Posts Tagged ‘historisch’

Nur der Tod bringt Vergebung – Peter Tremayne (Schwester Fidelma ermittelt)

Montag, September 17th, 2012

Mit Nur der Tod bringt Vergebung habe ich mir nun den ersten Teil aus der Romanreihe Schwester Fidelma ermittelt von Peter Tremayne zu Gemüte geführt. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der britische Historiker Peter Berresford Ellis, der nach einem Studium der Keltologie dem Journalismus und dem Schreiben von Büchern gewidmet. Neben seinen anderen Werken enstanden dabei auch seit 1994 die inzwischen 20 Bände um die irische Nonne Fidelma, die mit ihrem Spürsinn im siebten Jahrhundert nach Christus Kriminalfälle löst. Irgendwie fand ich die Idee auf Anhieb reizvoll. Da ich solche Bücher-Reihen, wenn möglich, immer chronologisch nach Erscheinungsdatum lese begann ich schließlich mit dem 1994 als erster Teil erschienenen Buch Nur der Tod bringt Vergebung meine literarische Reise in das frühchristlichen, keltisch-angelsächsischen Europa des 7. Jahrhunderts mit einer bei Audible erworbenen, ungekürzten Hörbuchversion dieses Werkes (Lauflänge: sieben Stunden und vierundvierzig Minuten). Gelesen wird dieses Hörbuch mal wieder von Sabine Swoboda, die ich ja schon aus der Reihe um Adelina Burka her kennen und schätzen gelernt hatte.
Die Protagonisten dieser Reihe ist wie gesagt die irische Nonne und Advokatin Fidelma von Kildare. Der Begriff Advokatin, also Anwältin, in Verbindung mit einer Frau im dem Europa des siebten Jahrhundert machte mich zu Beginn zwar etwas stutzig, aber in der alten irisch-keltischen Gesellschaft gab es wie man erfährt tatsächlich keine so strikte Geschlechtertrennung wie z.B. bei den Angelsachsen oder in den meisten Regionen auf dem europäischen Festland. So konnte jeder Gelehrte und jede Gelehrte zum sogenannten Anruth ausbilden lassen, womit er bzw. sie sowohl richterliche Funktionen ausführen konnte oder aber als Anwalt bzw. Anwältin agieren. Damit aber genug zu diesem Thema, ich will hier nicht über das damalige irische Rechtssystem, sondern von dem Roman berichten – wer mehr wissen will kann ja auch gerne zum Buch greifen. 😉 Kommen wir also zur Handlung: Wir schreiben das Jahr 664 nach Christus und die Vertreter der römisch-katholischen Kirche und der keltischen bzw. iroschottischen Kirche von Columban treffen zur Synode von Whitby zusammen um darüber zu beraten welche Auslegung der christlichen Lehre zukünftig im alten britischen Königreich von Northumbria (das liegt ungefähr zwischen Edinburgh von York) gültig sein soll. Mit der Delegation der Kirche von Columban reist auch Schwester Fidelma an die Ostküste der britischen Insel um dort beratend und als Übersetzerin an der Synode teilzunehmen. Als die dortige Äbtissin Étain von Kildare ermordet aufgefunden wird, werden Fidelma und der sächsische Bruder Eadulf damit beauftragt, die Umstände des Verbrechens zu untersuchen – man vermutet natürlich zuerst kirchenpolitische Hintergründe für die Tat. Doch bald wird ein Bettler, der den Tod der Äbtissin bereits vor der Tat vorhergesagt haben soll, als Tatverdächtiger verhaftet und der Fall scheint abgeschlossen – doch Fidelma lässt es sich nicht so einfach machen und ihr gelingt es den unschuldigen Mann zu entlasten, kann aber dennoch nicht verhindern dass zwei weitere Teilnehmer der Synode gewaltsam den Tod finden. Jetzt müssen die junge Nonne und ihr Partner Ergebnisse vorlegen, um schlimmeres zu verhindern…
In seinem Debütroman der Schwester Fidelma ermittelt Reihe gelingt es dem Autor wie ich finde auf unterhaltsame Weise, viele geschichtliche Fakten aus dem England und Irland des siebten Jahrhunderts mit einer spannenden und abwechslungsreichen Kriminalgeschichte zu verbinden. Man merkt deutlich, dass hier ein Historiker am Werk war, denn Peter Tremayne aka. Peter Berresford Ellis wirft in der Geschichte zwar mit vielen realen geschichtlichen Figuren und Fakten um sich, dennoch gelingt es ihm meiner Meinung nach die Geschichte nicht unausgewogen oder die eigentlichen Handlung nebensächlich werden zu lassen – auch wenn er häufig etwas an der Grenze kratzt und neigt zu sehr in historische Details zu verfallen. Die Protagonistin Fidelma selbst wird dabei als intelligente und selbstbewusste, aber auch etwas dickköpfige und zeitweilig leicht zur Arroganz neigende junge Frau dargestellt, die weiß sich trotz aller Widrigkeiten in der Männerwelt dieses Jahrhunderts durchzusetzen. Mit dem Sachsen Eadulf bekommt sie auch gleich im ersten Roman einen Partner zur Seite gestellt, dessen Intellekt sich trotz anfänglicher Anlaufschwierigkeiten gut mit dem ihrem ergänzt und die Beiden so zu einem überaus scharfsinnigen Detektiv-Team zusammenwachsen lässt. Ich bin zwar der Meinung, dass der Autor die irische Gesellschaft der damaligen Zeit etwas übertrieben positiv darstellt und diese versucht als ein ideales Gesellschaftsmodell der damaligen Zeit darzustellen, was soweit ich weiß wohl nicht ganz den Tatsachen entsprach – aber das tut dem insgesamt positiven Gesamteindruck der Geschichte letztlich keinen Abbruch. Ein gelungener Anfang einer historischen Krimireihe, die mir Lust auf mehr gemacht hat. Bald also mehr hier über Schwester Fidelma und ihre Abenteuer im frühchristlichen Europa im ersten Jahrtausend nach der Zeitenwende.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Kaiserkrieger: Der Aufstand (Dirk van den Boom)

Sonntag, August 12th, 2012

Nach Die Ankunft, Der Verrat und Der Aufbruch habe ich mit Der Aufstand nun auch den vierten Teil der Kaiserkrieger-Reihe des deutschen Autors Dirk van den Boom innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Dabei griff ich wie auch zuvor auf die Druckausgabe zurück, die mit 260 Seiten dieses Mal wieder etwas dicker als seine Vorgänger geraten war.
Wir erinnern uns: Der kaiserlich-deutsche Panzerkreuzer Saarbrücken war auf geheimnisvolle Weise auf seiner Fahrt von Bremerhaven nach Deutsch-Südwestafrika ins Jahr 378 nach Christus versetzt worden, ein Zeitalter des Umbruchs. In den in der regulären Geschichtsschreibung hatte zu dieser Zeit der Einfall der vor den Hunnen fliehenden Goten den Anfang vom Ende des weströmischen Reiches einleiten. Durch Eingreifen der Besatzung unter ihrem Kommandanten Jan Rheinberg war es gelungen die gotischen Reiterhorden vor Thessaloniki zu schlagen und sie schließlich zu befrieden. Und auch die Bedrohung aus den eigenen Reihen durch eine vom umtriebigen ersten Offizier Von Klasewitz angezettelte Meuterei war glimpflich abgegangen. Unter der Herrschaft des römischen Kaisers Gratian beginnt die Zusammenarbeit der Römer mit den Zeitreisenden auch erste Früchte zu tragen – doch die Bedrohung ist noch nicht ganz vorüber. Während die Expedition ins Königreich Aksum, dem heutigen Äthiopien Fortschritte macht und die Zeitreisenden und ihre Begleiter ersten Kontakt zum Hof des Herrschers Mehadayis herstellen, hat sich der Meuterer Von Klasewitz mit dem römischen Heerführer in Britannien Magnus Maximus zusammen getan, der auch in dieser alternativen Zeitlinie versucht nach dem Purpur, also der Kaiserwürde, zu greifen und – nun teilweise mit moderner Waffentechnik ausgerüstet, die Von Klasewitz ihm liefert – in Gallien einfällt. Parallel wird von der ersten Begegnung der römischen und ehemalig kaiserlich-deutschen Truppen im Osten Europas mit den Hunnen berichtet. Zu diesem Trupp gehören aber nicht nur die offiziell von den Zeitreisenden entsendete Truppen, sondern auch der aus Liebe zu einer Römerin desertierte und nun später in die Legionen zwangsrekrutierte Thomas Volkert, der natürlich weiterhin versucht unerkannt zu bleiben um nicht doch noch wegen Fahnenflucht vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Und im Hintergrund zieht der umtriebige Bischof Ambrosius seine Fäden, der die Vorherrschaft der trinitätischen Lehre vor der ebenfalls sehr populären Arianischen Kirche sichern und seine Kirche zur alleinigen Staatskirche des römischen Reiches machen möchte. Schließlich kommt es zur Entscheidungsschlacht zwischen den Truppen Gratians, die von den Zeitreisenden unterstützt werden, und den Truppen des Maximus in der Gegend des heutigen und die Erzählung nimmt eine unerwartete Wendung, die alles zu bedrohen könnte was die Zeitreisenden bisher erreicht haben.
Wieder gelingt es Dirk van der Boom die vielen parallelen Handlungssträng die er in den vorherigen Bänden eröffnet hat zu einer spannenden und fesselnden Gesamtgeschichte zu integrieren. Manchmal fragte ich mich zwar, ob preußisch gedrillte Soldaten vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wirklich einen so großen Humanismus an den Tag gelegt hätten, aber davon lasse ich mir natürlich nicht den Spaß an dieser geschichtlich sehr gut recherchierten und ansonsten sehr glaubwürdig wirkenden Romanreihe verderben. Natürlich endet auch diese Geschichte mit gleich mehreren Cliffhangern, aber das macht natürlich Lust auf den nächsten Teil, der laut Blog des Autors schon bei den Lektoren des Verlages liegt. Sobald das Buch raus kommt, werde ich es mir natürlich gleich besorgen, lesen und dann darüber berichten.

Nachtrag: Der Erste Offizier und Meuterer heißt Klasewitz, nicht Klaasen – keine Ahnung wie ich darauf gekommen bin. Danke an den Autor für den Hinweis.

Kaiserkrieger: Der Aufbruch (Dirk van den Boom)

Freitag, März 2nd, 2012

Innerhalb weniger Tage habe ich nun auch den dritten Teil der auf sechs Teile angelegten Kaiserkrieger-Reihe des deutschen Autors Dirk van den Boom konsumiert. Über den ersten Teil Die Ankunft hatte ich ja bereits hier und über den zweiten Teil Der Verrat hier berichtet.
Wir erinnern uns, dass es den kaiserlich-deutschen Panzerkreuzer Saarbrücken auf dem Weg nach Afrika durch ein unerklärliches Ereignis in das 378 nach Christus verschlagen hatte, ein Zeitalter in dem die beginnende große Völkerwanderung und der Einfall der Goten den Niedergang des weströmischen Reiches einläutet. Die Besatzung unter ihrem Kapitän Jan Rheinberg hatte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten schließlich mit ihrem Schicksal arrangiert und begonnen, mit den den Römern unter ihrem weströmischen Kaiser Gratian Kontakt aufzunehmen und diese in ihrem Kampf gegen die Goten zu unterstützen. Mit ihren fortgeschrittenen Waffen und ihrer Technik gelingt es ihnen schließlich, die gotischen Horden vor Thessaloniki zu besiegen und schließlich sogar zu befrieden. Nachdem die Meuterei, die der erste Offizier der Saarbrücken vom Zaun gebrochen hatte, niedergeschlagen worden ist, konnten sich die deutschen Zeitenwanderer nun daran machen, ihre Stellung im Reich zu festigen und beginnen, eine kleine Industrie aufzubauen und damit das römische Reich zu reformieren und so sein eigentliches Schicksal abzuwenden. Doch nicht nur von Teilen der christlichen Kirche, sondern auch von anderer Seite drohen Gefahren. Auch die Hunnen, der eigentlich Auslöser der beginnenden Völkerwanderung, gilt es ein verstärktes Augenmerk zuzuwenden – und Kapitän Rheinberg und seine römischen Verbündeten beginnen in diese Richtung entsprechende Vorbereitungen zu treffen…
Ich will nicht zu viel vom Inhalt verraten, doch ich kann zumindest sagen dass es Dirk van den Boom auch im dritten Teil wieder gelungen ist, die Geschichte mit ihren vielen, parallel laufenden Storylines und Charakteren, die sich im Laufe der letzten Bände entwickelt haben, interessant und spannend weiterzuführen. Ganz am Anfang schien zwar der Eindruck aufzukommen der Plot würde doch etwas zu Reibungslos verlaufen, sprich Leute aus der Zukunft kommen mit überlegenen Waffen in die Spätantike und retten die Römer vor dem Untergang und dann Friede, Freude, Eierkuchen. Doch schnell hat sich herauskristallisiert dass es sich der Autor doch nicht sooooo einfach macht – inzwischen es gibt genügend kleine oder größere Gegenströmungen die weiterhin einen interessanten und abwechslungsreichen Verlauf versprechen.
Aber alleine die vielen Cliffhanger die der Abschluss des Buches offen lässt nötigen mich regelrecht dazu, dass ich natürlich auch den nächsten, vierten Teil Der Aufstand verinnerlichen werde sobald er denn mal endlich erscheint. Laut dem Blog des Autors befindet sich dieser aber schon in Produktion und bei Amazon.de war die Ausgabe auch schon vorbestellbar, allerdings ohne konkreten Erscheinungstermin. Bleibt also zu hoffen dass ich nicht allzu lange warten muss um zu erfahren wie es weitergeht. 😉

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Kaiserkrieger – Der Verrat (Dirk van den Boom)

Dienstag, Januar 10th, 2012

Bereits vor einigen Tagen habe ich mit Der Verrat nun auch den zweiten Teil der Kaiserkrieger-Reihe des deutschen Politologen, Übersetzers und Buchautors Dirk van den Boom abgeschlossen. Zu meiner Schande muss ich zugeben dass es bereits seit Ende April letzten Jahres bei mir lag, aber ich aufgrund anderer Bücher einfach nicht dazu gekommen war es mal anzugehen, doch jetzt war es endlich so weit gewesen und innerhalb kürzester Zeit hatte ich es verschlungen. Es handelt sich hier natürlich um die Fortsetzung des von mir hier bereits vorgestellten Uchronie bzw. Alternativwelt-Romans Die Ankunft. Wie erinnern uns vielleicht, dass es im ersten Teil die Saarbrücken, ein Kreuzer der kaiserlich-deutschen Marine auf dem Weg nach Afrika in ein unerklärliches Wetterphänomen geraten war und sich wenig später im Jahre 378 nach Christus wiedergefunden hatte. Dort treffen sie auf die Vertreter des bereits in zwei Teilen gespaltenen Römischen Reiches, das unter den Angriffen der Goten in seiner Ostmark leidet und kurz davor unter dem Ansturm der Reiterhorden zusammenzubrechen. Die Schlacht bei Adrianopel ist für die Römer verloren und die Feinde schicken sich an, auch Thessaloniki zu erobern und zu plündern. Nachdem die Offiziere der Saarbrücken Kontakt mit dem jungen weströmischen Kaiser Flavius Gratianus (Gratian) aufgenommen haben, schicken sie und ihre in der Vergangenheit gestrandeten Soldaten und Matrosen sich nun mit Hilfe der Römer an, das Ruder für das Reich noch einmal herum zu reißen und die eigentlich schon geschriebene Geschichte zu ändern und somit den drohenden Untergang zu verhindern. Doch nicht nur seitens intrigierender mächtiger Kirchenfürsten droht ihnen Gefahr, auch in den eigenen Reihen brodelt es. Es riecht nach Verrat – und dieser droht alle Pläne zunichte zu machen.
Wie nicht anders erwartet hat Dirk van den Boom mit diesem 216 Seiten starken, zweiten Teil eine überaus gelungene Fortsetzung der übrigens auf sechs Teile angelegten Kaiserkrieger-Reihe vorgelegt. Der historisch übrigens wunderbar detailreich recherchierte Roman ist dabei in mehrere parallel verlaufende Handlungsstränge aufgeteilt, in denen sich der Autor wie bereits im ersten Teil nicht nur darauf beschränkt die Handlungen und Denkweisen der gestrandeten Deutschen und der Römer zu beschreiben. Viel mehr gibt er auch den Goten, ihrer Denkweise und ihrer Handlungen ein Gesicht und lässt so somit nicht nur als gesichtlose Barbarenhorden, sondern als eine facettenreiche Gruppe von durchaus listenreich handelnden Personen erscheinen. Trotz der in viele eigenes laufende Teilgeschichten aufgeteilten Stränge lässt sich aber dennoch klar erkennen wie sich alles in eine weit gefächerte Gesamtplot zusammenzufügen scheint.
Wie ich über das Blog des Autors – www.kaiserkrieger.de – feststellen durfte ist auch inzwischen der dritte Teil erschienen und der vierte Teil im weit fortgeschrittenem Status. Ich muss mich also ran halten – der dritte Teil Der Aufbruch ist bereits in der Zustellung – um hier wieder etwas aufholen zu können. Die bisherige Entwicklung hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich bin natürlich sehr gespannt wie es weiter geht. Eine wie ich finde bisher wirklich sehr gelungene Geschichte deren Fortgang ich keinesfalls verpassen will. Und dieses Mal werde ich mit Sicherheit schneller sein – also wird es hier bald mehr über die Kaiserkrieger geben. Ich kann die Reihe allen Freunden der Fantastik – den Begriff „Science Fiction“ halte ich bei Alternativwelt-Romane nicht so recht passend – auf jeden Fall nur ans Herz legen: Ein wirklich erfrischend kurzweiliges Buch das Lust auf mehr macht.

Meine Wertung: 3 von3 Sternen

Mord im Dirnenhaus – Petra Schier [Adelina Burka 2]

Samstag, Oktober 15th, 2011

Mit Mord im Dirnenhaus habe ich nun auch das zweite Buch der Adelina Burka Krimireihe der deutschen Authorin Petra Schier gelesen oder besser gesagt gehört.
Wieder verschlägt es den Leser in das Köln des 14ten Jahrhunderts, um genau zu sein ins Jahr 1396. Es ist eine bewegte Zeit, in der die Gaffeln, eine Bürgervereinigung von Zünften in Köln, gerade die Unabhängigkeit von Adel und Patriziern vom Erzbischof erstreiten. Unsere Protagonistin, die Apothekerin Adelina, die in der Zwischenzeit den bereits aus dem ersten Teil bekannten Medicus Niklas Burka geheiratet hat, hat seit den Ereignissen um die Tode im Beginenhaus die Meisterprüfung abgelegt und die Apotheke ihres an Demenz erkrankten Vaters am Kölner Neumarkt übernommen. Eigentlich war es nicht die Absicht des jungen Paares sich in weitere Kriminalfälle verwickeln zu lassen. Doch als der Ratsherr Thönnes van Kneyart, ein Kunde von Adelina, in einem Dirnenhaus an vergiftetem Konfekt stirbt das offensichtlich aus ihrer Apotheke stammt und wenig später auch einer ihrer Nachbar an der selben Ursache zu Tode kommt, bleibt der jungen Frau nichts anderes übrig als erneut Untersuchungen aufzunehmen um den wahren Täter zu finden – denn es geht hier um ihren Ruf, ihr Geschäft und vielleicht sogar ihr eigenes Leben, da sie im schlimmsten Fall wegen Giftmordes angeklagt werden könnte. Und ihr Ehemann Neklas Burka ist noch immer nicht von seiner Reise zu seiner kranken Mutter nach Kortrijk zurück, was det junge Frau die alleinige Verantwortung für die Apotheke, ihren senilen Vater und ihren geistig zurückgebliebenen Bruder Vitus aufbürdet, wobei sie bei ihren Aufgaben inzwischen von zwei Mägden und einem Knecht unterstützt wird. Obwohl sie vom Ratsherr Georg Rese, den wir ja auch schon im ersten Teil dieser Reihe kennengelernt hatten, unterstützt wird, kommt sie zuerst einmal nur wenig in ihrem Ermittlungen voran. Dass auch die alte Hebamme und Kräuterkundige Ludmilla ebenfalls verdächtigt wird, gibt Adelina aber erst einmal etwas Zeit die Untersuchungen voran zu bringen, auch wenn sie nicht verhindern kann dass sowohl die Kräuterfrau hat als auch die Dirnen, beides Ausgestoßene der mittelalterlichen Gesellschaft, der peinlichen Befragung unterzogen werden. Und dass der Zunftmeister ihr ein neues Lehrmädchen, die adelige Mira, zuweist und ihr Ehemann Neklas bei seiner Rückkehr seine uneheliche Tochter Griet mit ins Haus bringt macht es nicht einfacher. Bald schon gibt es mit dem Schöffen Anton Keppeler und einer Dirne weitere Opfer des vergifteten Konfekts und es scheint noch immer keinen wirklichen Verdächtigen zu geben, auch wenn Adelina den als hinterhältig geltenden Vetter des toten Thönnes, Mathys van Kneyart, verdächtigt. Und dann taucht auch noch der fanatische Mönch und Prediger Thomasius auf, der Neklas Burka aus seiner Zeit in Italien kennt und um seine Geheimnisse aus dieser Zeit zu wissen scheint.
Mit diesem Buch hat Petra Schier einen würdigen zweiten Teil der Krimireihe um Adelina Burka abgeliefert. Eingebettet in die historischen Ereignisse um die Anerkennung der Kölner Gaffeln als rechtmäßige Stadtregierung bei Erzbischof klärt die junge Apothekermeisterin wieder in bekannt unkonventioneller Form einen weiteren Mordfall im Köln des ausgehenden 14ten Jahrhunderts. Der amüsante und flüssige Schreibstil, beim Hörbuch wohl auch in Kombination mit der sehr gut passenden Stimme der Sprecherin Sabine Swoboda, macht das Buch schnell ausgelesen und ermöglicht es dem Leser wunderbar, sich in das Leben eines Bürgers der damaligen Zeit zurückzuversetzen. Dass sich die Handlung dabei nach dem ersten Kapitel in dem der Mord geschieht fast ausschließlich auf das Umfeld der Apothekerin abspielt tut der Abrundung der Geschichte aber keinerlei Abbruch. Um die Geschichte insgesamt zu verstehen ist dabei die Kenntnis des ersten Bandes zwar nicht unbedingt vonnöten, kann aber wenn man sich für die Entwicklung der einzelnen Charaktere und ihre Vorgeschichte interessiert durchaus zu empfehlen – es gibt ein oder zwei Tatsachen die im zweiten Band nicht noch einmal erläutert werden. Insgesamt ein sehr empfehlenswerter historischer Roman, der Lust auf mehr macht. Zum Glück sind noch zwei weitere Bände der Adelina Burka-Reihe erschienen und es wird mit Sicherheit nicht lange dauern bis ich auch diese hier vorstellen kann. 😉

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Das kupferne Zeichen – Katia Fox

Montag, August 15th, 2011

Mit Das Kupferne Zeichen der deutschen Authorin Katia Fox (Homepage) hat es mich Literarisch ein weiteres Mal in den Bereich des Hochmittelalters verschlagen. Das 2007 bei Bastei-Lübbe erschienene Buch ist laut meiner Recherche mal wieder ein Erstlingswerk und Teil eins einer Triologie die mit den Werken Der silberne Falke (2009) ihre Fortsetzung und Der goldene Thron (2010) schließlich ihren Abschluß fand. Ich wählte dabei die (leider gekürzte) Hörbuchversion, die von der deutschen Schauspielerin Dana Geissler (Hompage) gesprochen wurde. Erworben wie immer bei meinem Hörbuchdealer Audible, wo ich eher per Zufall darauf gestoßen war und mich aufgrund des Klappentextes spontan dazu entschloss es zu erwerben.
In diesem Buch, welches den Leser ins England des 12. Jahrhunderts versetzt, dreht sich die Geschichte um die zu Beginn gerade zwölfjährige Ellenweore, genannt Ellen, die in der Schmiede ihres Vaters aufwächst und selbst davon träumt einmal Schmiedin zu werden, auch wenn dies nicht gerade in das Rollenverständnis der Menschen dieses Zeitalters passt. Als sie beim Beobachten eines Techtelmechtels eines lokalen Adeligen erwischt wird, flieht sie aus Angst vor Bestrafung aus ihrer Heimat und verkleidet sich als Junge. In dieser Rolle kommt sie bald als Lehrling bei einem Schmied unter und kommt so ihrem lange gehegten Traum einen guten Schritt näher. Als sie nach einigen Wirren schließlich bei einem berühmten Schwertschmied landet, bietet sich ihr die Möglichkeit ihrem Meister für den englischen König nach Frankreich zu gehen und dort Waffen zu fertigen. So macht sie sich, immer noch als Junge verkleidet, auf den Weg über den Kanal. Dort kann sie trotz ihrer fortschreitenden Pubertät ihr Geheimnis noch einige Zeit verbergen und lernt einen Teil des höfischen und ritterlichen Lebens am Königshof kennen. Doch als sie sich – noch immer in ihrer Rolle des Schmiedegesellen Alan – in einen der jungen angehenden Ritter verliebt und ein anderer Knappe auch beginnt wegen eines nichtigen Streites nachzustellen, muss sie schweren Herzens wieder weiterziehen. Doch Ellen hat sich nun eine Aufgabe in den Kopf gesetzt, die sie unbedingt erfüllen will: Sie möchte endlich als Schmiedin anerkennt und als erste Frau ein Schwert für den König schmieden. Doch bis es dazu kommt, liegt noch ein schwieriger und leidvoller Weg vor ihr.
Leider musste ich mal wieder feststellen, dass durch die Kürzungen in solchen Büchern häufiges einiges verloren zu gehen scheint. So auch bei diesem Hörbuch, dass zwar eine durchgehend spannende und interessante Geschichte bietet, aber der doch irgendwie das gewisse i-Tüpfelchen fehlte. Katia Fox hat für ihren Debütroman aber auf jeden Fall großen Aufwand in die Recherche Schwertschmiedekunst des Mittelalters gesteckt, die hier sehr detailreich beschrieben wird. Sie legt auch mehr Wert auf die Beschreibung der Charakteren und Denkweisen der einzelnen Handelnden und konzentriert sich nur wenig auf die Beschreibung des Umfeldes und den historischen Rahmen. Das macht aber gerade auch den gewissen Reiz dieses Romanes aus. Trotz der kleinen, durch die Kürzungen einhergehenden Einschränkungen gefiel mir die ausgewogene und spannende Geschichte gut. Bin gespannt wie es in den folgenden Teilen weitergeht, die ich mit Sicherheit auch noch konsumieren werden – allerdings in ungekürzter Form wenn möglich. 😉

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

Die Legion des Raben – Maria W. Peter [Invita 2]

Montag, Juli 4th, 2011

Nach dem bereits vorgestellten Werk Fortunas Rache habe ich mit Die Legion des Rabens nun auch das zweite Werk der Geschichten der deutschen Autorin Maria W. Peter um die Sklavin Invita gelesen, das sich mit 424 Seiten als etwas umfangreicher als sein Vorgänger erwies.

Auch in der Fortsetzung versetzt und die Geschichte wieder ins Trier des 3. Jahrhunderts nach Christus, zu dieser Zeit noch unter dem Namen Colonia Augusta Trevorum fester Bestandteil des römischen Reichs in Germanien und Sitz des lokalen Statthalters, in dessen Haushalt auch die junge Sklavin Invita ihren Dienst tut. Nach den Ereignissen des ersten Bandes arbeitet die für ihren Stand recht gut gebildete Unfreie in der Schreibstube des Statthalters und ist persönliche Dienerin der introvertiert wirkenden Marcella, der Tochter ihres Herren – pflegt aber trotzdem noch einen guten Kontakt zu ihren Standesgenossen. Dadurch lernt sie auch während der Geburtstagsfeier ihres Besitzers den Sklaven Hyacinthus kennen, den Begleiter des hohen römischen Beamten Beatius Quigo. Als dieser Beamte auf dem Heimweg von der Feier ermordet wird, fällt der Verdacht natürlich gleich auf Hyacinthus – aber damit noch nicht genug. Beatius Sohn entschließt sich dazu, alle Sklaven des Haushaltes, Männer, Frauen und Kinder, nach altem römischen Recht für diesen Mord an ihrem Herren büßen und am Kreuz sterben zu lassen. Auch wenn Invita nicht gerade große Sympathien für Hyacinthus hegt, so erscheint ihr der Tod so vieler Unschuldiger doch als Unangemessen. Und auch ihre Herrin Marcella, die insgeheim dem neuen Glauben des Christentums anhängt, unterstützt sie bei ihren Bestrebungen dieser Ungerechtigkeit entgegen zu treten und gestattet ihr einige Recherchen vorzunehmen. Und Invita findet auch schon bald erste Hinweise, dass hinter diesem Mord mehr steckt als nur die unbedachte Tat eines unzufriedenen Leibeigenen. Dass dabei auch eine Verstrickung des sich weiterhin geheimnisvoll gebenden Germanen Flavus, mit dem Invita auf Betreiben ihres Herren in einer Partnerschaft lebt, möglich erscheint bringt sie dabei in gewisse Bredouille – gerade weil sich beide trotz gewisser Anlaufschwierigkeiten langsam etwas näher kommen. Aber trotz der Stolpersteine, die ihr von vielen Seiten bei ihrer Untersuchung in den Weg gelegt werden, kommt sie bald einer Sache auf die Spur, die nicht nur sie selbst, sondern das komplette römische Trier und seine Bewohner in große Gefahr bringt. Welche Rolle dabei der durchtriebene Legat Spurius Cornix spielt erfasst sie dabei fast zu spät – und Invita muss sich beeilen um Hyacinthus und die Sklaven vor dem Tod am Kreuz zu bewahren und die Stadt zu retten.

Auch mit dem zweiten Band hat Maria W. Peter wieder einen gut recherchierten und spannend geschriebenen Geschichte aus dem römischen Trier abgeliefert. Dank umfangreicher Unterstützung aus dem akademischen Umfeld der Historienforschung für diese Zeit kann man als geschichtsinteressierter Laie wie ich es bin keine Fehler oder Ungereimtheiten entdecken – sowohl die sozialen als auch die politischen Gegebenheiten passen perfekt in die beschriebene Zeit und werden gelungen mit dem erzählten Kriminalfall verwoben. Dabei ist es ein wirklich gelungener Kunstgriff, nicht etwa einen freien Bürger oder eine Bürgerin Roms sondern eine Sklavin, Mitglied des niedrigsten gesellschaftlichen Standes, zur Heldin dieser Romanreihe zu erwählen. Durch die Ich-Form bietet sich außerdem ein interessanter psychologischer Einblick in die Denkweise einer solchen Unfreien, wobei die Autorin auch hier eine große Einfühlungsvermögen beweist. Hat mir sehr gut gefallen – Spannung bis zur fast letzten Seite – und macht auf jeden Fall Appetit auf mehr. Somit werde ich mir wohl auch bald den dritten Teil dieser Romanreihe – Der Schatz Salomos – zu Gemüte führen. Sobald ich durch bin, werde ich natürlich wie gewohnt hier darüber berichten.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen

PS: Das ist – wenn ich richtig gezählt habe – übrigens das 77te Buchreview dass ich hier veröffentliche. Anlässlich dieser Schnapszahl habe ich mich nun auch dazu durchgerungen die neue Seite Literatur zu schaffen, die eine kleine Übersicht über alle Beiträge zu diesem Thema bietet.

Silberschweine [Marcus Didius Falco 1] – Lindsey Davis

Dienstag, Juni 28th, 2011

Wer sich mit dem Thema der historischen Krimis beschäftigt wie ich kommt dabei natürlich nicht an Marcus Didius Falco der britischen Authorin Lindsey Davis vorbei. Nachdem ich die SPQR-Reihe von John Maddox Roberts ja inzwischen durch habe (obwohl ich noch die Hoffnung habe dass da eventuell noch einmal was kommt) wandte ich vor einiger Zeit dieser bald mit dem zwanzigsten Band erscheinenden Krimireihe zu. Wie üblich wollte ich aber die Reihe natürlich von ganz vorne lesen, was sich jedoch als etwas vertrackt herausstellte da der erste Band nicht mehr verfügbar war – aber zum Glück fand ich ihn als gebrauchtes Buch und erwarb es für ein paar Euro über den Amazon Marketplace.
Protagonist dieser Reihe ist wie schon zu vermuten war eben jener Marcus Didius Falco, zweiter Sohn einer Plebejer-Familie, der als Privatermittler und Schnüffler mehr schlecht als recht versucht im kaiserlichen Rom um das Jahr 70 nach Christus sein auskommen zu finden. In diesem berühmten Vierkaiserjahr sitzt nun als nach einem Bürgerkrieg der Kaiser Vespasian auf dem Thron, der aus Sicht des normalen Volkes endlich Stabilität zu versprechen scheint. Nachdem unser Protagonist Sosia Cammilina, die Tochter des einflußreichen Senators Deciumus Cammilina Verrus, vor einigen Verfolgern gerettet hat, stößt er gemeinsam mit ihr in einem Schließfach auf ein sogenanntes Silberschwein, einen mit Silber versetzten Bleibarren, der eigentlich Eigentum des Kaisers ist. Nach anfänglichem Zögern nimmt er schließlich, nachdem einige scheinbar Unschuldige den Tod gefunden haben, doch die Ermittlungen auf. Dabei verschlägt es ihn dabei bis in die nördlichste der römischen Provinzen, Britannien – dem Herkunftsort des Silberschweins – wo er sich als vermeintlicher Sklave sogar in eine Silbermine verkaufen lässt um die Ermittlungen voran zu bringen. Nachdem er als Begleitung der zickigen und leicht arrogant wirkenden Senatorentochter Helena nach Rom zurück gekehrt ist, kommt es schließlich zum großen Showdown, bei dem nicht nur er in Lebensgefahr gerät.
Dieses 1989 in Großbritannien und 1991 bei Knaur hier in Deutschland veröffentlichte Erstlingswerk dieser britischen Autorin, die sich laut ihrer Biografie nach 13 Jahren Beamtenleben dazu entschloss Romane zu schreiben, zeichnet sich in diesem Erstlingswerk nicht gerade durch hundertprozentige historische Genauigkeit aus. Was als erstes auffällt ist die teilweise etwas flapsige, neumodische anmutende Ausdrucksweise der sich ein paar der Protagonisten bedienen. Aber auch kleine Details in der Gesamtgeschichte wie z.B. einem Basketballspiel passen nicht ganz in die Periode um 70 nach Christus. Trotzdem gefiel mir die Geschichte und ihr Protagonist auf Anhieb – er bietet einen interessanten Einblick ins Leben eines „einfachen“ Römers. Der von seinem Auftreten her leicht schnodderig wirkende Falco, der in einer heruntergekommenen Mietskaserne lebt und in einem nicht perfekten, aber sehr typisch wirkenden Familienumfeld einer plebejischen Familie lebt, wird dem Leser meiner Meinung nach sehr Vertrauenswürdig vermittelt. Mit seinen Fehlern und dem Potential hier und dort in Fettnäpfchen zu treten aus denen er gerade so entkommen kann wirkt er sehr echt und irgendwie sympathisch. Und bei bis jetzt insgesamt 20 Romanen die Lindsay Davis bis heute über diesen römischen Schnüffler veröffentlicht hat, scheine ich da nicht der einzige zu sein der dieser Meinung ist. Mir hat dieses Buch trotz seiner kleinen Unzulänglichkeiten was seine historische Korrektheit angeht durchaus Lust auf mehr gemacht. Somit war Silberschweine mit Sicherheit nicht der letzte Roman den ich aus der Marcus Didius Falco Reihe gelesen habe.

Meine Wertung: 3 von 3 Sternen