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Toto & Harry live ?

Tuesday, September 29th, 2009

Live
Gesehen in Karlsruhe. Ich weiß ja nicht – aber Toto & Harry Live auf der Bühne finde ich dann doch etwas daneben. Das erscheint mir doch eher wie reine Geldmacherei. Na ja, wems gefällt. Dabei hat mir die Serie (ich glaube damals auf Sat1) eigentlich ganz gut gefallen – sozusagen die Mutter aller Polizeidokusoaps hier in Deutschland. Aber auf der Bühne kann ich mir das irgendwie nicht vorstellen…

Rückblick aufs Wordcamp 2009 in Jena

Sunday, February 15th, 2009
Wordcamp 2009

Am Samstag, dem 14ten Februar 2009 war es nun endlich soweit, das Wordcamp 2009, ein auf die Bloggersoftware WordPress spezialisiertes Barcamp, fand als Neuauflage des im Jahr 2008 erfolgreich hier in Jena durchgeführten Barcamps (Bereicht: Teil 1 / Teil 2)statt. Als Organisatoren traten neben Lars Zapf und Holger Weser dieses Mal auch das Team von WordPress Deutschland auf. Als Veranstaltungsort diente wie auch beim letzten Mal die 27te Etage des hiesigen Jentowers. Zur Einleitung sei erwähnt das ich hier natürlich nur über die Beiträge berichten kann, die ich selbst besucht habe. Parallel fanden jeweils noch andere Sessions statt, herfür verweise ich auf die inzwischen vervollständigte Agenda bei wordcamp.de.

Jentower

Als ich gegen 9:20 Uhr im Turm eintraf, waren die Räumlichkeiten bereits gut gefüllt. Als angemeldeter Teilnehmer mußte man sich am Eingang kurz anmelden, erhielt ein Kärtchen mit seinem Namen und seiner Blogadresse, das man sich als Tag um den Hals hängen konnte und ein T-Shirt mit Wordcamp Logo. Außerdem konnte man sich mit Wordcamp-Buttons und Stickern eindecken. Die gesamte Veranstaltung war im übrigen Kostenlos – an dieser Stelle ein großer Dank an die zahlreichen Sponsoren, die dies möglich gemacht haben. Diese sorgten unter anderem auch für die Verpflegung mit Kaffee, Brezeln, Schokolade und Getränken, die reichhaltig vorhanden waren.
Um etwa 9:30 Uhr begannen die Organisatoren damit, einige einleitende Worte an die Teilnehmer zu richten.

Introduction Introduction

Dabei wurde auch abgeklärt ob einige der Teilnehmer neben den bereits in der Agenda im Vorfeld aufgeführten wordpress-bezogenen auch eigene Beiträge halten wollten. Dabei kam einiges zusammen – und wie von Barcamps gewohnt auf der Sessiontafel angepinnt um die entsprechende Raumverteilung zu organisieren.

Sessiontafel Sessions
Eröffnung des Wordcamps 2009

Ursprünglich war es geplant gewesen, gleich um 10.00 Uhr die Keynote mit aus Kalifornien angereisten WordPress Erfinders Matt Mullenweg zu veranstalten, doch leider steckte dieser zu diesem Zeitpunkt noch irgendwo im Stau – daher zog man die erste Runde von Sessions vor. Zur Auswahl standen Vorträge über Mobile Blogs, gehalten von Hendrik Lennarz, über YAML 3, gehalten von Dirk Jesse und schließlich zum Thema WordPress vs. Textpattern, gehalten von Gerrit van Aaken. Klang aus meiner Sicht alles sehr interessant – doch letztlich landete ich im Vortrag über das Mobile Blog von Hendrik Lennarz.

Hendrik Lennarz - Mobiles Blogging
Hendrik Lennarz auf dem Wordcamp 2009

Im Nachhinein gesehen wäre YAML 3 für mich als Tekki wohl noch interessanter gewesen, aber auch die Ausführungen zu Darstellungen von Blogs auf Mobilen Devices und vorgehensweisen zur realisierung derselben erwiesen sich als recht interessant.
Nach dieser Session war es dann schließlich soweit: Die Keynote mit Matthew Charles Mullenweg startete im großen Raum der 27ten Etage.

Matt Mullenweg Keynote mit Matt Mullenweg
Matt Mullenweg
Matt Mullenweg auf dem Wordcamp 2009

Nach einer kurzen Vorstellung seiner Person sprach er über die Entstehung von WordPress, der Weiterentwicklung und die Vision zu zukünftigen Versionen. Dabei ging er auch auf die zahlreich aus dem Publikum gestellten Fragen ein.

Audience Audience

Ebenso wie viele der anderen Sessions wurde auch die Keynote von einem Kamerateam von wordpress-deutschland.org aufgezeichnet. In einem späteren Gespräch erfuhr ich, dass diese Aufzeichnungen wohl später auf screenpress.org veröffentlicht werden. Die Seite befindet sich allerdings zur Zeit noch im geschlossenen Betastadium, daher verlinke ich sie hier noch nicht direkt. Sobald ich mehr erfahre, werde ich natürlich darüber informieren.

Aufnahmen zur Keynote Filmaufnahmen

Nach der Keynote besuchte ich den Vortrag zu WordPress als CMS, der im kleinen Raum “London” stattfand, wo sich jedoch weitaus mehr Interessenten einfanden als die Organisatoren wohl erwartet hatten. Die beiden Vortragenden sprachen über ihre Erfahrungen und Vorgehensweisen beim Einsatz von WordPress als CMS zum einen über die Verwendung von Seiten (Pages) als auch durch das Schreiben von eigenen Templates in PHP.

Wordpress als CMS Wordpress als CMS

Es folgte die Mittagspause, zu der wir uns wie ich bereits berichtete ins Cheers begaben. Leider dauerte es dort etwas länger als ursprünglich vorgesehen, so dass wir leider etwa 20 Minuten zu spät zu den nächsten Vorträgen zurück kamen.
Ich entschloss mich kurzfristig noch in den Raum London zu begeben, wo über das Zend Framework referiert wurde. War ganz interessant, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu sehr im Bereich der Grundlagen gehalten. Da ich mich selbst schon damit beschäftigt hatte, konnte ich wenig neues hier erfahren.

Vortrag - Zend Framework

Im Anschluss begab ich mich dann zum zweiten Teil über Bloggen und Recht, gehalten von Rechtsanwalt Henning Krieg, dem Betreiber des Lawblog Kriegs-Recht.de im großen Raum “San Francisco”. Er sprach über die vielen rechtlichen Stolperfallen, in die man als Blogger tappen kann.

Henning Krieg - Bloggen und Recht Henning Krieg - Bloggen und Recht

Dabei ging es nicht nur um Urheberrechtsverletzungen, sondern auch um das deutsche Fotorecht speziell in Bezug auf das veröffentlichen von Personen- und Gebäudebildern. Dabei wies er auch auf die Artikelserie zum Fotorecht im law-blog hin. Sehr interessanter Vortrag, bei dem viele Fragen gestellt wurden.
Im selben Raum fand anschließend die Session zum Thema Geoblogging statt, gehalten von Lothar Koppers, einem Hochschullehrer für Geoinformationssysteme von der FH Sachsen-Anhalt in Dessau.

Lothar Koppers - Geoblogging Lothar Koppers - Geoblogging

Dabei sprach er über verschiedene Geo-Plugins, die man in WordPress verwenden kann, die Möglichkeiten Fotos mit Geoinformationen zu versehen und schließlich die Darstellung solcher geogetaggten Fotos auf Kartendiensten wie Google Maps oder auch dem freien Kartendienst Open Street Maps. Sehr interessant muß ich sagen – gespickt mit vielen Detailinformationen.
Der letzter Vortrag den ich besuchte wurde schließlich von Alper Iseri gehalten, der über seine Idee zur Gründung eines deutschen Bloggerverbandes sprach.

Alper Iseri - Diskussion Bloggerverband Alper Iseri - Diskussion Bloggerverband

Dabei ergriff auch Robert Basic das Wort und sprach für diese Idee.

Robert Basic - Diskussion Bloggerverband

Obwohl die Idee einer Vereinigung, die Bloggern mit Rat und Tat zur Seite steht und sie rechtlichen Fragen berät größtenteils positiv aufgenommen wurde, gab es auch einige Zwischenrufe. Man befürchtete unter anderem die Bildung einer zu starren Vereinigung und Machtkämpfen an der Spitze, die Alper jedoch meiner Meinung nach größtenteils entkräften konnte. Natürlich besteht noch viel Diskussionsbedarf, aber die vorgebrachten Ansätze haben wirklich Potential. Selbst bei heise.de berichtete man inzwischen über diese Ideen.
Zum Ende der Veranstaltung fand im großen Raum schließlich noch eine Abschlussdiskussion statt, bei der sich die Organisatoren für den reibungslosen Ablauf bedankten und im Gegenzug reichlich Applaus von den Teilnehmern erhielten.

Abschlussdiskussion Abschlussdiskussion

Ab 19:00 Uhr gab es schließlich noch ein After-Party im Gatto Bello in der Wagnergasse, wo wir bei gutem Essen und gekühlten Getränken noch etwas Socializing betreiben konnten. Alles in allem mal eine sehr erfolgreiche Veranstaltung mit vielen interessanten Leuten. Schade dass sie dieses Mal nur über einen Tag ging – es hätte mit Sicherheit auch noch genügend Material für eine zweite Session am Sonntag gegeben. Vielleicht beim nächsten Mal – es kristallisierte sich bereits heraus das es ein weiteres Barcamp geben wird. Sobald ich mehr dazu erfahre, werde ich natürlich darüber berichten.

Haie gegen Füchse

Wednesday, October 15th, 2008

Auf den Vorschlag eines meiner WG-Mitbewohner hin begaben wir uns gestern nun in die Köln-Arena im Stadtteil Deutz, um dort dem Spiel des hiesigen Eishockeyvereins der Kölner Haie gegen die Duisburger Füchse beizuwohnen. Ich muß dazu gleich zu Anfang anmerken, daß ich mich noch nie tiefer gehend mit diesem Sport beschäftigt habe und viele der im folgenden Artikel gemachten Anmerkungen meinen persönlichen subjektiven Eindrücken entsprechen.
Um zur Arena zu gelangen nahmen wir den Bus und die Straßenbahn – zu den Tickets die wir uns zuvor über das Internet bestellt hatten, war die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zur An- und Abreise glücklicherweise inbegriffen. Bei der Auwahl der Sitzplätze hatten wir uns beim Bestellen für die mit 40 €uronen wohl kostspieligsten Plätze direkt an der Mittellinie entschieden.

Als wir schließlich ankamen, war schon großer Betrieb vor dem der Halle. Etwas mehr als 14880 andere Menschen hatten sich nämlich ebenfalls dazu entschlossen, das heutige Spiel zu besuchen.

Kölnarena Eingang Südwest - Kölnarena

In der großen Eingangshalle entschlossen wir uns erst einmal dazu, uns mit einer kleinen Stärkung und einem Getränk zu versorgen – denn wir waren direkt von der Arbeit aufgebrochen und hatten daher nicht zu Abend essen können. So stellten wir uns an einem der Stände im Erdgeschoß an eine der Schlangen an und besorgten uns schließlich eine Riesenbratwurst, die mit einer zweiten Riesenbratwurst aufgewertet wurden, da die Brötchen ausgegangen waren.

sowie einem einen Liter fassenden Plastikkrug mit einem leicht alkoholhaltigen Hopfenkaltgetränk nach lokaler Zubereitungsart – um genau zu sein schenkte man hier Gilden Kölsch aus. Nicht unbedingt mein Favorit unter den Kölsch – aber man nimmt ja was man kriegt… 😉

Bierkrug

Als wir unsere Plätze eingenommen hatten, begann auch schon der Einlauf der Spieler auf das Spielfeld. Hier hatte man sich ein wirklich spektakulär wirkendes Spektakel ausgedacht – zumindest für die Heimmannschaft der “Haie” in Rot-Weiß. Vor dem Eingang hatte man einen riesigen aufblasbarer Haikopf aufgebaut und der Ansager rief zum Einlauf eines jeden Spielers dessen Vornamen, worauf das Publikum lautstark dessen Nachnamen skandierte. Der anschließende Einlauf der Gäste wurde wenigeraufwendig zelebriert – obwohl sich auch einige Fans der Gastmannschaft im Stadion waren.

opening

An dieser Stelle sei noch bemerkt, daß es sich hier um das Spiel der Tabellenletzten (Haie) gegen die Tabellenvorletzten (Füchse) handelte – aber das war mir persönlich für meinen ersten Live-Besuch beim Eishockey eher schnuppe.
Den eigentlichen Anpfiff bekam ich dann fast gar nicht mit. Aber wie man mir erzählte dauert ein solches Spiel drei mal je zwanzig Minuten – bei Gleichstand am Ende gibt es entsprechend Verlängerung und danach wird 7-Meter-Schießen nach dem Sudden Death durchgeführt. Das erste Tor fiel dann recht schnell – enttäuschenderweise für die Gäste. Doch das Blatt sollte sich schnell wenden.

during the game Spieler

Von den lokalen Fanblocks, die offensichtlich hinter den Toren lokalisiert waren, tönten während des ganzen Spieles mehr oder weniger anfeuerende Rufe und das Schlagen von Trommeln. Der Spielverlauf gestaltete sich dann recht spannend, beide Mannschaften erschienen mir zu diesem Zeitpunkt etwa gleichstark – dennoch gelang Köln noch im ersten Drittel der Ausgleich, was das Publikum mit lautem Jubel und heftigem Fanschal-Schwenken quittierte.

Publikum

Was mit als Laien gleich zu Beginn auffiel war im übrigen die Tatsache, daß man im Eishockey im laufenden Spiel scheinbar unbegrenz Spieler auswechseln kann. Immer wieder verschwanden einer oder gleich mehrere auf der Reservebank, während andere Spieler das Eisfeld betraten – ohne irgendeine Spielunterbrechung. An dieser Stelle möchte ich auch gleich die Art der Spielerbestrafung bei unrechtmäßigem “Gegen-die-Bande-drücken” des Gegeners oder sonstigen Regelwiderigen verhalten: Der Spieler muß für 2 oder mehr Minuten in eine spezielle Plexiglaskammer am Spielfeldrand verschwinden – oft begleitet vom höhnischen Gesang der Fans – und die Strafzeit dort absitzen. Nach Ablauf der Zeit, die auf der großen Anzeigetafel angezeigt wird, betritt er dann ohne großes aufheben wieder das Feld und gliedert sich dort wieder in das laufende Spiel ein.
In der ersten Unterbrechung, die ca. 20 Minuten dauerte, wurde eine kleine Werbeveranstaltung der hiesigen Toyotahändler in der Arena durchgeführt, bei der ein Pärchen mit einem Auto aufs Eis gefahren wurde und dann gegeneinander antretend Eispucks in jeweils eines der Tore schießen mußte – umwuselt von den beiden Maskottchen der spielenden Vereine – einem Hai und einem Fuchs, der mich jedoch mehr an einen Löwen erinnerte.

break advertising Pausenspiel

In den letzten Minuten fuhren schließlich noch zwei Fahrzeuge – ich nenne sie jetzt mal aus Entbehrung des richtigen Namens “Eismaschinen” – auf die Eisfläche und machten diese vermutlich wieder glatt und somit spielfertig.

Eiswagen

Die Haie bauten in den nächsten beiden Dritteln dann noch einmal richtig auf und trotz noch eines Gegentreffers seitens der Füchse erreichten sie sich schließlich einen meiner Meinung nach wohlverdienten Sieg mit einem Endstand von 4 zu 2 – womit die Haie auf den vorletzten Platz aufsteigen.
Zum Abschluß ging es mit der glücklicherweise nicht so extrem überfüllten Straßenbahn zurück nach Hause.

Endstand

Eine kleine Einrichtung möchte ich noch zum Ende kurz erwähnen: An den Rückenlehnen der Sitze waren im ersten Moment seltsam anmutende Metallösen angebracht, denen ich im ersten Moment keine Funktion zuweisen konnte.

Getränkehalter

Ein genauerer Blick auf den Schaft eröffnete schließlich, um was es sich hierbei handelte: Um einen Becherhalter. Und sogar der Henkel des 1L Plastikkrug ließ sich darin arretieren. Fand ich eine einfache, aber funktionale Idee – und bei vollen Rängen eine gute Alternative dazu, sein Getränk auf den Boden zu stellen und Gefahr zu laufen, daß er dort umgeworfen wird.

Bierbecher im Halter

WordCamp 2009 in Jena

Thursday, September 25th, 2008

Ich habe mich eben auch mal zum WordCamp 2009 in Jena angemeldet. Hoffentlich klappt es daß ich dort sein kann. Das letzte Barcamp in Jena war ja ein voller Erfolg.

Richard M. Stallman in Jena

Wednesday, February 20th, 2008

Habe gerade etwa zweieinhalb Stunden Richard M. Stallman hinter mir, der heute (und morgen) im schönen Jena weilt. Der “Godfather of Free Software” sprach heute ab 18.00 Uhr im Hörsaal 3 am Campus hier in Jena. Ursprünglich war als Veranstaltungsort ja der Jen-/Intershop Tower geplant gewesen, doch aufgrund der großen Nachfrage hatte man kurzfristigt umdisponiert und war an die Uni umgezogen – zu Recht, denn auch hier waren fast alle Sitzplätze belegt, als Richard M. Stallman, mit seinen langen Haaren, dem Vollbart und dem kleinen Bäuchlein sowie seinem typischen roten Shirt den Saal betrat. Nach ein paar einleitenden Worten durch die Veranstalter begann schließlich der eigentliche Vortrag, der in englisch gehalten wurde.

Richard M. Stallman in Jena Richard M. Stallman in Jena

Stallman sprach über sein Verständnis von freier Software, unter der er weniger etwas wie Freibier, sondern eher Prinzipien wie die Redefreiheit versteht. Gleich zu Beginn definierte er die vier Grundfreiheiten die Software aus seiner Sicht haben sollte:

  • The freedom to run programs, for any purpose. (Freedom 0)
  • The freedom to study how the program works, and adapt it to your needs (freedom 1). Access to the source code is a precondition for this.
  • The freedom to redistribute copies so you can help your neighbor and your community (freedom 2).
  • The freedom to improve the program, and release your improvements to the public, so that the whole community benefits (freedom 3). Access to the source code is a precondition for this.

Properitäre Software, komme sie nun von Microsoft, Apple oder irgend einem anderen kommerziellen Hersteller, beschneide diese Freiheiten aus seiner Sicht über die Maßen und nehme dem Benutzer die Entscheidungsfreiheit, was er wann auf seinem Computer ausführe. Der Benutzer sei “at Microsofts mercy” und die Firmen hätten inzwischen neben verschiedener Backdoors genügend andere Möglichkeiten eingebaut, um sowohl Daten vom Benutzer des Rechners zu sammeln als auch die Ausführung von Inhalten bis zum extrem der Zugriffsverweigerung einzuschränken. Dem Benutzer könnten angepasste Updates ohne dessen Zustimmung untergeschoben werden, die die Möglichkeiten auf seinem Rechner beschränken oder ihn auf Gedeih und Verderb diesen Firmen ausliefern. Passenderweise nannte er dies “Malicious Features“.

Richard M. Stallman in Jena Richard M. Stallman in Jena

Wasser auf die Mühlen eines jeden kritischen oder auch leicht paranoiden EDVlers – mich selbst eingeschlossen. 😉
Durch den Einsatz von properitären Systemen und Software schränke der Benutzer über die Maßen seine eigene Entscheidungsfreiheit ein und gäbe einen Teil seiner demokratischen Grundrechte an die großen Softwarekonzerne ab. Besonders schön fand ich auch jenen Part, in dem er Windows Vista als das darlegte, was es ist: ein DRM Betriebssystem. Dabei bezeichnete er die Abkürzung DRM passenderweise als “Digital Restriction Management” – was es ja im Grunde genommen auch ist. Mit “Rechten” im Sinne der Definition hat es aus Benutzersicht wirklich nichts zu tun. Mehr Infos dazu gibts auch auch badvista.org – einer Seite von der Free Software Foundation über die Gefahren dieses Betriebssystems.

Die ganze Fülle des Vortrages kann und will ich hier nicht wiedergeben – dazu ist das ganze zu vielschichtig und wen so etwas interessiert, dem sei der morgige Vortrag um 11.00 Uhr im Tower oder aber die vielen Texte, Audios und Videos von Richard M. Stallman empfohlen, die man überall im Netz findet.
Mir kamen während des Vortrages natürlich Gedanken, daß das worüber er hier sprach in eine Art IT-Kommunismus oder -Sozialismus münden könnte. Gerade so Aussagen wie “Building a new world of freedom…” ließen da gewisse parallelen vor dem geistigen Auge auftauchen – doch solche Gedanken entkräftete Stallman noch während seines Vortrages, indem er sich klar zum kapitalistischen System bekannte und solche Vorwürfe, die ihm und der FSF auch von Seiten der großen Softwarehersteller regelmässig entgegengebracht würden, deutlich von sich wies.
Des weiteren wies er darauf hin, daß Open Source Software nur bedingt etwas mit seiner Idee von freier Software zu tun hätte. Das Linux und ähnliche Open Source Projekte würde zwar unter der GNU Lizenz veröffentlichte Software nutzen, und die Lorbeeren für das GNU/Linux einzig Linus Torvald zuzuschustern wäre ungerecht gegenüber dem, was seine Organisation bereits im Vorfeld für ein freies Unix geleistet hätte.
Leider zögen, so führte er aus, viele die Bequemlichkeit (Convenience) der Freiheit (Freedom) vor, wenn es um Software ginge – daher gab es um das Jahr 2000 auch keine Linux-Distribution mehr, die noch ohne kommerzielle/properitäre Bestandteile aus käme. Inzwischen haben sich zwar wieder einige (eher unbekannte) Distributionen etabliert, die dem GNU Prinzip in vollen Umfang folgten (z.B. Blag oder ututuo), aber das wäre eher die Ausnahme.
Interessant war auch noch der Part, in dem er die Verteilung von vergünstigten oder kostenlosen Versionen kommerzieller Betriebssysteme mit der hypothetischen Situation verglich, dass man Schüler mit der kostenlosen Abgabe einer Droge bereits in frühen Jahren abhängig machen würde, um sie später in dieser Abhängigkeit besser auf Linie zu diesem Betriebssystem halten zu können. Ein etwas extremer Vergleich, der jedoch einer gewissen Wahrheit nicht entbehrt.
Bevor es dann in die Diskussion ging, führte uns Stallman noch seine zweite Funktion als Saint IGNUcius der Church of Emacs vor – eine Einlage mit eindeutig komödiantischen Anleihen, zu der er sich einen schwarzen Talar anlegte und die Scheibe einer alten Festplatte als Heiligenschein auf den Kopf setzte.

Richard M. Stallman as Saint IGNUcius Richard M. Stallman as Saint IGNUcius
Richard M. Stallman as Saint IGNUcius

Das ganze sorgte für einige Lacher und Schmunzler im Publikum – vor allem mit Aussagen wie “There is no system but Gnu and Linux is one of his Kernels” oder “Vi Vi Vi is the editor of the beast“. Nicht nur ich habe mich königlich amüsiert.

Zum Abschluß ging es dann in eine Fragerunde, in der es der Audience ermöglicht wurde, Fragen an Richard M. Stallmann zu stellen – was von einem Teil der Zuschauer auch rege genutzt wurde, während ein anderer Teil nun nach und nach den Hörsaal verließ.

Richard M. Stallman in Jena Richard M. Stallman in Jena

Abschließend möchte ich sagen, daß ich die Entscheidung zu dieser Veranstaltung zu gehen zu keinem Zeitpunkt bereut habe – und ich kämpfte wirklich mit mit, ob ich noch mit zu der Anschlußveranstaltung ins Hotel Zur Noll in der Oberlauengasse gehe oder nicht – entschied mich dann aber dagegen. Richard M. Stallman würde ich, nachdem ich ihn nun live erlebt habe, zwar immer noch etwas in die Kategorie “Alt-Hippie, der seine Ideale nicht verraten hat” stecken – man möge mir diesen Gedanken verzeichen – aber die Aussagen die er während getroffen treffen durchaus in vielen Teilen auch meine Ansichten. Auf der anderen Seite muß natürlich gesagt sein, dass eine heile Softwarewelt durch ausschließlichen Einsatz von freier Software mir dennoch etwas illusorisch erscheint. Auch wenn ich der Idee der freien Software durchaus offen entgegen stehe, halte ich es für eher utopisch, dass eine Abschaffung kommerzieller Softwareanbieter und der Einsatz von unter Communitygedanken entwickelten freien Software eine bessere IT-Welt schaffen würde. Viele seiner Ideen haben wirklich Hand und Fuß, aber ich bin dann doch zu sehr ein Realist, als dass ich seine Thesen vorbehaltlos adaptieren könnte. Die Idee die Weiterentwicklung von Software dadurch zu finanzieren, daß jeder Interessent daran seinen Obulus an den Gesamtkosten trägt, mag einen gewissen Charme haben – aber eine Realisierung unter den gegebenen Umständen halte ich dennoch für nicht ohne weiteres durchsetzbar. Es ist eine Tatsache, dass der aktuell vorherrschende Kapitalismus stark von der Art der Kapitalismus unterscheidet, der noch in den 60er und frühen 70er Jahren – zur Zeit des Kalten Krieges – vorherrschte. Nennt mich Ismaeal desillusioniert – aber die Soziale Komponente tritt meiner Ansicht nach durch die steigende Globalisierung immer mehr in den Hintergrund – Entscheidungen auf Regierungsebene werden nicht mehr zum Wohl des Volkes, sondern eher zum Wohl des Kapitals getroffen. Das Deckmäntelchen der sozialen Marktwirtschaft ist nun einmal nicht mehr relevant, nachdem das System dem man etwas entgegen stellen wollte – nämlich der sozialistisch/kommunistische Ostblock – zusammengebrochen ist.
Die Zeiten sind vorbei, in denen man sich noch auf die Absicherung durch seinen Staat verlassen konnte. Zwar entwickeln sich die Industriestaaten – sowohl in Europa als auch in Nordamerika zu sogenannten Nanny States – die sich eher durch die übermässige Bevormundung ihrer aus Sicht der “Politiker-Elite” nicht mehr wirklich mündigen Bürger auszeichnet. Ich denke da nur an den (hoffentlich bekannten) Frosch im Wasser. Aber das ist eine andere Sache, die ich jetzt nicht weiter diskutieren möchte.
Wer die Möglichkeit hat, dem kann ich morgen nur raten, die Veranstaltung um 11.00 Uhr im JenTower zu besuchen – Richard M. Stallman sollte man auf jeden Fall einmal live erlebt haben…