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Er ist wieder da – Timur Vermes – ein Buchreview

Friday, June 28th, 2013

Bereits seit Anfang dieses Jahres liegt diese Rezension nun schon in meinem Draft-Ordner und ich habe mich wirklich schwer getan etwas dazu zu schreiben. Hier aber nun meine Rezension zu Timur Vermes “Er ist wieder da”:

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Irgendwo in einer Baulücke in der Berliner Innenstadt erwacht im Sommer des Jahres 2011 ein Mann mit starken Kopfschmerzen, seine Kleidung riecht penetrant nach Benzin, und fragt sich, wie er hierher gekommen ist. Das letzte woran er sich erinnert ist die aussichtslose Lage, in der er sich irgendwann Anfang 1945 in einem Bunker unter Berlin befand – die russische Rote Armee standen kurz davor ganz die ganze Stadt einzunehmen. Was dann passiert ist, weiß er nicht. Aber er weiß noch genau wer er ist: Adolf Hitler – Führer des Deutschen Reiches. So beginnt der Roman des deutschen Journalisten und Schriftstellers Timur Vermes, der sich satirisch an die eine Geschichte heran wagt, an der man sich in diesem Land auch leicht die Finger verbrennen kann: Der Rückkehr Hitlers in das heutige Deutschland. Doch was der Autor abgeliefert hat, kann sich wirklich lesen bzw. hören lassen. Dabei sei noch zu erwähnen, dass ich mich für die Hörbuch-Version entschieden hatte, die natürlich von niemand anderem als Christoph Maria Herbst mit diesem typischen Hitler-Duktus gesprochen werden konnte, der ja schon als Alfons Hatler in der Wixxer-Reihe in einer ähnlichen Rolle in Erscheinung getreten war.
In der Ich-Form gehalten lässt Vermes Hitler darüber erzählen, wie dieser, von seinen Vasallen und Weggefährten früherer Tage getrennt, sofort damit beginnt mit sachlicher Gründlichkeit seine Umwelt des Jahres 2011 basierend auf seinem eigenen Ansichten zu analysieren. Ein freundlicher Kiosk-Betreiber gibt ihm zu Beginn kurzfristig Unterschlupf und hilft ihm, Kontakt zu den Vertretern einer Medienfirma aufzubauen, welche die scheinbar komödiantischen Talente des Mannes mit schmalen Schnauzbart zu erkennen meinen und sich dazu entscheiden, ihm als Comedian eine Chance zu geben. Damit beginnt die zweite Karriere eines Mannes, der wie man aus der Geschichte weiß, mit größter Vorsicht zu genießen ist. Während seiner Karriere, die er als Sidekick zu einen türkischstämmigen Blödelbarden Ali Wizgür beginnt, sich zum Youtube-Erfolg und schließlich mit einer eignen Sendung sogar zum Grimme-Preis Träger entwickelt, lässt es der Autor natürlich nicht aus, eine Begegnung seines Hitlers mit der Quasi-Nachfolgepartei der Nationalsozialisten, der NPD zu inszenieren – wobei der “Gröfaz” schnell die Erbärmlichkeit dieser Leute erkennt. Das einzige Thema, dass Herr Vermes während des gesamten Buches geschickt umschifft, ist das größte Verbrechen des Dritten Reiches: Den Holocaust. Das einzige Kommentar im Buch dazu ist die mehrdeutige Anmerkung des Buch-Hitlers, dass “das mit den Juden nicht lustig ist”. Aber das ist auch ein schwieriges Thema und in einem unter der Rubrik Satire laufenden Werkes wäre eine tiefer gehende Beschäftigung mit diesem Punkt auch mehr als unpassend gewesen. Dennoch lässt der Autor seinen Hitler mit vielen Begriffen wie “lebensunwert”, “Sonderbehandlung” oder “Zwangslager” jonglieren, die zwar im Kontext der Geschichte angewandt beim Leser ein Schmunzeln, im Kontext der Geschichte des Dritten Reiches aber eher ein Schaudern auslöst. Aber was machen Sendungen wie “Obersalzberg“, der Stromberg-Parodie aus Switch, da groß anderes? Herr Vermes hat somit mit seiner Geschichte nichts anderes getan, als einen Nerv der Zeit zu treffen. Und auch wenn ich mir das Ende des Buches vielleicht etwas anders vorgestellt hätte, muss ich entgegen vieler anderer Meinungen feststellen, dass ich dieses Buch von Timur Vermes für ein gelungenes Werk mit viel Witz und überaus treffsicher platzierten Anspielungen halte. Mir jedenfalls hat es gefallen und für viele Schmunzler gesorgt. Danke dafür, Timur Vermes!

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Nur der Tod bringt Vergebung – Peter Tremayne (Schwester Fidelma ermittelt)

Monday, September 17th, 2012

Mit Nur der Tod bringt Vergebung habe ich mir nun den ersten Teil aus der Romanreihe Schwester Fidelma ermittelt von Peter Tremayne zu Gemüte geführt. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der britische Historiker Peter Berresford Ellis, der nach einem Studium der Keltologie dem Journalismus und dem Schreiben von Büchern gewidmet. Neben seinen anderen Werken enstanden dabei auch seit 1994 die inzwischen 20 Bände um die irische Nonne Fidelma, die mit ihrem Spürsinn im siebten Jahrhundert nach Christus Kriminalfälle löst. Irgendwie fand ich die Idee auf Anhieb reizvoll. Da ich solche Bücher-Reihen, wenn möglich, immer chronologisch nach Erscheinungsdatum lese begann ich schließlich mit dem 1994 als erster Teil erschienenen Buch Nur der Tod bringt Vergebung meine literarische Reise in das frühchristlichen, keltisch-angelsächsischen Europa des 7. Jahrhunderts mit einer bei Audible erworbenen, ungekürzten Hörbuchversion dieses Werkes (Lauflänge: sieben Stunden und vierundvierzig Minuten). Gelesen wird dieses Hörbuch mal wieder von Sabine Swoboda, die ich ja schon aus der Reihe um Adelina Burka her kennen und schätzen gelernt hatte.
Die Protagonisten dieser Reihe ist wie gesagt die irische Nonne und Advokatin Fidelma von Kildare. Der Begriff Advokatin, also Anwältin, in Verbindung mit einer Frau im dem Europa des siebten Jahrhundert machte mich zu Beginn zwar etwas stutzig, aber in der alten irisch-keltischen Gesellschaft gab es wie man erfährt tatsächlich keine so strikte Geschlechtertrennung wie z.B. bei den Angelsachsen oder in den meisten Regionen auf dem europäischen Festland. So konnte jeder Gelehrte und jede Gelehrte zum sogenannten Anruth ausbilden lassen, womit er bzw. sie sowohl richterliche Funktionen ausführen konnte oder aber als Anwalt bzw. Anwältin agieren. Damit aber genug zu diesem Thema, ich will hier nicht über das damalige irische Rechtssystem, sondern von dem Roman berichten – wer mehr wissen will kann ja auch gerne zum Buch greifen. 😉 Kommen wir also zur Handlung: Wir schreiben das Jahr 664 nach Christus und die Vertreter der römisch-katholischen Kirche und der keltischen bzw. iroschottischen Kirche von Columban treffen zur Synode von Whitby zusammen um darüber zu beraten welche Auslegung der christlichen Lehre zukünftig im alten britischen Königreich von Northumbria (das liegt ungefähr zwischen Edinburgh von York) gültig sein soll. Mit der Delegation der Kirche von Columban reist auch Schwester Fidelma an die Ostküste der britischen Insel um dort beratend und als Übersetzerin an der Synode teilzunehmen. Als die dortige Äbtissin Étain von Kildare ermordet aufgefunden wird, werden Fidelma und der sächsische Bruder Eadulf damit beauftragt, die Umstände des Verbrechens zu untersuchen – man vermutet natürlich zuerst kirchenpolitische Hintergründe für die Tat. Doch bald wird ein Bettler, der den Tod der Äbtissin bereits vor der Tat vorhergesagt haben soll, als Tatverdächtiger verhaftet und der Fall scheint abgeschlossen – doch Fidelma lässt es sich nicht so einfach machen und ihr gelingt es den unschuldigen Mann zu entlasten, kann aber dennoch nicht verhindern dass zwei weitere Teilnehmer der Synode gewaltsam den Tod finden. Jetzt müssen die junge Nonne und ihr Partner Ergebnisse vorlegen, um schlimmeres zu verhindern…
In seinem Debütroman der Schwester Fidelma ermittelt Reihe gelingt es dem Autor wie ich finde auf unterhaltsame Weise, viele geschichtliche Fakten aus dem England und Irland des siebten Jahrhunderts mit einer spannenden und abwechslungsreichen Kriminalgeschichte zu verbinden. Man merkt deutlich, dass hier ein Historiker am Werk war, denn Peter Tremayne aka. Peter Berresford Ellis wirft in der Geschichte zwar mit vielen realen geschichtlichen Figuren und Fakten um sich, dennoch gelingt es ihm meiner Meinung nach die Geschichte nicht unausgewogen oder die eigentlichen Handlung nebensächlich werden zu lassen – auch wenn er häufig etwas an der Grenze kratzt und neigt zu sehr in historische Details zu verfallen. Die Protagonistin Fidelma selbst wird dabei als intelligente und selbstbewusste, aber auch etwas dickköpfige und zeitweilig leicht zur Arroganz neigende junge Frau dargestellt, die weiß sich trotz aller Widrigkeiten in der Männerwelt dieses Jahrhunderts durchzusetzen. Mit dem Sachsen Eadulf bekommt sie auch gleich im ersten Roman einen Partner zur Seite gestellt, dessen Intellekt sich trotz anfänglicher Anlaufschwierigkeiten gut mit dem ihrem ergänzt und die Beiden so zu einem überaus scharfsinnigen Detektiv-Team zusammenwachsen lässt. Ich bin zwar der Meinung, dass der Autor die irische Gesellschaft der damaligen Zeit etwas übertrieben positiv darstellt und diese versucht als ein ideales Gesellschaftsmodell der damaligen Zeit darzustellen, was soweit ich weiß wohl nicht ganz den Tatsachen entsprach – aber das tut dem insgesamt positiven Gesamteindruck der Geschichte letztlich keinen Abbruch. Ein gelungener Anfang einer historischen Krimireihe, die mir Lust auf mehr gemacht hat. Bald also mehr hier über Schwester Fidelma und ihre Abenteuer im frühchristlichen Europa im ersten Jahrtausend nach der Zeitenwende.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Drachengold (Die Feuerreiter ihrer Majestät 7)

Wednesday, September 12th, 2012

Mit Drachengold habe ich nun auch den siebten Teil der Feuerreiter-Reihe um den britischen Captain Will Laurence und seinen Drachen Temeraire abgeschlossen, dieses Mal wieder in gedruckter Buchform wie bei dem Teil zuvor auch. Nach den vielversprechenden Teilen Drachenbrut (1), Drachenprinz (2), Drachenzorn (3), Drachenglanz (4) und Drachenwacht (5) war der sechste Teil Drachenflamme ja – zumindest meiner Meinung nach – nur mittelmäßig gut geraten, daher setzte ich natürlich entsprechend große Hoffnungen in den siebten Teil und sollte glücklicherweise nicht enttäuscht werden.
Nach den Wirren der Aufstände in Sydney und den Erlebnissen im australischen Outback haben Will Laurence und Temeraire gerade begonnen sich mit ihrem neuen Leben in der Verbannung in Australien zu etablieren. Doch dann erreicht sie ein Bote, der ihnen ein verlockendes Angebot unterbreitet, dass Ihnen die vollständige Wiederherstellung des vorherigen Rangs und Titels in Aussicht stellt – sie müssen sich dazu jedoch nach Südamerika begeben. Denn dort fallen seit kurzem die afrikanischen Stämme ein, mit denen Will Laurence und Temeraire bereits während ihres Aufenthalts in Afrika (in Band 4) zuvor Kontakt gehabt hatten und dort versuchen die aus ihrer Heimat entführten Sklaven zu befreien. Nach kurzem Bedenken entschließen sie sich schließlich, Australien den Rücken zu kehren und mit dieser Mission zu versuchen ihre verlorene Ehre gegenüber dem britischen Empire wieder herzustellen. Doch ihre Reise von Sydney nach Rio de Jainero steht von Anfang nicht unter einem guten Stern und kurz vor ihrem Ziel erleiden sie schließlich Schiffbruch. So bleibt ihnen nach einer nicht gerade erfreulichen Begegnung mit einem französischen Schiff nichts anderes übrig als sich durch das fremdartige und gefährliche Reich der Inka zu kämpfen um ihre Mission doch noch erfüllen zu können.

Nach dem etwas erzählungstechnisch meiner Meinung nach etwas flacher geratenen letzten Teil dreht Naomi Novik in Drachengold wieder etwas mehr auf und bietet ihren Lesern auf dem 415 Seiten starken Buch etwas mehr Action und Spannung. Vor allem das in dieser alternativen Zeitlinie noch existierende Inkareich mit ihrer etwas ungewöhnlichen, aber dennoch glaubhaften Gesellschaftsform bietet einige neue und interessante Aspekte. Aber ganz erreicht die Geschichte auch dieses Mal die Dynamik der ersten Teile nicht. Irgendwie scheint es dass die Autorin sich etwas zu sehr in den Konflikt zwischen der Pflicht zum Gehorsam gegenüber dem Empire und den für die damalige Zeit etwas zu fortschrittlichen ethischen Vorstellungen die Temeraire vertritt. Dadurch verrennt sie sich teilweise meiner Meinung nach etwas zu sehr in die Auseinandersetzung um diesen Kontroversen anstatt die Story stärker voran zu bringen. Insgesamt ist Drachengold aber dennoch eine gelungene Fortsetzung der Serie um die Feuerreiter ihrer Majestät und die Story hat immer noch viele interessante Aspekte und Wendungen die mich fesseln konnten. Daher bin ich natürlich gespannt wie es weiter geht und werde der Serie auch weiterhin die Treue halten – dennoch bleibt zu hoffen dass Frau Novik im nächsten Band noch etwas mehr zu dem Potential zurück findet, dass sie in den ersten vier bis fünf Bänden an den Tag gelegt hatte.

Meine Wertung: 2 von 3 Sternen

Mord im Dirnenhaus – Petra Schier [Adelina Burka 2]

Saturday, October 15th, 2011

Mit Mord im Dirnenhaus habe ich nun auch das zweite Buch der Adelina Burka Krimireihe der deutschen Authorin Petra Schier gelesen oder besser gesagt gehört.
Wieder verschlägt es den Leser in das Köln des 14ten Jahrhunderts, um genau zu sein ins Jahr 1396. Es ist eine bewegte Zeit, in der die Gaffeln, eine Bürgervereinigung von Zünften in Köln, gerade die Unabhängigkeit von Adel und Patriziern vom Erzbischof erstreiten. Unsere Protagonistin, die Apothekerin Adelina, die in der Zwischenzeit den bereits aus dem ersten Teil bekannten Medicus Niklas Burka geheiratet hat, hat seit den Ereignissen um die Tode im Beginenhaus die Meisterprüfung abgelegt und die Apotheke ihres an Demenz erkrankten Vaters am Kölner Neumarkt übernommen. Eigentlich war es nicht die Absicht des jungen Paares sich in weitere Kriminalfälle verwickeln zu lassen. Doch als der Ratsherr Thönnes van Kneyart, ein Kunde von Adelina, in einem Dirnenhaus an vergiftetem Konfekt stirbt das offensichtlich aus ihrer Apotheke stammt und wenig später auch einer ihrer Nachbar an der selben Ursache zu Tode kommt, bleibt der jungen Frau nichts anderes übrig als erneut Untersuchungen aufzunehmen um den wahren Täter zu finden – denn es geht hier um ihren Ruf, ihr Geschäft und vielleicht sogar ihr eigenes Leben, da sie im schlimmsten Fall wegen Giftmordes angeklagt werden könnte. Und ihr Ehemann Neklas Burka ist noch immer nicht von seiner Reise zu seiner kranken Mutter nach Kortrijk zurück, was det junge Frau die alleinige Verantwortung für die Apotheke, ihren senilen Vater und ihren geistig zurückgebliebenen Bruder Vitus aufbürdet, wobei sie bei ihren Aufgaben inzwischen von zwei Mägden und einem Knecht unterstützt wird. Obwohl sie vom Ratsherr Georg Rese, den wir ja auch schon im ersten Teil dieser Reihe kennengelernt hatten, unterstützt wird, kommt sie zuerst einmal nur wenig in ihrem Ermittlungen voran. Dass auch die alte Hebamme und Kräuterkundige Ludmilla ebenfalls verdächtigt wird, gibt Adelina aber erst einmal etwas Zeit die Untersuchungen voran zu bringen, auch wenn sie nicht verhindern kann dass sowohl die Kräuterfrau hat als auch die Dirnen, beides Ausgestoßene der mittelalterlichen Gesellschaft, der peinlichen Befragung unterzogen werden. Und dass der Zunftmeister ihr ein neues Lehrmädchen, die adelige Mira, zuweist und ihr Ehemann Neklas bei seiner Rückkehr seine uneheliche Tochter Griet mit ins Haus bringt macht es nicht einfacher. Bald schon gibt es mit dem Schöffen Anton Keppeler und einer Dirne weitere Opfer des vergifteten Konfekts und es scheint noch immer keinen wirklichen Verdächtigen zu geben, auch wenn Adelina den als hinterhältig geltenden Vetter des toten Thönnes, Mathys van Kneyart, verdächtigt. Und dann taucht auch noch der fanatische Mönch und Prediger Thomasius auf, der Neklas Burka aus seiner Zeit in Italien kennt und um seine Geheimnisse aus dieser Zeit zu wissen scheint.
Mit diesem Buch hat Petra Schier einen würdigen zweiten Teil der Krimireihe um Adelina Burka abgeliefert. Eingebettet in die historischen Ereignisse um die Anerkennung der Kölner Gaffeln als rechtmäßige Stadtregierung bei Erzbischof klärt die junge Apothekermeisterin wieder in bekannt unkonventioneller Form einen weiteren Mordfall im Köln des ausgehenden 14ten Jahrhunderts. Der amüsante und flüssige Schreibstil, beim Hörbuch wohl auch in Kombination mit der sehr gut passenden Stimme der Sprecherin Sabine Swoboda, macht das Buch schnell ausgelesen und ermöglicht es dem Leser wunderbar, sich in das Leben eines Bürgers der damaligen Zeit zurückzuversetzen. Dass sich die Handlung dabei nach dem ersten Kapitel in dem der Mord geschieht fast ausschließlich auf das Umfeld der Apothekerin abspielt tut der Abrundung der Geschichte aber keinerlei Abbruch. Um die Geschichte insgesamt zu verstehen ist dabei die Kenntnis des ersten Bandes zwar nicht unbedingt vonnöten, kann aber wenn man sich für die Entwicklung der einzelnen Charaktere und ihre Vorgeschichte interessiert durchaus zu empfehlen – es gibt ein oder zwei Tatsachen die im zweiten Band nicht noch einmal erläutert werden. Insgesamt ein sehr empfehlenswerter historischer Roman, der Lust auf mehr macht. Zum Glück sind noch zwei weitere Bände der Adelina Burka-Reihe erschienen und es wird mit Sicherheit nicht lange dauern bis ich auch diese hier vorstellen kann. 😉

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Silberschweine [Marcus Didius Falco 1] – Lindsey Davis

Tuesday, June 28th, 2011

Wer sich mit dem Thema der historischen Krimis beschäftigt wie ich kommt dabei natürlich nicht an Marcus Didius Falco der britischen Authorin Lindsey Davis vorbei. Nachdem ich die SPQR-Reihe von John Maddox Roberts ja inzwischen durch habe (obwohl ich noch die Hoffnung habe dass da eventuell noch einmal was kommt) wandte ich vor einiger Zeit dieser bald mit dem zwanzigsten Band erscheinenden Krimireihe zu. Wie üblich wollte ich aber die Reihe natürlich von ganz vorne lesen, was sich jedoch als etwas vertrackt herausstellte da der erste Band nicht mehr verfügbar war – aber zum Glück fand ich ihn als gebrauchtes Buch und erwarb es für ein paar Euro über den Amazon Marketplace.
Protagonist dieser Reihe ist wie schon zu vermuten war eben jener Marcus Didius Falco, zweiter Sohn einer Plebejer-Familie, der als Privatermittler und Schnüffler mehr schlecht als recht versucht im kaiserlichen Rom um das Jahr 70 nach Christus sein auskommen zu finden. In diesem berühmten Vierkaiserjahr sitzt nun als nach einem Bürgerkrieg der Kaiser Vespasian auf dem Thron, der aus Sicht des normalen Volkes endlich Stabilität zu versprechen scheint. Nachdem unser Protagonist Sosia Cammilina, die Tochter des einflußreichen Senators Deciumus Cammilina Verrus, vor einigen Verfolgern gerettet hat, stößt er gemeinsam mit ihr in einem Schließfach auf ein sogenanntes Silberschwein, einen mit Silber versetzten Bleibarren, der eigentlich Eigentum des Kaisers ist. Nach anfänglichem Zögern nimmt er schließlich, nachdem einige scheinbar Unschuldige den Tod gefunden haben, doch die Ermittlungen auf. Dabei verschlägt es ihn dabei bis in die nördlichste der römischen Provinzen, Britannien – dem Herkunftsort des Silberschweins – wo er sich als vermeintlicher Sklave sogar in eine Silbermine verkaufen lässt um die Ermittlungen voran zu bringen. Nachdem er als Begleitung der zickigen und leicht arrogant wirkenden Senatorentochter Helena nach Rom zurück gekehrt ist, kommt es schließlich zum großen Showdown, bei dem nicht nur er in Lebensgefahr gerät.
Dieses 1989 in Großbritannien und 1991 bei Knaur hier in Deutschland veröffentlichte Erstlingswerk dieser britischen Autorin, die sich laut ihrer Biografie nach 13 Jahren Beamtenleben dazu entschloss Romane zu schreiben, zeichnet sich in diesem Erstlingswerk nicht gerade durch hundertprozentige historische Genauigkeit aus. Was als erstes auffällt ist die teilweise etwas flapsige, neumodische anmutende Ausdrucksweise der sich ein paar der Protagonisten bedienen. Aber auch kleine Details in der Gesamtgeschichte wie z.B. einem Basketballspiel passen nicht ganz in die Periode um 70 nach Christus. Trotzdem gefiel mir die Geschichte und ihr Protagonist auf Anhieb – er bietet einen interessanten Einblick ins Leben eines “einfachen” Römers. Der von seinem Auftreten her leicht schnodderig wirkende Falco, der in einer heruntergekommenen Mietskaserne lebt und in einem nicht perfekten, aber sehr typisch wirkenden Familienumfeld einer plebejischen Familie lebt, wird dem Leser meiner Meinung nach sehr Vertrauenswürdig vermittelt. Mit seinen Fehlern und dem Potential hier und dort in Fettnäpfchen zu treten aus denen er gerade so entkommen kann wirkt er sehr echt und irgendwie sympathisch. Und bei bis jetzt insgesamt 20 Romanen die Lindsay Davis bis heute über diesen römischen Schnüffler veröffentlicht hat, scheine ich da nicht der einzige zu sein der dieser Meinung ist. Mir hat dieses Buch trotz seiner kleinen Unzulänglichkeiten was seine historische Korrektheit angeht durchaus Lust auf mehr gemacht. Somit war Silberschweine mit Sicherheit nicht der letzte Roman den ich aus der Marcus Didius Falco Reihe gelesen habe.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Oktoberfest – Christoph Scholder

Saturday, January 22nd, 2011

Mit Oktoberfest habe ich gestern den Debütroman des deutschen Autors Christoph Scholder abgeschlossen. Und nach fast vier Jahren Arbeit hat der Universitätsdozent für Soziologie und Spätzünder was Bücher schreiben angeht einen Thriller abgeliefert, der meiner Meinung nach den Werken eines David Baldacci, Stieg Larsson oder John Katzenbach durchaus das Wasser reichen kann.
Ich hatte mich wieder für das Hörbuch mit einer Laufzeit von fast 17 Stunden entschieden, die mal wieder sehr packend von Detlef Bierstedt gelesen wird. Diese Hörbuchfassung gibt es aktuell Exklusiv bei Audible – für die Freunde des gedruckten Wortes ist die ca. 600-seitige Printausgabe im Droemer-Verlag erschienen.
Die Handlung dieses Buches spielt wie der Name schon vermuten lässt natürlich in München, wo das Oktoberfest mal wieder im vollen Gange ist. Zehntausende feiern und trinken ausgelassen auf dem wohl größten Volksfest der Welt. Doch am zweiten Wiesnsonntag kommt es zu einem Ereignis, das die schlimmsten Alpträume der Veranstalter und Sicherheitsbehörden in den Schatten stellt. Unter dem Kommando des skrupellosen Generalmajor Oleg Blochin nimmt eine abtrünnige russische Speznas-Einheit in einer sauber geplanten Kommandooperation zuerst das Benedektiner-Zelt und wenig später auch die übrigen Bierzelte auf der Theresienwiese als Geiseln und droht alle Besucher mit tödlichen Nervengift zu exekutieren. Über siebzigtausen Menschen befinden sich in der Gewalt der Elitesoldaten, deren Ziel es ist 2 Milliarden Euro in Rohdiamanten zu erpressen. Die Münchner Polizei, die Bayrische Landesregierung und auch die bald schon eingeschaltete Bundesregierung sind im ersten Moment ratlos wie sie gegen diesen bis ins letzte Detail geplanter Coup vorgehen können. Als zur Reaktion auf eine übereilte und misslungene Aktion der Behörden fast 2000 Besucher eines Zeltes einen grausamen Tod durch das Nervegas finden, droht die Situation zu eskalieren. Doch da tritt Wolfgang Härter, Mitglied einer geheimen Abteilung des Militärischen Abschirmdienstes, Marineschwimmer und Kapitän der deutschen Bundesmarine auf den Plan und versucht mit viel Taktik und allerlei Kniffen zu retten was zu retten ist und die größte Bedrohung die Deutschland sich seit Ende des zweiten Weltkrieges gegenüber sah so glimpflich wie möglich zu beenden.
Ich muß zugeben dass mich der Plot im ersten Moment zwar begeistert, aber beim längeren Überlegen dann doch etwas abgeschreckt hat. Zu sehr klang mir das Ganze nach einer sehr konstruierten und unglaubwürdigen Geschichte. Aber bereits nach den ersten Kapiteln konnten diese Bedenken verworfen werden, denn es gelingt Christoph Scholder sowohl die Haupt- als auch die Nebencharaktere dem Leser realistisch und wirklichkeitsnah zu vermitteln. Alle Aktionen der handelnden Einzelpersonen, der bundesdeutschen Exekutive, der Einsatz von SEK, GSG9 und KSK sowie im Verlaufe des Buches sogar der Bundeswehr erschienen plausibel und glaubwürdig. Dabei hat der Autor offensichtlich großen Aufwand in die Recherche gesteckt und das Buch mit vielen Fakten über Kommandostrukuren, technische Details von eingesetzten Waffen und Kryptotechniken oder auch die gesetzlichen Vorschriften gespickt, dass soweit ich das zu Beurteilen vermag zu keinem Moment der Eindruck entsteht dass die hier erzählte Geschichte unrealistisch oder überzogen wirkt. Und auch bei der Beschreibung der Wirkung des Nervengases oder bestimmter Waffen lässt er es nicht aus deren Wirkung bis ins Kleinste zu beschreiben, was mich das eine oder andere Mal doch etwas schaudern ließ. Obwohl im Verlauf der Erzählung viele parallele Handlungsstränge aufgebaut werden, gelingt es dem Autor außerdem, keinen davon im Sande verlaufen zu lassen sondern führt alles am Ende zu einem großen Finale wieder logisch zusammen – eine Leistung die nicht jedem Schreiber gelingt.
Besonders im ersten Drittel des Buches steckt Scholder viele Seiten in die Einführung verschiedener Hauptpersonen. Zum einen wird sehr akribisch über Karl Romberg und seine Karriere vom einfachen Automechaniker zum Spediteur berichtet, auch wenn er zumindest aus meiner Sicht insgesamt eine eher untergeordnete Rolle spielt. Für die Abrundung der Geschichte wichtiger erscheinen da die Rückblicke in die Vergangenheit der Speznas-Einheit, unter anderem ins russisch besetzte Afghanistan des Jahres 1984 und ins tschetschenische Grosny des Jahres 1994, um deren Handlungsweise und Vorgehen in der Jetztzeit zu verstehen. Nur über Wolfgang Härter, der ja eindeutig die wichtigste Person des ganzen Buches ist, lässt sich Scholder nur hier und da dazu hinreißen, Details über dessen Leben preis zu geben – gerade genug um den Charakter und die Handlungsweise zu verstehen. Einzig bei der Konstruktion dieser Person hat er dabei, so empfand ich es zumindest, an ein oder zwei Ecken ein klein wenig zu dick aufgetragen. Aber wer Thriller liest braucht eben seine Helden, daher kann man retrospektiv auf das Gesamtwerk gesehen gut damit leben.
Für ein Erstlingswerk kann ich da nur sagen: Hut ab. Diesem Buch ist es wirklich gelungen mich zu fesseln und hat es mich innerhalb von nur wenigen Tagen verschlingen lassen. Auch wenn es mich freuen würde wenn es noch weitere Werke mit Wolfgang Härter geben würde, kann ich mir doch aktuell nur schwer vorstellen, dass der Autor ein solches Handlungsspektakel wiederholen könnte ohne dass es doch beginnen könnte doch unglaubwürdig zu werden. Obwohl natürlich Serien wie 24 mit Kiefer Sutherland schon bewiesen haben, dass man sich in solchen Prognosen auch irren kann. Wie dem auch sei – ich werde auf jeden Fall die Augen nach weiteren Werken von Christoph Scholder Ausschau zu halten. Da dieses Buch aber erst im August 2010 erschienen ist, wird bis dahin wohl noch etwas Zeit vergehen. Ich bin da ja mal sehr gespannt.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Sturz der Titanen – Ken Follet

Tuesday, January 18th, 2011

Mit Sturz der Titanen habe ich nun auch das aktuelle Werk des britischen Autors Ken Follet verschlungen. Dabei hatte ich mich für die ungekürzte Hörbuchfassung entschieden, erschienen genau die Druckausgabe im Lübbe-Verlag und erworben wie immer bei meinen Hörbuch-Dealer Audible. Mit etwas mehr als 37 Stunden Laufzeit handelt es sich bei diesem von Philip Schepmann gelesene Werk zwar um einen ziemlichen Brocken Literatur, aber jede Zeile hat sich in diesem Fall wahrlich mehr als nur gelohnt. Nicht dass ich nach dem Konsum der Werke Die Säulen der Erde, Nacht über den Wassern, Die Kinder von Eden, Die Pfeiler der Macht, Die Brücken der Freiheit und Eisfieber dieses Autors etwas anderes erwartet hätte, dennoch bin ich bei diesem bereits im Vorfeld als erster Teil eines Epos beschriebenen Buches natürlich mit der geeigneten Unvoreingenommenheit heran gegangen.
Erzählt wird die Geschichte verschiedener Familien in Deutschland, England, Russland und den USA während zwischen den Jahr 1911 und 1924, einer Zeit die vom Ersten Weltkrieg, der russischen Revolution und einem umfassenden sozialen Wandel bestimmt wird. Um einen Überblick über die komplexe Storyline zu bekommen werfen wir am besten einen Blick auf die wichtigsten Protagonisten dieses Romanes. Ich versuche dabei so wenig wie möglich über die eigentliche Handlung zu verraten, aber einige Ausrutscher möge man mir hier bitte verzeihen.
Die britische Bergarbeiterfamilie Williams lebt im kleinen walisischen Ort Aberowen. Die Geschichte beginnt mit dem Tag, als der jüngste Sohn der Famile Billy Williams im Alter von gerade mal dreizehn Jahren mit der Arbeit in der lokalen Kohlegrube beginnt. Während seine ältere Schwester Ethel es als Hausangestellte des lokalen Earls Fitzherbert es noch etwas besser getroffen hat, müssen die meisten Bewohner des Ortes ihr Leben in ärmlichen Verhältnissen fristen ihren Lebensunterhalt unter Tage verdienen. Als es zu einem Grubenunglück kommt, beweist zwar der Billy Williams großen Heldenmut und rettet einige der Kumpel vor dem sicheren Tod unter der Erde. Doch als die Familien der verunglückten Kumpel zwangsenteignet und um ihre Häuser gebracht werden um neuen Arbeitskräften Platz zu machen, kommt es zu Aufständen unter den Bergarbeitern.
Das kümmert den lokalen Lord, den Earl Fitzherbert, jedoch nur wenig. Als Mitglied des britischen Hochadels und Abgeordneten des Oberhauses verschließt der erzkonserative Adelige mit seiner Frau Bea, ebenfalls eine Adelige russischer Herkunft, die Augen vor den Nöten der Bewohner seiner Besitzungen. Daran ändert auch der Besuch des gerade neu eingesetzten britischen Königs George V. nichts, der etwas unbeholfen versucht den Bergarbeitern nach dem Grubenunglück sein Beileid und Mitgefühl zu bekunden. Als sich zwischen Ethel Williams und dem Lord ein Techtelmechtel entwickelt, kommt es wie es kommen muss: Ethel wird schwanger und verliert ihre Stelle im Haus des Lords. Wegen der außerehelichen Schwangerschaft wird sie auch von ihrem Vater verstoßen und geht mit einer kleinen Abfindung nach London, wo sie sich bald Maud Fitzherbert, der Schwester des Vaters ihres unehelichen Kindes, anschließt und damit beginnt, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen.
Mit Lady Maud Fitzherbert, der Schwester des Earls, kommen wir zu einer weiteren Hauptperson dieses Werkes. Trotz ihrer Neigung zum Suffragettentum verliebt sie sich während eines Empfanges auf dem Anwesen ihres Bruders in den jungen deutschen Diplomaten Walter von Ulrich. Zwar sind sowohl ihr Bruder als auch der konserative Vater des jungen Walter, Otto von Ulrich, gegen diese Beziehung, aber das hält die Beiden nicht davon ab kurz vor Ausbruch des Weltkrieges heimlich zu heiraten. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie noch nicht, welche Ausmaße die kommende Auseinandersetzung annehmen wird und das sie sich für lange Zeit nicht mehr sehen werden.
Auf diesem Empfang bei Earl Fitzherbert wird auch eine weitere wichtige Person der Handlung eingeführt, der ebenfalls noch junge Harvard-Absolvent und Mitarbeiter der amerkanischen Botschaft Gus Dewar, der sich schon bald zu einem der wichtigsten Mitarbeiter des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson entwickelt und somit nah an den Geschehnissen steht, die schließlich zum Kriegseintritt der USA führen.
Ein weiterer Handlungsstrang des Buches verläuft schließlich im russischen Sankt Petersburg, wo die Brüder Grigori und Lew Peschkow, die nach der Hinrichtung ihres Vaters durch den Fürsten und des Todes ihrer Mutter in Folge des Petersburger Blutsonntages von 1905 als Waisen aufwachsen. Unter unmenschlichen Bedingungen ihr leben fristend arbeiten beide für einen Hungerlohn im lokalen Stahlwerk. Der Ältere der Beiden, Grigori, versucht trotz seiner ärmlichen Lebensumstände ein rechtsschaffendes Leben zu führen und träumt davon nach Amerika auszuwandern. Doch seinen Plänen wird durch die kriminellen Machenschaften seines Bruders Lew ein Strich durch die Rechnung gemacht, denn er muss ihm sein Ticket für die Überfahrt nach Amerika überlassen um ihn so vor dem sicheren Galgen zu retten. Während Lew so nach einigen Umwegen in die USA gelangt und sich schließlich in Baltimore, der Heimatstadt von Gus Dewar niederlässt, wo er schon bald für den dortigen Boss eines Verbrechersyndikates arbeitet, wird Grigori schließlich in die Wirren des russischen Oktoberrevolution gezogen und entwickelt sich zum Revolutionär an der Seite von Lenin und Trotzki.
Insgesamt kann ich nach Abschluß dieses etwas mehr als 37 Stunden langen Hörbuches (die Druckversion hat lt. Amazon 1024, andere Quellen sprechen von 1022 Seiten) nur sagen: Wow!!! Was Ken Follet da abgeliefert hat, hat durchaus Potential als Meisterwerk bezeichnet zu werden. Nicht nur dass es ihm auf wunderbare Weise gelungen ist, die Lebensverläufe der von ihrer Stellung und ihrer Herkunft her so verschiedenen Personen miteinander zu verstricken und die Verhältnisse der damaligen Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten überzeugend darzustellen, auch die Geschichte erscheint insgesamt als durchgehend plausibel und hat einen klaren roten Faden. Viele Begegnungen der Protagonisten erscheinen zwar zufällig, passen aber ohne dass sie konstruiert wirken perfekt in das Gesamtbild dieses ersten Teils des als Trilogie angelegten Epos. Dem Autor ist es dabei perfekt gelungen, ein Stück Weltgeschichte und gesellschaftlichen und politischen Wandel nicht nur von der Seite der großen und mächtigen, sondern besonders auch aus der Sicht der mehr oder weniger einfachen Leute darzustellen. Dabei sind alle historischen Fakten soweit ich das zu Beurteilen vermag detailliert recherchiert und lassen keinen Zweifel zu, dass Ken Follet viel Zeit in die geschichtliche Richtigkeit seiner Erzählung gesteckt hat. Natürlich trägt auch der Vorleser Philipp Schepmann einen großen Teil zum Erfolg dieses Hörbuches bei, denn ihm gelingt es durch entsprechende Stimmanpassung den einzelnen Charakteren ein zusätzliches Eigenleben einzuhauchen. Ich kann dieses Buch absolut weiter empfehlen, ich halte das ganze für ein wirkliches Meisterstück und kann es kaum erwarten den zweiten Teil zu verschlingen. Leider wird man auf den zweiten Teil, in dem meiner Recherche nach wohl die Kinder der hier beschriebenen Personen die Hauptrolle spielen werden, noch bis ins Jahr 2012 warten müssen. Ein genauer Erscheinungstermin steht noch nicht fest. Schade, aber ich werde wohl zwangsweise bis dahin durchhalten müssen.

Meine Wertung: 3 Sterne

Drachenflamme (Die Feuerreiter seiner Majestät 6)

Saturday, November 13th, 2010

Drachenflamme - BuchNatürlich hätte ich warten können bis auch der gerade in Deutsch erschienene sechste Teil der Romanreihe Die Feuerreiter seiner Majestät der US-amerikanischen Schriftstellerin Naomi Novik als Hörbuch vertont wurde, immerhin habe ich Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5 als solches verschlungen gehabt, doch irgendwie war ich zu ungeduldig, daher hatte ich das Buch bei Amazon vorbestellt und es sogar ein paar Tage vor dem ursprünglich angekündigten Termin erhalten. Also machte ich mich gleich ans Lesen und hatte das 413 Seiten starke Softcover-Buch innerhalb kürzester Zeit durch.
Wir schreiben das Jahr 1809. Da Will Laurence und sein Drache Temeraire bei der Befreiung Englands von Napoleons Invasionstruppen mitgekämpft hatten, wurde das ursprüngliche Todesurteil wegen Hochverrats gegen Laurence umgewandelt und er und sein Drache wurden in die britische Kolonie Australien nach Sydney deportiert. Trotz der Anfeindungen, denen vor allem Laurence dort als angeblicher Verräter ausgesetzt ist, versuchen beide ihre Pflicht zu erfüllen und begeben sich gemeinsam mit anderen Drachen dort auf eine Expedition ins Landesinnere, um dort mit Hilfe von Strafgefangenen Straßen zu bauen. So zumindest der ursprüngliche Plan. Doch als eines der mitgeführten Dracheneier gestohlen wird, entwickelt sich diese Expedition zu einer Verfolgungsjagd quer über den wilden Australischen Kontinent, wo nicht nur Kängurus auf sie warten. Als sie schließlich auf eine chinesische Kolonie stoßen, gerät vor allem Will Laurence in einen Gewissenskonflikt. Soll er den Chinesen, die sowohl ihn als auch seinen Drachen Temeraire weitaus besser behandeln als seine englischen Landsleute, helfen oder ins britische Sydney zurückkehren und seine Deportation absitzen, um später wieder nach England zurückkehren zu können.
Der Gros des Buches dreht sich um die lange Reise quer über den roten Kontinent. Im Mittelpunkt stehen auch dieses Mal wieder mehr die Konflikte und Probleme zwischen den einzelnen Expeditionsteilnehmern und lassen die Geschichte die erzählt wird teilweise in den Hintergrund treten. Die Begegnung mit den Chinesen geschieht erst recht spät im Buch und überhaupt erscheint mir der Part mit der chinesischen Kolonie eher als Mittel zum Zweck, um überhaupt noch ein maßgebliches Ereignis in die sonst eher dahinplätschernde Erzählung zu bringen. Und selbst das Ende erscheint mir dieses Mal wenig befriedigend und könnte auch als Ende der Serie gesehen werden. Ich hoffe nicht das Naomi Novik die Lust an den Erzählungen um Will Laurence und Temeraire verloren hat und freue mich wenn noch auf einige weitere Teile, gerade weil einige Ereignisse in Europa und Südamerika angesprochen werden, die noch weitere spannende Abenteuer versprechen. Dennoch muss ich zu dem Schluss kommen, dass Drachenflamme das aus meiner Sicht bisher schwächste aller Bücher in der Reihe Die Feuerreiter seiner Majestät war – hier hätte man weitaus mehr aus der Geschichte rausholen können. Ich hoffe dass es nicht allzu lange dauert, bis das Frau Novik das nächste Buch veröffentlicht. Da Drachenflamme aber erst im Juli 2010 auf Englisch und im Oktober auf Deutsch veröffentlicht wurde, werde ich mich hier wohl noch etwas gedulden müssen. Ich halte aber meine Augen offen und werde der Serie auf jeden Fall treu bleiben.

Meine Wertung: 2 von 3 Sternen