Er ist wieder da – Timur Vermes – ein Buchreview

Bereits seit Anfang dieses Jahres liegt diese Rezension nun schon in meinem Draft-Ordner und ich habe mich wirklich schwer getan etwas dazu zu schreiben. Hier aber nun meine Rezension zu Timur Vermes “Er ist wieder da”:

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Irgendwo in einer Baulücke in der Berliner Innenstadt erwacht im Sommer des Jahres 2011 ein Mann mit starken Kopfschmerzen, seine Kleidung riecht penetrant nach Benzin, und fragt sich, wie er hierher gekommen ist. Das letzte woran er sich erinnert ist die aussichtslose Lage, in der er sich irgendwann Anfang 1945 in einem Bunker unter Berlin befand – die russische Rote Armee standen kurz davor ganz die ganze Stadt einzunehmen. Was dann passiert ist, weiß er nicht. Aber er weiß noch genau wer er ist: Adolf Hitler – Führer des Deutschen Reiches. So beginnt der Roman des deutschen Journalisten und Schriftstellers Timur Vermes, der sich satirisch an die eine Geschichte heran wagt, an der man sich in diesem Land auch leicht die Finger verbrennen kann: Der Rückkehr Hitlers in das heutige Deutschland. Doch was der Autor abgeliefert hat, kann sich wirklich lesen bzw. hören lassen. Dabei sei noch zu erwähnen, dass ich mich für die Hörbuch-Version entschieden hatte, die natürlich von niemand anderem als Christoph Maria Herbst mit diesem typischen Hitler-Duktus gesprochen werden konnte, der ja schon als Alfons Hatler in der Wixxer-Reihe in einer ähnlichen Rolle in Erscheinung getreten war.
In der Ich-Form gehalten lässt Vermes Hitler darüber erzählen, wie dieser, von seinen Vasallen und Weggefährten früherer Tage getrennt, sofort damit beginnt mit sachlicher Gründlichkeit seine Umwelt des Jahres 2011 basierend auf seinem eigenen Ansichten zu analysieren. Ein freundlicher Kiosk-Betreiber gibt ihm zu Beginn kurzfristig Unterschlupf und hilft ihm, Kontakt zu den Vertretern einer Medienfirma aufzubauen, welche die scheinbar komödiantischen Talente des Mannes mit schmalen Schnauzbart zu erkennen meinen und sich dazu entscheiden, ihm als Comedian eine Chance zu geben. Damit beginnt die zweite Karriere eines Mannes, der wie man aus der Geschichte weiß, mit größter Vorsicht zu genießen ist. Während seiner Karriere, die er als Sidekick zu einen türkischstämmigen Blödelbarden Ali Wizgür beginnt, sich zum Youtube-Erfolg und schließlich mit einer eignen Sendung sogar zum Grimme-Preis Träger entwickelt, lässt es der Autor natürlich nicht aus, eine Begegnung seines Hitlers mit der Quasi-Nachfolgepartei der Nationalsozialisten, der NPD zu inszenieren – wobei der “Gröfaz” schnell die Erbärmlichkeit dieser Leute erkennt. Das einzige Thema, dass Herr Vermes während des gesamten Buches geschickt umschifft, ist das größte Verbrechen des Dritten Reiches: Den Holocaust. Das einzige Kommentar im Buch dazu ist die mehrdeutige Anmerkung des Buch-Hitlers, dass “das mit den Juden nicht lustig ist”. Aber das ist auch ein schwieriges Thema und in einem unter der Rubrik Satire laufenden Werkes wäre eine tiefer gehende Beschäftigung mit diesem Punkt auch mehr als unpassend gewesen. Dennoch lässt der Autor seinen Hitler mit vielen Begriffen wie “lebensunwert”, “Sonderbehandlung” oder “Zwangslager” jonglieren, die zwar im Kontext der Geschichte angewandt beim Leser ein Schmunzeln, im Kontext der Geschichte des Dritten Reiches aber eher ein Schaudern auslöst. Aber was machen Sendungen wie “Obersalzberg“, der Stromberg-Parodie aus Switch, da groß anderes? Herr Vermes hat somit mit seiner Geschichte nichts anderes getan, als einen Nerv der Zeit zu treffen. Und auch wenn ich mir das Ende des Buches vielleicht etwas anders vorgestellt hätte, muss ich entgegen vieler anderer Meinungen feststellen, dass ich dieses Buch von Timur Vermes für ein gelungenes Werk mit viel Witz und überaus treffsicher platzierten Anspielungen halte. Mir jedenfalls hat es gefallen und für viele Schmunzler gesorgt. Danke dafür, Timur Vermes!

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Nur der Tod bringt Vergebung – Peter Tremayne (Schwester Fidelma ermittelt)

Mit Nur der Tod bringt Vergebung habe ich mir nun den ersten Teil aus der Romanreihe Schwester Fidelma ermittelt von Peter Tremayne zu Gemüte geführt. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der britische Historiker Peter Berresford Ellis, der nach einem Studium der Keltologie dem Journalismus und dem Schreiben von Büchern gewidmet. Neben seinen anderen Werken enstanden dabei auch seit 1994 die inzwischen 20 Bände um die irische Nonne Fidelma, die mit ihrem Spürsinn im siebten Jahrhundert nach Christus Kriminalfälle löst. Irgendwie fand ich die Idee auf Anhieb reizvoll. Da ich solche Bücher-Reihen, wenn möglich, immer chronologisch nach Erscheinungsdatum lese begann ich schließlich mit dem 1994 als erster Teil erschienenen Buch Nur der Tod bringt Vergebung meine literarische Reise in das frühchristlichen, keltisch-angelsächsischen Europa des 7. Jahrhunderts mit einer bei Audible erworbenen, ungekürzten Hörbuchversion dieses Werkes (Lauflänge: sieben Stunden und vierundvierzig Minuten). Gelesen wird dieses Hörbuch mal wieder von Sabine Swoboda, die ich ja schon aus der Reihe um Adelina Burka her kennen und schätzen gelernt hatte.
Die Protagonisten dieser Reihe ist wie gesagt die irische Nonne und Advokatin Fidelma von Kildare. Der Begriff Advokatin, also Anwältin, in Verbindung mit einer Frau im dem Europa des siebten Jahrhundert machte mich zu Beginn zwar etwas stutzig, aber in der alten irisch-keltischen Gesellschaft gab es wie man erfährt tatsächlich keine so strikte Geschlechtertrennung wie z.B. bei den Angelsachsen oder in den meisten Regionen auf dem europäischen Festland. So konnte jeder Gelehrte und jede Gelehrte zum sogenannten Anruth ausbilden lassen, womit er bzw. sie sowohl richterliche Funktionen ausführen konnte oder aber als Anwalt bzw. Anwältin agieren. Damit aber genug zu diesem Thema, ich will hier nicht über das damalige irische Rechtssystem, sondern von dem Roman berichten – wer mehr wissen will kann ja auch gerne zum Buch greifen. 😉 Kommen wir also zur Handlung: Wir schreiben das Jahr 664 nach Christus und die Vertreter der römisch-katholischen Kirche und der keltischen bzw. iroschottischen Kirche von Columban treffen zur Synode von Whitby zusammen um darüber zu beraten welche Auslegung der christlichen Lehre zukünftig im alten britischen Königreich von Northumbria (das liegt ungefähr zwischen Edinburgh von York) gültig sein soll. Mit der Delegation der Kirche von Columban reist auch Schwester Fidelma an die Ostküste der britischen Insel um dort beratend und als Übersetzerin an der Synode teilzunehmen. Als die dortige Äbtissin Étain von Kildare ermordet aufgefunden wird, werden Fidelma und der sächsische Bruder Eadulf damit beauftragt, die Umstände des Verbrechens zu untersuchen – man vermutet natürlich zuerst kirchenpolitische Hintergründe für die Tat. Doch bald wird ein Bettler, der den Tod der Äbtissin bereits vor der Tat vorhergesagt haben soll, als Tatverdächtiger verhaftet und der Fall scheint abgeschlossen – doch Fidelma lässt es sich nicht so einfach machen und ihr gelingt es den unschuldigen Mann zu entlasten, kann aber dennoch nicht verhindern dass zwei weitere Teilnehmer der Synode gewaltsam den Tod finden. Jetzt müssen die junge Nonne und ihr Partner Ergebnisse vorlegen, um schlimmeres zu verhindern…
In seinem Debütroman der Schwester Fidelma ermittelt Reihe gelingt es dem Autor wie ich finde auf unterhaltsame Weise, viele geschichtliche Fakten aus dem England und Irland des siebten Jahrhunderts mit einer spannenden und abwechslungsreichen Kriminalgeschichte zu verbinden. Man merkt deutlich, dass hier ein Historiker am Werk war, denn Peter Tremayne aka. Peter Berresford Ellis wirft in der Geschichte zwar mit vielen realen geschichtlichen Figuren und Fakten um sich, dennoch gelingt es ihm meiner Meinung nach die Geschichte nicht unausgewogen oder die eigentlichen Handlung nebensächlich werden zu lassen – auch wenn er häufig etwas an der Grenze kratzt und neigt zu sehr in historische Details zu verfallen. Die Protagonistin Fidelma selbst wird dabei als intelligente und selbstbewusste, aber auch etwas dickköpfige und zeitweilig leicht zur Arroganz neigende junge Frau dargestellt, die weiß sich trotz aller Widrigkeiten in der Männerwelt dieses Jahrhunderts durchzusetzen. Mit dem Sachsen Eadulf bekommt sie auch gleich im ersten Roman einen Partner zur Seite gestellt, dessen Intellekt sich trotz anfänglicher Anlaufschwierigkeiten gut mit dem ihrem ergänzt und die Beiden so zu einem überaus scharfsinnigen Detektiv-Team zusammenwachsen lässt. Ich bin zwar der Meinung, dass der Autor die irische Gesellschaft der damaligen Zeit etwas übertrieben positiv darstellt und diese versucht als ein ideales Gesellschaftsmodell der damaligen Zeit darzustellen, was soweit ich weiß wohl nicht ganz den Tatsachen entsprach – aber das tut dem insgesamt positiven Gesamteindruck der Geschichte letztlich keinen Abbruch. Ein gelungener Anfang einer historischen Krimireihe, die mir Lust auf mehr gemacht hat. Bald also mehr hier über Schwester Fidelma und ihre Abenteuer im frühchristlichen Europa im ersten Jahrtausend nach der Zeitenwende.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Drachengold (Die Feuerreiter ihrer Majestät 7)

Mit Drachengold habe ich nun auch den siebten Teil der Feuerreiter-Reihe um den britischen Captain Will Laurence und seinen Drachen Temeraire abgeschlossen, dieses Mal wieder in gedruckter Buchform wie bei dem Teil zuvor auch. Nach den vielversprechenden Teilen Drachenbrut (1), Drachenprinz (2), Drachenzorn (3), Drachenglanz (4) und Drachenwacht (5) war der sechste Teil Drachenflamme ja – zumindest meiner Meinung nach – nur mittelmäßig gut geraten, daher setzte ich natürlich entsprechend große Hoffnungen in den siebten Teil und sollte glücklicherweise nicht enttäuscht werden.
Nach den Wirren der Aufstände in Sydney und den Erlebnissen im australischen Outback haben Will Laurence und Temeraire gerade begonnen sich mit ihrem neuen Leben in der Verbannung in Australien zu etablieren. Doch dann erreicht sie ein Bote, der ihnen ein verlockendes Angebot unterbreitet, dass Ihnen die vollständige Wiederherstellung des vorherigen Rangs und Titels in Aussicht stellt – sie müssen sich dazu jedoch nach Südamerika begeben. Denn dort fallen seit kurzem die afrikanischen Stämme ein, mit denen Will Laurence und Temeraire bereits während ihres Aufenthalts in Afrika (in Band 4) zuvor Kontakt gehabt hatten und dort versuchen die aus ihrer Heimat entführten Sklaven zu befreien. Nach kurzem Bedenken entschließen sie sich schließlich, Australien den Rücken zu kehren und mit dieser Mission zu versuchen ihre verlorene Ehre gegenüber dem britischen Empire wieder herzustellen. Doch ihre Reise von Sydney nach Rio de Jainero steht von Anfang nicht unter einem guten Stern und kurz vor ihrem Ziel erleiden sie schließlich Schiffbruch. So bleibt ihnen nach einer nicht gerade erfreulichen Begegnung mit einem französischen Schiff nichts anderes übrig als sich durch das fremdartige und gefährliche Reich der Inka zu kämpfen um ihre Mission doch noch erfüllen zu können.

Nach dem etwas erzählungstechnisch meiner Meinung nach etwas flacher geratenen letzten Teil dreht Naomi Novik in Drachengold wieder etwas mehr auf und bietet ihren Lesern auf dem 415 Seiten starken Buch etwas mehr Action und Spannung. Vor allem das in dieser alternativen Zeitlinie noch existierende Inkareich mit ihrer etwas ungewöhnlichen, aber dennoch glaubhaften Gesellschaftsform bietet einige neue und interessante Aspekte. Aber ganz erreicht die Geschichte auch dieses Mal die Dynamik der ersten Teile nicht. Irgendwie scheint es dass die Autorin sich etwas zu sehr in den Konflikt zwischen der Pflicht zum Gehorsam gegenüber dem Empire und den für die damalige Zeit etwas zu fortschrittlichen ethischen Vorstellungen die Temeraire vertritt. Dadurch verrennt sie sich teilweise meiner Meinung nach etwas zu sehr in die Auseinandersetzung um diesen Kontroversen anstatt die Story stärker voran zu bringen. Insgesamt ist Drachengold aber dennoch eine gelungene Fortsetzung der Serie um die Feuerreiter ihrer Majestät und die Story hat immer noch viele interessante Aspekte und Wendungen die mich fesseln konnten. Daher bin ich natürlich gespannt wie es weiter geht und werde der Serie auch weiterhin die Treue halten – dennoch bleibt zu hoffen dass Frau Novik im nächsten Band noch etwas mehr zu dem Potential zurück findet, dass sie in den ersten vier bis fünf Bänden an den Tag gelegt hatte.

Meine Wertung: 2 von 3 Sternen

Mord im Dirnenhaus – Petra Schier [Adelina Burka 2]

Mit Mord im Dirnenhaus habe ich nun auch das zweite Buch der Adelina Burka Krimireihe der deutschen Authorin Petra Schier gelesen oder besser gesagt gehört.
Wieder verschlägt es den Leser in das Köln des 14ten Jahrhunderts, um genau zu sein ins Jahr 1396. Es ist eine bewegte Zeit, in der die Gaffeln, eine Bürgervereinigung von Zünften in Köln, gerade die Unabhängigkeit von Adel und Patriziern vom Erzbischof erstreiten. Unsere Protagonistin, die Apothekerin Adelina, die in der Zwischenzeit den bereits aus dem ersten Teil bekannten Medicus Niklas Burka geheiratet hat, hat seit den Ereignissen um die Tode im Beginenhaus die Meisterprüfung abgelegt und die Apotheke ihres an Demenz erkrankten Vaters am Kölner Neumarkt übernommen. Eigentlich war es nicht die Absicht des jungen Paares sich in weitere Kriminalfälle verwickeln zu lassen. Doch als der Ratsherr Thönnes van Kneyart, ein Kunde von Adelina, in einem Dirnenhaus an vergiftetem Konfekt stirbt das offensichtlich aus ihrer Apotheke stammt und wenig später auch einer ihrer Nachbar an der selben Ursache zu Tode kommt, bleibt der jungen Frau nichts anderes übrig als erneut Untersuchungen aufzunehmen um den wahren Täter zu finden – denn es geht hier um ihren Ruf, ihr Geschäft und vielleicht sogar ihr eigenes Leben, da sie im schlimmsten Fall wegen Giftmordes angeklagt werden könnte. Und ihr Ehemann Neklas Burka ist noch immer nicht von seiner Reise zu seiner kranken Mutter nach Kortrijk zurück, was det junge Frau die alleinige Verantwortung für die Apotheke, ihren senilen Vater und ihren geistig zurückgebliebenen Bruder Vitus aufbürdet, wobei sie bei ihren Aufgaben inzwischen von zwei Mägden und einem Knecht unterstützt wird. Obwohl sie vom Ratsherr Georg Rese, den wir ja auch schon im ersten Teil dieser Reihe kennengelernt hatten, unterstützt wird, kommt sie zuerst einmal nur wenig in ihrem Ermittlungen voran. Dass auch die alte Hebamme und Kräuterkundige Ludmilla ebenfalls verdächtigt wird, gibt Adelina aber erst einmal etwas Zeit die Untersuchungen voran zu bringen, auch wenn sie nicht verhindern kann dass sowohl die Kräuterfrau hat als auch die Dirnen, beides Ausgestoßene der mittelalterlichen Gesellschaft, der peinlichen Befragung unterzogen werden. Und dass der Zunftmeister ihr ein neues Lehrmädchen, die adelige Mira, zuweist und ihr Ehemann Neklas bei seiner Rückkehr seine uneheliche Tochter Griet mit ins Haus bringt macht es nicht einfacher. Bald schon gibt es mit dem Schöffen Anton Keppeler und einer Dirne weitere Opfer des vergifteten Konfekts und es scheint noch immer keinen wirklichen Verdächtigen zu geben, auch wenn Adelina den als hinterhältig geltenden Vetter des toten Thönnes, Mathys van Kneyart, verdächtigt. Und dann taucht auch noch der fanatische Mönch und Prediger Thomasius auf, der Neklas Burka aus seiner Zeit in Italien kennt und um seine Geheimnisse aus dieser Zeit zu wissen scheint.
Mit diesem Buch hat Petra Schier einen würdigen zweiten Teil der Krimireihe um Adelina Burka abgeliefert. Eingebettet in die historischen Ereignisse um die Anerkennung der Kölner Gaffeln als rechtmäßige Stadtregierung bei Erzbischof klärt die junge Apothekermeisterin wieder in bekannt unkonventioneller Form einen weiteren Mordfall im Köln des ausgehenden 14ten Jahrhunderts. Der amüsante und flüssige Schreibstil, beim Hörbuch wohl auch in Kombination mit der sehr gut passenden Stimme der Sprecherin Sabine Swoboda, macht das Buch schnell ausgelesen und ermöglicht es dem Leser wunderbar, sich in das Leben eines Bürgers der damaligen Zeit zurückzuversetzen. Dass sich die Handlung dabei nach dem ersten Kapitel in dem der Mord geschieht fast ausschließlich auf das Umfeld der Apothekerin abspielt tut der Abrundung der Geschichte aber keinerlei Abbruch. Um die Geschichte insgesamt zu verstehen ist dabei die Kenntnis des ersten Bandes zwar nicht unbedingt vonnöten, kann aber wenn man sich für die Entwicklung der einzelnen Charaktere und ihre Vorgeschichte interessiert durchaus zu empfehlen – es gibt ein oder zwei Tatsachen die im zweiten Band nicht noch einmal erläutert werden. Insgesamt ein sehr empfehlenswerter historischer Roman, der Lust auf mehr macht. Zum Glück sind noch zwei weitere Bände der Adelina Burka-Reihe erschienen und es wird mit Sicherheit nicht lange dauern bis ich auch diese hier vorstellen kann. 😉

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Silberschweine [Marcus Didius Falco 1] – Lindsey Davis

Wer sich mit dem Thema der historischen Krimis beschäftigt wie ich kommt dabei natürlich nicht an Marcus Didius Falco der britischen Authorin Lindsey Davis vorbei. Nachdem ich die SPQR-Reihe von John Maddox Roberts ja inzwischen durch habe (obwohl ich noch die Hoffnung habe dass da eventuell noch einmal was kommt) wandte ich vor einiger Zeit dieser bald mit dem zwanzigsten Band erscheinenden Krimireihe zu. Wie üblich wollte ich aber die Reihe natürlich von ganz vorne lesen, was sich jedoch als etwas vertrackt herausstellte da der erste Band nicht mehr verfügbar war – aber zum Glück fand ich ihn als gebrauchtes Buch und erwarb es für ein paar Euro über den Amazon Marketplace.
Protagonist dieser Reihe ist wie schon zu vermuten war eben jener Marcus Didius Falco, zweiter Sohn einer Plebejer-Familie, der als Privatermittler und Schnüffler mehr schlecht als recht versucht im kaiserlichen Rom um das Jahr 70 nach Christus sein auskommen zu finden. In diesem berühmten Vierkaiserjahr sitzt nun als nach einem Bürgerkrieg der Kaiser Vespasian auf dem Thron, der aus Sicht des normalen Volkes endlich Stabilität zu versprechen scheint. Nachdem unser Protagonist Sosia Cammilina, die Tochter des einflußreichen Senators Deciumus Cammilina Verrus, vor einigen Verfolgern gerettet hat, stößt er gemeinsam mit ihr in einem Schließfach auf ein sogenanntes Silberschwein, einen mit Silber versetzten Bleibarren, der eigentlich Eigentum des Kaisers ist. Nach anfänglichem Zögern nimmt er schließlich, nachdem einige scheinbar Unschuldige den Tod gefunden haben, doch die Ermittlungen auf. Dabei verschlägt es ihn dabei bis in die nördlichste der römischen Provinzen, Britannien – dem Herkunftsort des Silberschweins – wo er sich als vermeintlicher Sklave sogar in eine Silbermine verkaufen lässt um die Ermittlungen voran zu bringen. Nachdem er als Begleitung der zickigen und leicht arrogant wirkenden Senatorentochter Helena nach Rom zurück gekehrt ist, kommt es schließlich zum großen Showdown, bei dem nicht nur er in Lebensgefahr gerät.
Dieses 1989 in Großbritannien und 1991 bei Knaur hier in Deutschland veröffentlichte Erstlingswerk dieser britischen Autorin, die sich laut ihrer Biografie nach 13 Jahren Beamtenleben dazu entschloss Romane zu schreiben, zeichnet sich in diesem Erstlingswerk nicht gerade durch hundertprozentige historische Genauigkeit aus. Was als erstes auffällt ist die teilweise etwas flapsige, neumodische anmutende Ausdrucksweise der sich ein paar der Protagonisten bedienen. Aber auch kleine Details in der Gesamtgeschichte wie z.B. einem Basketballspiel passen nicht ganz in die Periode um 70 nach Christus. Trotzdem gefiel mir die Geschichte und ihr Protagonist auf Anhieb – er bietet einen interessanten Einblick ins Leben eines “einfachen” Römers. Der von seinem Auftreten her leicht schnodderig wirkende Falco, der in einer heruntergekommenen Mietskaserne lebt und in einem nicht perfekten, aber sehr typisch wirkenden Familienumfeld einer plebejischen Familie lebt, wird dem Leser meiner Meinung nach sehr Vertrauenswürdig vermittelt. Mit seinen Fehlern und dem Potential hier und dort in Fettnäpfchen zu treten aus denen er gerade so entkommen kann wirkt er sehr echt und irgendwie sympathisch. Und bei bis jetzt insgesamt 20 Romanen die Lindsay Davis bis heute über diesen römischen Schnüffler veröffentlicht hat, scheine ich da nicht der einzige zu sein der dieser Meinung ist. Mir hat dieses Buch trotz seiner kleinen Unzulänglichkeiten was seine historische Korrektheit angeht durchaus Lust auf mehr gemacht. Somit war Silberschweine mit Sicherheit nicht der letzte Roman den ich aus der Marcus Didius Falco Reihe gelesen habe.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen