPQR-Reihe als gute Wahl. Bin gar nicht sicher ob das bei regulären Krimis nicht auch so gehandhabt wird. Auf jeden Fall war auch dieses Buch mal wieder spannende Unterhaltung wie ich sie nun mal mag.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen