Jean-Luc Godards “Alphaville”

Heute Abend veranstaltet die Fachschaft des Fachbereiches (wenn ich mich recht entsinne) Philosophie und Volkskunde (Filmreihe der Volkskunde / Kulturgeschichte) in der Zwätzengasse 12a (Position) eine kleine Filmvorführung des Klassikers Alphaville von Jean-Luc Godard. Der Film wurde (nach einigen Startschwierigkeiten) im dortigen Vorlesungsraum OMU (französisch mit englischem Untertitel) gezeigt.
Ich muß sagen: Ein wirklicher Klassiker des Film Noir. Der Schwarzweiß-Film ist weit entfernt von etwas, das sich noch als “Popcorn-Kino” bezeichnrn ließe. Er dreht sich um Lemmy Cautious, dargestellt von Eddie Constantine, der im Jahre 1990 in die Stadt Alphaville verschlägt, um dort einen vermissten Agentenkollegen zu suchen – wobei anzumerken sei, daß der Film im Jahre 1965 gedreht wurde und die damalige Vorstellung einer Stadt für dieses damals noch ferne Jahr darstellt. Dort herrscht eine logisch strukturierte Gesellschaft unter der Kontrolle eines Professor vonBraun und der Dominanz des Supercomputer Alpha 60.
Die Handlung ist eher als unordentlich zu bezeichnen und trägt expressionistische, teilweise surrealistische Züge – auch wenn einige Teile der technischen Kulisse mich einige Male an Raumpatroullie denken ließen. ­čśë Trotzdem konnte der Film sowohl meinen Begleiter, Herrn Gonzo, als auch mich irgendwie begeistern. Alleine das Spiel mit Licht und Schatten, was so wohl nur im Schwarzweiß-Film möglich ist, kann ich nur als genial bezeichnen. Aber auch die teilweise elliptisch-philosophischen Dialoge, die trotz Untertitels noch sehr gut vermittelt wurden, haben ihren eigenen Charme. Das ganze kann man wohl als Reflektion der frühen Technikangst der damaligen Gesellschaft ansehen und erscheint in der Darstellung heute teilweise mehr amüsant als erschreckend, trotzdem ist der Film auch heute noch ein wirklich sehenswertes Werk.
Einzig negativ fiel mir gegen Ende die etwas exzessive und teilweise übertriebene Verwendung der Schußwaffe auf, die aber wohl eher als Parodie auf die Trenchcoat-Detektivfilme aus Amerika aus der selben Zeitperiode zu sehen ist. Ich muß dazu noch erwähnen, daß ich bisher dem Film Noir nicht besonders viel abgewinnen konnte, was aber wohl auch zum großen Teil einer Art Vorverurteilung zuzuschreiben ist, denn besonders viele Filme dieses Genres habe ich bisher nicht wirklich gesehen – aber speziell dieser Film macht fast schon Lust auf mehr.
Überlegung am Rande: Eine moderne Form des Film Noir, zumindest was die Ausdruckskraft der Darstellung angeht, ist heutzutage in Farbe wohl der chinesische Film im Stile eines Zhang Yimou. Wenn ich an Filme wie Hero oder dem in Kürze erscheinenden Curse of the golden Flower (Trailer), sind dies wohl, abgesehen einigen Ausnahmen, die einzigen Produktionen, die zumindest in ihrer hinsichtlich ihrer Bildkomposition noch an so etwas herankommen. Zumindest kann man diese Streifen nur am Rande mit einem frühen Bruce Lee oder einem aktuellen Jackie Chan Film vergleichen. Gut, auf der anderen Seite hinkt der Vergleich natürlich auch hier und da, denn im Gegensatz zu den europäisch/französischen Filmen der 50er/60er Jahre des 20. Jahrhunderts sind solche Produktionen mit weitaus größerem Budget und vor allem vielen digitalen Effekten hergestellt. Dennoch mußte ich daran denken, während ich dort im Hörsaal in der Zwätzengasse 12a saß und den Film Alphaville sah…
Nachtrag: Hier der Trailer – thx to Gonzo:

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